Innovative Geschäftsmöglichkeiten

Edge Computing: Neue Chancen für Service-Provider

| Autor / Redakteur: Ralf Sydekum / Andreas Donner

Schon bald wird jedes Unternehmen eine Edge-Computing-Strategie und die entsprechende Technologie hierfür benötigen.
Schon bald wird jedes Unternehmen eine Edge-Computing-Strategie und die entsprechende Technologie hierfür benötigen. (Bild: © – ra2 studio – stock.adobe.com)

Heutige Cloud-Architekturen sind zwar schnell, skalierbar und flexibel, häufig sind sie aber nicht optimal für kostengünstige, 5G-basierte IoT-Anwendungen geeignet. Hier kommt Edge Computing ins Spiel – und ermöglicht es Service-Providern, innovative Dienste anzubieten.

Beim Edge Computing werden Daten nicht an die Cloud oder an ein zentrales Rechenzentrum übertragen, sondern sozusagen vor Ort am Rand des Netzwerks verarbeitet. Dies reduziert die Latenz und die Reaktionszeit.

Davon profitieren Service-Provider, die nun neue, zukunftsweisende Dienste über verteilte Architekturen anbieten können. Diese basieren auf Komponenten, die auf verschiedenen Plattformen bereitgestellt werden. Die Komponenten arbeiten über ein Kommunikationsnetzwerk zusammen, um eine bestimmte Aufgabe zu erfüllen, z.B. die Verteilung bestimmter Netzwerkfunktionen wie Cloud Radio Access Network (C-RAN) für 5G oder das Hosting IoT-basierter Anwendungen. Mit solchen Lösungen können Service-Provider sowohl ihren Umsatz erhöhen also auch Kosten für die Datenübertragung reduzieren.

Praktische Einsatzszenarien

Schon heute erfordern viele Anwendungen eine extrem niedrige Latenzzeit (z.B. autonome Autos), oder eine hohe Bandbreite (z.B. Videoüberwachung). Mit Edge Computing können Service-Provider diese Dienste als Infrastructure-as-a-Service (IaaS) oder Platform-as-a-Service (PaaS) vermarkten. Dies funktioniert jedoch nicht über die herkömmliche Public Cloud.

Die Entwicklung von Edge Computing steht zwar noch am Anfang, doch in den kommenden Jahren dürften viele IoT-Anwendungsfälle alltäglich werden. So integrieren etwa Anwendungen in den Bereichen Augmented Reality (AR), Virtual Reality (VR) und Mobile Gaming bereits Edge-Computing-Funktionen. Sie erhöhen damit deutlich die Reaktionsfähigkeit.

Lösungen für virtualisierte Content Delivery Networks (vCDN) lassen sich ebenfalls recht einfach umsetzen. Content-Provider können ihre zentralen Server damit entlasten und Service-Provider Übertragungskosten sparen – bei schneller und reibungsloser User Experience.

In einem weiteren Szenario stellen Service-Provider kleine Edge-Computing-Lösungen auf dem Gelände von Unternehmen bereit, um private 5G-Konnektivität und -Dienste zu bieten. Somit entfällt der Bedarf an traditionellen LANs und WLANs.

Technische Anforderungen

Wie können Service-Provider diese künftigen Anwendungsfälle sicher, nachhaltig und profitabel umsetzen? Dazu benötigen sie sowohl intelligentes Netzwerk- und Traffic-Management am Edge-Computing-Standort als auch Application Delivery Controller (ADC) und Sicherheitsdienste für die gehosteten Anwendungen.

ADC- und Security-Dienste werden bisher auf einer eigenen Infrastruktur bereitgestellt. Diese nutzt hardwarebasierte Beschleunigung, um hohe Skalierbarkeit und Kapazität zu gewährleisten. Die meisten Edge-Architekturen basieren auf handelsüblichen Servern, doch der Bedarf an hoher Leistung steigt. Aktuelle Innovationen wie Intels Quick Assist Technology erfüllen diese Anforderung und stellen sicher, dass Service-Provider auch hier Funktionen wie Verschlüsselung und Kompression nutzen können.

Edge Computing erfordert auch einen verteilten Ansatz für eine robuste Sicherheit auf Anwendungsebene, etwa eine Web Application Firewall (WAF). Herkömmliche Security-Lösungen wie Firewalls reichen nicht aus. Aktuelle Advanced-WAF-Lösungen (AWAF) können Anwendungen mit Anti-Bot-Funktionen dynamisch schützen und den Diebstahl von Anmeldeinformationen durch die Verschlüsselung von Tastatureingaben verhindern.

Zudem lassen sich DDoS-Erkennung und -Abwehr durch eine Kombination aus maschinellem Lernen und Verhaltensanalyse für alle Anwendungen erweitern. Ebenfalls nötig sind cloudbasierte Dienste für microservicebasierte Anwendungen sowie API-Gateway-Funktionen zur Absicherung des Zugriffs von Partnern auf die Edge-Computing-Plattform.

Ralf Sydekum.
Ralf Sydekum. (Bild: F5 Networks)

Fazit

Bereits in den letzten Jahren ist die Reichweite und Bedeutung von Edge Computing in Europa gestiegen, insbesondere in der Automobil- und Fertigungsbranche. Schon bald wird jedes Unternehmen, das vernetzte Geräte und schnelle Datenverarbeitung benötigt, eine Edge-Computing-Strategie brauchen – und die entsprechende Technologie. Dies bietet eine hervorragende Chance für Service-Provider, die erforderlichen Lösungen und Dienste sicher und effizient bereitzustellen.

Über den Autor

Ralf Sydekum ist Technical Manager DACH bei F5 Networks.

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