Grundlagen moderner Netzwerktechnologien im Überblick – Teil 49

Die Metro- und Regionalnetze von TELIA und Yipes als Vorbilder

12.10.2009 | Autor / Redakteur: Dr. Franz-Joachim Kauffels / Andreas Donner

Der amerikanische Provider Yipes baut auf eine dreilagige Netzwerk-Architektur; Bild: Dr. Franz-Joachim Kauffels
Der amerikanische Provider Yipes baut auf eine dreilagige Netzwerk-Architektur; Bild: Dr. Franz-Joachim Kauffels

TELIA und Yipes sind die Pioniere der modernen, Ethernet-basierten MAN-Technologie. Sie verfolgen unterschiedliche Ansätze, waren aber dennoch schnell wirtschaftlich erfolgreich. Man kann an diesen Beispielen schön sehen, wie sich ein MAN zwischen LAN und WAN positionieren kann.

Angeregt von den Grundüberlegungen der letzten Folge wurden einige Experimente großflächig angelegt. In 1996/97 wurde eine Wohngegend in Stockholm mit ca. 350 Wohnungen für den ersten Versuch ausgesucht. Man hat in die Appartementhäuser preiswerte LAN-Switches gesetzt und diese mit Glasfaser an den IP-Backbone angeschlossen.

Diese Struktur wurde neben einer bestehenden Telefonverkabelung aufgebaut, die nicht angetastet wurde. Jedes Appartement wurde mit einer dauerhaften „Always On“-IP-Verbindung, einem hochperformanten lokalen Netz und einer gesharten Verbindung zum Backbone ausgerüstet. Da jedoch keine weiteren Dienste oder Inhalte angeboten wurden, musste man einen „Webton“ einrichten, der die Verfügbarkeit des Anschlusses in Analogie zum Telefongrundton anzeigte.

Dieser erste Versuch bestätigte die bislang gemachten Annahmen. Die Etablierung einer neuen Struktur für die Datenkommunikation kostete nach den Preisen von 1997 nur 20 Prozent des Aufbaus einer xDSL-Overlaystruktur über das bestehende Telefonnetz. Kombiniert mit der höheren Leistung (10 Megabit/s. bei Ethernet vs. ca. 1 Megabit/s. bei xDSL) kommt man auf ein Preis-Leistungs-Verhältnis, welches um den Faktor 50 besser ist als bei xDSL. Es zeigte sich, dass diese pure Infrastruktur eine hohe Akzeptanz fand. Nahmen zu Beginn nur ca. 30 Prozent der möglichen Teilnehmer das Angebot an, so wurden es binnen zwei Jahren über 50 Prozent.

Der Hauptvorteil dieses Ansatzes ist die Einfachheit und ein Schlüsselfaktor, um diese zu erreichen, ist der kollektive Ansatz, mit dem man auf lokale und dichte Gruppen von Haushalten zielt, die dann Bandbreite und Gemeinkosten unter sich aufteilen. Ein Mediator für diesen Shared Service könnte z.B. der Bürgermeister sein. Die Kunden können den Service als „Flat Free-online-Conection“ für weniger als 25 € pro Monat beziehen, was mittlerweile im schwedischen Markt zur Preisnorm geworden ist. Der Leser vergleiche das bitte mit der T-DSL-Rate unter dem Gesichtspunkt der wesentlich höheren Performance der Schwedischen Lösung („ ... entdecke die Möglichkeiten“).

Dem Preismodell liegt eine durchschaubare klare Kalkulation zugrunde. Was man hat, sind die 25 € als Festbetrag. Wir ziehen einen vernünftigen Profit von 5 bis 10 Prozent, die Abschreibung für die lokale Installation von 5 bis 10 Prozent und 20 Prozent dieses Betrages für die Kosten der Glasfaser auf dem Weg zum Backbone ab. So können also mindestens 60 Prozent aufgewendet werden, um Bandbreite im Fernbereich einzukaufen.

Der Effekt der hohen Kosten für die Bandbreite im Fernbereich führt dazu dass „Breitband“ ein lokales Konzept wird. Flatrates auf traditionellen Strukturen können dem Benutzer, wenn man sie nicht subventioniert, für den weltweiten Verkehr höchstens eine durchschnittliche Bandbreite von vielleicht 5 Kilobit/s. bieten, sonst muss der Betreiber draufzahlen.

Dieser Effekt ändert sich nicht wesentlich für xDSL-Anschlüsse, weil diese ja bereits in der Anschaffung für den Betreiber sehr teuer sind, der Markt aber keine wesentlichen Preisaufschläge akzeptiert. Das ist auch der innere Grund für solche Aktionen wie die Rücknahme der Flatrate bei T-Online. In einer ersten Welle wird der private Benutzer einfach den Verkehr wieder zurücknehmen, aber das hält nicht lange an und er wird schnell unzufrieden.

Verkehrsaggregierung gibt dem Benutzer Shared Access auf Multimegabit Pipes, und die Preise halbieren sich jährlich.

Andererseits sehen wir einen stabilen Trend dass die Internet-Benutzung immer lokaler wird, je mehr Zielgruppendurchdringung vorliegt. Das ist ein Effekt, der sich bei Untersuchungen der Kinsey Group ergab. Man kann in der Zwischenzeit folgendes beobachten: wenn die Durchdringung der Haushalte von 30 auf 50 Prozent ansteigt, fällt das Verhältnis von externem zu lokalem Verkehr von 80 Prozent auf 40 Prozent. Insgesamt kann man sogar sagen, dass ab einer gewissen Schwelle die Verdopplung der angeschlossenen Haushalte zu keiner weiteren Steigerung des Fernverkehrs führt. Das ist ein ganz besonders interessantes Ergebnis. Es ist wahrscheinlich, dass der LAN-basierte Gruppenzugriff diese Entwicklung noch weiter beschleunigt. Die Verfügbarkeit billiger lokaler Bandbreite gibt vor allem lokalen Diensten und lokaler Benutzung einen Vorteil.

Die hier beschriebene Zugangstechnologie ist natürlich umso nützlicher, je dichter das abzudeckende Gebiet bevölkert ist. Die Wirtschaftlichkeit wird umso besser, je mehr Benutzer von einem LAN bedient werden können, je größer also dir Gruppe für den Gruppenzugriff ist.

Für ein dünnbesiedeltes Land wie Schweden könnte es Probleme geben, aber man erwartet dennoch, ca. 90 Prozent der Bevölkerung mit Gruppenzugriffslösungen versorgen zu können. Die Gründe dafür sind wie folgt: selbst in dünnbesiedelten ländlichen Regionen neigen die Leute dazu, in Ansammlungen zu leben und zu arbeiten. So ist der Aufbau einer LAN-Struktur ganz natürlich, auch wenn sich dabei keine konventionellen Ethernet-Domänen ergeben. Außerdem besteht ein adaptierbares Kostenmodell, welches in einem weiten Bereich den Gegebenheiten angepasst werden kann. Und die Strategie ist es, aus den Teilen, die man hat, das Beste zu machen. Im schwedischen Markt war es möglich, den meisten Haushalten unter diesen Gegebenheiten ein vernünftiges kostendeckendes Angebot zu machen.

weiter mit: Das Yipes-Modell

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