Ländliche Gebiete sind beim Ausbau des Glasfaserbreitbandnetzes sowohl Herausforderung als auch Chance. Mit strategischen Innovationen und alternativen Verlegemethoden wie Plug-and-Play-Systemen findet die Industrie neue Wege, um den Ausbau zu beschleunigen, die digitale Kluft zu überbrücken und trotz Arbeitskräftemangel eine inklusive digitale Zukunft zu gestalten.
Die Autoren Sven Strunck und Uwe Hanelt beleuchten in ihrem Beitrag die Herausforderungen und Lösungen beim FTTH/B-Ausbau im ländlichen Deutschland.
(Bild: Corning)
Deutschland hat den Ausbau von Glasfaseranschlüssen bis zum Endkunden (FTTH/B) zu einer nationalen Priorität erklärt – und zwar nicht nur, um die Konnektivität zu verbessern, sondern auch, um seine wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit im digitalen Zeitalter zu sichern. Glasfasernetze gelten mittlerweile als kritische Infrastruktur, und die derzeitige Koalitionsregierung hat beschlossen, ihren Ausbau als Vorhaben von „überragendem öffentlichem Interesse“ einzustufen. Das Ziel: Die alten Kupfernetze sollen im ganzen Land durch Glasfaser ersetzt werden, damit auch abgelegene Regionen Zugang zu Gigabit-Breitband erhalten.
Deutschland hinkt beim Glasfaserausbau hinterher
Damit die Glasfaserziele in Deutschland erreicht werden, ist es notwendig, nicht nur die Kupfernetze abzuschalten, sondern auch einen gleichberechtigten Zugang für städtische und ländliche Regionen zu gewährleisten. Im Vergleich zu urbanen Gebieten steht der Glasfaserausbau in ländlichen Regionen vor größeren technischen und wirtschaftlichen Herausforderungen: Die Infrastruktur muss längere Strecken überbrücken, während pro Kilometer deutlich weniger Anschlüsse bedient werden – was Kosten und Komplexität erhöht. Der Fachkräftemangel in der Telekommunikationsbranche belastet zudem insbesondere ländliche Projekte und gefährdet den zügigen Ausbau der dringend benötigten Konnektivität in diesen Regionen.
Dank staatlicher Initiativen wie der Gigabitförderung 2.0, die bis 2025 1,2 Milliarden Euro für die Breitbandförderung bereitstellt, sind die Chancen, unterversorgte Gebiete anzubinden, heute größer denn je. Auch wenn die Anbindung abgelegener Gebiete weiterhin innovative Ansätze erfordert, schaffen nachhaltige politische Unterstützung und öffentliche Investitionen die Grundlage dafür, dass Deutschland die digitale Kluft schließen und seine Breitbandziele erreichen kann. Laut dem Bericht „FTTH/B in ländlichen Gebieten 2025" des FTTH Council Europe hatten bis September 2024 nur 42 Prozent der Haushalte in Deutschland Zugang zu einer Gigabit-Glasfaseranbindung. Ländliche Gebiete sind besonders unterversorgt, da die FTTH/B-Abdeckung dort lediglich 35 Prozent der Haushalte erreicht. Deutschland rangiert beim Glasfaserausbau in ländlichen Regionen auf Platz 21 in Europa, was den Bedarf an einer beschleunigten Ausbaugeschwindigkeit zur Erreichung der Konnektivitätsziele für 2030 verdeutlicht.
Arbeitskräftemangel bremst FTTH-Projekte - besonders auf dem Land
Die Glasfaserversorgung in ländlichen Gebieten Deutschlands weist im Vergleich zu Nachbarländern wie Dänemark, Frankreich, den Niederlanden und Polen, wo die FTTH/B-Abdeckung zwischen 63 Prozent und 92 Prozent liegt, ein erhebliches Wachstumspotenzial auf. Dies ist zum Teil auf einen Mangel an Fachkräften zurückzuführen. Dieses Defizit ist vor allem in ländlichen Regionen deutlich zu spüren, wo Ingenieure und ausgebildete Spleißer oft weit zu ihren Einsatzorten fahren müssen – was es schwieriger macht, Arbeitskräfte zu finden, und den Zeitaufwand für den Aufbau der dringend benötigten Infrastruktur erhöht. Selbst wenn Arbeitskräfte vorhanden sind, können die langwierigen Installationszeiten in ländlichen Gebieten schnell zu Budgetüberschreitungen führen.
Spezialisierte Arbeitskräfte sind daher entscheidend, um den Glasfaserausbau auf dem Land in Deutschland zu beschleunigen. Der DIHK-Fachkräftereport 2024/2025 verdeutlicht, dass trotz der aktuellen Konjunkturabschwächung, die die Nachfrage nach Fachpersonal dämpft, 43 Prozent der Unternehmen in Deutschland offene Stellen zumindest teilweise nicht besetzen können, weil es an qualifizierten Fachkräften mangelt.
Öffentliche Investitionen und politische Unterstützung sorgen für Aufschwung
Gleichzeitig bleiben bürokratische Hürden ein großes Hindernis. Eine PwC-Umfrage vom März 2025 nennt langwierige und komplexe Genehmigungsverfahren als eine der Hauptursachen, die den flächendeckenden Glasfaserausbau erheblich verlangsamen. Bauanträge durchlaufen oft mehrere Behörden, wobei die Bauvorschriften und Genehmigungskriterien nicht nur zwischen den Bundesländern, sondern auch innerhalb einzelner Kommunen variieren können.
Zusammen bilden diese Faktoren – Arbeitskräftemangel und administrative Hürden – klare Ansatzpunkte für Verbesserungen. Während die Politik nach Mitteln zur Verschlankung der Verwaltungsprozesse sucht, hat die Telekommunikationsbranche bereits praktische Lösungen zur Bewältigung des Arbeitskräftemangels entwickelt. Innovationen wie Plug-and-Play-Systeme (vorkonfektionierte Systeme) ermöglichen eine schnellere Installation ohne spezialisierte Techniker und erleichtern so die Versorgung ländlicher Gemeinden mit Hochgeschwindigkeitsinternet.
Plug & Play: Maximale Effizienz bei minimaler Komplexität
Der Glasfaserausbau in ländlichen Umgebungen erfordert einen erheblichen Aufwand und hohe Investitionen. Dabei machen die Materialkosten nur einen Bruchteil der Herausforderungen aus. Herkömmliche Verlegeverfahren erfordern zudem das Fachwissen verschiedener Spezialisten: Monteure müssen zunächst die Kabel an Masten oder unterirdisch verlegen, Spleißer öffnen die Kabel, führen präzise Spleißarbeiten durch und testen die Verbindungen. Dieser mehrstufige Prozess erschwert die Skalierung des Glasfaserausbaus auf dem Land.
Stand: 08.12.2025
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Plug & Play-Glasfaserlösungen bieten hier eine schlanke Alternative. Durch den Einsatz vorkonfektionierter Komponenten mit integrierten Steckverbindern reduzieren diese Systeme die Anzahl der Spleißstellen und vereinfachen den gesamten Installationsprozess. Techniker können Drop-Kabel schneller und mit weniger Werkzeugen anschließen, da für routinemäßige Erweiterungen oder Änderungen keine Muffen mehr geöffnet werden müssen. Dies beschleunigt nicht nur die Bereitstellung, sondern reduziert auch das Risiko menschlicher Fehler bei der Installation und Wartung. Durch die geringere Abhängigkeit von spezialisiertem Fachpersonal können Netzbetreiber Projekte innerhalb kurzer Zeiträume realisieren.
Frühzeitige Planung, langfristiger Nutzen
Es ist wichtig zu beachten, dass der Glasfaserausbau mit vorkonfektionierten Lösungen eine umfangreichere Vorplanung erfordert als Designs, bei denen im Feld gespleißt wird. In der Planungsphase werden die Streckenlängen der Infrastruktur und die Standorte der Häuser entlang der Kabelstrecke erfasst, um die richtige Platzierung und Größe der Anschlusspunkte zu bestimmen. Sobald das Design jedoch abgeschlossen ist, kann jeder Zugangspunkt deutlich schneller angeschlossen werden als bei konventionellen Verfahren.
Investitionen in eine gründliche Vorplanung mit vorkonfektionierten Lösungen bieten erhebliche geschäftliche Vorteile. Anbieter können Personalkosten senken und die mit Personalmangel verbundenen Risiken minimieren. Schnellere Installationen führen zu einer zügigeren Projektfertigstellung, steigern den Umsatz und verbessern die Kapitalrendite. Außerdem reduzieren optimierte Abläufe die Wahrscheinlichkeit von teuren Verzögerungen und Budgetüberschreitungen. Für Unternehmen, die Glasfasernetze in ländlichen oder schwer zugänglichen Regionen ausbauen, sorgen diese Effizienzen für einen planbaren, skalierbaren und profitableren Ausbauprozess.
Fazit
Für eine maximale Effizienz beim Glasfaserausbau im ländlichen Raum ist es entscheidend, Lösungen zu verwenden, die sorgfältige Planung und eine vereinfachte Installation sinnvoll ausbalancieren.
Uwe Hanelt.
(Bild: Corning)
Sven Strunk.
(Bild: Corning)
Vorkonfektionierte Systeme tragen nicht nur zur Bewältigung des Fachkräftemangels bei, sondern verbessern auch die Projektvorhersagbarkeit und das Finanzmanagement. Mit wachsendem Bedarf an flächendeckendem Breitband wird der Einsatz dieser Innovationen entscheidend, um die Infrastrukturziele mit langfristiger und wettbewerbsfördernder Wirkung zu erreichen.
Über die Autoren
Uwe Hanelt, Dipl.-Ingenieur Telekommunikation, ist Vertriebsdirektor Carrier Networks Zentral-Europa & Skandinavien. Er verfügt über 35 Jahre internationale Berufserfahrung bei Netzbetreibern und führenden Unternehmen der Telekommunikations-Industrie.
Sven Struck ist ein Netzarchitekt mit Spezialisierung auf Carrier-Netzwerke in der Region EMEA. Als Diplom-Wirtschaftsingenieur (FH) bringt er fast 30 Jahre Erfahrung in der Glasfaser-Telekommunikationsbranche mit.