Definition

Was ist Seamless Roaming?

| Autor / Redakteur: Stefan Luber / Andreas Donner

Die wichtigsten IT-Fachbegriffe verständlich erklärt.
Die wichtigsten IT-Fachbegriffe verständlich erklärt. (Bild: © aga7ta - stock.adobe.com)

Seamless Roaming gestattet Endgeräten den nahtlosen Wechsel der Funksignalzellen in einem Wireless LAN, ohne dass Verbindungen abbrechen. Die Endgeräte nutzen automatisch das jeweils stärkste WLAN-Signal. Anwendungen wie Videostreaming oder VoIP-Sessions arbeiten unterbrechungsfrei weiter.

Der englische Begriff Seamless Roaming bedeutet im Deutschen in etwa "nahtloses Wechseln". Man versteht darunter das automatische und unterbrechungsfreie Wechseln der Funksignalzellen in einem Wireless LAN. Anwendungen, die auf den Endgeräten ausgeführt werden wie Videostreaming, VoIP-Telefonie oder Online-Gaming, funktionieren ohne erkennbare Unterbrechung weiter. Die so genannte Session Continuity ist sichergestellt. War Seamless Roaming noch vor wenigen Jahren nur in professionellen WLAN-Infrastrukturen verfügbar, setzt es sich mittlerweile mehr und mehr auch im privaten Umfeld durch.

Begriffsklärung Seamless Handover und Seamless Roaming

Der Begriff Seamless Roaming ist grundsätzlich unabhängig von der verwendeten Netzwerktechnik. Es hat sich im allgemeinen Sprachgebrauch jedoch durchgesetzt, dass Seamless Roaming hauptsächlich im WLAN-Umfeld verwendet wird. Das nahtlose Wechseln der zugrundeliegenden Netzwerkinfrastruktur ist zwischen verschiedenen anderen drahtlosen oder kabelgebundenen Netzwerktechnologien möglich.

Im Mobilfunkbereich bezeichnet Roaming eigentlich den Wechsel in ein Netz eines anderen Mobilfunkanbieters. Den Wechsel von einer Funkzelle zu einer anderen Funkzelle beschreibt der Begriff Handover. Ein Seamless Handover gestattet im Mobilfunk den Zellwechsel, ohne dass ein gerade geführtes Gespräch abbricht. Mittlerweile existieren Verfahren, die ein Seamless Handover zwischen Mobilfunknetz und einem Wireless LAN erlauben. Alternative Begriffe hierfür sind Seamless Mobility oder Mobilfunk-Offloading.

Das Leistungsmerkmal Seamless Mobility gestattet den unterbrechungsfreien Wechsel zwischen Mobilfunkzellen und WiFi-Hotspots. Das Endgerät nutzt das aktuell am besten verfügbare Netz. Im Mobilfunk-Umfeld ist eine Unterscheidung zwischen dem so genannten Soft-Handover und Hard-Handover möglich. Bei einem Soft-Handover ist ein Endgerät gleichzeitig mit mehreren Basisstationen verbunden und führt einen Zellwechsel unterbrechungsfrei durch. Bei einem Hard-Handover kommt es beim Zellwechsel zu einer kurzen Übertragungsunterbrechung.

Ablauf des Wechsels von einer Wi-Fi-Zelle in die nächste ohne Seamless Roaming

Ein Wireless LAN, das einen größeren Bereich abdeckt, besteht aus mehreren Access Points, deren Funkbereiche sich gegenseitig überlappen. Sie versorgen die Endgeräte flächendeckend mit einem Wi-Fi-Funksignal. Ohne Seamless Roaming läuft ein Zellwechsel von einem Access Point zum nächsten in der Regel folgendermaßen ab:

Bewegt sich das Endgerät von einer Funkzelle zur nächsten, nimmt die Signalstärke des Access Points, an dem es angemeldet ist, ab. Irgendwann ist das Signal so schwach, dass das Endgerät automatisch auf das stärkere Signal des nächsten Access Points umschaltet. Der Wechsel findet Endgeräte-gesteuert meist erst kurz vor einem Signalverlust statt, obwohl bereits ein stärkeres Funksignal eines anderen Access Points zur Verfügung stünde.

Das eigentliche Handover besteht aus mehreren Schritten. Es kommt zu einer Reauthentifizierung und Aushandlung eines neuen Session-Keys. Abhängig von der Wi-Fi-Infrastruktur kann es notwendig sein, dass das Endgerät eine neue IP-Adresse erhält. Während des Handovers setzt die IP-Verbindung kurz aus.

Der WLAN-Zellwechsel mit Seamless Roaming

Ein nahtloser Wechsel verhindert die Unterbrechung der IP-Verbindung. Es kommen unterschiedliche Verfahren und Technologien zum Einsatz. Teilweise handelt es sich um proprietäre Verfahren der Hersteller des Wi-Fi-Equipments. Die Koordination des Zellwechsels übernimmt das Netzwerk und ist nicht mehr vom Endgerät gesteuert. Zentrale Server oder eine intelligente Kommunikation der Access Points untereinander ermöglichen das Seamless Roaming.

Das Netzwerk ist über die verschiedenen Clients und deren Verbindungen mit den Access Points informiert und kann den Zellwechsel zu einem anderen Access Point mit optimaler Funksignalversorgung aktiv veranlassen. Ein Handover lässt sich auslösen, bevor das Funksignal zu einem Endgerät sehr schwach ist oder abbricht. Während des Zellwechsel halten die intelligenten Protokolle die IP-Verbindungen am Laufen und puffern gegebenenfalls kurzzeitig die IP-Daten zwischen.

Einige Hersteller nutzen so genanntes Preemptive Roaming. Dieses Verfahren meldet Endgeräte an benachbarten Access Points an, selbst wenn sich diese noch nicht in deren Reichweite befinden. Kommt das Endgerät schließlich in den Funkbereich eines Access Points, ist es bereits angemeldet und führt einen nahtlosen Wechsel durch.

Seamless Roaming und verschiedene IEEE-Standards

Neben proprietären Lösungen für das Seamless Roaming existieren diverse Standards. Einer dieser Standards war IEEE 802.11f (IAPP). Er ist eine Erweiterung von IEEE 802.11 und wurde 2003 verabschiedet. Im Standard sind Verfahren für das Roaming von Endgeräten zwischen Access Points definiert. Den Verfahren liegt das Inter Access Point Protocol (IAPP) zugrunde. Die Netzwerkverbindung wechselt dank IAPP ohne Verbindungsabbruch von einem Access Point zum anderen. Steht ein Zellwechsel an, informiert der neu übernehmende Access Point den alten Access Point über einen Handover Request.

2008 ersetzte der Standard IEEE 802.11r (Fast Handover: Erweiterung für VoiP) IEEE 802.11f. Schließlich wurden mehrere Erweiterungen im Standard IEEE 802.11-2012 zusammengefasst.

Seamless Roaming im VPN-Umfeld

Im VPN-Umfeld ist der Begriff Seamless Roaming ebenfalls häufig zu finden. Er beschreibt den Wechsel einer Netzwerkverbindung während einer bestehenden VPN-Verbindung – ohne Unterbrechung oder notwendigen Neuaufbau des VPN-Tunnels. Zugrundeliegende Netzwerkverbindungen können kabelgebunden oder drahtlos sein. So ist es beispielsweise möglich, bei einer bestehenden VPN-Verbindung zwischen WiFi-Hotspots, Mobilfunknetzen und LAN-Verbindungen zu wechseln.

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Aktuelle Beiträge zu diesem Thema

Die FritzBox 7580 im Business-Einsatz

Band Steering, MUMIMO, VPN & Co.

Die FritzBox 7580 im Business-Einsatz

Die DSL-Router der FritzBox-Reihe von AVM sind zwar durchweg als Consumer-Geräte konzipiert, dennoch erfreuen sich die robusten und flexiblen WLAN-Stationen auch in Kanzleien, Praxen, Ladengeschäften, Restaurants, Bars und Büros großer Beliebtheit. Vor diesem Hintergrund haben wir uns das neueste Modell der Reihe genau angesehen. lesen

VPN-Gateway nutzt Sandbox-Technik

VPN-Server mit SSL-VPN-Sandbox, SSO und Seamless Roaming

VPN-Gateway nutzt Sandbox-Technik

Der Secure Enterprise VPN Server (IPsec/SSL) von NCP Engineering unterstützt in der Version 8.10 eine Sandbox-Funktionalität (NCP Virtual Private Desktop), mit der Spuren auf Endgeräten beseitigt werden sollen. lesen

Cloud Services verlangen nach abgesicherten Internet-Verbindungen

Cloud Computing ohne VPN ist ein Sicherheitsrisiko

Cloud Services verlangen nach abgesicherten Internet-Verbindungen

Der Hauptvorteil von Cloud Computing liegt auf der Hand: Eine bessere Skalierbarkeit, weil ein Unternehmen IT-Ressourcen “on demand” ordern kann, und damit verbunden niedrigere Kosten. Allerdings gilt es, den gesamten Datentransfer entsprechend abzusichern. Ein möglicher Weg: Virtual Private Network as a Service. lesen

VPN-Nutzer fordern schnellen Verbindungsaufbau

Nutzerbefragung von NCP zu VPN-Lösungen

VPN-Nutzer fordern schnellen Verbindungsaufbau

NCP Engineering hat rund 490 Anwender, die VPN-Produkte der Firma einsetzen, zu zentralen Anforderungen an VPN-Lösungen befragt: Schneller Verbindungsaufbau, Usability und einfache Administration stehen in der Gunst ganz oben. lesen

VPN Client von NCP mit Seamless Roaming und LTE-Support

NCP Secure Entry Client 9.3 bringt einzigartige Funktionen

VPN Client von NCP mit Seamless Roaming und LTE-Support

NCP engineering bringt mit dem neuesten Release 9.3 seinem Windows VPN-Client bei, auch LTE-Verbindungen zu nutzen und das Internet Key Exchange Protocol Version 2 (IKEv2) zu verstehen. Außerdem überstehen Anwendungen dank Seamless Roaming auch den Wechsel zwischen verschiedenen Netzen bzw. Verbindungstechniken, ohne Verbindungsabbruch. lesen

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 45783017 / Definitionen)