Definition

Was ist Supervectoring?

| Autor / Redakteur: Stefan Luber / Andreas Donner

Die wichtigsten IT-Fachbegriffe verständlich erklärt.
Die wichtigsten IT-Fachbegriffe verständlich erklärt. (Bild: © aga7ta - stock.adobe.com)

Supervectoring bzw. Supervectoring 35b ist eine Weiterentwicklung des Vectorings und kommt auf VDSL2-Leitungen zum Einsatz. Mit dem Verfahren lassen sich die maximal möglichen Datenraten im Up- und Downstream erhöhen. Es sind aufgrund größerer Bandbreite, höherer Sendeleistung und optimiertem Vectoring bis zu 300 Mbit/s im Downstream und 50 Mbit/s im Upstream möglich.

Alternative Begriffe für Supervectoring und Supervectoring 35b sind Vectoring Plus oder VDSL Annex Q. Es handelt sich um eine Weiterentwicklung des VDSL2-Standards und des Vectorings, mit dem noch höhere Datenraten auf Kupferdoppeladern möglich werden.

Die Internationale Fernmeldeunion (International Telecommunication Union, ITU) hat Supervectoring im Standard ITU-T G.993.2 Annex Q als VDSL2-Profil 35b definiert und beschrieben. Gegenüber dem Vectoring erweitert Supervectoring die Bandbreite von 17 auf 35 Megahertz, erhöht die Sendeleistung bei hohen Frequenzen und verwendet optimierte Verfahren zur Kompensation des Übersprechens. Die maximal möglichen Datenraten betragen im Downstream bis zu 300 Megabit pro Sekunde und im Upstream bis zu 50 Megabit pro Sekunde.

In Deutschland sind VDSL2-Internetanschlüssel mit Supervectoring von Anbietern wie der Deutschen Telekom mit Übertragungsraten von 250 Megabit pro Sekunde verfügbar. Als Nachfolger von VDSL2 und Supervectoring gilt G.fast. Dieser Übertragungsstandard erlaubt noch höhere Bandbreiten und setzt zwingend das Vectoring voraus.

Funktionsweise und technische Merkmale des Supervectorings

Das Supervectoring reduziert das so genannte Übersprechen (Far-End Crosstalk, FEXT) auf VDSL-Verbindungen. Das Übersprechen entsteht durch benachbarte Leitungen im Kabelbündel und basiert auf unvermeidbaren physikalischen Effekten wie der kapazitiven Kopplung. Im Rahmen des Supervectorings berechnen die beteiligten Netzkomponenten die Störeinflüsse der Nachbarleitungen im Kabelbündel und erzeugen ein invertierendes Störsignal das in Upload- und in Downloadrichtung dem eigentlichen Signal hinzugefügt wird.

Im Optimalfall kommt es durch das invertierende Signal zu einer kompletten Auslöschung der Störung. Die Berechnung der Störeinflüsse ist aufwendig und bezieht mehrere Verfahren wie Rückkanalmeldungen ein. Um wirksame invertierende Signale zu errechnen, müssen alle Kupferdoppeladern im Kabelbündel auf einem gemeinsamen DSLAM terminieren. Nur wenn das Kabelbündel komplett unter Kontrolle eines Anbieters ist, lassen sich alle Leitungen in die Berechnungen einbeziehen. Die Realisierung ist unter Regulierungsaspekten kritisch, da sie nicht konform zum Grundprinzip der Entbündelung der Leitungen und der Nutzung der Kabelverzweiger durch verschiedene Provider ist.

Eine weitere Besonderheit des Supervectorings ist die im Vergleich zu VDSL von 17 auf 35 Megahertz erweiterte Bandbreite. Da die Dämpfung bei höheren Frequenzen zunimmt und die Reichweite des Signals sinkt, verwendet das Profil 35b für hohe Frequenzen die doppelte Sendeleistung. Die mit maximalen Datenraten realisierbaren Entfernungen betragen mit VDSL2 und Supervectoring nur wenige hundert Meter.

VDSL2 mit den Profilen 17a oder 35b für Vectoring oder Supervectoring lässt sich an einem gemeinsamen DSLAM betreiben. Ist die Synchronisation mit dem Profil 35b nicht möglich, kann die Anschlussleitung mit dem Profil 17a und verminderter Datenrate betrieben werden.

Dem Supervectoring zugrundeliegende Netzwerkinfrastruktur

VDSL2 und Supervectoring liegt in der Regel die so genannte FTTC-Netzwerkinfrastruktur (Fibre to the Curb) zugrunde. Die Kupferdoppeladern zur Versorgung der Teilnehmer terminieren in einem Straßenverteiler. Nur die letzte Strecke vom Straßenverteiler zum Teilnehmeranschluss wird per Kupferdoppelader überbrückt. Die Straßenverteiler sind mit Glasfasern an die weitere Netzwerkinfrastruktur des Anbieters angebunden.

In den Verteilern terminieren DSLAMs die Leitungen des Kabelbündels und berechnen die invertierenden Störsignale zur Kompensation des Übersprechens. Da alle Adernpaare in das Supervectoring einzubeziehen sind, dürfen einzelnen Leitungen aus dem Kabelbündel nicht herausgelöst und durch andere Anbieter betrieben werden. Auf Teilnehmerseite ist das Kundenmodem für die Kompensation der Störsignale verantwortlich.

Um die Glasfaser noch näher an den Kunden zu bringen und höhere Übertragungsraten zu erzielen, verwendet die Nachfolgetechnik von VDSL2, der sogenannte G.fast-Standard, die FTTdp- (Fibre to the Distribution Point) oder die FTTB- (Fibre to the Building) Netzinfrastruktur. FTTB nutzt Glasfasern, die bis ins Gebäude verlegt sind und überbrückt nur die letzten Meter vom Gebäudeverteilpunkt bis zum Anschluss des Kunden in dessen Wohnung per Kupferdoppelader und G.fast. FTTdp ist eine Netzwerkinfrastruktur zwischen FTTC und FTTB. Der Distribution Point (Verteilpunkt oder Übergabepunkt) mit dem Mediumwechsel von der Glasfaser auf die Kupferdoppelader liegt in oder zwischen dem Straßenverteiler und dem Gebäudeverteiler.

Voraussetzungen für den Einsatz von Supervectoring

Für den Einsatz von Supervectoring müssen einigen Grundvoraussetzungen erfüllt sein. Es handelt sich sowohl um technische als auch um organisatorische Voraussetzungen. Folgende Voraussetzungen gilt es zu schaffen:

  • Alle Teilnehmeranschlussleitungen eines Kabelbündels müssen am gleichen DSLAM terminieren. Einzelne Anschlussleitungen dürfen nicht herausgelöst und durch andere Anbieter genutzt werden. Nur so lassen sich die Störeinflüsse wirksam kompensieren.
  • Es muss eine FTTC-Netzinfrastruktur im Accessbereich vorhanden sein. Die Straßenverteiler (DSLAMs) sind per Glasfaser an die Infrastruktur des Providers anzuschließen. Die per Kupferdoppeladern zu überbrückenden Entfernungen vom Straßenverteiler zum Kunden dürfen nur wenige hundert Meter betragen.
  • Regulatorische Gremien und Wettbewerbshüter müssen das Vectoring genehmigen, da es dem Grundprinzip der Entbündelung von Teilnehmeranschlussleitungen und dem Zugang zum DSLAM für verschiedene Anbieter widerspricht.

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