FTTH Council Europe: zu wenig Bandbreite für moderne Dienste und Geräte

Die Zeit für Glasfaser-Anschlüsse in jedem Gebäude ist überreif!

08.09.2010 | Redakteur: Andreas Donner

Zahlreiche Innovationen, die auf der diesjährigen Funkausstellung in Berlin gezeigt werden, setzen höchste Datenraten bei ihrem Anschluss an das Internet voraus. Allerdings kann die Breitband-Infrastruktur in Deutschland mit den neuen Internet-basierenden Endgeräten keineswegs schritthalten, warnt das FTTH Council Europe.

Die Beschränkungen der bestehenden Breitband-Verbindungen werden immer deutlicher. „Das haben die Konsumenten sehr wohl erkannt“, sagt Professor Hartwig Tauber, Director General beim FTTH Council Europe. „Die Verbraucher beklagen sich über die ‚Bis-zu‘-Übertragungsraten, die hierzulande angeboten werden – und nur selten die angepriesenen Maximalwerte erreichen. Außerdem erweist sich auch der langsame Upload als Flaschenhals für alle, die zu Hause arbeiten oder ihre Videos für andere zugänglich machen wollen.“

Für viele der auf der IFA präsentierten Endgeräte und Services sind Glasfaser-Anschlüsse unerlässlich. Doch gerade im Bereich Fibre to the Home (FTTH) hinkt Deutschland der europäischen Entwicklung immer noch hinterher. Nur 140.000 Abonnenten haben einen direkten Glasfaser-Breitbandanschluss in der Wohnung bzw. im Haus (Stand: Juni 2010). Das sind bei 40 Millionen Haushalten nicht einmal 0,4 Prozent.

Hier steht Deutschland klar im Hintertreffen, verglichen mit den führenden FTTH-Nationen wie Schweden, wo bereits 10 Prozent der Haushalte eine Glasfaser-Verbindung nutzen. Während andere größere europäische Volkswirtschaften wie Frankreich oder Italien längst im FTTH Global Ranking gelistet sind, ist Deutschland noch weit von der 1-Prozent-Hürde entfernt. Diese gilt es zu überwinden, will man überhaupt in der Statistik erscheinen.

Das FTTH Global Ranking wird von den drei weltweiten FTTH-Council-Organisationen zweimal pro Jahr veröffentlicht. Es beinhaltet alle Volkswirtschaften, in denen mindestens 1 Prozent der Haushalte per FTTH oder FTTB (Fibre to the Building) vernetzt sind.

Bis vor Kurzem war FTTH hauptsächlich von Städten und Gemeinden, Versorgungsunternehmen und privaten Investoren installiert worden. Die drei größten FTTH-Netze in Deutschland sind NetCologne im Köln-Bonner Raum, Wilhelm.tel in Hamburg sowie M-Net in München und Augsburg.

Veränderte Voraussetzungen

Die Situation veränderte sich Anfang diesen Jahres, als die Deutsche Telekom Pläne für eine FTTH-Netzabdeckung von über 4 Millionen Haushalten in den 50 größten Städten bekannt gab. Termin: Ende 2012. Das FTTH begrüßt diesen Schritt, er geht ihm aber längst nicht weit genug.

Die Beschränkung auf große Städte stellt ländliche Gemeinden sowie kleine und mittlere Städte vor große Herausforderungen. „Unsere Studien belegen die positiven sozio-ökonomischen Auswirkungen von FTTH, und auf dem Land profitiert man am meisten von den schnellen Glasfaser-Verbindungen“, weiß Chris Holden, President des FTTH Council Europe. „Wichtig ist, dass die Mehrzahl der Haushalte in Deutschland eine FTTH-Verbindung bekommt – und das nicht nur in den Großstädten. Hier ist die Politik gefordert, die flächendeckende Versorgung sicher zu stellen.“

Die Netzbetreiber haben zwar die so genannte Long Term Evolution angestoßen, die speziell die kleinen ländlichen Gemeinden mit Funk-Breitbandanschlüssen versorgen soll. Aber beim FTTH Council glaubt man nicht, dass damit die in Zukunft benötigten Übertragungsraten erreicht werden. „Mobile Breitband-Accounts sind eine sinnvolle Ergänzung zu den Breitband-Festanschlüssen, weil sie dem Bedarf an ortsungebundenen Verbindungen gerecht werden“, so Chris Holden. Aber Sie sind in puncto Geschwindigkeit, niedriger Latenz und Verlässlichkeit keine echte Alternative zu FTTTH.“

Die Botschaft des FTTH Council Europe ist daher einfach: Deutschland braucht mehr Glasfaser. Und dafür braucht es schleunigst neue Initiativen, will man das Ziel der Bundesregierung erreichen: mindestens 75 Prozent der Haushalte mit mindestens 50 MBit/s zu vernetzen, und das bis 2014. „Mit dem Deployment müssen wir jetzt beginnen“, ermutigt Hartwig Tauber, „damit die Kunden die neuen Anschlüsse in einem vernünftigen Zeitrahmen bekommen.“

Über das FTTH Council Europe

Das FTTH Council Europe ist eine Unternehmensorganisation mit dem Ziel, die Verfügbarkeit Glasfaser-basierender Ultra-High-Speed-Zugänge für Firmen und Privatkunden voranzutreiben. Das Council setzt auf diese Technologie, weil sie eine Fülle neuer Services ermöglicht – und damit mehr Lebensqualität, mehr Umweltschutz und mehr Wettbewerbsfähigkeit. Im FTTH Council Europe haben sich mehr als 140 Unternehmen zusammengeschlossen.

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