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Grundlagen moderner Netzwerktechnologien im Überblick – Teil 84 Drahtlose Netzwerke Elektrosmog-optimiert planen

Autor / Redakteur: Dr. Franz-Joachim Kauffels / Dipl.-Ing. (FH) Andreas Donner

Unter dem Eindruck der Aussagen der letzten Folgen scheint es angemessen, neben der rein technischen Betrachtung auch Überlegungen hinsichtlich der möglichen Belastungen durch RF-EMF anzustellen und diese, wenn möglich, in frühzeitige Planungsempfehlungen einfließen zu lassen. Unabhängig von der Vorsorgepflicht eines Betreibers für seine Nutzer lassen sich durch eine entsprechende Planung nämlich auch teure Nachbesserungen vermeiden, wenn der Gesetzgeber die bestehenden Grenzwerte nach unten korrigiert.

Zahlreiche wissenschaftliche Überlegungen haben zur Reduktion der WLAN-Strahlenbelastung geführt
Zahlreiche wissenschaftliche Überlegungen haben zur Reduktion der WLAN-Strahlenbelastung geführt
( Archiv: Vogel Business Media )

Das meist diskutierte Szenario führt zu einer beträchtlichen Anzahl von Funkzellen. Denn eine allgemeine Planungsempfehlung lautet ja schon heute, die einzelnen WLAN-Zelle klein zu halten, weil sie dann auch eine geringe Leistung haben. Daran wird sich auch durch weitere Standards nicht viel ändern, denn alle bisher bekannten und ernstzunehmenden Vorschläge verwenden das DCF-Verfahren aus IEEE 802.11 b oder abwärtskompatible Erweiterungen dieses Systems. Man wird also weiterhin kleine Zellen planen und installieren.

Sagen wir, eine Zelle versorge durchschnittlich sechs Arbeitsplätze. Das ist durchaus ein realistisches Maß. Andersherum gerechnet, kommen dann bei einer vollständigen Wireless Auslegung unter Kombination von WLANs und WiMAX auf sechs Arbeitsplätze vier Funkeinheiten:

  • die eigentliche WLAN-Zelle
  • die zusätzliche WLAN-Zelle für Redundanz auf einem anderen Kanal
  • die WLAN-WiMAX Richtverbindung
  • die zusätzliche WLAN-WiMAX-Richtverbindung für Redundanz

Das hört sich ja zunächst noch harmlos an, aber wenn man das jetzt auf ein Bürogebäude mit 1.200 Arbeitsplätzen hochrechnet, ergeben sich 400 WLAN-Zellen (je zweihundert für Service und Redundanz) und ebenso viele Richtverbindungen.

Möchte man dies in einem Unternehmen oder einer Organisation einführen, sollte es angesichts solcher Zahlen nicht Verwundern, wenn sich seitens der Belegschaft Bedenken ergeben. Diesen kann man eigentlich nur dann geeignet entgegentreten, wenn das Ziel der ganzen Aktion eine Reduktion der aktuell bestehenden Belastung umfasst, so unlogisch das im ersten Ansatz auch klingen mag.

Wärend Handys mit 1 bis 2 Watt senden dürfen, ist die Leistungsabgabe eines IEEE 802.11 WLANs auf 100 mW EIRP beschränkt. Das mit CSMA/CA arbeitende Zugriffsverfahren DCF impliziert abwechselndes Senden von Stationen. Bei Volllast ergibt sich damit ein gepulstes Signal mit einer Pulsrate von ca. 390 Hz bei einer Pulslänge von ca. 1,2 ms. Im Ruhezustand ergibt sich eine Beacon-Rate von 10 Hz.

Es wurden z.B. von ComConsult Messungen mit einem Spectrum Analyzer vorgenommen. Dabei ergaben sich folgende Werte für eine Sendeleistung von 30 mW und einen Antennengewinn von 2,2 dBi:

  • Client 50 cm Abstand: 780 µW/qm
  • AP 100 cm Abstand: 560 µW/qm
  • AP 500 cm Abstand: 30 µW/qm

Gleichzeitig wurden im Auftrag der Zeitschrift ÖKO-TEST weitere Messungen an öffentlichen Plätzen vorgenommen. Dabei ergaben sich Werte von 0,1 µW/qm bis zu 23.000 µW/qm für die WLAN-Leistungsflussdichte. Der Extremwert wurde von einem Arbeitsplatz erreicht, auf dem Laptop und AP gemeinsam standen. Vergleichsweise wurden durch das D-Netz Leistungsflussdichten von bis zu 85.000 µW/qm gemessen.

Aus diesem weiten Bereich von Ergebnissen kann man nur den Schluss ziehen, dass die WLAN-Planung mit dem Ziel möglichst geringer persönlicher Dosis erfolgen sollte, falls denn WLANs als notwendig erachtet werden. Eine direkt abzuleitende Forderung ist, dass sich die Sendeleistung exakt einstellen lassen muss.

weiter mit: Grenzwertanpassung

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