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Definition Was ist VDSL2?

Bei VDSL2 handelt es sich um einen VDSL-Standard der ITU. Er ist abwärtskompatibel zu ADSL-Standards und hat sich im Gegensatz zu VDSL1 in Deutschland und weiteren Regionen durchgesetzt. In Kombination mit Vectoring und Supervectoring lassen sich mit VDSL2 Übertragungsgeschwindigkeiten von mehreren hundert Megabit pro Sekunde realisieren.

Die wichtigsten IT-Fachbegriffe verständlich erklärt.
Die wichtigsten IT-Fachbegriffe verständlich erklärt.
(Bild: © aga7ta - stock.adobe.com)

Unter dem Oberbegriff Very High Speed Digital Subscriber Line (VDSL) existieren verschiedene von der ITU (Internationale Fernmeldeunion) definierte VDSL-Standards. Darunter VDSL2, auch als ITU-T G.993.2 bezeichnet.

VDSL gestattet die Übertragung von Daten mit hoher Geschwindigkeit über herkömmliche Kupferdoppeladern (Telefonleitungen). Im Vergleich zu ADSL (Asymmetric Digital Subscriber Line) sind mit VDSL wesentlich höhere Geschwindigkeiten realisierbar. VDSL2 bietet gegenüber VDSL1 (ITU-T G.993.1), das sich in Deutschland nicht durchgesetzt hat, einige Vorteile. So ist der Standard kompatibel mit ADSL-Standards wie ADSL2+, ermöglicht die Priorisierung bestimmter Anwendungsdaten und erzielt höhere Übertragungsgeschwindigkeiten. In Kombination mit den Erweiterungen Vectoring oder Supervectoring sind mehrere hundert Megabit pro Sekunde möglich. Spricht man in Deutschland von VDSL-Anschlüssen sind meist Anschlüsse auf Basis des VDSL2-Standards gemeint. Die Bezeichnung des Nachfolgestandards lautet G.fast.

Typische Übertragungsgeschwindigkeiten und überbrückbare Entfernungen

Abhängig vom verwendeten Profil und der Nutzung der Erweiterung Vectoring oder Supervectoring sind mit VDSL2 Übertragungsgeschwindigkeiten von 50 bis 300 oder 400 Megabit pro Sekunde realisierbar. Je nach Konfiguration des VDSL-Anschlusses teilt sich die Übertragungsrate in Downloadrate und Uploadrate auf. Die Downloadrate beträgt ein Vielfaches der Uploadrate. Typische Werte ohne Vectoring sind beispielsweise 50 Megabit pro Sekunde im Download und zehn Megabit pro Sekunde im Upload.

Die maximal erreichbare Übertragungsrate ist stark von der Länge und Qualität der Teilnehmeranschlussleitung, also des Telefonkabels zwischen DSLAM und Kundenmodem, abhängig. Die Provider legen Maximalwerte für die Verbindung fest. Die tatsächliche Übertragungsgeschwindigkeit handeln DSLAM und DSL-Modem abhängig von der Qualität, Dämpfung und Länge der Leitung dynamisch aus. Die theoretisch laut Standard maximal möglichen Übertragungsgeschwindigkeiten sind nur über wenige hundert Meter realisierbar.

Verwendete Frequenzbänder und Übertragungstechniken

VDSL2 nutzt auf der Teilnehmeranschlussleitung das Frequenzspektrum bis 30 Megahertz (mit Supervectoring bis 35 Megahertz). Wie sich der Frequenzbereich für den Downstream und Upstream aufteilt ist im so genannten Bandplan festgelegt. Er lässt sich so wählen, dass andere DSL-Übertragungen möglichst wenig gestört werden. Für VDSL2 sind verschiedene Profile nutzbar. Sie legen technische Übertragungsparameter wie die Grenzfrequenz, die Signalstärke oder den Abstand der einzelnen Träger fest. Im Standard sind acht verschiedene Profile definiert. Je nach verwendetem Profil sind unterschiedliche maximale Übertragungsgeschwindigkeiten erzielbar. Besonders große Datenraten bietet das 2015 von der ITU standardisierte Profil 35b, das auch als VDSL2 Supervectoring bezeichnet wird.

Als Modulationsverfahren nutzt ITU-T G.993.2 Discrete Multitone Modulation (DMT), das den Frequenzbereich in viele einzelne Träger mit Bandbreiten von 4,3125 kHz oder 8,625 kHz aufteilt. VDSL kann dynamisch auf eine schwankende Leitungsqualität reagieren und die Parameter der Übertragung ohne Auftrennen der DSL-Verbindung anpassen.

Abgrenzung zu VDSL1

Im Gegensatz zu VDSL1 ist ITU-T G.993.2 abwärtskompatibel mit ADSL-Standards wie ADSL2+ und kann den ADSL-Modus bei Bedarf als Fallback verwenden. Während VDSL1 nur das Frequenzspektrum bis zwölf Megahertz nutzt und maximale Übertragungsgeschwindigkeiten von 52 Megabit pro Sekunde erreicht, erzielt VDSL2 mit dem Frequenzspektrum von 30 beziehungsweise 35 Megahertz wesentlich höhere Übertragungsraten von bis zu mehreren hundert Megabit pro Sekunde. Zudem ist die Abnahme der maximalen Übertragungsgeschwindigkeit mit zunehmender Leitungslänge nicht so stark wie bei VDSL1. VDSL2 eignet sich für Triple-Play-Anschlüsse und All-IP-Services, da der Standard virtuelle Verbindungen mit Priorisierung und Quality of Service (QoS) unterstützt.

Die benötigte Netzwerkinfrastruktur

Wie andere VDSL-Standards benötigt VDSL2 möglichst kurze Entfernungen zwischen dem DSLAM und dem eigentlichen Teilnehmeranschluss. Die maximalen Übertragungsgeschwindigkeiten sind nur mit Leitungslängen der Kupferdoppeladern von wenigen hundert Metern realisierbar. Nur in den Vermittlungsstellen installierte DSLAMs reichen nicht aus, um komplette Anschlussgebiete zu erschließen. Um alle Teilnehmer per VDSL zu erreichen, sind so genannte Outdoor-DSLAMs notwendig. Es handelt sich hierbei um Mini-DSLAMs, die häufig in den Verteilerkästen (Kabelverzweigern) am Straßenrand installiert sind. Sie sind mit schnellen Glasfaserleitungen mit der Vermittlungsstelle verbunden und sorgen für den Übergang von der Glasfaser auf die Kupferdoppelader.

VDSL2 und Vectoring

Vectoring ist eine Erweiterung des VDSL2-Standards, mit der sich noch höhere Übertragungsgeschwindigkeiten erreichen lassen. Möglich wird dies, indem die gegenseitigen durch Übersprechen verursachte Störeinflüsse der Leitungen in einem Kabelbündel durch aktive Kompensationssignale reduziert werden. Vectoring erhöht die Datenrate bei VDSL-Anschlüssen mit 50 Megabit pro Sekunde im Download auf bis zu 100 Megabit pro Sekunde. Vectoring setzt voraus, dass alle an einem DSLAM terminierten Teilnehmeranschlussleitungen eines Leitungsbündels und der Kontrolle eines einzigen Providers sind. Nur so lassen sich die Störeinflüsse errechnen und kompensieren. Supervectoring erhöht die Datenrate zusätzlich und ermöglicht bis zu 300 Megabit im Downstream. Standardisiert ist Supervectoring im VDSL2-Profil 35b.

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