Definition

Was ist VDSL1?

| Autor / Redakteur: Stefan Luber / Andreas Donner

Die wichtigsten IT-Fachbegriffe verständlich erklärt.
Die wichtigsten IT-Fachbegriffe verständlich erklärt. (Bild: © aga7ta - stock.adobe.com)

VDSL1 ist ein von der ITU definierter VDSL-Standard. Im Gegensatz zu VDSL2 ist er nicht mit ADSL-Standards wie ADSL2+ abwärtskompatibel. Die maximal realisierbare Übertragungsgeschwindigkeit nimmt mit zunehmender Leitungslänge sehr stark ab. VDSL1 hat sich in Deutschland nicht durchgesetzt.

Unter dem Oberbegriff VDSL (Very High Speed Digital Subscriber Line) sind verschiedene Übertragungsstandards zusammengefasst, die die Datenübertragung mit hohen Geschwindigkeiten auf herkömmlichen Telefonleitungen (Kupferdoppeladern) ermöglichen. Im Vergleich zu den ADSL-Standards (Asymmetric Digital Subscriber Line) wie ADSL2+ sind wesentlich höhere Geschwindigkeiten realisierbar. Die maximal erreichbare Datenübertragungsrate sinkt jedoch relativ stark mit zunehmender Leitungslänge.

Wichtige VDSL-Standards der ITU (Internationale Fernmeldeunion) sind VDSL1 und VDSL2. Die genaue Bezeichnung für den VDSL1-Standard lautet ITU-T G.993.1 und für den VDSL2-Standard ITU-T G.993.2. VDSL1 erlaubt Downloadraten bis zu 52 Megabit pro Sekunde und nutzt auf der Telefonleitung das Frequenzspektrum bis zwölf Megahertz. Da die maximal erreichbare Übertragungsgeschwindigkeit im Vergleich zu VDSL2 niedriger ist, die Geschwindigkeit mit zunehmender Entfernung stärker abnimmt und der Standard nicht mit anderen ADSL-Standards abwärtskompatibel ist, hat sich ITU-T G.993.1 in Deutschland nicht durchgesetzt. Ist in Deutschland von VDSL-Anschlüssen die Rede, sind meist Anschlüsse basierend auf VDSL2 gemeint.

Typische realisierbare Übertragungsgeschwindigkeiten und überbrückbare Entfernungen

Der Standard ITU-T G.993.1 ermöglicht eine maximale Übertragungsgeschwindigkeit von 52 Megabit pro Sekunde im Downstream und elf Megabit pro Sekunde im Upstream bei Leitungslängen von circa bis zu 300 Metern. Je nach verwendetem Frequenzplan lässt sich das Verhältnis zwischen Upstream und Downstream anders aufteilen. Bei zunehmender Leitungslänge sinken die maximal möglichen Übertragungsgeschwindigkeiten schnell ab. Schon bei 900 Metern liegt die maximale Übertragungsrate bei circa 25 Megabit pro Sekunde und erreicht das Niveau von ADSL2+. Bei circa zwei Kilometern Leitungslänge sind nur noch Geschwindigkeiten auf ADSL-Niveau möglich. ITU-T G.993.1 ist aufgrund dieser Eigenschaften nur für Einsatzszenarien interessant, bei denen die Länge der Kupferdoppelader zwischen DSLAM und Teilnehmeranschluss nicht zu groß ist.

Verwendete Frequenzbänder und Übertragungstechniken

VDSL1 nutzt das Frequenzspektrum bis zwölf Megahertz. Das Spektrum ist je nach Verhältnis zwischen Upstream und Downstream in verschiedene Frequenzblöcke aufgeteilt, die jeweils für das Senden oder das Empfangen von Daten verwendet werden. Es existieren Bandpläne mit bis zu vier verschiedenen Frequenzbändern. Als Modulationsverfahren kommt Discrete Multitone Transmission (DMT) in Kombination mit Quadratur Amplituden Modulation (QAM) zum Einsatz. ITU-T G.993.1 ist in der Lage, sich dynamisch der Qualität der Teilnehmeranschlussleitung anzupassen.

Abgrenzung zu VDSL2

Im Gegensatz zu VDSL2 ist VDSL1 nicht mit ADSL-Standards wie ADSL2+ abwärtskompatibel. VDSL2 kann unter bestimmten Bedingungen auf den ADSL-Modus umschalten. Das ist mit ITU-T G.993.1 nicht möglich. Aus diesem Grund nutzen Netzbetreiber, die bereits ADSL im Einsatz haben, ungern den VDSL1-Standard. Durch das breitere Frequenzspektrum von VDSL2 mit bis zu 30 Megahertz (beziehungsweise 35 Megahertz bei Supervectoring) sind höhere Übertragungsgeschwindigkeiten realisierbar. Mit Vectoring oder Supervectoring erreichen VDSL2-Verbindungen mehrere hundert Megabit pro Sekunde im Downstream. Die maximal mögliche Übertragungsgeschwindigkeit bei VDSL2-Verbindungen nimmt mit zunehmender Leitungslänge nicht so stark ab wie bei VDSL1. Eine weitere Besonderheit von VDSL2 ist, dass virtuelle Verbindungen und Quality of Service (QoS) unterstützt werden. Dies macht VDSL2 für All-IP-Services und Triple-Play-Anschlüsse interessant.

Die benötigte Netzwerkinfrastruktur

Wie VDSL2 benötigt VDSL1 im Accessbereich eine Netzwerkinfrastruktur mit möglichst kurzen Entfernungen zwischen dem DSLAM und dem Teilnehmeranschluss. Nur wenn die Kupferdoppeladern maximal wenige hundert Meter lang sind, lassen sich die hohe Datenübertragungsraten realisieren. Nur in den Vermittlungsstellen installierte DSLAMs sind in der Regel nicht ausreichend. Um alle Teilnehmer per VDSL zu erreichen, sind so genannte Outdoor-DSLAMs notwendig. Diese sind in vielen Accessnetzen in den Verteilerkästen (Kabelverzweigern) an der Straße installiert und per Glasfaser mit hoher Geschwindigkeit mit der Vermittlungsstelle verbunden.

Verbreitung von VDSL1

VDSL1 ist für die Realisierung von Internetzugängen oder für die Kopplung von lokalen Netzwerken über Telefonkabel einsetzbar. In Deutschland und in großen Teilen der Welt hat sich der Standard nicht durchgesetzt. Im Vergleich zu VDSL2 bietet er einige gravierende Nachteile wie mangelnde Abwärtskompatibiltät zu ADSL und starker Geschwindigkeitsabfall mit zunehmender Leitungslänge. Die Priorisierung der unterschiedlichen per VDSL1 übertragenen Anwendungsdaten ist ebenfalls nicht möglich. Lediglich in Teilen Asiens sind größere, flächendeckende Installationen und Zugangsnetze auf Basis von VDSL1 zu finden. Aufgrund der höheren Bevölkerungsdichte und der besseren Versorgung mit Glasfasern kommt dort der Standard zur Überbrückung nur kurzer Distanzen zum Einsatz. Ist in Deutschland von VDSL die Rede, ist in der Regel VDSL2 gemeint.

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