Suchen

24 Millionen Gigabit-Anschlüsse Coronakrise befeuert Breitbandausbau

Autor / Redakteur: Sarah Böttcher / Dipl.-Ing. (FH) Andreas Donner

Durch die Covid-19-Pandemie ist der Breitbandausbau, der die Grundlage für die Digitalisierung in Deutschland darstellt, so wichtig wie noch nie zuvor. Um mehr als ein Drittel sollen bis Mitte des Jahres die Highspeed-Anschlüsse in Deutschland wachsen. Das sind die Ergebnisse der 2. Gigabit-Studie des VATM.

Firmen zum Thema

Wir brauchen sie, um im Homeoffice zu arbeiten, um mit Freunden und Familien in Kontakt zu bleiben, und natürlich zur Unterhaltung: Bandbreite. Gerade während der Coronakrise ist der Breitbandausbau so wichtig wie noch nie.
Wir brauchen sie, um im Homeoffice zu arbeiten, um mit Freunden und Familien in Kontakt zu bleiben, und natürlich zur Unterhaltung: Bandbreite. Gerade während der Coronakrise ist der Breitbandausbau so wichtig wie noch nie.
(Bild: flashmovie - stock.adobe.com)

Die Corona-Pandemie führt in Deutschland zu einem enormen Digitalisierungsschub. Standen einige Behörden, Unternehmen und Privatkunden der Digitalisierung bisher noch skeptisch gegenüber, werden sie durch die Covid-19-Krise regelrecht dazu gezwungen ihre Bandbreiten aufzustocken und höherwertige Anschlüsse zu buchen.

Digitale Lebensader

Gerade jetzt wird leistungsfähige Bandbreite zur digitalen Lebensader. Denn ohne sie geht nichts: kein Online-Shopping, kein Homeoffice, keine Streamingdienste wie Netflix und Co. und auch kein digitaler Kontakt zu Familien und Freunden. „Digitalisierung und Gigabit-Ausbau sind so wichtig wie noch nie – das haben die vergangenen Wochen in der Coronakrise sehr deutlich gezeigt. Wir sollten daraus lernen und nicht nur den Breitbandausbau, sondern auch die Digitalisierung in Deutschland in den verschiedenen Bereichen konsequent weiter vorantreiben“, betont der Präsident des VATM (Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten) Martin Witt.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 6 Bildern

Für seine 2. Gigabit-Studie hat das Beratungsunternehmen Dialog Consult im Auftrag des VATM den Ausbaustand aller gigabitfähigen Anschlussnetze in Deutschland untersucht. Das erfreuliche Ergebnis: Im ersten Halbjahr dieses Jahres soll die Anzahl von DOCSIS-3.1-Kabel- sowie FTTB-/FTTH-Glasfaseranschlüssen um 5,5 Millionen ansteigen. Durch das Wachstum um mehr als ein Drittel (34 %) im Vergleich zum Vorjahr, sollen in Deutschland dann 24 Millionen gigabitfähiger Anschlüsse verfügbar sein. Hierbei sollen 92 Prozent (22,2 Millionen) Highspeed-Anschlüsse in Deutschland von den Wettbewerbern, acht Prozent von der Deutschen Telekom zur Verfügung gestellt werden. Mögliche Einschränkungen beim Netzausbau durch die Coronakrise wurden innerhalb der Studie jedoch nicht beachtet.

Hybrid Fiber Coax

Die Zahl der verfügbaren Gigabit-Anschlüsse über Breitbandkabel steigt im ersten Halbjahr um voraussichtlich mehr als ein Drittel auf 19,25 Millionen Anschlüsse an. „Die meisten neuen Gigabit-Anschlüsse entstehen auf Basis der HFC-Breitbandkabel-Infrastruktur, schnell und ohne viel Tiefbau. Mit der Verlegung neuer Kabel und bekanntlich entsprechend höheren Investitionen geht der Glasfaserausbau per FTTB/H voran und dies erfreulicherweise insbesondere auf dem Land“, erläutert Torsten Gerpott, wissenschaftlicher Beirat bei Dialog Consult und Inhaber des Lehrstuhls für TK-Wirtschaft an der Universität Duisburg-Essen.

Über HFC (Hybrid Fiber Coax) werden vor allem große Datenübertragungsraten leitungsgebunden ermöglicht. Hierfür nutzen einige Kabelnetzbetreiber einen Mix aus Glasfaser und Koax-Kabeln. Bis in die Nähe der Haushalte werden Glasfasern verlegt, über Koaxialkabel gelangen die Daten aus dem Internet oder Kabelfernsehen dann die letzten Meter zum Endkunden. Die dadurch ermöglichten Surfgeschwindigkeiten sollen um ein Vielfaches höher als DSL liegen.

600.000 neue FTTB/H-Anschlüsse

Den Studienergebnissen zufolge sollen im ersten Halbjahr dieses Jahres mehr als 600.000 neue FTTB/H-Anschlüsse dazukommen – insgesamt sind es dann 4,75 Millionen. Rund drei Milliarden werden dabei von den Mitbewerbern der Deutschen Telekom gebaut. Die Abkürzung FTTB steht für „Fibre to the Building“; FTTH für „Fibre to the Home“. Während bei einem FTTB-Anschluss die Glasfaserleitungen bis in das Gebäude, meist in den Keller, verlegt werden und die letzten Meter zur Wohnung über die vorhandene Kupferleitung überbrückt wird, werden bei einem FTTH-Anschluss die Glasfaserkabel direkt in die Wohnung des Kunden verlegt.

„Hinter den FTTB/H-Anschlüssen stecken hohe Investitionen, die dankenswerterweise nach Deutschland fließen. Noch nie wurde so viel privates Kabel nach Deutschland in den TK-Markt gepumpt, wie nunmehr angekündigt“, betont VATM-Präsident Witt. Bisher wurde der Glasfaserausbau durch die hohen Kosten, die durch den erforderlichen Tiefbau für die Verlegung der Lehrrohre für die Glasfaserkabel notwendig waren, gebremst. Laut dem VATM wächst nun jedoch die Bereitschaft zur Kooperation in der Branche. So setzen fast sämtliche Investoren beim Glasfaserausbau auf „Open Access“. Dadurch ermöglichen Betreiber von Glasfasernetzen beispielsweise anderen Anbietern die Nutzung ihrer Netze.

Schleppende Glasfaser-Nachfrage

Den Umfrageergebnissen zufolge sollen von den 4,75 Millionen Glasfaseranschlüssen, die im Sommer dieses Jahres verfügbar sein sollen, lediglich 1,65 Millionen von Endkunden auch genutzt werden. Das Problem wird oft als zu geringe „Take-Up-Rate“ bezeichnet. Unter diesem Begriff versteht man die tatsächlichen Buchungen von Anschlüssen durch Endkunden. So soll der Anteil der Haushalte die Glasfaser beziehen, bis Mitte 2020 zwar um 50 Prozent ansteigen, jedoch sei dieser in Relation mit den für den Glasfaserausbau anfallenden Kosten noch zu niedrig. Der VATM fordert daher bereits seit längerem „eine Digitalisierungsprämie beim Ausbau, die unmittelbar anschlusswilligen Bürgern zugute kommen soll. Diese Prämie könnte einen deutlichen Schub für Deutschlands Weg in die Digitalisierung auslösen“, führt Witt weiter aus.

Für Witt sind Hochleistungsnetze entscheidend für die Zukunft Deutschlands: „Nur wenn Hochleistungsnetze vorhanden sind, wird Deutschland auch Spitzenreiter bei den innovativsten Diensten und Anwendungen sein. Nur so werden wir die digitale und wirtschaftliche Zukunft Deutschlands erfolgreich gestalten.“

(ID:46555988)

Über den Autor

 Sarah Böttcher

Sarah Böttcher

Online CvD & Redakteurin