Netzwerk-Virtualisierung und Breitbandanbindung als Grundlage von Cloud Computing

Ohne flexible optische Netze bleibt Cloud Computing ein Wunschtraum

29.03.2011 | Autor / Redakteur: Christian Illmer / Andreas Donner

Die Komponenten von Cloud Computing – aber Cloud-Services „funktionieren“ nur mit einer Breitband-Netzwerkanbindung
Die Komponenten von Cloud Computing – aber Cloud-Services „funktionieren“ nur mit einer Breitband-Netzwerkanbindung

Cloud Computing ist unbestritten eine Technologie, die in den kommenden Jahren die IT-Landschaft drastisch verändern wird. Doch bei aller Euphorie rund um die „Cloud“ wird häufig eines übersehen: ohne eine leistungsstarke und vor allem flexible optische Netzwerkinfrastruktur bleibt Cloud Computing ein luftiges Gebilde ohne Substanz.

Den Prognosen von Marktforschern und IT-Fachleuten zufolge steht Cloud Computing eine rosige Zukunft bevor. Die Marktforschungsgesellschaft Gartner geht beispielsweise davon aus, dass 2012 weltweit rund 114 Milliarden Dollar mit Cloud-Services umgesetzt werden. Für 2013 erwartet Gartner eine Steigerung auf 150 Milliarden Dollar; siehe Abbildung 1.

Auch in Deutschland gewinnt Cloud Computing an Bedeutung. Die Beratungsfirma Experton Group schätzt, dass der Umsatz mit Cloud-Computing-Diensten 2011 an die 930 Millionen Euro betragen wird. Hinzu kommen rund 317 Millionen Euro für Beratung und Integrationsdienstleistungen sowie 671 Millionen Euro für Hard- und Software. Für 2015 prognostiziert die Experton Group einen Umsatz von 8,16 Milliarden Euro mit Produkten rund um die Cloud.

Desktops aus der Cloud beziehen

Zu den klassischen Cloud-Angeboten zählen das Bereitstellen von Software (Software as a Service, SaaS) sowie von Rechenleistung und Speicherkapazitäten (Infrastructure as a Service, IaaS). Hinzu kommen Entwicklungsumgebungen und Middleware, die als Platform as a Service (PaaS) angeboten werden. Es ist jedoch absehbar, dass weitere „As-a-Service-“Angebote hinzu kommen.

Etliche Cloud-Service-Provider stellen beispielsweise komplette Desktop-Umgebungen über die Cloud zur Nutzung bereit, etwa Windows und die entsprechenden Anwendungen wie Office-Pakete. Sofern sie sich standardisieren lassen, werden künftig sogar komplette Geschäftsprozesse via Cloud zur Verfügung stehen.

Häufig unterschätzt: die Netzwerkanbindung

Geht es um Cloud-Computing-Komponenten, ist häufig die Rede von Servern, Netzwerk-Switches und Storage-Systemen, zudem von Virtualisierungslösungen wie Vmware, Citrix Xen und Microsoft Hyper-V. Eine Komponente wird dagegen häufig übersehen, ohne die Cloud Computing nicht möglich wäre: eine leistungsfähige Netzwerkanbindung. Dies gilt nicht nur für Verbindungen innerhalb des Rechenzentrums, also zwischen Servern, Switches und Speichersystemen. Dort kommen Ethernet, Fibre Channel oder Fibre Channel over Ethernet (FCoE) über lokale Netze und Storage Area Networks zum Zuge.

Entscheidend ist, dass Breitband-Weitverkehrsverbindungen (WAN) zur Verfügung stehen, welche die Verbindung zu Cloud-Rechenzentren herstellen oder die Data Center eines Unternehmens im Rahmen einer „Intra-Cloud“ miteinander koppeln. Derzeit vertrauen viele Unternehmen noch auf E1/T1-WAN-Verbindungen mit 2,048 MBit/s beziehungsweise 1,544 MBit/s. Das ist für Cloud-Services wie das Sichern großer Datenmengen bei einem Cloud-Storage-Provider oder für das Replizieren von Daten zwischen Firmen-Rechenzentren allerdings viel zu wenig.

Auch asymmetrische und symmetrische DSL-Dienste (ADSL, SDSL) können diesen Anforderungen nicht genügen. Selbst VDSL mit Datenraten von derzeit 52 MBit/s beim Empfangen (Download) und 11 MBit/s beim Versenden (Upload) ist zu langsam. Die Praxis hat gezeigt, dass Unternehmen, die Cloud-Computing-Services nutzen, eine Anbindung mit einer Bandbreite von 100 MBit/s benötigen.

Quality of Service und Bandbreite nach Bedarf

Allerdings ist die verfügbare Bandbreite nur ein Faktor, der bei Cloud-Services zu berücksichtigen ist. Will ein Unternehmen Geschäftsanwendungen wie Customer Relationship Management (CRM), Backup und Restore oder Videoconferencing von einem Cloud-Service-Provider beziehen, spielen auch Parameter wie die Verzögerungszeiten (Latency) sowie die Quality of Service (QoS) und Class of Service (CoS) eine Rolle. Denn Echtzeit-Applikationen und geschäftskritische Anwendungen sind ohne garantierte Service-Levels nicht denkbar.

Eine weitere Anforderung an die Netzanbindung eines Unternehmens, und damit an die Kern- und Zugangsnetze von Carriern, betrifft die Skalierbarkeit und Flexibilität. Denn ein wesentlicher Vorteil von Cloud Computing besteht darin, dass der Anwender Bandbreite und Services nach Bedarf bestellen oder stornieren kann. Das bezieht sich nicht nur auf die Cloud-Services selbst, sondern auch auf die Netzwerkbandbreite, die diese benötigen. Das heißt, der Provider muss in der Lage sein, die Bandbreite und Servicegüte, die einzelne Anwendungen benötigen, dynamisch an den Bedarf des Kunden anzupassen.

weiter mit: Anforderungen an virtualisierte Netzwerkinfrastruktur

 

Evolution der WDM-Systeme für Cloud-Architekturen

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