Stadtwerke Pforzheim gewinnen volle Kontrolle über ihr Glasfasernetz

Aus Dark Fiber wird Managed Service

| Autor / Redakteur: Philipp Mikschl / Andreas Donner

Mehr Leistung aus einer Hand: Strom, Gas und Internet von den Stadtwerken in Pforzheim (SWP).
Mehr Leistung aus einer Hand: Strom, Gas und Internet von den Stadtwerken in Pforzheim (SWP). (Bild: Stadtwerke Pforzheim)

Dank einer eigenbetriebenen Netzinfrastruktur können die Stadtwerke Pforzheim (SWP) Gewerbekunden bedarfsgerechte Highspeed-Internet-Lösungen anbieten – bei gleichzeitig voller Hoheit über das Glasfasernetz. Voraussetzung war die Konsolidierung der Netzwerktechnik.

Seit Jahrzehnten besteht das traditionelle Kerngeschäft der SWP darin, Haushalte, öffentliche Einrichtungen und Firmen in Pforzheim und im Enzkreis mit Strom, Erdgas, Wasser und Fernwärme zu versorgen. Mit der Liberalisierung des Telekommunikationsmarktes stiegen die Stadtwerke in die Vermarktung der damals kupferbasierten Kabelnetze ein.

„Gleichzeitig haben wir erkannt, dass wir in den Glasfaserausbau investieren müssen und wussten, dass sich dieser zu einer tragenden Säule entwickeln wird. Indem wir alles in einem Aufwasch erledigten, nutzten wir die Synergien, die uns im Tiefbau entstehen, und verlegen die Leerrohre für die Glasfasern gleich mit“, erklärt Peter Günther, Prokurist und Hauptabteilungsleiter Netzbau/Netzbetrieb bei den SWP.

Silos und Dark Fiber folgen auf Technik-Wildwuchs

Das organische Wachstum der Kupfer- und Glasfaserkabelnetze sorgte über die Jahre für einen kaum noch zu überschauenden Wust an Technik. Jede Technik musste isoliert betrachtet, eingesetzt und instandgehalten werden. „Schließlich fehlte die Übersicht, Mitarbeiter mussten sich ständig neues Wissen von unterschiedlichen Herstellern aneignen und Arbeitsabläufe liefen ineffizient ab“, veranschaulicht Kristian Kronenwetter, Leiter Telekommunikationsnetz bei den SWP.

Bei der SWP hoffte man, mit einer einheitlichen Techniklösung nicht nur effizienter zu arbeiten, sondern auch den Geschäftskunden einen Vorteil zu verschaffen: flexible Dienste für Breitband-Internet per Glasfaser. Bisher vermarkteten die Stadtwerke ihr Netz als Dark Fiber – also als unbeschaltete Leitungen an andere Netzbetreiber. Das hatte unter anderem den Nachteil, dass kein direkter Kontakt zum Kunden bestand. Die SWP wollten ihren Service verbessern und entschlossen sich daher, die Netzwerktechnik mit Unterstützung von Axians Networks & Solutions auf Basis von Cisco Netzwerktechnologie zu konsolidieren. Nun stellen die SWP komplette Dienstpakete für Gewerbekunden bereit – ein Service-Zuwachs auf hohem Niveau.

Anspruchsvolles Projekt erfordert Breitband-Expertise

Das Team der technischen Partner war schnell aufgestellt. Die Lösung von Cisco Systems für das Glasfaser-Backbone-Netz wurde für gut befunden, während Keymile den Zuschlag für das Kupferkabelnetz bekam.

Die SWP fasste den Plan, die CPT-Plattform (Carrier Packet Transport) von Cisco für die Glasfaserleitungen aufzusetzen. Dazu wurde ein Systemintegrator benötigt. „Die Auswahl an Dienstleistern und Systemintegratoren, die auf LAN-Technologie spezialisiert sind, war groß“, erklärt Kristian Kronenwetter. „Unser Projekt benötigte aber nicht nur eine einwandfreie Technologie, sondern brachte auch einen besonders hohen Betreuungsaufwand mit sich – anders, als im Gebäudenetzwerk. Axians hat mit der Business Unit ‚Broadband Solutions‘ Spezialisten im Carrier-Umfeld und verfügt somit über die nötige Expertise.“

Funktional gliedert sich das Telekommunikationsnetz der SWP in Anschluss-, Transport- und Management-Netz. Die Spezialisten setzten die Konsolidierung der Technologien auf Basis einer Standortvernetzung auf Layer-2- und Layer-3-Platform (nach dem OSI-Referenzmodell) an. Die Art der Verbindung wird mit Funktionalitäten wie bei SDH oder MPLS-TP auf Ethernet Basis bereitgestellt. Netzelemente und die Netzteilnehmer sollen sich über das Management-System steuern und verwalten lassen. Vor allem die Anbindung an die Uplink-Carrier, also der Zugang zum High-Speed-Internet, stand im Mittelpunkt.

Einschlägige Erfahrung brachten die Netzwerkspezialisten durch das „Axians CityNetz“ mit. Dies bündelt das Know-how aus anderen Projekten bei Stadtwerken und Netzbetreibern. Der Vorteil für die SWP: Mit dem Komplettpaket können sie ihre Breitband-Angebote einfach und schnell auf- und ausbauen. Der Dienstleister bietet für ein lokales Carrier-Ethernet alles aus einer Hand an und passt sein Angebot an die jeweiligen Bedürfnisse der Stadtwerke an.

Im Portfolio der IT-Experten stecken sowohl die Konzeption und Projektplanung sowie die technische und bauliche Umsetzung als auch Vermarktung und Betrieb der Netze. Mit der neuen Infrastruktur lassen sich bedarfsgerecht alle modernen Netzlösungen umsetzen. Nicht nur schnelles Internet und öffentliches WLAN, auch weitere Dienste wie Smart Metering, die Steuerung von Straßenbeleuchtung, Home Automation oder Verkehrslenkungs- und Sicherheitssysteme sind dann möglich.

Steuerung aus einer Hand – Managed Service

Bereits nach 18 Monaten schlossen die Kooperationspartner Cisco und Axians den Netzaufbau, die Integration der Komponenten und den logischen Umbau des Netzes ab. Während das Netz von der Konzeption in den Live-Betrieb überführt wurde, mussten zeitgleich sämtliche Bestandskunden auf die neue Plattform migriert werden. „Das Netz technisch neu aufzubauen und in Betrieb zu nehmen verlangte uns ein enges Timing ab. Die Abstimmung und Koordination liefen aber reibungslos, sodass wir fristgerecht starten konnten“, erzählt Kristian Kronenwetter.

Die Netzwerkspezialisten fungierten außerdem als Mediator in Gesprächen mit anderen Parteien. Sie vermittelten zwischen den SWP und den Carriern, die auf das Netz wollten, und halfen, Lösungen zu entwickeln. Da das Service-Team der SWP keinen Rund-um-die-Uhr-Dienst für die aktiven Netzkomponenten abdecken kann, erfolgt dies als Managed Service durch den Dienstleister, der den aktiven Netzbetrieb sowie Status- und Fehlermeldungen von Hamburg aus steuert. Dort befindet sich der ständig erreichbare Service Desk, von wo aus Leitungen bei Bedarf entstört werden. Kommen neue Kunden in das Netz hinzu, kümmern sich die SWP-Techniker um die physikalische Anbindung. Der Dienstleister wiederum schaltet die Ports und übergibt sie an den Betrieb.

Höhere Datengeschwindigkeit spart Bares

Bisher nutzen rund 180 mittelständische Gewerbekunden das High-Speed-Netz der SWP. Zu den Kunden zählen auch Startups aus dem Pforzheimer Kreativzentrum, die von der Geschwindigkeit des neu ertüchtigten Netzes profitieren.

Die logische Anlage des Netzes bietet noch mehr: das Glasfasernetz ist für jegliche Art des Datentransfers angelegt und garantiert dabei kurze Paketlaufzeiten und schnellen Datenfluss. Firmenanwender können zwischen Internetzugängen wählen, die im Standard Geschwindigkeiten von 10 bis 1.000 Mbit/s liefern. Ebenso lassen sich Firmenstandorte in Pforzheim und darüber hinaus auf Layer-2-Basis vernetzen, wodurch sie höchstmögliche Flexibilität erhalten. Up- und Download sind unabhängig von der Bandbreite gleich hoch, da es sich um symmetrische Verbindungen handelt.

Fazit

Die SWP hat sich von Dark Fiber verabschiedet. Inzwischen generiert das Versorgungsunternehmen einen eigenen Service auf dem hochperformanten Glasfasernetz. Mit ihrer extrem kalierbaren Plattform sind sie bestens für einen weiteren Ausbau gerüstet und können theoretisch unendlich viele Gewerbekunden bedienen. „Endlich können wir unseren Gewerbekunden alles aus einer Hand anbieten. Anwender, die bei uns Strom und Gas beziehen, können auch unsere Internetprodukte nutzen“, betont Kristian Kronenwetter.

Über den Autor

Philipp Mikschl ist freier Fachjournalist aus München.

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