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5G als Teil irdischer und kosmischer Netzwerke von Netzwerken Enterprise-WLANs unter fremder Kontrolle

| Autor / Redakteur: M.A. Dirk Srocke / Dipl.-Ing. (FH) Andreas Donner

Während NGMN und WBA am Zusammenwachsen von Mobilfunk und Wi-Fi arbeiten, ist noch eines noch immer unklar: Wieviel Kontrolle werden Provider künftig über lokale Unternehmensnetze ausüben?

NGMN und WBA planen an einer gemeinsamen Management Fabric des Backends.
NGMN und WBA planen an einer gemeinsamen Management Fabric des Backends.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Vor knapp einem halben Jahr hatten Next Generation Mobile Networks Alliance (NGMN) und Wireless Broadband Alliance (WBA) in einem vorläufigen Whitepaper diskutiert, inwieweit Wi-Fi und Mobilfunk künftig zusammenwachsen könnten. Jetzt haben wir bei Kevin Holley – Technology Standards & Exosystems Director bei BT und Project Lead der NGMN – nachgehakt und uns zu Details sowie aktuellem Stand des Unterfangens erkundigt.

Kernidee und abweichende Konzepte

Dem Zusammenspiel von Mobilfunk und WLAN kann man sich auf vielerlei Weise nähern. So hat die IEEE 802.11 Working Group etwa für den 17. Juli nach Wien geladen, um über eine Koexistenz beider Funkverfahren im unlizenzierten Spektrum zu diskutieren.

NGMN und WBA wollen die beiden Standards allerdings nicht möglichst störungsfrei nebeneinander betreiben, sondern deren Infrastruktur miteinander verweben. Kevin Holley spricht dabei von einer gemeinsamen Management Fabric des Backends. Dabei sollen einerseits die Policys eines Unternehmensnetzes auch dann durchgesetzt werden, wenn sich Nutzer außerhalb dieser lokalen Infrastruktur bewegen. Umgekehrt solle das Gleiche auch für 5G-Netzwerkdienste – wie Slices – gelten, wenn diese per WLAN ausgeliefert werden.

Wer sich dabei an Software-Defined WANs (SD-WAN) erinnert fühlt, liegt übrigens falsch. Auch wir wollten von Holley wissen, ob er den Ansatz als Konkurrenz oder Aufsatz zu derlei Angeboten versteht. Seine Antwort: SD-WANs seien eine eher unabhängige Technologie.

Und auch vom Cisco OpenRoaming-Projekt – bei dem Endgeräte nahtlos zwischen Wi-Fi 6 und LTE wechseln – sei das von NGMN und WBA vorangetriebene Projekt abzugrenzen, denn OpenRoaming fungiere eher als aufgesetzte Lösung „over-the-top“. Nichtsdestotrotz könne die auch von OpenRoaming verwendete Technik Hotspot 2.0 womöglich als Bestandteil zu einer Gesamtlösung beitragen.

Technik und Access Points

Eher eingeschränkt werden wohl auch bestehende WLAN-Access-Points für die von NGMN und WBA angedachten Verfahren taugen. Holley geht immerhin davon aus, dass IEEE 802.11ax respektive Wi-Fi 6 Teile der geplanten Lösung ermöglichen.

Nicht im Detail ausführen wollte Holley, auf welche der vom 3rd Generation Partnership Project (3GPP) angedachten Verknüpfungen zwischen 5G und Wi-Fi man zurückgreifen wolle. Näheres dazu werde ein erweitertes Whitepaper ausführen. Das vorläufige Whitepaper verwies in diesem Kontext übrigens bereits auf 3GPP-Release 15, das unsichere Kanäle per Non-3GPP Inter-Working Function (N3IWF) unterstütze und Messages über IKEv2/IPSec-Tunnel liefere. Zudem nannte das Dokument die mit Release 16 hinzukommenden Spezifikationen für Access Traffic Steering, Switching sowie Splitting.

Wer kontrolliert die Netze?

Komplett offen ist anscheinend die Frage, wieviel Kontrolle Unternehmen über ihre WLAN-Netze abgeben müssen – wenn diese erst einmal mit Mobilfunkinfrastrukturen zu einer gemeinsamen Management Fabric des Backends verschmolzen sind. Laut Holley wollen NGMN und WBA gemeinsam mehrere Konzepte ergründen, die unterschiedlichen, zukünftigen Geschäftsmodellen entsprechen.

Und auch warum Unternehmen 5G-Funktionen überhaupt per WLAN ausliefern sollten, haben wir Holley gefragt. Schließlich hat die Bundesnetzagentur hierzulande bereits grundlegende Rahmenbedingungen für die lokale Zuteilung von Frequenzen im Bereich von 3.700 bis 3.800 MHz für 5G erarbeitet. Die Antwort des Project Lead: Es gehe darum, verschiedene Optionen zu fördern.

Blick gen Himmel

Apropos verschiedene Optionen. Mit ihren 5G-Visionen bleibt die NGMN Alliance nicht mehr nur auf dem Boden. Anfang Juni hat die Organisationen eine weitere Partnerschaft mit EMEA Satellite Operators Association (ESOA) verkündet. Auch im Rahmen dieser wolle man wieder Synergien zwischen verschiedenen Netzen prüfen, die bislang wenig bis nichts miteinander zu tun haben. Konkret gehe es dabei um die Integration von nicht-terrestrischen Netzen, um die Reichweite von 5G zu erweitern. ESOA Generalsekretär Aarti Holla Maini spricht dabei von einem wichtigen Schritt in Richtung einer wahrhaft universellen 5G-Architektur und einem Netzwerk von Netzwerken.

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