Welche Chancen 5G für Netzbetreiber bringt – Teil 4

Was bedeutet 5G für Festnetzbetreiber?

| Autor / Redakteur: Niall Hunt / Andreas Donner

5G wird Festnetzbetreiber zwingen, ihre Prozesse anzupassen – aber es ist keineswegs ein Todesurteil für sie.
5G wird Festnetzbetreiber zwingen, ihre Prozesse anzupassen – aber es ist keineswegs ein Todesurteil für sie. (Bild: © MR - stock.adobe.com)

Von schnelleren Geschwindigkeiten und geringeren Latenzen über verbesserte Zuverlässigkeit bis hin zur Einführung innovativer Anwendungen wird 5G die Netzwerkinfrastruktur wie kaum eine andere Technologie verändern.

In einer immer stärker vernetzten Welt muss es Netzbetreibern gelingen, ihre bestehenden 4G-Netze zu skalieren, gleichzeitig auf 5G umzusteigen und dabei auch noch rentabel zu bleiben. Das ist keine leichte Aufgabe. Der Umstieg auf 5G dürfte sich langwierig und kompliziert gestalten, zumal ein leistungsstarkes Glasfasernetz als entscheidende Komponente für wirtschaftlichen Erfolg gesehen wird.

Nur ein Unternehmen, das die Herausforderungen erfolgreich bewältigt, wird in einer datengesteuerten Zukunft wettbewerbsfähig bleiben. Denn 5G wird voraussichtlich viele der großen Herausforderungen globaler transformativer Anwendungen lösen, wie selbstfahrende Fahrzeuge, intelligente Netze und öffentliche Sicherheitssysteme. Die Einführung von 5G bedeutet daher für Netzbetreiber im Allgemeinen eine Mischung aus Risiko und Nutzen. Aber wie sieht es für Festnetzbetreiber im Speziellen aus? Sollten sie sich Sorgen über die rasante Entwicklung der Technologie machen oder sie als Chance sehen, um ihre Infrastruktur zu modernisieren und ihre Prozesse zu verändern?

Chancen stehen vor der Tür

Das Muster dürfte jedem, der in der Telekommunikationsbranche arbeitet, vertraut sein: Eine neue Generation der drahtlosen Technologie verspricht verbesserte Geschwindigkeiten, Kapazitäten und Leistungen – und kurz darauf folgen die Prophezeiungen über den Tod des Festnetzes.

5G ist da nicht anders. Aber Festnetzbetreiber müssen dennoch keine Angst haben, sie werden vielmehr in der Zukunft der mobilen Infrastruktur eine Schlüsselrolle spielen. Denn mobile und drahtlose Technologien, die angesichts der explodierenden Kundennachfrage nach mehr Bandbreite und höherer Effizienz streben, werden mehr denn je auf die Unterstützung der Festnetzinfrastruktur angewiesen sein.

Viele Festnetzbetreiber haben sich bereits auf diese wachsende Abhängigkeit eingestellt. In den letzten zehn Jahren haben sie zusammen mit dem Aufbau von FTTH-Netzen (Fiber to the Home) auch die Grundlagen für neue Möglichkeiten der drahtlosen Festnetzkonvergenz gelegt. Ungeachtet der üblichen Bedenken werden sich für die Betreiber in den kommenden Jahren also viele Chancen ergeben, vor allem dadurch, dass 5G aufgrund der Menge der unterstützten Geräte und Daten eine beispiellose Kapazität benötigt.

Festnetzbetreiber können somit eine wichtige Rolle in der mobilen Evolution spielen, solange sie bereit sind, 5G als Chance und nicht als Bedrohung zu betrachten. Um das volle Potenzial von 5G ausschöpfen zu können, muss die Mobilfunktechnologie durch das Festnetz unterstützt werden. Die hohe Kapazität und Geschwindigkeit, die Glasfaser bietet, machen sie dabei zur idealen Basis um mit der beispiellosen Datenmenge fertig zu werden, die 5G voraussichtlich sowohl bei Fronthaul- als auch Backhaul-Daten erzeugen wird.

Die Notwendigkeit Festnetze nahtlos zu integrieren, bietet deren Betreibern eine große Chance. In Zukunft werden sich Mobilfunkbetreiber voraussichtlich deutlich enger mit Festnetzbetreibern abstimmen müssen, da ihre Bedeutung immer deutlicher wird. Dabei werden sich drei Schlüsselbereiche herauskristallisieren.

  • Erstens haben Festnetzbetreiber einen Vorteil in Bereichen in denen sie über eigene Ressourcen verfügen, wie Glasfasermasten, -schränke und Wegerechte zu Gebäuden. Die Infrastruktur in der Nähe zukünftiger Kleinzellenanforderungen schafft einen Wettbewerbsvorteil, der es ihnen ermöglicht diese kleinen Zellen sehr wirtschaftlich zu bedienen.
  • Zweitens bieten dieselben Ressourcen auch ein Differenzierungsmerkmal im Wettbewerb, wenn es um Colocation geht. Um die Gesamtlatenz zu reduzieren, müssen Dienstanbieter die Daten viel näher an die Endbenutzer bringen. Das eröffnet für Festnetzbetreiber die Möglichkeit, Rackplatz in ihren Basisstationen an Content-Anbieter zu vermieten. Diese sind dann in der Lage ihren Abonnenten Inhalte mit deutlich geringerer Latenz zu liefern.
  • Für einen solchen Service können Festnetzbetreiber dann drittens eine Prämie erzielen – solange ihre Infrastruktur für 5G modernisiert ist, z.B. durch die Schaffung neuer Standorte für die Aufnahme zukünftiger Workloads.

Das heißt also, dass die Betreiber ihre Vermögenswerte nutzen können, um entweder neue Vertriebsmöglichkeiten zu erschließen oder sich selbst in 5G-Implementierungen vorzuwagen. Ihnen dürfte zunehmend klar werden, dass ihr Festnetz bei der Bereitstellung von 5G ein Wettbewerbsvorteil ist. Schließlich können sie dieses Zugangsnetz nutzen, um Verbraucher und Unternehmen miteinander zu verbinden und die Anbieter beim schnelleren Ausbau der 5G-Netze zu unterstützen.

Nicht zuletzt wird der Festnetzbreitbandmarkt eine Schlüsselrolle bei der Bereitstellung ultraschneller Geschwindigkeiten und einer größeren Abdeckung sowie Verfügbarkeit spielen. Bei der Implementierung von 5G-Netzen werden die Betreiber schnell erkennen, dass die Funkzellen kleiner werden. Das bedeutet, dass mehr Stationen näher an den Endverbrauchern aufgebaut werden müssen.

Niall Hunt.
Niall Hunt. (Bild: SPECTRUM-TCR-LTD / BBWF)

Diese Basisstationen müssen im nächsten Schritt miteinander verbunden werden. Das bedeutet letzten Endes, dass ein 5G-Netz weitgehend ein großes Glasfasernetz sein wird, das nur am jeweiligen Ende eine kurze Distanz mittels 5G abdeckt. Da bereits jede Straße und jedes Gebäude per Festnetz angebunden ist, kann dieses genutzt werden, um kleine 5G-Zellen für schnellere und kostengünstigere Implementierungen zu verbinden.

5G wird Festnetzbetreiber voraussichtlich zwingen, ihre Prozesse anzupassen, aber es ist keineswegs ein Todesurteil für sie. Es werden sich viele Möglichkeiten ergeben, insbesondere für diejenigen Festnetzbetreiber, die bereit sind sich den anstehenden Veränderungen zu stellen.

Über den Autor

Niall Hunt ist Digital Content Lead beim Broadband World Forum (BBWF).

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