Viele Fritzbox-Fans träumen von der kommenden 5690 Pro: Sie verspricht Wi-Fi-4-5-6-7, sogar mit Wi-Fi-6E. Dazu zwei fest verbaute Modems für DSL und Glasfaser. Auf dem Mobile World Congress im Februar wurde sie vorgeführt. Ab Sommer 2024 soll sie in den Handel kommen. Wir analysieren schon mal ihre Features.
Auf dem MWC 2024 Kongress hat AVM zwei wichtige Wi-Fi-7-Router vorgeführt: Die stehende Fritzbox 5690 Pro mit zwei internen Modems für DSL und Glasfaser. Sowie die liegende 6670 Cable mit einem DOCSIS-3.1-Modem für Internet-over-Koaxial-TV-Kabel.
Bei vielen Fritzbox-Usern hängt noch ein älteres DSL-Flaggschiff namens 7390, 7490 oder 7590 am Kupferkabel. Doch bei vielen DSL-Fritz-Fans rückt auch die Glasfaser immer näher. Und, wenn die Glasfaser dann in greifbare Nähe rückt, stellen sich diese Fragen:
Lässt man die gute, alte DSL-Fritzbox 7390, 7490, 7590 per LAN-Kabel hinter dem neuen Glasfaser-ONT-Modem des Providers noch ein paar Jährchen weiterleben? Kein Problem! Solche ONT-zu-WAN-LAN-Port-Lösungen haben wir schon im Beitrag Provider-ONT versus Fiber-Fritzbox erklärt. Die alten DSL-Boxen können sogar noch ISDN. Viele Firmen, und einige Privathaushalte, haben halt noch sehr gute ISDN-Geräte im Einsatz, die sie nicht ohne Not vorschnell verschrotten wollen.
Holt man sich lieber die neue Flaggschiff-DSL-Fritzbox 7590 AX mit Wi-Fi-6, um diese dann per LAN-Kabel hinter den Fiber-ONT eines Glas-Internet-Providers zu hängen? Allerdings wurde der ISDN-Port in der jüngsten 7590-ax-Version-2 schon rausgespart.
Steigt man gleich auf die aktuell stärkste (lieferbare) Glasfaser-FritzBox 5590 Fiber mit Wi-Fi-6 um? Die läuft auch direkt an der Glasfaser. Nur ISDN war in der 5590 halt noch gar nie drin.
Falls ISDN nicht mehr benötigt wird, könnte aber auch die angekündigte Fritzbox 5690 Pro mit Wi-Fi-7 gut in das Beuteschema vieler Fritz-Fans passen. Wenn dann früher oder später Glasfaser-Internet ins Haus kommt, zieht man das DSL-Kupfer-Kabel an der 5690 Pro einfach hinten raus, und steckt die Glasfaser rein.
Die vielen mühsam eingerichteten Endgeräte für WLAN, DECT und Smart Home merken den Umzug von DSL auf Glas dann gar nicht. Sie funktionieren einfach weiter, nur eben schneller und stabiler, mit besseren Pingzeiten, sofern die 5690 Pro halt einen schnellen Fiber-Anschluss bekommt.
Fritzbox 5690 Pro versus 5690 XGS
Das war jetzt aber nur die Kurzfassung. Genauer gesagt hat AVM schon auf dem Mobile World Congress 2023 (!) zwei neue 5690er Fritzboxen mit Glasfaser-Modem und Wi-Fi-7 vorgestellt: Die Pro und die XGS.
Die 5690 Pro bedient Glasfaser per AON bis 1 GBit/s und per GPON bis 2,5 GBit/s – und hat einen UVP von 339 Euro. Dieser Preis klingt human, wenn man bedenkt, dass der Wi-Fi-6E-Router Asus ROG Rapture GT-AXE11000 Anfang 2022 für 600 Euro auf den Markt kam, 2023 noch über 400,- und per 03-2024 immer noch mehr als 320,- Euro gekostet hat. Im Gegensatz zur Fritzbox 5690 Pro hat der Asus-6E-Funker aber kein Modem, kein DECT und auch kein Wi-Fi-7 drin. Dafür ist der Asus-6E-Router aber schon seit Anfang 2022 echt lieferbar. Die 6E-Welle hat AVM komplett übersprungen.
Die 5690 XGS versteht Glaskabel sogar bis 10 GBit/s via XGS-PON. Beide Super-Fritz-Boxen sollten ursprünglich auch schon im Laufe des Jahres 2023 lieferbar werden. Derweil ist die 5690 Pro jedoch auf Sommer 2024 vertagt, und für die 5690 XGS wird aktuell gar kein Marktstartdatum und auch kein UVP kommuniziert. Im Prinzip sind die zwei neuen 5690er-Boxen eine Steigerung der Fritzbox 5590 Fiber, die schon im Mai 2022 auf den Markt kam.
DSL-Kupfer-Leitungs-Modem
Quetschen wir alle TechSpecs aller drei High-End-Fiber-Boxen auf eine einzige Seite, dann fällt auf: Nur die 5690 Pro hat neben Glasfaser auch noch ein Kupfer-orientiertes Modem für VDSL Supervectoring bis Profil 35b, also 300 MBit/s im DL und 50 MBit/s im UL. In der Praxis also für DSL-250-Anschlüsse geeignet.
DSL-Kupfer-Turbo G.fast
Man fragt sich jedoch, warum das DSL-Modem der 5690 Pro nicht auch gleich G.fast bis 1.000 oder 2.000 MBit/s via Kupferkabel bedient? Denn zumindest in der Schweiz findet man oft G.fast über Telefonlitzen hinter dem Glasfaser-Abschluss im Keller. Aber auch in Deutschland, etwa in München: Da nutzt vor allem M-net oft G.fast-Boxen von ADTRAN, um die Glasfaser-Geschwindigkeit hinter dem Fiber-Abschluss im Keller über uralte Kupferlitzen bis in die oberen Etagen von Altbauten zu transportieren.
Bis 2023 hat M-net oft pauschal für sein Glasfaser-Internet geworben. Seit 2024 fällt auf, dass M-net nicht nur pauschal für Glasfaser wirbt, sondern auch für Glasfaser-schnelles Internet. Die zweite Formulierung dürfte auch alle Mischformen wie DSL und G.fast auf der letzten Meile hinter dem Fiber-Abschluss vom Keller bis zur Wohnung etwas präziser adressieren.
G.fast-Fritzbox 7682 mit Wi-Fi-7
Allerdings hat AVM auf dem MWC 2024 auch eine neue Fritzbox namens 7682 gezeigt, die DSL 35b bis 300 MBit/s und G.fast bis 1 GBit/s beherrscht, und zumindest im 5 GHz-Band sogar echtes 4x4-Wi-Fi-7 bis 5.760 MBit/s Brutto verspricht. Sie bringt quasi nur den Glasfaser-Speed vom Keller bis in die oberen Etagen, ohne wirklich echte Glasfasern bis in die oberen Etagen verlegen zu müssen. Zur Fritzbox 7682 sind aber ebenfalls noch kein Marktstart und kein UVP bekannt.
Fiber-Modems der Fritzboxen 5530, 5590, 5690 Pro, 5690 XGS
Die aktuellen Fiber-Fritzboxen 5530 und 5590 können SFP-Module für AON bis 1 und GPON bis 2,5 und XGS-PON bis 10 GBit/s aufnehmen. AVM erklärt die Unterschiede so: „Bei AON (Aktive Optical Network) erhält jeder Nutzer seine „eigene Leitung“ (Punkt zu Punkt) zum Netzbetreiber, wobei bei GPON (Gigabit Passive Optical Network) mehrere Nutzer sich eine Leitung (Punkt zu Mehrpunkt) zum Netzbetreiber teilen.“ Zitat Ende.
Stand: 08.12.2025
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In der kommenden 5690 Pro sollen 10-GBit/s-SFP-Module (laut unbestätigten Social Media Kommentaren) software-seitig gesperrt sein. Was ist der Grund? Will AVM der Fiber-Schwester 5690 XGS damit einen exklusiven USP alias Unique Selling Point für 10 GBit/s Glasfaser-Anschlüsse verleihen? Man weiß es nicht.
Die 5690 Pro versteht Glasfaser-Internet jedenfalls nur per GPON bis 2,5 Gigabit und per AON bis 1 Gigabit pro Sekunde. Also kein 10 GBit/s. Laut AVM-Pressefoto wird die aufrechtstehende 5690 Pro zu diesem Zwecke hinten einen SFP-Steckplatz bekommen. Also genau wie die bisherige 5590 Fiber, die noch in einem liegenden Gehäuse daherkommt.
Kauft man die aktuelle 5590 Fiber im freien Handel, dann liegen zwei SFP-Module in der Schachtel: Eines für AON bis 1 GBit/s, und eines für GPON bis 2,5 Gigabit pro Sekunde. Neben den zwei SFP-Modulen gehört auch ein weißes Glasfaserkabel zum Lieferumfang der Fiber-Fritzboxen 5530 und 5590. So ähnlich könnte das auch bei der 5690 Pro wieder laufen.
Mietet man die aktuelle 5590 Fiber dagegen vom Provider, dann liegt im Zweifel nur dasjenige Modul in der Schachtel, das vom konkreten Glasfaser-Anschluss tatsächlich unterstützt wird. Also entweder ein SFP-Modul für AON, oder eines für GPON. Oder eines für XGS-PON. Dieser sparsame Umgang mit den Modulen ist sinnvoll, weil vor allem das schnelle XGS-PON-Modul oft über 100 Euro kostet. Etwa bei REFBox.de 115,- Euro plus 19% MwSt. plus Versand. Es wäre denkbar, dass es bei der kommenden 5690 Pro ähnlich laufen wird, nur eben ohne das 10 Gigabit XGS-PON-Modul.
Die aktuelle 5590 Fiber konnten wir schon vor einiger Zeit mit einem GPON-SFP-Modul an einem 2,5-Gigabit-Glasfaser-Anschluss von M-net ausprobieren. Der dabei benutzte Apple Mac Mini hatte einen 10-Gigabit-LAN-Port. Denn über eine normale 1-Gigabit-LAN-Buchse wäre dieser schöne Speed ja gar nicht voll im Rechner angekommen.
Es kamen damals schon 2.300 MBit/s via Glasfaser über die Fritzbox 5590 Fiber in den Apple Mac Mini herunter. Im Upload konnten wir Spitzen bis über 800 MBit/s messen. Es würde uns nicht wundern, wenn man mit der kommenden 5690 Pro einen ähnlichen Messwert knapp unter 2.500 Megabit bekommen würde. Die 5690 XGS verspricht dagegen Internet bis 10 Gigabit über XGS-PON. So ein XGS-PON-Modul für 10 Gigabit gibt es auch schon für die aktuelle 5590 Fiber. Nur leider haben wir in Deutschland noch keinen Provider, der flächendeckend 10 Gigabit Glasfaser-Internet für private Kunden anbietet. In der Schweiz dagegen kann man 10 Gigabit Glasfaser Anschlüsse für unter 100 Franken pro Monat bekommen, etwa von der Swisscom. In Deutschland sind die meisten Glasfaser-Kunden schon froh, wenn sie 1 GBit/s per Glas direkt bis ins Wohnzimmer bekommen. Von 2,5 GBit/s Glas-Internet können die meisten Privatkunden in Deutschland vorerst nur träumen. Und 10 Gigabit Glasfaser gibt es hierzulande vorerst nur in regional begrenzten Inseln für private Kunden, aber halt nicht bundesweit. Insofern dürfte die 5690 Pro mit maximal 2,5 Gigabit Glasfaser-Internet für die allermeisten Normal-User erst mal völlig reichen.
Fritzbox 5690 XGS erst stehend, jetzt liegend
Zum MWC 2024 war das Pressefoto der 5690 XGS ausgetauscht: Diese 10G-Fiber-Fritzbox kommt jetzt offenbar nicht mehr im stehenden, sondern im liegenden Gehäuse. Es ist auch nicht mehr klar, ob diese neue Version die Glasfaser überhaupt noch via SFP-Modul aufnimmt, oder über eine fest verbaute LC/APC-Buchse. Vielleicht will AVM mit einigen Änderungen den Preis der 5690 XGS für das Provider-Geschäft herunterbekommen? Oder die technischen Wünsche der Provider in verschiedenen Ländern Europas besser berücksichtigen?
Auch beim WLAN wurde abgespeckt: Die Fritzbox 5690 XGS wurde zum MWC-2023-Start bei 2,4 GHz noch mit 4x4-Wi-Fi-7 bis zu 1.440 MBit/s Brutto angekündigt. Beim MWC 2024 war sie dann aber auf 4x4-Wi-Fi-6 mit 1.200 MBit/s geschrumpft. Die Gründe sind uns nicht bekannt. Vielleicht auch dies der Kosten wegen?
Bei 5 GHz hat sich von 2023 auf 2024 nichts verändert: Es blieb bei 4x4-Wi-Fi-7 bis 5.760 MBit/s Brutto. Bei 6 GHz funkt die 5690 XGS offenbar gar nicht. Somit ist sie auch nicht voll kompatibel mit den schon im Markt befindlichen 6E-Endgeräten. Die WLAN-Summe der 5690 XGS hat sich somit von 7.200 beim MWC-2023-Start auf 6.960 MBit/s anno 2024 reduziert. Ob der normale User diese Ziffern-mäßig minimale Reduktion von Wi-Fi-7-1440-MBit/s auf Wi-Fi-6-1200-MBit/s wirklich spürt, sei mal dahingestellt.
Doch das wohl wichtigste Feature von WiFi-7 überhaupt, die hoch gelobte MLO alias Multi-Link-Operation, also die Aggregation mehrerer WLAN-Bänder zum Zwecke von mehr Speed und mehr Stabilität, dürfte bei der 5690 XGS wohl schwerlich funktionieren. Denn dazu müssten mindestens zwei Bänder Wi-Fi-7 beherrschen. Finale Klarheit zu MLO werden wir aber erst bekommen, nachdem wir sie getestet haben – nachdem sie verfügbar geworden ist…
Fazit zum WLAN der 5690 XGS: Aus heutiger Sicht verspricht sie ein amputiertes Wi-Fi-7 mit einer Summenleistung von nur 6.960 MBit/s, weil sie das 6 GHz Band gar nicht bedient, und das 2,4 GHz-Band schon bei Wi-Fi-6 deckelt. Man kann es aber auch Marketing-mäßig positiver ausdrücken: Sie kann Wi-Fi-7 und Wi-Fi-6.
WLAN der 5690 Pro
Die aktuelle Fritzbox 5590 Fiber funkt Wi-Fi-6 mit einer Summenleistung von 3.600 MBit/s brutto. Dagegen machte die künftige 5690 Pro schon beim MWC-2023-Start einen gewaltigen Sprung auf echtes Tri-Band-Wi-Fi-7 mit einer Summenleistung von 18.730 MBit/s brutto. Also das 5-fache der aktuellen 5590 Fiber. Doch auch hier wurde leicht amputiert: Von 18.730 MBit/s anno 2023 auf nunmehr 18.490 MBit/s anno 2024. Der Grund: Auch bei der 5690 Pro wurde (genau wie bei der 5690 XGS) im 2,4 GHz Band von 4x4-Wi-Fi-7-1440-MBit/s anno 2023 auf 4x4-Wi-Fi-6-1200 MBit/s anno 2024 zurückgerudert. Im 5 GHz Band dagegen funkt die 5690 Pro (genau wie die 5690 XGS) wohl echtes 4x4-Wi-Fi-7 bis 5760-MBit/s Brutto.
Das große Highlight bringt die 5690 Pro aber im wunderbar leeren 6-GHz-Band: Dort verspricht sie 4x4-Wi-Fi-7 bis 11.530 MBit/s Brutto, aus vier Antennen, mit Kanalbandbreiten bis zu 320 MHz. Macht in Summe, über alle drei Bänder, also 1.200 + 5.760 + 11.530 = 18.490 MBit/s. Und wie man das von Wi-Fi-7 erwartet: Rückwärts-kompatibel zu Wi-Fi-6 und sogar zu Wi-Fi-6E.
Das heißt: Wer schon heute Wi-Fi-6E-fähige End-Geräte wie Google Pixel Smartphone 6 oder 7 oder 8, oder moderne MacBook Pro 14 oder 16 Zoll aus 2023 oder 2024, oder einen Apple Mac Mini, Mac Studio oder Mac Pro mit Wi-Fi-6E im Hause hat, kann diese modernen WLAN-Geräte an der Fritzbox 5690 Pro auch im wunderbar störungsarmen 6 GHz-Band betreiben.
Die Fritzbox 5690 Pro macht unterm Strich also einen ziemlich runden und stimmigen Eindruck. Vermutlich wird sie im deutschen Endkunden-Markt viel besser laufen als die 5690 XGS. Das Wi-Fi-7 der 5690 XGS dagegen ist eine echte Überraschung: Es funkt gar nicht im 6-GHz Band, kann somit also auch keine 6E-Endgeräte in diesem wunderbar leeren Band versorgen.
Messlatten für Wi-Fi-7
Warum AVM das um Wi-Fi 6E amputierte Wi-Fi-7 überhaupt als Wi-Fi-7 bezeichnet, ist uns momentan noch schleierhaft. Denn bis 2023 waren ja fast alle WLAN-Experten der Meinung, dass Wi-Fi-7 zwingend alle drei Bänder bei 2,4 und 5 und 6 GHz bedienen müsste. Es sollte ja rückwärts-kompatibel zu Wi-Fi-6E und zum normalen Wi-Fi-6 bleiben. Denn Wi-Fi-6E dagegen funkt nur bei 6 GHz. Und das normale Wi-Fi-6 funkt bekanntlich bei 2,4 und bei 5 GHz. Wi-Fi-7 sollte nun endlich alle drei Bänder unter einen Hut bringen. Auch die Website von AVM erweckt seit kurzem den optischen Eindruck, dass Wi-Fi-7 alle drei WLAN-Frequenz-Bänder bei 2,4 und 5 und 6 GHz umfasst.
Wi-Fi-7-Top-Features: 6 GHz und MLO
Was Wi-Fi-7 alles bringt, hat unter anderem auch der deutsche WLAN-Produzent Lancom Systems schon 2022 sehr überzeugend dargestellt. Da machte Lancom Systems die kaum bestrittene Ansage, dass just der 6 GHz Support ein Top Feature von Wi-Fi-7 ist. Ebenfalls sehr spannend sei die Wi-Fi-7-Funktion Multilink Operation, kurz MLO. Damit könnten Wi-Fi-7-Geräte die Funkstrecken bei 5 und bei 6 GHz zu einer einzigen Verbindung zusammenschalten.
Mit einer weiteren Grafik hat Lancom schon im Herbst 2022 den realistischen Maximalausbau der kommenden Wi-Fi-7-Basisstationen beschrieben: Nämlich 4 Spacial Streams aus vier Antennen, Kanalbandbreiten bis zu 320 MHz und eine sehr starke Modulation bis zu 4K QAM.
Das alles verspricht nun auch die frisch gebackene Fritzbox 5690 Pro, fast zumindest. Die 6-GHz-amputierte 5690 XGS dagegen ist von dieser WLAN-Leistung weit entfernt. Warum AVM der 5690 XGS überhaupt Wi-Fi-7 attestiert, ist uns unklar. Vermutlich muss man sich aber daran gewöhnen, dass das neue Wi-Fi-7-Logo schon wertlos ist, bevor die WLAN-Branche ihr neues Wi-Fi-7 überhaupt so recht ins Rollen bringt.
Das amputierte Wi-Fi-7 der 5690 XGS erinnert ein bisschen an die kleine Fritzbox 7510, die nur bei 2,4 GHz funkt, ganz ohne 5 GHz, sich aber trotzdem Wi-Fi-6-Router nennt. Da scheint es irgendwelche abgespeckten Zwischennormen zu geben, die bis zum Erscheinen der 7510 gar nicht in der Breite bekannt waren. Trotzdem gibt es natürlich viele zufriedene Nutzer der kleinen 7510, weil sie halt wenig kostet, und für einige Zwecke auch völlig ausreicht. Sie kostet keine 100 Euro.
Zu guter Letzt: Der internationale Standard IEEE 802.11be, der Wi-Fi-7 zu Grunde liegt, wird vermutlich erst gegen Ende 2024 final verabschiedet. Da einige Hersteller aber schon seit Anfang 2024 Wi-Fi-7-Router verkaufen, wird es vermutlich ab Ende 2024 größere Firmware-Updates geben. Damit können die Wi-Fi-7-Boxen dann (hoffentlich) auf den finalen Standard IEEE 802.11be nachgepflegt werden.
So ein Standard ist wichtig, damit sich alle Wi-Fi-7-Funker aller Wi-Fi-7-Hersteller optimal gegenseitig verstehen und vertragen. Die strikte Einhaltung dieser IEEE-Standards hat den weltweiten Siegeszug von WLAN ja erst möglich gemacht. Hoffentlich bleibt das noch lange so.
DECT und Smart Home
Hinsichtlich der DECT-Telefonie sind alle drei Fiber-Fritz-Top-Modelle gleich stark: Sie unterstützen bis zu sechs DECT-Handtelefone. Aber auch SmartHome-Geräte wie Schaltsteckdosen, Lampen und Heizkörper-Thermostate können bei allen drei Wi-Fi-7-Boxen über DECT ULE gesteuert und geschaltet werden. Einige neue Boxen sollen zusätzlich auch den Zigbee-Funk unter der Haube haben. Damit kann man zum Beispiel die beliebten Philips HUE Lampen und viele weitere SmartHome-Geräte direkt steuern. Das ist eine gute Nachricht, denn das AVM-eigene Angebot an SmartHome-Geräten mit DECT ULE ist ja immer noch stark begrenzt. Die Hersteller-übergreifende SmartHome-Lösung Matter ist laut AVM ebenfalls in Vorbereitung.
Für die bisherigen Fritzboxen, die noch ohne Zigbee gebaut wurden, ist schon 2023 ein so genanntes AVM FRITZ!Smart Gateway gekommen. Dieser Adapter lässt sich über WLAN an viele vorhandene Fritzboxen koppeln. So wird aus einer alten WLAN-Fritzbox nachträglich noch eine Zigbee-Fritzbox. Und wenn schon, denn schon: DECT ist im neuen Smarthome-Gateway-Adapter auch gleich drin. Es reicht sogar eine sehr schmalbandige WLAN-Strecke zwischen Gateway und Fritzbox. Denn bei einer Lampen- oder Heizungs-Steuerung müssen ja keine dicken Datenpakete übertragen werden. Das Smart-Home-Gateway ist aber kein WLAN-Repeater, obwohl das neue Teil rein optisch sehr an den FRITZ!Repeater 2400 erinnert.
LAN-Buchsen
Bei den LAN-Buchsen sind die 5590 Fiber und die 5690 Pro gleich stark ausgestattet, nämlich 4x 1.000 und 1x 2.500 MBit/s. 2,5 Gigabit LAN reichen, um 2,5 Gigabit Glasfaser-Speed ungebremst aus der Fritzbox 5690 Pro herauszubekommen. Muss der Glasfaser-Kunde sein Internet dagegen aus einem LAN-Port am ONT herausholen, dann kann er es über die blaue WAN-Buchse in die Fritzbox 5690 Pro hineinführen. Diese blaue Buchse kann je nach Bedarf als LAN- oder als WAN-Port dienen.
Schaut man sich nun die gewaltige WLAN-Leistung von über 18.000 Megabit an, dann stellt sich die Frage, warum die 5690 Pro keinen 10 Gigabit-LAN-Port bekommen hat, oder zwei, oder drei. 18.000 MBit/s brutto sind – grob über den Daumen gepeilt – ja 9.000 MBit/s netto, und dafür hätte ein 10-Gigabit-LAN-Port perfekt gepasst. Die 5690 XGS dagegen soll tatsächlich eine 10 Gigabit-LAN-Buchse bekommen. Die Überlegung der Fritzbox-Architekten war hier vermutlich, dass man das 10 Gigabit XGS-PON-Internet verlustfrei über die 10-Gigabit-LAN-Buchse aus der Fritzbox herausbekommt. Zudem wurde die 5690 XGS per MWC 2024 mit 4x 2,5 GbE-Ports kommuniziert. Das ist wunderbar. Das wünschen sich viele User. Per MWC 2023 wurden ja nur 4x 1-GbE-Buchsen angekündigt. Sorry für diesen Ankündigungs-Wirrwarr. Über das verbaute WLAN dagegen, von nur 7.200 MBit/s brutto, also grob gesagt 3.600 MBit/s netto, kann man das 10 Gigabit-Glasfaser-Internet der 5690 XGS nicht verlustfrei an die Endgeräte weiterfunken. Zu diesem Zwecke müsste man wohl einen anderen, starken Wi-Fi-7-Access-Point hinter die 10-Gigabit-LAN-Buchse der 5690 XGS hängen.
Am Ende stellt sich die Frage: Warum haben die zwei 5690er Fiber-Modelle von AVM eigentlich keinen Glasfaser-Ausgang? Zumindest Huawei hat schon mehrere Fiber-WLAN-Router mit Glasfaser-Eingang und (!) Glasfaser-Ausgang im Portfolio: Der Sinn ist schnell erklärt. Der Fiber-Ausgang speist das Internet in ein hausinternes GPON-System ein. Dazu werden hoch biegsame, durchsichtige und überstreichbare Glasfaser-Kabel mit einer vorne 170-Grad-heißen Pistole von Keller bis zum Dach quer über die Wände hinweg verklebt. Man sieht sie nämlich kaum. Auf jeder Wohnungs-Etage wird dann ein WLAN-AP aufgestellt, der das Internet per Glasfaser aufnimmt, und es per WLAN und über seine zwei LAN-Ports weiter verteilt. So wird Glas-Internet auf jedem Stockwerk auch wieder in Kupfer-Ethernet zurück verwandelt. Das klingt nach Zukunft.
In China sind laut Huawei schon über zwei Millionen Haushalte mit so einem hausinternen GPON-System vernetzt. Vor Ort, in München, hat der Autor zumindest einen derartigen GPON-Haushalt gefunden, und ein Video davon produziert:
AVM und die Fiber-Ära
AVM steht vor der Herausforderung, den enormen Markt-Erfolg bei DSL-LAN-WLAN-All-In-One-Routern auch im Glasfaser-Zeitalter zu wiederholen. Bei DSL hat die zersplitterte Situation in den verschiedenen Ländern Europas AVM sehr geholfen. Das hat die Consumer-WLAN-Hersteller aus Amerika und Asien verschreckt und überfordert. AVM dagegen hat sich schon bei ADSL-over-ISDN auf nationale Eigenheiten eingestellt, und damit die Fritzboxen in (Zentral-) Europa ganz früh ganz groß gemacht. Derartige Schutzzonen sind beim Glasfaser-Internet nicht erkennbar. Da können die WLAN-Hersteller aus Amerika und Asien jetzt viel leichter nach Europa hereinpreschen.
Windows 11 noch ohne MLO
Kommen wir zum Ende: Wi-Fi-7 hat noch viele Kinderkrankheiten. Unter anderem kann das normale Microsoft Windows 11 noch gar kein MLO steuern. Da mag man AVM fast beglückwünschen, dass sie die 5690 Pro und die 5690 XGS noch gar nicht ausliefern.
Wann kommen Wi-Fi-7-Fritz!Repeater?
Offen ist auch unsere Anfrage, wann die ersten WiFi-7-Fritz!Repeater kommen, nachdem auch Wi-Fi-7-Router physikalisch bedingt kaum weiter strahlen können als bisherige Wi-Fi-6-Basis-Stationen. Zu Wi-Fi-7-Repeatern kann die AVM-Pressestelle aber noch keine Angaben machen – schade!
Fritzbox 6670 Cable mit Wi-Fi-7
Ein etwas anderes Kapitel macht die ganz neue Fritzbox 6670 Cable auf. Sie holt dank DOCSIS-3.1-Modem mehr als 1.000 MBit/s aus dem Koaxial-TV-Kabel heraus. Das ist von daher also fast mit einem Fiber-1000-Anschluss vergleichbar. Zumindest im Download. Internet über TV-Kabel kann bei privaten Kunden also zurzeit noch mit Glasfaser-Anschlüssen konkurrieren.
Die 6670 Cable will diesen Speed sogar über echtes Wi-Fi-7 bei 2,4 und bei 5 GHz über die Luft verteilen. Laut AVM hatte sie just während des MWC 2024, also im Februar 2024, ihren Marktstart mit einem UVP von 289 Euro. Da sie einen 2,5-Gigabit-LAN-WAN-Port hat, könnte man sie im Prinzip auch hinter einem Provider-Glasfaser-Modem-ONT verwenden, um den Fiber-Speed per Wi-Fi-7 im Heim zu verteilen. Im Gegensatz zur lang ersehnten 5690 Pro dürfte sie per März 2024 sogar schon in den ersten Handelskanälen ankommen. Vielleicht kann das ein bisschen von den großen Verzögerungen bei den 5690er-Glasfaser-Modellen ablenken.
Fazit zur 5690 Pro
Die AVM FRITZ!Box 5690 Pro verspricht starke Features: Wi-Fi-7 bis 18 GBit/s, Glasfaser bis 2,5 GBit/s und VDSL bis 250 MBit/s. Dazu 4x1000 MBit/s LAN und 1x2500 MBit/s LAN/WAN. Plus DECT, Zigbee und Matter für die SmartHome-Vernetzung: Sie klingt wie die perfekte Lösung für viele User, die heute noch DSL haben, aber bald Glasfaser bis ins Wohnzimmer oder ins Büro bekommen.
Wer jedoch keinen großen Modernisierungs-Druck verspürt, kann erst mal seine Bestands-Fritzbox per LAN-Kabel hinter dem Glasfaser-Modem-ONT seines Providers weiterleben lassen. Und warten, was bei den ersten seriösen Tests der 5690 Pro und der 5690 XGS herauskommt.