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Definition Was ist ein DSL-Speedtest?

| Autor: Dipl.-Ing. (FH) Andreas Donner

Die über DSL (Digital Subscriber Line) möglichen Bandbreiten wachsen stetig. Doch oft weichen die real erreichbaren Transferraten von den Versprechungen der Provider ab. Über einen DSL-Speedtest lässt sich jedoch schnell ermitteln, ob der eigene Anschluss die Vertragskriterien erfüllt.

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(© aga7ta - Fotolia)

Nicht selten weichen die real erreichbaren Datentransferraten von DSL-Anschlüssen im Up- und Download weit von den versprochenen Maximal-Geschwindigkeiten ab. Daher geben die meisten Provider in ihren DSL-Verträgen auch keine konkreten Geschwindigkeits-Garantien, sondern sprechen von Übertragungsraten ab, oder von Geschwindigkeiten bis zu bestimmten Werten.

Damit soll nun bald Schluss sein. Im Rahmen der Transparenzverordnung der Bundesnetzagentur sollen Provider zukünftig gezwungen sein, realistische Datenübertragungswerte anzugeben. Verbrauchen könnten im Gegenzug ihre Rechnung mindern, wenn die versprochenen Werte regelmäßig deutlich unterschritten würden.

Tatsächlich ist eine objektive Messung der verfügbaren DSL-Geschwindigkeit aber schwierig. Denn der Provider garantiert in seinem Vertrag ja "nur" die Anbindung des Kunden an das öffentliche Internet mit eben dieser Geschwindigkeit. Liegt jedoch ein "Stau" im Internet vor oder ist der angesprochene Server ausgelastet, dann ist die Verbindung langsam, obwohl die Performance bis zum Gateway des Providers anstandslos zur Verfügung steht.

Und genau hier liegt der Hase im Pfeffer. Selbst bei einer regelmäßigen Kontrolle der eigenen Anbindungsgeschwindigkeit über einen so genanten DSL-Speedtest (Anbieter hierzu siehe Aufzählung am Ende des Beitrags), ist es praktisch unmöglich nachzuweisen, wo die Engstelle zwischen Kunde und Testserver liegt. Bremst das Internet oder ist tatsächlich die versprochene Anbindungsperformance zu gering?

Und selbst wenn der Test vom eigenen Provider zur Verfügung gestellt wird, also bspw. ein Telekom-Kunde den T-Online Speedtest ausführt, ist ein Nachweis der Schuld schwierig. Dennoch soll die Transparenzverordnung der Bundesnetzagentur auch hier Abhilfe schaffen, indem sich die Werte der User zentral speichern und korrelieren lassen. Die schiere Menge der Werte sollte dann einen einfacheren Nachweis ermöglichen, wo der Fehler bzw. die Engstelle liegt.

Wie immer gilt auch bei diesem Thema: je mehr Kunden sich über unzureichende Service-Qualität bei ihrem Provider und/oder bei den Verbraucherschutzorganisationen und/oder der Bundesnetzagentur beschweren, desto eher wird der Vertragspartner die Missstände korrigieren.

DSL-Speedtest nur für DSL?

Dient ein DSL-Speedtest, wie ihn bspw. die unten genannten Portale anbieten, ausschließlich der Geschwindigkeitsüberprüfung von DSL-Anschlüssen? Klare Antwort: Nein. Auch per Glasfaser, LTE oder MPLS-Standleitung angebundene Anschlüsse können so überprüft werden. Einziges Problem: bei den meisten Speedtests muss man vor der Ausführung des Tests Angaben zum Provider und der bereitgestellten Geschwindigkeit machen. Diese Werte nutzen die Speedtest-Portale, um eine qualitative Einschätzung des Ergebnisses anhand der versprochenen und der in der breiten Masse erzielbaren Werte zu geben.

Stimmen diese Angaben bspw. bei einem Fiber-to-the-Home-Anschluss (FTTH) nicht, dann sind zwar die Messwerte korrekt, die statistischen Auswertungen passen dann aber nicht zu den hinterlegten Ideal-Werten und lassen sich nicht mit den eigenen Daten vergleichen.

Testablauf

Um aussagekräftige Werte zu erhalten sollte ein DSL-Speedtest viele Male über mehrere Tage und zu unterschiedlichen Uhrzeiten ausgeführt werden. Schwankungen werden so eliminiert und der Einfluss anderer Internet-Teilnehmer aus dem selben Knoten minimiert. Alle so ermittelten Werte sollten zum Schluss gemittelt werden.

In der Test-Vorbereitung gilt es, alle anderen Verbindungen zum Internet über denselben Anschluss zu pausieren. Denken Sie hier auch an Internet-Radios, Fernsehgeräte, IP-Kameras und natürlich an alle per WLAN über denselben Router mit dem Internet verbundenen Geräte. Zudem müssen Sie auch alle Online-Dienste des Test-Clients pausieren. So sollte dieser bspw. während des Test nicht nach Updates suchen, diese durchführen oder ein Backup in die Cloud auslagern bzw. Daten mit einer Cloud synchronisieren. Rufen Sie während der Testzeit auch keine Mails ab und schließen Sie alle Browser-Tabs bis auf die Testseite.

Das ausführende Gerät, also der Client, an dem der Test ausgeführt wird, sollte möglichst über eine Kabelverbindung (achten Sie auch hier auf genügend Bandbreite; bereits ein 100-MBit-LAN kann bei einer 100-MBit-DSL-Anbindung zu langsam sein) mit dem DSL-Router bzw. dem Internet-Gateway verbunden sein. Führen Sie den Test dennoch über einen WLAN-Client aus, achten Sie darauf, dass die Performance Ihres WLAN hier nicht als limitierender Faktor auftritt – idealerweise verwenden Sie also ein 802.11n- oder 802.11ac-Gerät im 5-GHz-Band und achten darauf, alle Störungen und weitere Teilnehmer zu eliminieren. In einigen DSL-Routern können Sie die aktuelle Verbindungsgeschwindigkeit Ihrer WLAN-Clients anzeigen lassen – damit sehen Sie im Vorfeld genau, ob die drahtlose Geschwindigkeit für den Test ausreicht. Als Faustformel sollte die Anbindungs-Performance des Clients zum Router immer mindestens 30 Prozent größer sein, als die maximal zu erwartende DSL-Performance.

Während des Tests werden meist drei Werte ermittelt: Ping, Download und Upload. Der Ping-Test ermittelt die Roundtrip-Zeit eines gesendeten Datenpakets und zeigt damit an, wie hoch die Latenz in Ihrer Verbindung ist. Geringe Latenz ist vor allem bei Echtzeitdiensten wie Voice- oder Videoverbindungen entscheidend. Angezeigt wird der Ping-Wert in Millisekunden (ms).

Im Download transferiert der Test über einen bestimmten Zeitraum Daten-Pakete vom Server zum Client und ermittelt damit die über diesen Zeitraum durchschnittliche und maximale Download-Geschwindigkeit.

Der Upload-Test kehrt den Download-Test um und ermittelt die Performance für Datentransfers vom Cient zum Server. Diese Verbindung spielt bei Privathaushalten im Vergleich zum Download meist eine untergeordnete Rolle. Daher ist bei fast allen DSL-Verträgen die Download-Geschwindigkeit meist wesentlich größer als die Performance des Uploads. Entscheidend ist dieser Wert aber bspw. bei Videokonferenzen oder beim Upload von Daten in die Cloud. Auch bei der Bestellung von Bildausdrucken oder beim regelmäßigen Versand großer Mail-Attachments macht sich eine hohe Upload-Rate positiv bemerkbar.

Folgende Webseiten bieten einen DSL-Speedtest an; besonders hervorzuheben ist hier der erste Anbieter, die Zafaco GmbH, deren Test in Zusammenarbeit mit der Bundesnetzagentur aufgesetzt wurde. Die dort gemessenen Werte werden der Bundesnetzagentur denn auch zu statistischen Zwecken anonymisiert rückübermittelt.

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Über den Autor

Dipl.-Ing. (FH) Andreas Donner

Dipl.-Ing. (FH) Andreas Donner

Chefredakteur, IP-Insider