Definition

Was ist ein DSLAM (Digital Subscriber Line Access Multiplexer)?

| Autor / Redakteur: Stefan Luber / Andreas Donner

Die wichtigsten IT-Fachbegriffe verständlich erklärt.
Die wichtigsten IT-Fachbegriffe verständlich erklärt. (Bild: © aga7ta - stock.adobe.com)

Ein Digital Subscriber Line Access Multiplexer (DSLAM) terminiert die DSL-Anschlussleitungen der Teilnehmer und agiert als Gegenstelle zum DSL-Modem. Er ist entweder in der Vermittlungsstelle des Netzanbieters, in einem Outdoor-Gehäuse an der Straße oder einem Gebäude installiert.

Die Abkürzung DSLAM bedeutet Digital Subscriber Line Access Multiplexer. Es handelt sich um eine Komponente der Netzwerkinfrastruktur des Accessbereichs eines Netzbetreibers. Aufgabe des DSLAMs ist es, die Teilnehmeranschlussleitungen (Kupferdoppeladern) zu terminieren und die Daten aggregiert in das Netz zu übertragen oder von diesem zu empfangen. Der Digital Subscriber Line Access Multiplexer bildet die Gegenstelle zum DSL-Modem beim Kunden.

DSLAMs sind dort installiert, wo eine Vielzahl an Teilnehmeranschlussleitungen zusammenlaufen. Dies können beispielsweise Vermittlungsstellen oder dezentrale Punkte wie beispielsweise Kabelverzweiger sein. Im Fall der Installation im Außenbereich werden die DSLAMs Outdoor-DSLAMs genannt.

Synchronisation und Training der DSL-Verbindung / Aushandlung der Geschwindigkeit

Wichtige Aufgaben des DSLAMs sind die Synchronisation und das Training der DSL-Verbindung sowie die Aushandlung der Übertragungsgeschwindigkeit. Hierfür ist im DSLAM für jeden Anschluss ein DSL-Profil konfiguriert, das wichtige Einstellungsparameter vorgibt.

Zunächst synchronisiert sich der DSLAM mit dem DSL-Modem und verständigt sich über die zu verwendende DSL-Norm (zum Beispiel ADSL, ADSL2+ oder VDSL). Anschließend handeln die beiden in der Trainingsphase die Parameter der Verbindung aus. Während des Trainings werden die Übertragungskapazitäten der nutzbaren Frequenzträger der Leitung bestimmt. Die Teilnehmeranschlussleitung wird quasi für die verschiedenen möglichen Frequenzbereiche vermessen.

Es erfolgt eine Markierung der nutzbaren oder nicht nutzbaren Frequenzträger. Entsprechend der Konfiguration des DSL-Profils werden die möglichen Übertragungsraten im Down- und Upstream ausgehandelt und festgelegt. In der Regel erfolgt dies im so genannten ratenadaptiven Modus (Rate Adaptive Mode; RAM). Der DSLAM gibt hierbei für den Down- und Upstream jeweils die Maximalwerte vor. Sind diese Maximalwerte nicht erreichbar, einigen sich DSLAM und DSL-Modem in der Trainingsphase auf die jeweils bestmögliche Datenrate. Kommt es zu keiner Störung oder Unterbrechung der Leitung, bleibt die DSL-Verbindung synchronisiert.

Aufbau eines DSLAMs

Die Schnittstellen in Richtung Teilnehmeranschlussleitung bilden die Linecards mit ihren DSL-Ports. Auf jeder Linecard terminiert eine bestimmte Anzahl an Leitungen. Mögliche Portanzahlen je Karte sind beispielsweise 12, 24, 48, 64 oder 96 Ports. Abhängig von der Größe des DSLAMs und dessen Standort nimmt er eine bestimmte Anzahl an Linecards auf. Zu Zeiten der Realisierung von DSL-Anschlüssen gemeinsam mit analogen Telefonanschlüssen über die gleiche Kupferdoppelader waren die Linecards zusätzlich mit einem Splitter ausgestattet, der das DSL-Signal vom analogen Telefonsignal trennte. In den modernen All-IP-Netzen sind keine Splitter mehr vorhanden, da sämtliche Dienste über das Internet Protocol (IP) realisiert sind.

In Richtung Backbonenetz besitzt der DSLAM eine oder mehrere breitbandige Schnittstellen. Es handelt sich um Glasfaserverbindungen, über die Übertragungsraten von 155 Mbit/s (STM-1) oder bis in den Gigabit-Bereich (per Gigabit-Ethernet-Schnittstelle) erreicht werden. Über diese breitbandigen Verbindungen werden die Daten aller am DSLAM angeschlossenen Teilnehmer aggregiert übertragen. Ziel der Daten ist abhängig von der Netzwerkarchitektur des Netzbetreibers beispielsweise ein regionaler Breitband-Router, der die PPPoE-Sessions terminiert und den IP-Verkehr routet.

Da es sich bei den DSLAMs um aktive Netzkomponenten handelt, müssen sie von der Ferne steuer- und konfigurierbar sein. Beispielsweise kann es notwendig sein, die Software eines DSLAMs upzudaten, neue DSL-Profile zu laden, den Status eines Kundenports zu ermitteln oder eine Anschlussleitung über eine Prüfschaltung zu messen. Hierfür besitzen die Geräte eine Inband- oder Outband-Managementschnittstelle. Über diese kommunizieren sie mit einer zentralen Managementsoftware und empfangen Konfigurationsbefehle oder senden den Status von Ports und Leitungen.

Die Rolle des Outdoor-DSLAMs

Outdoor-DSLAMs sind nicht in einer Vermittlungsstelle, sondern dezentral beispielsweise in einem Verteilerkasten am Straßenrand installiert. Sie sind notwendig, wenn die Entfernung zwischen der Vermittlungsstelle und dem Teilnehmer so groß ist, dass sie für die gewählte DSL-Technik und Übertragungsgeschwindigkeit nicht per Kupferdoppelader überbrückbar ist. Da die maximal mögliche Übertragungsrate mit zunehmender Länge der Leitung und steigender Dämpfung abnimmt, lassen sich die hohen Übertragungsraten von VDSL-Anschlüssen oft nur über wenige hundert Meter Kupferkabel realisieren.

Der DSLAM ist möglichst nah am Teilnehmer zu installieren. Typische Standorte für die DSLAMs sind die Kabelverzweiger in den Straßen. Dort findet der Übergang vom Medium Kupferdoppelader auf Glasfaser statt. Der Outdoor-DSLAM terminiert die am Kabelverzweiger ankommenden VDSL-Teilnehmerleitungen und leitet den Datenverkehr über eine breitbandige Schnittstelle per Glasfaser in Richtung Netz des Betreibers weiter. Ein Outdoor Digital Subscriber Line Access Multiplexer besitzt wesentlich weniger Anschlussports als ein in einer Vermittlungsstelle installierter DSLAM. Er wird daher als Mini-DSLAM bezeichnet. In einigen Infrastrukturen, in denen die Glasfaser bis in zentrale Gebäudeübergabepunkte verlegt sind, sind Outdoor-DSLAMs direkt in den Gebäuden installiert. In diesem Fall wird nur der letzte Teil der Verbindung vom Übergabepunkt bis in die Wohnung des Teilnehmers per Kupferleitung und DSL überbrückt.

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