Definition

Was ist ein Mobilfunk-Netzbetreiber (Mobilfunk-Carrier)?

| Autor / Redakteur: Stefan Luber / Andreas Donner

Die wichtigsten IT-Fachbegriffe verständlich erklärt.
Die wichtigsten IT-Fachbegriffe verständlich erklärt. (Bild: © aga7ta - stock.adobe.com)

Ein Mobilfunk-Netzbetreiber, auch Mobilfunk-Carrier genannt, betreibt die Infrastruktur und Netzwerktechnik für ein eigenes Mobilfunknetz. Mit dem Netz können sich mobile Endgeräte verbinden und Daten- oder Sprachnachrichten austauschen. Auf Basis der Mobilfunknetzwerke bieten die Betreiber ihren Kunden verschiedene Mobilfunkdienste in Vertrags- oder Prepaid-Modellen an.

Der englische Begriff für Mobilfunk-Netzbetreiber, bzw. Mobilfunk-Carrier lautet Mobile Network Operator, abgekürzt MNO. Es handelt sich dabei um ein Unternehmen, das die für die Bereitstellung mobiler Dienste benötigten Hard- und Softwarekomponenten betreibt und managt. Zu diesen Komponenten zählen Basisstationen, Antennen, Funkstrecken, Kabelverbindungen, Vermittlungsstationen, das Kernnetz, zentrale Rechenzentren und Netzwerkmonitoring- und -managementsysteme.

In Deutschland existieren aktuell drei Netzbetreiber öffentlicher Mobilfunknetze. Diese sind die Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica Deutschland. Sie besitzen Sendelizenzen und die in Versteigerungen der Regulierungsbehörden erworbene Rechte zur Nutzung bestimmter Funkfrequenzen. Im Rahmen der 5G-Einführung hat sich ein weiterer Netzbetreiber hinzugesellt. Mit United Internet (1&1 Drillisch)steigt die Zahl der Mobilfunk-Netzbetreiber in Deutschland auf fünf Anbieter.

Die Netzbetreiber sind in der Regel gleichzeitig Mobilfunkanbieter und stellen die auf Basis ihres Mobilfunknetzes realisierten Leistungen ihren privaten oder geschäftlichen Endkunden zur Verfügung. Die Buchung und Abrechnung der Services erfolgt in Vertrags- oder Abonnementmodellen.

Mobilfunk-Provider

Parallel verkaufen Netzbetreiber die Mobilfunknetzleistung anderen Unternehmen, die als Wiederverkäufer auftreten und mobile Services unter ihren eigenen Produkt- und Markennamen vermarkten. Sie werden Mobilfunk-Provider genannt.

Die Mobilfunknetze der Netzbetreiber verwenden Techniken wie GSM, UMTS (3G), LTE (4G) oder zukünftig 5G. Die Netzabdeckung der verschiedenen Netze kann sich von Region zu Region unterscheiden. Einige erzielen in Städten höhere Abdeckungen andere in bestimmten ländlichen Bereichen. Allerdings existieren Vorgaben der Regulierungsbehörden über die zu erfüllenden Bevölkerungs- und Gebietsabdeckungen.

Abgrenzung der Begriffe Mobilfunk-Netzbetreiber, Mobilfunkanbieter und virtueller Netzbetreiber

Begriffe wie Mobilfunk-Netzbetreiber, Mobilfunkanbieter, Mobilfunkprovider und virtueller Netzbetreiber werden oft in ähnlichen Zusammenhängen genannt. Es handelt sich jedoch um deutlich voneinander abgrenzbare Begriffe.

Ein Mobilfunk-Netzbetreiber besitzt und betreibt eine eigenes Mobilfunknetz. Bietet er seine Leistungen Privatkunden oder Geschäftskunden an, ist er gleichzeitig Mobilfunkanbieter. Die englische Bezeichnung für Mobilfunkanbieter lautet Mobilfunk-Provider.

Es existieren aber auch Mobilfunkanbieter ohne eigenes Netz. In diesem Fall spricht man von virtuellen Netzbetreibern oder Mobile Virtual Network Operator (MVNO). MVNO mieten Netzleistungen und -kapazitäten bei den Mobilfunk-Netzbetreibern an und treten am Markt als Wiederverkäufer unter eigenen Marken und mit eigenen Tarifen auf.

Netzbetreiber haben oft selbst eigene Discountmarken, unter denen sie ihre selbst produzierten Leistungen den Endkunden anbieten. In diesem Fall ist es nicht auf den ersten Blick ersichtlich, dass es sich beim Mobilfunkanbieter gleichzeitig um den Netzbetreiber handelt, da er unter einem anderen Markennamen auftritt.

Die aktuelle Situation in Deutschland (Stand Mai 2019)

In Deutschland ist der Mobilfunkmarkt von der Bundesnetzagentur reguliert. Sie vergibt Lizenzen und Funkfrequenzen und überwacht die Einhaltung der staatlichen Vorgaben an die Mobilfunknetze. Aktuell gibt es in Deutschland drei Mobilfunknetzbetreiber. Diese sind:

  • Deutsche Telekom
  • Vodafone
  • Telefónica Deutschland

Aufgrund der Übernahmen von E-Plus durch Telefónica Deutschland mit ihrer Marke O2 ist der ursprünglich vierte Mobilfunknetzbetreiber in Deutschland E-Plus vom Markt verschwunden. Die Netze von O2 und E-Plus sind in großen Teilen miteinander verschmolzen. Im Zuge der Frequenzversteigerung für die kommenden 5G-Netze ist die Zahl der Netzbetreiber in Deutschland um einen weiteren Anbieter gestiegen. Mit 5G wird auch der bisherige Provider United Internet (1&1 Drillisch) zum echten Mobilfunk-Netzbetreiber.

Neben den drei Netzbetreibern gibt es in Deutschland sehr viele Mobilfunkanbieter und Mobilfunkdiscounter. Teilweise sind die Anbieter Marken der Netzbetreiber, teilweise virtuelle Mobilfunknetzbetreiber. Beispiele sind (Marken der Netzbetreiber sind an der Angabe in den Klammern zu erkennen):

  • 1&1 Telecommunication
  • Aldi Talk
  • Blau (Telefónica)
  • Congstar (Telekom)
  • Fonic (Telefónica)
  • klarmobil
  • maXXim
  • Otelo (Vodafone)
  • SimDiscount.de
  • simply
  • smartmobil.de
  • Tchibo Mobil
  • winSim
  • Yourfone

Erwartete Netzbetreiber deutscher 5G-Mobilfunknetze

An der Versteigerung der für die Mobilfunknetze der fünften Generation benötigten Funkfrequenzen beteiligen sich 2019 in Deutschland die drei bisherigen Netzbetreiber Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica Deutschland. Darüber hinaus versucht auch United Internet (1&1 Drillisch), das bisher als Wiederverkäufer (Provider) von Mobilfunkleistungen anderer Netzbetreiber aufgetreten ist, Funkfrequenzen zu ersteigern. Daher wird erwartet, dass United Internet ein eigenes Mobilfunknetz in Deutschland aufbaut und es zukünftig vier unabhängige Netzbetreiber von 5G-Mobilfunknetzen geben wird.

Netzbetreiber Industrieller und privater 5G-Netze und 5G-Campusnetze

Die 5G-Mobilfunktechnik sieht vor, private 5G-Campusnetze betreiben zu können. Seitens verschiedener deutscher Industrieunternehmen besteht großes Interesse daran, selbst Netzbetreiber zu werden und ein jeweils eigenes industrielles 5G-Netz aufzubauen und zu betreiben. Aktuell sind dies Unternehmen wie:

  • BASF
  • BMW
  • Bosch
  • Daimler
  • Deutsche Messe
  • Fraport

und einige mehr.

Ein privates 5G-Netz ermöglicht es den Unternehmen, unabhängig von derzeitigen Netzbetreibern eigene lokale Netze zu betreiben, mit denen sich beispielsweise die Kommunikation der vernetzten Prozesse der Industrie 4.0 abwickeln lässt. Diese 5G-Campusnetze lassen sich auf die jeweils spezifischen Anforderungen optimieren. Gleichzeitig behalten die Unternehmen die volle Datenhoheit über alle mobil übertragenen Informationen.

Die Bundesnetzagentur sieht für die Campusnetze besondere Frequenzblöcke vor, die nicht per Versteigerung an die öffentlichen Netzbetreiber vergeben werden. Die Frequenzen liegen im Bereich zwischen 3,7 und 3,8 Gigahertz. Auch höhere Frequenzen und Millimeterwellen beispielsweise bei 26 Gigahertz eignen sich für die lokale Nutzung in Campusnetzen.

Die Rahmenbedingungen der Bundesnetzagentur sehen vor, dass die Frequenzen auf Antrag den interessierten Unternehmen zugeteilt werden. Allerdings sind lokale Glasfasernetzbetreiber von dieser Vergabe ausgeschlossen, da keine lokalen öffentlichen Mobilfunkangebote und lokale Konkurrenz zu den überregionalen Netzanbietern entstehen sollen. Die privaten 5G-Campusnetze sind ausschließlich für industrielle Anwendungen oder für die Land- und Forstwirtschaft vorgesehen.

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