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Einwahl-Zugang RAS/VPN
Den dritten und interessantesten Menüpunkt des Setup-Assistenten stellt die Konfiguration des Lancom 1811n als Einwahlserver für Remote-Clients dar. Es können sowohl Wählverbindung über ISDN als auch VPN-Verbindungen über das Internet eingerichtet werden. Im Betrieb sind dann beide Verbindungsarten gleichzeitig möglich.
Auch bei der VPN-Konfiguration hilft der Setup-Assistent und fragt, ob man den mitgelieferten Lancom-VPN-Client verwenden möchte oder ob die VPN-Verbindung mit Windows- oder anderen Bordmitteln hergestellt werden soll. Als einfachste und stabilste Wahl erwies sich dabei die Nutzung des Lancom-Clients, der per 1-Click-Konfiguration mit wenigen Schritten die Einwahl auf dem Router einrichtet und die Konfigurationsdatei für den Client erstellt, die dann auf dem entfernten PC nach Installation des Lancom-VPN-Clients per Import einzulesen ist.
Mit Hilfe des Supports auf der Lancom-Site über die Support-Knowledge-Base und dem Suchbegriff VPN gelang es ebenfalls, einen VPN-Zugang über das Point-to-Point-Tunneling-Protokoll (PPTP) zu einem Windows-Peer-to-Peer-Netz herzustellen. Dabei muss allerdings dringend darauf hingewiesen werden, dass so eine Verbindung wirklich nur zu Testzwecken verwendet werden sollte, da die Daten hier unverschlüsselt übertragen werden!
Wenn am verwendeten DSL-Anschluss keine feste WAN-IP-Adresse vorhanden ist, muss bzw. kann im Lancom-Router natürlich hinterlegt werden, welcher DynamicDNS-Anbieter für die Aktualisierung eines öffentlichen DNS-Namens mit der (wechselnden) public-IP zuständig ist. An dieser Stelle taucht allerdings ein Kritikpunkt auf: Die Einrichtung eines dynamischen DNS-Dienstes lässt sich nur über den Setup-Assistenten durchführen. Die nachträgliche Änderung oder Überprüfung eines bereits definierten dynDNS-Anbieters ist nicht möglich; das heißt, hier muss komplett neu konfiguriert werden.
ISDN-Anschluss
Der Anschluss an den ISDN-So-Bus kann wahlweise direkt am NTBA oder über eine TK-Anlage erfolgen. Im zweiten Fall muss ggfs. die Ziffer zur Amtsholung im Lancom hinterlegt werden. Zu beachten ist dabei, dass eine MSN bzw. Anlagendurchwahlnummer für die Fernkonfiguration des Routers über ISDN hinterlegt werden kann, die aber NICHT identisch sein darf mit der Nummer, die für abgehende Rufe des Geräts eingegeben werden muss. Im ersten Test der ISDN-Features war genau dies die Ursache für das Scheitern von ISDN-Verbindungen.
Über die ISDN-Leitung kann nicht nur die automatische Backup-Funktion für den Fall einer DSL-Störung eingerichtet, sondern auch die mitgelieferte LAN-CAPI installiert werden, die allen LAN-Clients komplette ISDN- und Fax-Funktionalität zur Verfügung stellt. Getestet wurde die CAPI mit der Fritz-Software von AVM und der Microsoft-Fax-Funktionalität.
Beide Programmpakete funktionierten tadellos über die LANCAPI, lediglich der ISDN-Anschlusstest der AVM-Software zeigte einen Fehler an, obwohl alle Fritz-Programme (FritzFax, FritzData, FritzFon) liefen. Dies rührt offensichtlich daher, dass der Anschlusstest nur auf die CAPI der AVM-Hardware zugeschnitten ist und an der virtuellen Lancom-CAPI scheitert. Doch entgegen des angezeigten Fehlers kommensämtliche CAPI-Anwendungen mit der Lancom-CAPI klar!
USB-Schnittstelle
Gemäß Handbuch kann an der eingebauten USB-Schnittstelle ein USB-Drucker angeschlossen werden, der dann allen LAN-Teilnehmern zur Verfügung steht. Zusätzlich dient die USB-Schnittstelle für andere Erweiterungen.
Ein testhalber angeschlossener Laserdrucker ließ sich ohne Probleme über die IP-Adresse des Routers als „Generic-IP-Printer“ ansprechen, doch welche anderen Erweiterungen hier gemeint sind, lässt das Handbuch offen und konnte auch experimentell nicht ermittelt werden. Die vielfach genutzte und sinnvolle Möglichkeit, einen externen Datenträger (USB-Stick oder Festplatte) an dem Port übers LAN (oder auch WAN) zu nutzen, ist nicht vorgesehen, obwohl ein derartiger Datenträger im Setup-Status-Fenster ordnungsgemäß angezeigt wird. Es ist anzunehmen, dass zukünftige Firmware-Updates diese Funktion eventuell zur Verfügung stellen.
Sonstiges
Während unserer Testphase wurde vom Hersteller ein neues Vorab-Release der Firmware sowie der Konfigurationssoftware bereitgestellt. Der Auslieferungsstand der Software war die Version 7.58.xxx für Firmware und Setup-Programme; angeboten wurde der Stand 7.60.xxx.
Beim Update der Firmware fiel ein Merkmal des Lancom sehr positiv auf, nämlich die Möglichkeit, das Update zunächst im Testmodus einzuspielen, wobei der Originalzustand nicht überschrieben wird. Das Update wird dabei in einem separaten Speicherort im Flash-Eprom des Geräts gespeichert und kann erst mal getestet werden ohne eine irreversible Fehlfunktion befürchten zu müssen.
Selbst wenn die neue Version so fehlerhaft eingespielt wurde, dass der Router überhaupt nicht mehr ansprechbar ist, bootet das Gerät nach kurzer Zeit automatisch mit der vorherigen Version neu. Nach ausgiebiger Testphase kann man schließlich wählen, welches im Router geladene Firmware-Image das standardmäßig aktive sein soll.
Die neue Version (siehe Abbildung 2) offeriert übrigens ein webbasiertes Konfigurationsinterface, das wesentlich übersichtlicher und einfacher zu bedienen ist, als dessen Vorgängerversion (siehe Abbildung 1). Hier zeigt sich deutlich der professionelle Anspruch der Entwickler!
Auch erwähnenswert sei in diesem Zusammenhang ein weiteres durchdachtes Merkmal: Der Reset-Taster des Lancom kann so programmiert werden, dass er entweder nach kurzem Drücken neu startet und nach längerem gedrückt halten das gerät auf Werkseinstellungen zurücksetzt , oder dass er immer – egal wie lange man drückt – nur einen Re-Boot auslöst. Eine derartige Einstellung verhindert, dass – falls unwissende Benutzer am Resetknopf spielen – das Gerät seinen Dienst nicht wiederaufnehmen kann. Dies ist bspw. dann sinnvoll, wenn der Router an einem Ort aufgestellt werden muss, der frei zugänglich ist.
Fazit
Der Multifunktionalrouter Lancom 1811n wireless ist kein Standardgerät für den Heimanwender, sondern ein professionelles Device, das sich für Firmenkunden jeglicher Branchen eigent und sich speziell dort empfiehlt, wo öffentliche Hotspots bereitgestellt werden sollen.
Zudem ist der Lancom 1811n wireless schon allein durch seine mehr als 2.000 Konfigurationskombinationen auf den professionellen Einsatz zugeschnitten und nicht für den Heimanwender gedacht bzw. geeignet. Denn trotz der übersichtlicheren Web-Oberfläche muss der Einrichter schon genau wissen, was er tut und mit der komplexen Thematik von Netzwerken, IP-Konventionen, WLAN-Standards, etc. bestens vertraut sein. Dann aber stehen mit diesem Flagschiff wohl keine Wünsche mehr offen, denn im Test ließ sich nichts finden, was nicht konfigurierbar wäre.
Aktuell ist der Lancom 1811n wireless zu einem Straßenpreis von ca. 500,– Euro zu haben.
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