Cloud Management für WLAN Access Points

Im Praxistest: Linksys Access Point LAPAC1200C

| Autor / Redakteur: Dirk Srocke / Andreas Donner

Ungleiches Paar: Trotz ähnlicher Leistungsdaten und Cloud-Anbindung unterscheiden sich LAPAC1200C und OC20 deutlich bei Aussehen, Konzept und Ausstattung.
Ungleiches Paar: Trotz ähnlicher Leistungsdaten und Cloud-Anbindung unterscheiden sich LAPAC1200C und OC20 deutlich bei Aussehen, Konzept und Ausstattung. (Bild: Srocke)

Zusätzlicher Mehrwert oder überflüssige Fehlerquelle? Über Sinn und Unsinn eines Cloud Managements für WLAN-„Access Points“ lässt sich trefflich streiten. Wir haben uns exemplarisch den Linksys LAPAC1200C angeschaut und in seinen beiden Betriebsmodi genutzt.

Welche Tücken ein per Cloud verwalteter Access Point mit sich bringt, mussten Nutzer der OfficeConnect-Reihe von HPE im vergangenen Jahr am eigenen Leibe erleben. Weil die Managementlösung zeitweise nicht mehr erreichbar war, konnten Nutzer ihre Systeme nicht mehr konfigurieren. In Betrieb befindliche Access Points liefen zwar mit den bestehenden Einstellungen weiter, neue Geräte ließen sich jedoch über mehrere Tage hinweg nicht in Betrieb nehmen.

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Diese Gefahr besteht bei dem von uns diesmal betrachteten Business LAPAC1200C AC1200 Dual-Band Cloud Wireless Access Point von Linksys nicht, denn das Gerät verhält sich ab Werk wie ein regulärer Access Point – und lässt sich als solcher lokal in Betrieb nehmen. Alternativ können Nutzer das System allerdings auch per Cloud verwalten. Parallel funktionieren die Modi allerdings nicht; wechseln Nutzer zwischen lokalem und Cloud-gestützten Betrieb, setzen sie damit auch die Konfiguration zurück und müssen die Geräte neu aufsetzen.

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Um die Betriebsarten des Access Points umzuschalten, müssen Nutzer lediglich eine Schaltfläche auf der Web-GUI des Gerätes klicken. Anwender die sich für den Cloud Manager entscheiden, benötigen einen funktionierenden Internetzugang und werden auf die von Linksys betriebene Webseite https://business.linksys.com weitergeleitet. Bei der zunächst erforderlichen Registrierung sollen sich Kunden dort mit Namen, Telefonnummer und E-Mail ausweisen sowie Nutzungsbedingungen und Datenschutzhinweise des Anbieters akzeptieren. Nach diesem Procedere beginnt die eigentliche Einrichtung: Hier dürfen Nutzer eine eigene Domain wählen und fügen neue Geräte unter Angabe von MAC-Adresse und Seriennummer hinzu.

Lokal nur noch Status und Diagnose verfügbar

Mit aktiviertem Cloud Manager bleibt die lokale Web-Oberfläche des Access Points weiterhin verfügbar, bietet aber einen eingeschränkten Funktionsumfang. Dabei liefert das Gerät allerdings immer noch umfangreiche Informationen zum Systemstatus – hierzu zählen etwa aktive SSIDs und die darüber übertragenen Datenmengen, verbundene Clients oder Log-Einträge. Unter dem Reiter „Diagnostics“ finden sich Ping-Test, Packet-Capture-Funktion sowie diagnostische Logdaten. Aktiv an der Konfiguration ändern lässt sich lediglich eines: Der Modus von Cloud-unterstützten auf einen lokalen Betrieb.

Verwaltung und zusätzliche Funktionen per Cloud

Damit verzichteten Nutzer dann aber auf Komfort und Funktionen der von Linksys gehosteten Verwaltungslösung. Die bildet nämlich nicht nur zuvor lokal realisierte Funktionen auf einer aufgeräumt wirkenden Weboberfläche ab, sondern bietet zusätzliche Optionen. Dank Cloud können Administratoren ihre Systeme ortsübergreifend verwalten und sich per E-Mail-Alert über mögliche Ausfälle informieren lassen – eine Monitoring-Funktion, die von Internet oder Stromversorgung abgeschnittene Access Points aus eigener Kraft nicht mehr selbst bewerkstelligen könnten.

Zudem unterstützt die Cloud-Anwendung Nutzer auch weitestgehend dabei, eine größere Zahl von Access Points respektive Standorten über eine zentrale Anlaufstelle zu verwalten. SSIDs und Zugangsdaten merkt sich die Lösung dabei vor und weist sie auf Wunsch neuen Geräten zu. Zeitweise nicht genutzte Access Points lassen sich auf eine Inventarliste verschieben.

Statistiken und Funktionen sind noch ausbaufähig

Schließlich bietet der Cloud Manager Nutzungsstatistiken, die über die Funktionen einzelner, lokaler Access Points hinausgehen. Anwender können sich so in Echtzeit die mit dem Zugangspunkt verbundenen Clients samt deren individuellen Datenaufkommen anzeigen lassen – und so die größten Bandbreitenfresser identifizieren. Historische Daten sind bis zu sieben Tage rückwirkend einsehbar. Damit können Administratoren auch nachträglich noch Auslastungsspitzen im eigenen Netz nachvollziehen. Leider lassen sich diese Peaks dann jedoch nicht auf einzelne Clientsystemen herunterbrechen.

Anders als die eingangs erwähnte Lösung des Mitbewerbers HPE beinhaltet das Linksys-Angebot überdies keine Möglichkeit, um den Zugriff auf unerwünschte Webseiten zu unterbinden – beispielsweise Social Media oder wenig geschäftstaugliche Portale mit erotischen Inhalten. Linksys begründet dies auf zweierlei Art. Um entsprechende Filter zu implementieren müsste man DNS-Anfragen einerseits durch die Cloud schicken, was datenschutzrechtlich bedenklich wäre. Aus unserer Sicht wirkt dieser Punkt allerdings vorgeschoben: Bei unseren Tests kamen wir nämlich zum Schluss, dass HPE die Webfilter zumindest lokal durchsetzen muss, denn die einmal eingerichteten Sperren funktionierten auch dann zuverlässig weiter, wenn wir dem Access Point per Fingbox den Zugriff aufs Internet abschnitten.

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Plausibler klingen die andererseits von Linksys vorgetragenen strategischen Erwägungen. Demnach gehören Filter nicht in den Access Point, sondern in den Router. Dem entsprechend plant der Anbieter auch, künftig Switches und Router für das Zusammenspiel mit dem Cloud Manager zu entwickeln – wann solche Geräte auf den Markt kommen, ist allerdings noch vollkommen offen.

Ähnliche Hardware, verschiedene Konzepte

Unsere Erfahrungen mit dem LAPAC1200C haben gezeigt: Access Points mit Cloudanbindung unterscheiden sich konzeptionell und funktional erheblich. Das beginnt bereits bei der Zielgruppe. So will HPE mit dem OfficeConnect OC20 wohl vordergründig kleinere Unternehmen und Start-ups bedienen, die bequem per Smartphone-App ein WLAN einrichten und mit Web Content Filtern absichern wollen.

Isoliert betrachtet taugen auch die Linksys-Geräte für ähnliche Szenarien. Die per Web umgesetzte Managementoberfläche richtet sich dabei aber nicht mehr nur an einzelne KMU, sondern bereits an Managed Services Provider (MSP) – die Standorte mehrerer Kunden in Form von Domänen gruppieren und zentral überwachen können.

Die Cloud-Anbindung wirkt dabei zunächst wie eine nachträglich, an klassische Hardware angeflanschte Option. Dass sich die Access Points dadurch notfalls auch autark in Betrieb nehmen lassen bewerten wir als Vorteil.

Die im Vergleich zum Wettbewerb teils eingeschränkten Funktionen bei Datenanalyse und Filterung kreiden wir dem Linksys-Gerät negativ an. Abzuwarten bleibt, inwieweit der Anbieter seine Cloud-Architektur um weitere Funktionalitäten erweitert beziehungsweise mit korrespondierenden Switches und Routern vervollständigt.

Zu beachten sind schließlich die generellen Eigenheiten einer Cloud-Lösung: Naturgemäß verlassen damit auch Zugangsdaten und Informationen zu Clients das lokale Netz. Einmal konfiguriert funktionieren die Access Points zudem prinzipiell auch ohne Verbindung in die Cloud – die online realisierten Analysefunktionen pausieren dann aber.

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