Durchblick im LAN

Test: Netscout LinkRunner G2

| Autor: Andreas Donner

Der LAN-Tester LinkRunner G2 von Netscout ist einfach zu bedienen, funktional und nicht zuletzt dank seiner App-Fähigkeit ein äußerst nützliches Admin-Werkzeug.
Der LAN-Tester LinkRunner G2 von Netscout ist einfach zu bedienen, funktional und nicht zuletzt dank seiner App-Fähigkeit ein äußerst nützliches Admin-Werkzeug. (Bild: VIT)

Mit seinem Android-basierenden LAN-Tester LinkRunner G2 legt Netscout ein Gerät vor, das jedem Admin gefallen dürfte. Kinderleichte Bedienung gepaart mit durchdachten Test-Szenarien und schier endlose Erweiterungsmöglichkeiten über den Netscout-eigenen App-Store sprechen ebenso für sich, wie der patentierte PoE-Lasttest bis 51 Watt. Wir haben uns das Gerät näher angesehen.

Eines ist klar, wenn man sich die Gräte von Netscout ansieht, zu denen auch alle ehemaligen Fluke-Netzwerktester gehören: Billig kommt man bei der Anschaffung solcher Geräte nicht davon. Doch Qualität hat bekanntermaßen ihren Preis und so sind die bisher von der Redaktion geprüften Geräte von Fluke und Netscout jeden Cent ihres Preises mehr als wert! Doch der Reihe nach:

Ende letzten Jahres hat Netscout seinen LAN-Tester LinkRunner G2 vorgestellt und uns nun eines der Messgeräte zum Test zur Verfügung gestellt. Der 190 x 95 x 35 mm messende Netzwerktester kommt im traditionellen Netscout-Grün daher und wie alle anderen Netscout-Tester macht auch der LinkRunner G2 einen sehr robusten Eindruck: er dürfte wohl auch härtere Stürze schadlos überstehen. Das 5-Zoll-Display (118 x 72 mm) mit 480 x 80 Pixeln Auflösung und kapazitativem Touchscreen ist leuchtstark und auch bei ungünstigen Lichtverhältnissen gut abzulesen.

Der LinkRunner stellt neben einer Ladebuchse für den ausreichend bemessenen aber nur langsam ladenden Lithium-Ionen-Akku (3,6 V, 6 Ah) zwei RJ-45 Kupferanschlüsse (10/100/1000BASE-T) und einen 100/1000BASE-X-SFP-Port für ein Glasfaser-Transceiver-Modul zur Verfügung. Zudem gibt es einen Micro-SD-Slot, einen Micro-USB-Port, einen Standard-USB-Port und zwei Lautstärketasten an den Gehäuseaußenseiten. Ebenfalls mit an Bord ist eine Kamera mit Blitz, der ganz wie beim Smartphone über eine passende App auch als Taschenlampe verwendet werden kann.

Smartphone oder LAN-Tester?

Das Android-basierende Gerät bringt aber neben der Taschenlampenfunktion noch viele weitere Features mit, die aus der Welt der Smartphones stammen und dem Admin künftig den parallelen Einsatz seines persönlichen Smartphones ersparen dürften. Denn über den Netscout-eigenen App-Store (in den man gelangt, sobald man sich einen Netscout-Account zugelegt und das Device damit verknüpft hat) lassen sich Ticket- und Alarmsysteme, Mailclients, Office-Tools und vieles mehr hinzufügen, was den LinkRunner neben seinen klassischen LAN-Fähigkeiten eben auch zum (fast) vollwertigen Smartphone macht. Denn einzig aufs Telefonieren muss man – wenn man von Skype for Business, TeamViewer oder GoToMeeting absieht – beim LinkRunner verzichten. Aber sogar WhatsApp lässt sich dennoch nutzen.

Äußerst hilfreich in Sachen Smartphone-Ähnlichkeit ist die Verfügbarkeit von klassischen Netzwerk-Tools wie AirMagnet Survey Mobile oder den Fing Network Tools im Netscout App-Store, die speziell für den LinkRunner angepasst wurden. Aktuell dürften wohl bereits deutlich mehr als 100 Apps im ständig wachsenden Netscout-App-Store bereitstehen. Dazu zählen Tools von Axis, Aruba, Avaya, Bosch und Box ebenso, wie Werkzeuge von Cisco, Merakki, Microsoft, TeamViewer, VMware und vielen mehr. Ein Zugang zum „normalen“ Google App-Store ist nicht möglich, da dem Gerät die klassische App-Store-App fehlt bzw. diese automatisch auf den Netscout-Store linkt.

Handheld-Netzwerktester mit Android OS

Admin-Tool von Netscout

Handheld-Netzwerktester mit Android OS

07.12.17 - Der LinkRunner G2 von Netscout soll IT-Administratoren dabei helfen, Probleme im Netzwerk schneller zu erkennen und so den Netzwerkbetrieb zu verbessern. Das Testgerät basiere auf dem Betriebssystem Android und sei auch für die Prüfung von PoE-Verbindungen geeignet. lesen

Hoch interessant ist jedoch die browserbasierte Verbindung ins Internet – zum Beispiel für das Nachschlagen von Produktinformationen oder die schnelle Recherche nach aufgabenspezifischen Informationen bzw. für den Download von PDF-Manuals, Datenblättern und mehr. Den Connect ins Internet stellt der LinkRunner entweder über ein an den Testbuchsen angeschlossenes LAN-Kabel und den entsprechend pepatchten Netzwerk-Port oder über das optional erhältliche bzw. im Paket enthaltene WLAN/Bluetooth-USB-Modul von Edimax her.

Integrierte Tests

Um die integrierten Netzwerktests auszuführen muss der LinkRunner über die RJ45-Buchse an der Stirnseite mit einem aktiven Netzwerkport verbunden werden. Im Automatik-Modus „AutoTest“ führt der LinkRunner dann ausführliche Tests zu Power over Ethernet (PoE), Verbindungstyp- und geschwindigkeit, zum angeschlossenen Switch inkl. VLAN-Informationen sowie zu DHCP, DNS, Gateway, und Internet-Verbindung durch. Dabei kann der LinkRunner so eingestellt werden, dass die korrekte Verbindung ins Internet anhand der Verbindung zum Netscout Link-Live-Portal getestet wird und die ermittelten Testergebnisse dort auch gleich automatisch abgelegt werden.

Der AutoTest gibt mit vielen Detailinformationen somit einen schnellen Überblick über den Status des Links und hilft so ohne weitere Einstellungen oder Eingaben bei der zügigen Fehlersuche.

Ein ebenfalls vorkonfigurierter Switch-Test prüft den nächstgelegenen Switch mittels xDP-Abfrage und stellt die vom Switch übermittelten Parameter übersichtlich dar. Hierzu zählen Hersteller und Modellname des Switches, IP-Adresse, Portnummer und VLAN-ID ebenso, wie Anschluss-Informationen über Speed, Duplex-Art und PoE-Eigenschaften.

Der Kabeltest erlaubt eine detaillierte Prüfung von offenen und terminierten Kabeln. Es lassen sich die Kabellänge, Kurzschlüsse, Unterbrechungen und Split Pairs zuverlässig erkennen. Wenn beim zu testenden Kabel beide Enden räumlich beieinander liegen, dann können beide RJ45-Stecker des Kabels in die beiden Buchsen am LinkRunner gesteckt werden. So lassen sich neben den oben genannten Parametern auch die korrekte Steckerbelegung testen und Kurzschlüsse bzw. Unterbrechungen lokalisieren. Ein identischer Test ist auch mit dem als Zubehör bzw. im Paket enthaltenen Abschluss-Dongle WireView-Wiremapper möglich, falls beide Enden des zu testenden Kabels nicht in räumliche Nähe zueinander zu bringen sind. In eine Wanddose eingesteckt gibt der Test mit dem WireView-Wiremapper auch Aufschluss über die korrekte Verkabelung der Netzwerkdose.

Von den WireView-Abschluss-Dongles sind sechs verschieden kodierte Wiremapper separat erhältlich (bzw. je nach Paket bereits enthalten). Damit können bspw. sechs Netzwerkdosen mit den Dongles abgeschlossen werden, bevor der Test im Server-Raum ausgeführt wird. Die Anzeige der Dongle-Nummer im LinkRunner erlaubt die Zuordnung der sechs Dongles.

Floating Action Buttons

In den drei vordefinierten Test-Szenarien kann man in einigen Tests über ein im Bildschirm angezeigtes „+“-Symbol so genannte Floating Action Buttons aktivieren. Mit diesem Feature lassen sich weitere testergänzende Aktionen auslösen. Im Switch-Test kann damit bspw. das Blinken des Switch-Ports ausgelöst werden, was ein auffinden des betreffenden Ports in unübersichtlichem Kabelwirrwarr deutlich vereinfacht.

Im AutoTest-Modus lassen sich über Floating Action Buttons Kommentare zum Test hinzufügen und sogar ein Foto aufnehmen und ebenfalls anfügen. Dies kann bspw. zur Dokumentation oder Erfassung von Netzwerkdosen bzw. deren Nummer oder Barcode sehr nützlich sein.

Im Kabeltest lassen sich über die Floating Action Buttons Töne in das angesteckte Kabel einspeisen, die von einer separat erhältlichen Sonde ausgewertet und angezeigt werden können. So lassen sich noch nicht pepatchte Kabel leichter finden und identifizieren.

TruePower PoE-Tests

Wie viele andere Netzwerktester auch, kann der LinkRunner beim LAN-Test auch die verfügbare oder eine bestimmte PoE-Klasse anfordern. Die Antwort des Switches gibt die maximal verfügbare Klasse bzw. die Eignung für die angeforderte Klasse wieder und zeigt auf einen Blick, ob die Spezifikation des Switches die benötigte PoE-Parameter erfüllt.

Interessant ist jedoch in erster Linie die patentierte und laut Netscout derzeit einzigartige TruePower-Technik, bei der der LinkRunner einen PoE-fähigen Port auch unter Last messen kann. Konkret wird die Spannung ohne Last, die Spannung unter Last und die gelieferte Leistung je nach angeforderter Klasse ermittelt und das Ergebnis in den Farben Rot bzw. Grün für unerfüllte bzw. erfüllte Voraussetzungen dargestellt. So lässt sich blitzschnell ermitteln, ob der Switch auch tatsächlich die versprochene Leistung zur Verfügung stellt. Dies ist insbesondere dann interessant, wenn bereits andere Ports am Switch PoE beziehen und der Switch insgesamt an seine Grenzen zu kommen droht. Der LinkRunner ist dabei in der Lage sämtliche PoE-Klassen bis einschließlich der 4-poligen 51-Watt von UPOE unter Last zu bewerten.

Link-Live Cloud-Service

Mit dem kostenfreien Link-Live Cloud-Service lassen sich alle Testergebnisse des LinkRunner automatisch in einer Cloud-Datenbank ablegen. Die Verwaltung der Testdaten wird damit enorm vereinfacht und eine Dokumentation einzelner Projekte kann so quasi auf Knopfdruck generiert werden. Um den Service nutzen zu können, muss ein Account auf der Link-Live-Plattform angelegt und dieser mit dem LinkRunner verknüpft werden. Ohne eine Verknüpfung von Account und Gerät ist auch kein Zugriff auf den App-Store möglich. Ein Account bei Netscout ist also schon alleine aus diesem Grund äußerst sinnvoll.

Preise und Verfügbarkeit

Der Netscout LinkRunner G2 ist ab sofort verfügbar und kostet je nach gewähltem Ausstattungspaket (inklusive oder exklusive WireView-Wiremapper bzw. USB-WLAN/Bluetooth-Modul, Schutzhülle und Tragetasche zwischen rund 3.000 und 3.400 Euro inkl. Mehrwertsteuer.

Wer sich den LinkRunner G2 ganz unverbindlich mal etwas genauer ansehen will, kann bei Netscout auf eine interaktive Demo zugreifen.

Fazit

Da unser Verlag während der Testphase des LinkRunners in einen Neubau umgezogen ist, konnten wir das Gerät über mehrere Wochen auch im Realbetrieb nutzen. Nicht nur die Redaktion hat in diesem Test also ihre Eindrücke gesammelt, auch unsere hausinterne IT-Abteilung konnte sich einen tiefgreifenden Eindruck vom LinkRunner G2 verschaffen.

Überragend fallen die Bewertungen aus, wenn es um den immensen Funktionsumfang des LinkRunner und die technische Tiefe der Tests geht. Herausragend auch die Einfachheit mit der alle Funktionen des LinkRunner ohne größere Vorkenntnisse oder intensivem Handbuch-Studium erreicht werden können – ohnehin ein Markenzeichen von Netscout-Geräten. Sehr positiv fällt auch die Verknüpfung von reinrassigem LAN-Tester und App-fähigem Smart-Device ins Auge. Der Funktionsumfang des LinkRunner lässt sich damit enorm und individuell erweitern.

Einzige Nachteile sind der zwar den Leistungen absolut angemessene aber in der isolierten Betrachtung natürlich dennoch hohe Preis des LinkRunner. Und auch die Ladezeit könnte durchaus etwas kürzer ausfallen – ist das Gerät komplett leer, muss man mit gut und gerne vier Stunden Ladezeit rechnen. Allerdings reicht eine vollständige Ladung dann auch über einen sehr intensiven und langen Testtag, womit der Ladezyklus auch bequem in die Nacht verschoben werden kann.

Alles in allem gibt es für den LinkRunner G2 eine klare Kaufempfehlung. Ideal ergänzt wird das LAN-Testgerät übrigens vom WLAN-Tester AirCheck G2, den wir ebenfalls bereits getestet haben. Beide Geräte gibt es zum reduzierten Preis auch gemeinsam in einem Paket.

Test: Netscout AirCheck G2

Durchblick im WLAN

Test: Netscout AirCheck G2

28.04.17 - Mit dem WLAN-Tester AirCheck G2 von Netscout lassen sich drahtlose Netzwerke im Detail sichtbar machen. Das hilft sowohl bei der optimalen Einrichtung eines WLANs als auch bei der Fehlersuche. Und dabei muss man nicht erst Elektrotechnik studieren, um schnell mit dem handlichen Tester vertraut zu werden. lesen

Test: Netscout LinkSprinter 300

Praktischer LAN-Tester für Admins

Test: Netscout LinkSprinter 300

07.04.17 - Der LinkSprinter 300 von Fluke Networks bzw. Netscout Systems ist ein kleiner, handlicher LAN-Tester. Innerhalb weniger Sekunden ermittelt das Gerät die wichtigsten Parameter jedes LAN-Anschlusses. Wir haben uns das Gerät angesehen, das zur Grundausstattung jedes Admins gehören sollte. lesen

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 45245138 / Netzwerk-Messtechnik)