Definition

Was ist ISDN?

| Autor / Redakteur: Stefan Luber / Andreas Donner

(Bild: © aga7ta - stock.adobe.com)

ISDN (Integrated Services Digital Network) ist ein digitaler Telekommunikationsstandard, der Sprache und Daten überträgt. Es existieren unterschiedliche Arten von Anschlüssen, die sich in der Anzahl maximal möglicher Übertragungskanäle unterscheiden. Im Zuge der NGN-Einführung erfolgt die Ablösung von ISDN.

Die Abkürzung ISDN steht für Integrated Services Digital Network und bezeichnet eine international gültige digitale Übertragungs- und Vermittlungstechnik, die unterschiedliche Dienste unterstützt.

In Deutschland wurde ISDN 1989 eingeführt und löste analog arbeitende Vermittlungsstellen und getrennte Netze für Sprach- und Datendienste ab. Obwohl schon wenige Jahre später die Netze der Telefonanbieter vollständig digitalisiert waren, wurden neben ISDN-Anschlüssen weiterhin analoge Telefonanschlüsse für Endkunden bereitgestellt.

Das Integrated Services Digital Network setzte sich vorwiegend im professionellen und semiprofessionellen Bereich zum Anschluss von Telefonanlagen und zur Verbindung einer größeren Zahl von Endgeräten durch. Unterschiedliche Endgeräte wie Telefone, Faxgeräte, Computer oder Kassenterminals verwenden den gleichen ISDN-Anschluss parallel. Die durch die verschiedenen Dienste zu übertragenen Informationen werden digitalisiert im Zeitmultiplexverfahren über das Kommunikationsnetz übertragen.

Die Signalisierung erfolgt bei ISDN im Gegensatz zur analogen Telefonie nicht inband, sondern outband in einem separaten Signalisierungskanal. Je nach Anschlussvariante bietet ein ISDN-Anschluss eine bestimmte Zahl von Nutzkanälen. Ein Nutzkanal stellt in Europa und den meisten Regionen eine Datenrate von 64 Kilobit pro Sekunde zur Verfügung (in den USA 56 Kilobit pro Sekunde).

Durch die Umstellung der Kommunikationsnetze auf NGN-Technik (Next Generation Network) und Voice over IP (VoIP) verliert das Integrated Services Digital Network zunehmend an Bedeutung und wird durch alternative Techniken wie SIP und SIP-Trunk ersetzt.

Die Stromversorgung über ISDN

Ähnlich wie aus den analogen Telefonnetzen bekannt, ist es auch bei ISDN möglich, Endgeräte über den Telekommunikationsanschluss mit der benötigten elektrischen Energie zu versorgen. Allerdings hat sich diese Variante der Energieversorgung nicht so stark wie in analogen Telefonnetzen durchgesetzt, sodass ISDN-Endgeräte meist separat am Stromnetz angeschlossen sind.

Grundsätzlich lässt sich zwischen der Regelstromversorgung und der Notstromversorgung unterscheiden. Bei der Regelstromversorgung erzeugt der mit der Hausstromversorgung verbundene NTBA (Network Termination for ISDN Basic Rate Access) die Speisespannung. Diese beträgt 40 Volt und gelangt über den S0-Bus per Signaladern zu den Endgeräten. Maximal darf er mit 4,5 Watt belastet werden. Die Regelstromversorgung ist nur notwendig, wenn die mit dem S0-Bus verbundenen Endgeräte wie beispielsweise Telefone nicht selbst mit dem Stromnetz verbunden sind. Sind alle Endgeräte über das normale Stromnetz versorgt, muss der NTBA nicht mit dem Stromnetz verbunden sein.

Um auch bei einem Stromausfall noch Notrufe absetzen zu können, ist es möglich, geeignete Endgeräte über die Ortsvermittlungsstelle mit Strom zu versorgen. Dieses Verfahren nennt sich Notstromversorgung und liefert maximal 400 Milliwatt Leistung. Nur ein einziges Endgerät ist per Notstrombetrieb nutzbar. Meist stehen nur die wichtigsten Grundfunktionen eines Telefons beim Notstrombetrieb zur Verfügung. Basisstationen von Schnurlostelefonen sind auf diese Art nicht betreibbar.

Sprach- und Datenübertragung über das Integrated Services Digital Network

Im Integrated Services Digital Network können Sprache und Daten übertragen werden. Bei der Sprachübertragung erfolgt zunächst eine Abtastung der analogen Sprachinformation mit einer Frequenz von acht Kilohertz. Die erhaltenen Werte werden anschließend mit acht Bit kodiert. Daraus ergibt sich die für ISDN typische Übertragungsrate von 8 x 8 = 64 Kilobit pro Sekunde je Übertragungskanal. Wie bei der analogen Telefonie ermöglicht ISDN einen nutzbaren Sprachfrequenzbereich von 300 bis 3400 Hertz. Kommt der Codec G.722 für die Sprachkommunikation zum Einsatz, ist die Telefonie HD-fähig und unterstützt einen Frequenzbereich von 50 bis 7000 Hertz.

Die Datenübertragung nutzt ebenfalls eine Datenrate von 64 Kilobit pro Sekunde je Kanal. Da die einzelnen Kanäle bei ISDN synchron und bittransparent sind, lassen sich mehrere Kanäle problemlos bündeln und fast beliebige Leitungscodierungen verwenden. Ein Basisanschluss besitzt zwei parallel nutzbare Kanäle und stellt für die Datenübertragung eine Datenrate von 128 Kilobit pro Sekunde zur Verfügung. Bei einem Primärmultiplexanschluss mit 30 Nutzkanälen beträgt die realisierbare Übertragungsrate 1920 Kilobit pro Sekunde.

Die Signalisierung bei ISDN

Eine Besonderheit des Integrated Services Digital Networks ist, dass die Signalisierung für die Vermittlung und den Aufbau von Verbindungen nicht im Nutzkanal (inband), sondern in einem eigenen Signalisierungskanal (outband) erfolgt. Hierfür stellt der digitale Anschluss jeweils einen eigenen Kanal mit einer definierten Datenrate zur Verfügung. Beim Basisanschluss sind dies 16 Kilobit pro Sekunde, beim Primärmultiplexanschluss 64 Kilobit pro Sekunde. Dank dieses Verfahrens lässt sich eine wesentlich sicherere und schnellere digitale Steuerung des Verbindungsaufbaus durch die Vermittlungsstelle realisieren. Zwischen den Vermittlungsstellen im Kernnetz kommt das Zeichengabesystem 7 (Signalling System 7) zum Einsatz.

Basisanschluss und Primärmultiplexanschluss

ISDN-Anschlüsse werden hauptsächlich in zwei verschiedenen Varianten betrieben. Dies sind der Basisanschluss und der Primärmultiplexanschluss.

Der Basisanschluss ist gekennzeichnet durch zwei Nutzkanäle mit jeweils 64 Kilobit pro Sekunde und je einen Signalisierungs- und Synchronisationskanal mit 16 Kilobit pro Sekunde. Die Gesamtbandbreite des Basisanschlusses beträgt somit 160 Kilobit pro Sekunde. Kunden erhalten einen Basisanschluss in den Varianten als Mehrgeräteanschluss oder als Anlagenanschluss. Der Mehrgeräteanschluss ist zur direkten Verbindung weniger Endgeräte (bis zu acht Endgeräte) oder zum Anschluss einer kleinen TK-Anlage für wenige Teilnehmer vorgesehen. Der Anlagenschluss ist für die direkte Verbindung mit einer größeren TK-Anlage geeignet.

Beim Primärmultiplexanschluss, auch als S2M oder E1 bezeichnet, sind insgesamt 30 Nutzkanäle und jeweils ein Steuerkanal und ein Synchronisationskanal mit 64 Kilobit pro Sekunde vorhanden. Die Gesamtbandbreite des Anschlusses beträgt somit 2048 Kilobit pro Sekunde. Als Nutzbandbreite stehen 1920 Kilobit pro Sekunde zur Verfügung. Diese Art von Anschluss eignet sich für große TK-Anlagen oder als Festverbindungsersatz zwischen zwei Endpunkten.

ISDN in VoIP-basierten Netzwerken

Im Zuge der Modernisierung der Telekommunikationsnetzwerke und der Einführung von NGN-Technik werden ISDN-Anschlüsse mehr und mehr ersetzt. Sollen ISDN-Endgeräte weiterhin am VoIP-basierten Netzwerk betrieben werden, existieren Adapter, die die Leistungsmerkmale und Anschlussschnittstellen emulieren. Das ISDN-Endgerät lässt sich direkt mit dem Adapter verbinden. Netzseitig nutzt es allerdings SIP (Session Initiation Protocol) und Voice over IP.

Als Ersatz für die Verbindung von Telefonanlagen mit einem Telefonnetz hat sich der SIP-Trunk etabliert. Über den SIP-Trunk lässt sich ein kompletter Rufnummernblock bereitstellen, dessen Durchwahlnummern die Telefonanlage zu den Endgeräten vermittelt. Die TK-Anlage selbst ist über einen breitbandigen Internetanschluss verbunden und nutzt den SIP-Trunk für die Kommunikation mit dem Next Generation Network. Die Anzahl parallel bedienbarer Telefonate ist lediglich durch die Bandbreite des Internetzugangs, die Art der Telefonanlage und die Leistungsfähigkeit des VoIP-Providers beschränkt. Als Faustregel gilt, dass für jeden Sprachkanal etwa eine Bandbreite von 100 Kilobit pro Sekunde zur Verfügung stehen sollte.

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Aktuelle Beiträge zu diesem Thema

SIP-Trunk-Komplettpaket von Nfon

Business-Telefonie

SIP-Trunk-Komplettpaket von Nfon

Der Cloud-PBX-Anbieter Nfon bietet in Kooperation mit DTS (Deutsche Telefon Standard), Lancom und Ingram Micro ein Komplettpaket an. Es umfasst SIP-Trunk, Internetleitung, Router, Beratung und Schulungen. Reseller können das Paket zu vergünstigten Konditionen bei Ingram Micro bestellen. lesen

UCC ist eine Sache der Kultur

Unified Communications & Collaboration im Fokus

UCC ist eine Sache der Kultur

Unified Communications & Collaboration (UCC) macht Schluss mit den vorherrschenden Verständigungsschwierigkeiten und schafft Wettbewerbsvorteile im Kampf um Fachkräfte. Hierfür muss sich jedoch die Firmenkultur dementsprechend wandeln. lesen

David oder Goliath? Die Wahl des richtigen VoIP-Providers

Wenn große Anbieter schwächeln

David oder Goliath? Die Wahl des richtigen VoIP-Providers

Ähnlich wie beim Mobilfunktarif oder Internetanschluss haben Kunden bei der Wahl des VoIP-Providers ein breites Feld von Anbietern. Je nach Anforderung gilt es auch hier, genauer hinzusehen und kleinere oder weniger bekannte Unternehmen ebenfalls in die Überlegungen mit einzubeziehen. lesen

Das Ende von ISDN und die Umstellung auf All-IP

Wie die Auswahl einer Cloud-PBX und die Migration auf VoIP gelingen

Das Ende von ISDN und die Umstellung auf All-IP

Für viele kleine und mittlere Unternehmen in Deutschland steht früher oder später der Wechsel der Telefonanlage an. Grund dafür ist das Ende von ISDN und die Umstellung auf All-IP von Seiten der Telekom und anderer TK-Provider. Was dabei zu bedenken ist und wie eine Migration erfolgreich funktionieren kann lesen Sie hier. lesen

So führt die Telekom Kunden in die Cloud-Telefonie

Business-Lösung CompanyFlex

So führt die Telekom Kunden in die Cloud-Telefonie

Die ISDN-Abschaltung liegt in den letzten Zügen. Die Telekom bietet mit CompanyFlex einen neuen Session-Initiation-Protocol-Trunk, der die bisherigen ISDN-Primärmultiplex- und Anlagenanschlüsse ablöst. Mit dem Angebot werden bestehende Anlagen in das neue Netz eingebunden und die Basis für die Umstellung auf IP gelegt. lesen

So finden Sie die richtige Cloud-TK-Anlage

Finale ISDN-Abschaltung in 2020

So finden Sie die richtige Cloud-TK-Anlage

Mit der Abschaltung der ISDN-Anschlüsse durch die Deutsche Telekom sind Cloud-basierte Telefonanlagen stark in den Fokus gerückt. Welche Fragen sollten Unternehmen vorab klären, um den Weg in die Cloud reibungslos zu meistern? lesen

Unified Communications als Service

Über die Cloud voll im Bilde

Unified Communications als Service

In der Praxis steigen Unternehmen oft mit einer Videokonferenzlösung ein, wenn sie die interne Zusammenarbeit verbessern möchten. Denn diese spart Kosten und macht Mitarbeiter produktiver. Hierbei erweisen sich cloud-basierte Anwendungen in vielerlei Hinsicht als erste Wahl, auch weil ein gewichtiges Gegenargument nicht mehr zieht. lesen

Videokonferenz-Tool Starface Neon

Betaphase für Video-Collaboration-Plattform

Videokonferenz-Tool Starface Neon

Auf dem Starface Kongress kündigte der Hersteller ein Videokonferenz-Tool an, das im ersten Quartal 2020 im Handel erhältlich sein soll. Bis zu 100 Konferenzteilnehmer sowie Bildübertragung in 4K sind unter anderem mit an Bord. lesen

IP-Telefonie für KMUs

VoIP-Hardware vom US-Hersteller Vodia Networks

IP-Telefonie für KMUs

Spätestens 2022, wenn die ISDN-Ära in Deutschland endet, wird an VoIP kein Weg mehr vorbeiführen. Vodia Networks adressiert den deutschen Markt mit den beiden Hardwareprodukten Vodia IO und Vodia IOP, um die anstehenden Herausforderungen der IP-Telefonie zu meistern. lesen

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de/ (ID: 44885101 / Definitionen)