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Die Lücke zwischen IT und OT Warum getrenntes Monitoring der größte operative blinde Fleck ist

Ein Gastkommentar von Daniel Sukowski 3 min Lesedauer

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Die Anlagen in der Produktionshalle zeigen Störungen, doch im IT-Monitoring ist alles grün. Was nicht zusammenpasst, ist kein Zufall, sondern ein strukturelles Defizit: Das Monitoring endet an der Grenze zwischen IT und OT – und genau dort entstehen die kritischsten Probleme.

Wer IT und OT getrennt überwacht, übersieht genau die Schnittstellen, an denen die kritischsten Probleme entstehen.(Bild:  ©Maria-stock.adobe.com)
Wer IT und OT getrennt überwacht, übersieht genau die Schnittstellen, an denen die kritischsten Probleme entstehen.
(Bild: ©Maria-stock.adobe.com)

Lange Zeit war die Trennung zwischen IT und OT sinnvoll, als es noch zwei vollständig unterschiedliche Infrastrukturen waren. Doch durch Industrie 4.0, smarte Fertigung und die Verbreitung von IoT sind IT und OT untrennbar miteinander vernetzt. Die Konvergenz von IT und OT bietet große Vorteile, viele Unternehmen sind auf die Vernetzung der beiden Welten allerdings noch gar nicht richtig vorbereitet.

Dabei sind die Herausforderungen oft nicht nur technisch: IT-Teams sind auf Veränderung, Updates und Sicherheit ausgerichtet, während OT-Teams auf Stabilität und Verlässlichkeit setzen. Dies geschieht oft mit Systemen, die seit Jahrzehnten im Einsatz sind und die Prozesse steuern, bei denen ein Fehler Abstürze, Sicherheitsvorfälle, Produktionsstörungen und sogar Umweltschäden bedeuten kann. Diese gegensätzlichen Denkweisen führen oft dazu, dass Zusammenarbeit ausbleibt und kritische Zusammenhänge unsichtbar bleiben. Genau hier entstehen Risiken, von ineffizienten Prozessen bis hin zu Sicherheitslücken mit potenziell erheblichen Folgen. Hinzu kommen unterschiedliche Protokolle und Technologien, die eine gemeinsame Sicht zusätzlich erschweren.

Warum getrenntes Monitoring ein Risiko ist

Durch getrennte Monitoring-Infrastrukturen für IT und OT entstehen systematische Schwachstellen, die oft erst sichtbar werden, wenn es bereits zu spät ist. Nehmen Sie das anfangs geschilderte Beispiel: Das IT-Team kann nichts Auffälliges erkennen, weil das Monitoring-Tool für das IT-Netzwerk keine industriellen Protokolle abdeckt. Das OT-Team dagegen sieht Maschinenfehler und untersucht physische Probleme. Die Folge sind isolierte Fehlersuchen, verzögerte Reaktionen und eine fehlende ganzheitliche Transparenz. Gleichzeitig steigt das Sicherheitsrisiko: Angriffe beginnen häufig in der IT – etwa durch Phishing oder gestohlene Zugangsdaten – und bewegen sich zunehmend von der IT in die OT. Ohne einheitliches Monitoring bleiben sie aber lange unentdeckt und werden zum geschäftskritischen Risiko mit direkten Auswirkungen auf Betrieb, Sicherheit und Kosten.

Die Lösung liegt in einem integrierten Monitoring-Ansatz, der IT und OT gemeinsam betrachtet. Dafür braucht es Tools, die sowohl klassische IT-Protokolle wie SNMP, WMI oder HTTP als auch industrielle Protokolle unterstützt, etwa OPC UA, MQTT oder Modbus. Außerdem sollte die IT/OT-Konvergenz nicht als reines Technikprojekt angesehen werden. Ein Fehler wäre es, lediglich eine Plattform auszuwählen und einige Sensoren zu installieren. Stattdessen sollten auch die Arbeitsweise der Teams, die Entscheidungsfindung und das Risikomanagement verändert werden.

Best Practices für eine gelungene IT/OT-Konvergenz beim Monitoring

Eine erfolgreiche IT/OT-Konvergenz beginnt damit, kritische Abhängigkeiten zu identifizieren. Wo wirkt sich die IT-Infrastruktur direkt auf den OT-Betrieb aus? Wo verursachen OT-Probleme Schwierigkeiten, die von IT-Teams gelöst werden müssen? Erfassen Sie diese Zusammenhänge zunächst und richten Sie dann ein Monitoring ein, das diese Abhängigkeiten für alle sichtbar macht, die sie sehen müssen.

Auch rollenbasierte Dashboards nehmen dabei eine wichtige Rolle ein und sind relevanter, als vielen Unternehmen bewusst ist. OT-Techniker müssen nicht jeden Netzwerk-Switch sehen, und IT-Administratoren benötigen keine SPS-Leistungsdaten in Echtzeit. Aber beide Teams müssen die Schnittstellen sehen, an denen ihre Bereiche interagieren und an denen Probleme in einem Bereich Kettenreaktionen im anderen auslösen.

Der entscheidende Punkt: Sie müssen nicht alles auf einmal lösen. Beginnen Sie Schritt für Schritt mit einer Produktionslinie, einem kritischen System oder einem Bereich mit hoher Relevanz. Beweisen Sie anhand dieses Beispiels den Wert von ganzheitlicher Transparenz und messen Sie die Verbesserungen der Reaktionszeit bei Vorfällen. Zeigen Sie, was sich ändert, wenn IT- und OT-Teams das Gesamtbild sehen können, und erweitern Sie dann das System.

Ganzheitliches Monitoring für IT und OT

Unternehmen mit getrennter Infrastruktur für das Monitoring von IT- und OT-Umgebungen sind mit systematischen Risiken konfrontiert, von Sicherheitslücken über lange Reaktionszeiten bis zu verpassten Optimierungsmöglichkeiten.

Daniel Sukowski.(Bild:  Paessler)
Daniel Sukowski.
(Bild: Paessler)

Moderne Monitoring-Tools können beide Welten miteinander verbinden und unterstützen sowohl IT- als auch industrielle Protokolle. Eine erfolgreiche Konvergenz erfordert jedoch auch organisatorische Veränderungen.

Über den Autor

Daniel Sukowski ist Global Business Developer bei Paessler.

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