Breitband für ländliche Regionen: Kampf der weißen Flecken

Von klassischem POTS hin zu VDSL mit TDM und VoIP

| Autor / Redakteur: Jürgen Wasem-Gutensohn / Andreas Donner

Der Telekommunikations-Dienstleister htp hat zahlreiche MileGate-Systeme für die Bereitstellung unterschiedlicher Sprach- und Datendienste aus Kabelverzweigern im Einsatz.
Der Telekommunikations-Dienstleister htp hat zahlreiche MileGate-Systeme für die Bereitstellung unterschiedlicher Sprach- und Datendienste aus Kabelverzweigern im Einsatz. (Bild: htp)

Nach wie vor gibt es zahlreiche Gegenden in Deutschland, die ohne schnelle Internetverbindung auskommen müssen. Telekommunikations-Dienstleister wie die htp GmbH aus Hannover nutzen Keymile-Technologie, um diese Gebiete mit schnellen DSL-Zugängen zu versorgen.

Zukunft Breitband: In den niedersächsischen Landkreisen Hildesheim und Peine sowie in der Gemeinde Wedemark sollen die so genannten „weißen Flecken“ verschwinden. Dazu beauftragten die Kommunen den Telekommunikations-Dienstleister htp aus Hannover, bislang weniger gut oder gar nicht versorgte Gegenden mit Breitband-Internetzugängen auszurüsten. So sollen ca. 7.000 Haushalte und Unternehmen mit bis zu 50 Megabit pro Sekunde schnellem VDSL2 versorgt werden.

Im Rahmen seiner DSL-Offensive wird htp die beiden genannten Landkreise und die Gemeinde Wedemark erschließen. In diesen Regionen rund um Hannover gibt es derzeit entweder gar kein DSL, oder nur Internetanschlüsse mit geringer Bandbreite von 2 Megabit pro Sekunde und weniger. Angesichts dieser Unterversorgung muten die zu erzielenden Durchsatzraten von bis zu 50 Megabit natürlich sehr verlockend an.

Der Breitbandausbau wird vom Förderprogramm „Zukunft Breitband“ des Bundeswirtschaftsministeriums bezuschusst. Im Fall der Gemeinde Wedemark kommt htp aber ohne Fördermittel aus, der Ausbau wird mit eigenen Mitteln gestemmt. Um das Risiko für den Netzbetreiber zu minimieren, hat htp vor Projektstart eine Wirtschaftlichkeitsanalyse angefertigt und diese mit einer Befragung der betreffenden Einwohner abgeglichen. Hinreichend viele Bürger bekundeten ihr Interesse an schnellen Internetzugängen – der Ausbau konnte beginnen.

Basis: Multi-Service Zugangsplattform MileGate

htp entschied sich dafür, in allen DSL-Ausbauprojekten die Multi-Service Zugangsplattform MileGate von Keymile einzusetzen. „Wir arbeiten schon länger mit Keymile zusammen. Das Unternehmen aus Hannover war bereits vor Beginn des Ausbauprojekts Lieferant von htp und stellte bereits zahlreiche MileGate-Systeme für unterschiedliche Sprach- und Datendienste aus Vermittlungsstellen, Kollokationsräumen und Kabelverzweigern bereit“, sagt Ralf Kleint, Geschäftsführer von htp in Hannover.

Auch die räumliche Nähe ist ein Vorteil, da der Hersteller der Datenübertragungssysteme wie htp in Hannover beheimatet ist, dort auch entwickelt und produziert. „Für uns bedeutet das kurze Wege. Zudem sind wir aufgrund der umfangreichen Erfahrungen im produktiven Betrieb von den vielfältigen Einsatzmöglichkeiten und der Zuverlässigkeit des MileGate überzeugt“, sagt Kleint. „Mit Keymile haben wir uns für einen Partner entschieden, der unsere hohen technischen Anforderungen zeitnah umsetzt.

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Das Unternehmen htp

IP und TDM parallel im Angebot

Eine wichtige Rolle im Auswahlprozess spielten die technischen Eigenschaften sowie die Zuverlässigkeit und Flexibilität der Multi-Service-Zugangsplattform MileGate. Die Zugangsplattform ist das einzige Produkt, das ISDN über IP beherrscht. Vorteil für die htp-Kunden in den neu zu erschließenden Gebieten: Der Provider kann alle herkömmlichen Telefonanschlüsse an die MileGate-Plattform anschließen, ohne dass die Kunden etwas vom Wechsel des Zugangssystems merken. Einmal verbunden, steht alles Notwendige bereit, um aus den vorhandenen reinen Telefonanschlüssen ADSL- oder VDSL2-fähige Anschlüsse zu machen.

Die MileGate-Architektur sorgt so dafür, dass die Bewohner der ehemals weißen Flecken ihre bisherigen, bekannten Telefonanschlüsse behalten können. Dies ist ein wichtiges Argument für htp, um Berührungsängste ab- und Kundenzuspruch aufzubauen.

Die technische Grundlage dafür bietet MileGates hybride Systemarchitektur, mit der parallel IP-basierte und TDM-Dienste bereitgestellt werden können. htp kann so weiterhin traditionelle POTS- und ISDN-Telefonie anbieten und gleichzeitig jeden Kunden mit breitbandigen ADSL-/VDSL2-Diensten versorgen. Ein weiterer Vorteil der Komplettlösung von Keymile ist, dass alle Dienste (unabhängig davon ob POTS/ISDN oder ADSL/VDSL) mit nur einer einzigen Management-Software gesteuert werden.

Der Grundstein für die spätere IP-Migration ist gelegt

Darüber hinaus ist htp für die in Zukunft sicherlich anstehende Migration von TDM zu IP gut vorbereitet. MileGates hybride Systemarchitektur sorgt dafür, dass die für die traditionelle Telefonie notwendigen V5-Schnittstellen weiterverwendet werden können, ohne die dafür eigentlich benötigte SDH-Übertragungstechnik in jedem Standort installieren zu müssen.

Die TDM-Daten der V5-Schnittstellen werden von dezentralen MileGates in Außengehäusen zu zentralen MileGates, so genannten Root Nodes, transportiert. Erst an diesem Punkt werden die V5-Links dann in das SDH-Netz übergeben.

Der Transport der TDM-Daten zwischen dem MileGate im Außengehäuse und dem zentralen MileGate wird über Glasfaserstrecken mit IP-Technologie realisiert. Dazu wird in beiden Standorten eine CEOP-Baugruppe (Circuit Emulation Over Packet) installiert, die die V5-Links in IP-Daten umwandelt und wieder zurück.

Dieses Verfahren hat für htp den Vorteil, dass die aufwändige Installation von SDH-Technik an den denzentralen Standorten entfällt, an denen V5-Schnittstellen eingesetzt werden. Denn die komplette Datenmenge aus Telefonie- und Internet-Daten kann über ein einziges Glasfaser-basiertes Zubringernetz transportiert werden, das htp gehört.

Insgesamt betreibt htp zurzeit einen zentralen Standort mit drei Root Nodes. Sollte das Ausbaugebiet größer werden – weil beispielsweise weitere Gebiete angeschlossen werden – können einfach zusätzliche Root Nodes aufgebaut werden.

Flexibel und kompakt

Installiert werden die MileGate-Systeme in Außengehäusen von htp. In diesen endet die htp-eigene Glasfaser. Die Anbindung der Teilnehmer läuft über gemietete Kupferleitungen. Wichtige Kriterien für den Einbau der Zugangssysteme in Außengehäusen sind ein geringer Platzbedarf, eine hohe Port-Dichte, eine geringe Leistungsaufnahme sowie ein großer Betriebstemperaturbereich. All diese Anforderungen erfüllt das MileGate-System, das zudem Überwachungs- und Monitoring-Funktionen sowohl für die Netzknoten als auch für die Teilnehmeranschlussleitung bietet.

Die Keymile-Technologie kann aber auch genutzt werden, um Glasfaser bis zum Haushalt oder Unternehmen zu führen (Fiber-to-the-Home). Diese Form des Breitbandausbaus spielt aber beim Erschließen der weißen Flecken durch htp nur eine untergeordnete Rolle und ist hauptsächlich bei Stadtnetzen anzutreffen. In schlecht oder gar nicht erschlossenen ländlichen Gegenden sind die vorhandenen, für VDSL2 tauglichen Kupferleitungen nach wie vor die günstigste Wahl, denn das Verlegen von Glasfasern ist meistens erheblich teurer.

Fit für die Zukunft

Keymile ist Spezialist beim Thema Migration von traditioneller Telefonie zu VoIP und hat die MileGate-Baugruppen entsprechend konzipiert: Die V5-Schnittstellen können per Softwareupdate zu einem VoIP-Media-Gateway erweitert werden – es müssen keine Baugruppen ausgetauscht werden. Somit ist die Plattform nicht nur technisch ein Gewinn für htp, sondern auch hinsichtlich der Investitionssicherheit.

„Wir versprechen uns von MileGate nicht zuletzt eine Vereinfachung der Migration, um unser Netz später einmal komplett in die Welt der Next Generation Networks zu überführen. Wir sind sehr zufrieden mit dem hervorragenden Preis-Leistungs-Verhältnis der Zugangs-Plattform und dem Kundensupport von Keymile“, resümiert Ralf Kleint. „Nicht zuletzt profitieren die Bewohner der drei Regionen von den schnellen DSL-Anschlüssen, denn sie können durch die Investitionen von htp nun endlich auch das Internet mit all seinen Möglichkeiten genießen.“

Über den Autor

Jürgen Wasem-Gutensohn ist Redakteur bei der Beratungsgesellschaft für strategische Kommunikation PR-COM in München.

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