ZTE stellt Managed Services für die E-Plus Gruppe bereit

Übernahme des Netzbetriebs: Keiner hat es bemerkt

| Autor / Redakteur: Raimund Winkler / Andreas Donner

Im Network Operations Center (NOC) von ZTE laufen alle Fäden zusammen.
Im Network Operations Center (NOC) von ZTE laufen alle Fäden zusammen. (Bild: ZTE)

Der chinesische Telekommunikationsausrüster ZTE liefert nicht nur seit Jahren technisches Equipment an die E-Plus Gruppe, sondern verantwortet seit Anfang 2014 auch Bau und Betrieb des gesamten Netzes im Rahmen eines Managed Services-Vertrages.

Mit dem im vergangenen Jahr unterzeichneten Fünfjahresvertrag, der die Verantwortung für den Roll-out und Betrieb des Mobilfunknetzes regelt, gehen E-Plus und ZTE gemeinsam neue Wege. Die gefundene Lösung unterscheidet sich nicht nur in Umfang und Zielsetzung von klassischen Outsourcing-Vereinbarungen und ist der größte derartige Deal in Europa, sondern garantiert E-Plus vor allem eine hohe Qualität bei seinen ambitionierten Wachstumsplänen.

Bereits seit dem Jahr 2009 arbeiten beide Firmen erfolgreich zusammen und ZTE ist ein zentraler Partner des umfassenden Netzausbauprogramms der Düsseldorfer Mobilfunker. So hat der chinesische Lieferant neben der Zugangstechnik für die UMTS-Erweiterung HSPA+ auch die Paket Core Network-Technologie geliefert und ist maßgeblich am Aufbau des 4G-Standards LTE im Mobilfunknetz der E-Plus-Gruppe beteiligt.

Neue Stufe der Zusammenarbeit

Durch die neue Stufe der Zusammenarbeit will der Netzbetreiber Synergievorteile nutzen, den Netzausbau beschleunigen und die Reaktionszeiten bei Netzbeeinträchtigungen verkürzen. Zudem vermindert die ganzheitliche Prozessverantwortung, die ZTE übernimmt, das Risiko für E-Plus. Denn bei Problemen können sich nun nicht mehr verschiedene Dienstleister gegenseitig die Verantwortung zuschieben. Dabei verfolgt ZTE einen Multivendor-Ansatz und betreut auch Netzelemente von Wettbewerbern wie Nokia Solutions and Networks, Ericsson oder Huawei.

Während das Eigentum des Netzes inklusive der strategischen Netzplanung und -entwicklung weiter in den Händen des Providers verbleibt, organisiert ZTE nun das gesamte operative Geschäft in den Bereichen Netzbetrieb und Rollout. Dazu übernahm das chinesische Unternehmen zu Jahresbeginn alle mit dem Netzausbau und -betrieb beschäftigten 750 Mitarbeiter des bisherigen Outsourcing-Partners Alcatel-Lucent Network Services (ALNS) und integrierte sie schrittweise in die deutsche ZTE-Organisation. Das dafür notwendige Investment von 70 Millionen Euro zählt zu den größten Auslandsinvestitionen eines chinesischen Konzerns in Deutschland.

Die mit E-Plus getroffene Vereinbarung sieht eine deutliche Kosten- und Qualitätsoptimierung auf Basis von gemeinsam definierten KPIs (Key Performance Indikatoren), ein partnerschaftliches Innovationsmanagement und ein neuartiges Governance-Modell vor. Der dynamische Vertrag enthält einen variablen Anteil, der sich an Netzgröße und -ausbau orientiert. Das hat für den Mobilfunkbetreiber den Vorteil, dass es ein starkes Eigeninteresse des Partners an einem schnellen Netzausbau gibt. Denn nur bei Einhaltung der vereinbarten Ziele fließt das Geld.

Vom Netzwerk-Kontrollzentrum bis zum Field-Service

Das Managed Services-Portfolio von ZTE beinhaltet die vier Hauptelemente Service Operations, Service Management, Rollout und Business Support. Zur operativen Umsetzung gehören ein Network Operations Center (NOC) in Rumänien mit Helpdesk, das zum Beispiel den 1st Level-Support garantiert und 24 Stunden an 365 Tagen remote die Netzverfügbarkeit überwacht, Alarme bearbeitet und überprüft oder Reparatur-Tickets auf den Weg bringt.

Ein Local Service Operation Center mit Sitz in Düsseldorf übernimmt im Fall von Störungen den 2nd und 3rd Level-Support ebenso wie das Multivendor-Management, die Performance-Optimierung, die Steuerung der Wartungsarbeiten sowie das Kapazitäts- und Konfigurationsmanagement. Der Field Service in Deutschland ist in die Regionen Nord (Hannover), West (Düsseldorf), Süd (München), Ost (Berlin) und Mitte (Frankfurt) aufgeteilt und beinhaltet auf zentraler Ebene das Dispatching und Reporting sowie den generellen Einsatz der Mitarbeiter. Vor Ort in den Regionen werden dann Aufgaben wie Entstörung, vorausschauende Wartungstätigkeiten, Ersatzteillogistik und konkrete Arbeitseinsätze organisiert.

Zum Bereich des Service Managements – dem zweiten Standbein des ZTE-Portfolios – zählen das Projektmanagement insgesamt, die Verwaltung von Inventar und Ressourcen, die Prozess-Entwicklung und -Optimierung, das Change-Management, die Planung von Logistik und Ersatzteilversorgung, das Performance-Management für das Netz und der Betrieb des Testcenters oder das Training der Mitarbeiter.

Das dritte Element des Service-Portfolios von ZTE ist der Rollout von Netzerweiterungen und -umbauten. Er wird zum Teil zentral gesteuert – etwa was die Zusammenarbeit mit Energieversorgern, Subunternehmen für Bauleistungen oder die Grundstücksverwaltung und Fragen der Funktechnik betrifft. Viele Aufgaben erledigen aber auch die Niederlassungen vor Ort.

Durch die Partnerschaft mit ZTE will die E-Plus Gruppe den Netzausbau weiter beschleunigen.
Durch die Partnerschaft mit ZTE will die E-Plus Gruppe den Netzausbau weiter beschleunigen. (Bild: ZTE)

Natürlich sind bei derart komplexen Managed-Service-Projekten zahlreiche unterstützende Funktionen notwendig, die als „Business Support“ ebenfalls Teil des Portfolios von ZTE sind. Das fängt bei den IT-Systemen an, geht über Beschaffung und Fahrzeugflottenverwaltung bis zum Personal- und Finanzwesen und hört bei Fragen des Umweltschutzes, der Arbeitssicherheit oder des Datenschutzes und der IT-Security noch längst nicht auf.

Eigenes Softwarehaus ermöglicht kurze Wege

Einen wesentlichen Aspekt stellt die enge Kooperation mit der ZTE Soft Technologies Co. Ltd. in China dar. Denn diese Schwesterfirma entwickelt maßgeschneiderte Software-Tools, die den Betrieb und die Wartung des Netzes vereinfachen und modernisieren. Durch die unmittelbare Zusammenarbeit mit der konzerneigenen Softwareschmiede können Erfahrungen aus der alltäglichen Praxis des Netzbetriebes unmittelbar in die Entwicklung geeigneter Softwarelösungen einfließen.

Umgekehrt hat das Service Management in Deutschland eine direkte Anbindung an die Forschung und Entwicklung des ZTE-Konzerns in China und kann vor Ort die neuesten Tools implementieren. Den Anfang machten eine Lösung für das Ersatzteil-Management und ein Workforce-Management-System für den Außendienst, dass dessen Arbeit merklich erleichtert.

Sie sind Teil der ZSmart Suite, die eine komplette Palette an vorintegrierten Modulen im Bereich BSS (z.B. CRM, Abrechnung, Kundendienst, Self Service, Produktkatalog-Management) und OSS (u.a. Netzüberwachung, Fault Management, Provisioning, Qualitätsmanagement, Ticketing, Workforce Management oder Performance Management) bietet. Mit ihrer konsolidierten Datenbank reduziert diese IT-Plattform, die weltweit bereits von über 50 Netzbetreibern eingesetzt wird, die Komplexität, die IT-Kosten und die Time-to-Market-Spanne deutlich – sowohl im Fest- wie im Mobilnetz. In der Zusammenarbeit mit E-Plus werden die Software-Tools von ZTESoft mittelfristig die bisherigen Altsysteme ablösen und sollen zu einer deutlichen Effizienz- und Produktivitätssteigerung führen.

weiter mit: Vielfältige Herausforderungen beim Übergang

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