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Studie zu Mobilfunknetzen Deutschland hat in der DACH-Region das schlechteste Netz

Jeder, der schon einmal versucht hat ein längeres Telefonat während einer Zugfahrt zu führen, weiß: Beim Mobilfunknetz in Deutschland gibt es noch eine Menge an Ausbaupotenzial. Beim Ländervergleich in der DACH-Region liegt Deutschland nach einer Studie von Tutela auf dem letzten Platz.

Wie gut ist der Mobilfunk in den deutschsprachigen Ländern?
Wie gut ist der Mobilfunk in den deutschsprachigen Ländern?
(Bild: © Cienpies – adobe.stock.com)

Immer und überall erreichbar sein. Mobil Surfen, Telefonieren, Chatten oder Bilder versenden klappt nur dank Mobilfunknetzen. Doch leider ist die Nutzererfahrung nicht überall gleich gut. Im Vergleich zu den Mobilfunknetzen in Österreich und der Schweiz hinkt Deutschland deutlich hinterher. So das Ergebnis des State of Mobile Networks DACH Reports von Tutela. In der Schweiz liegt die mittlere Download-Geschwindigkeit bei 30 Mbit/s, in Österreich bei 24,7 Mbit/s und in Deutschland bei 14,7 Mbit/s.

Telekom auf Platz 1

Was die Mobilfunkanbieter innerhalb der Länder angeht, führt die Telekom in Deutschland in den fünf Kategorien: Excellent Consistent Quality, Core Consistent Quality, höchste mittlere Download-Geschwindigkeit mit 17,2 Mbit/s und höchste mittlere Upload-Geschwindigkeit mit 7,8 Mbit/s. Bezüglich der Latenz geht der Sieg an O2 mit einer mittleren Latenz von 14,8 Millisekunden, im Vergleich zu 16,8 Millisekunden bei der Telekom.

Im Ländervergleich sieht es wiederum anders aus: Vergleicht man den Spitzenreiter Schweiz mit Deutschland zeigt sich, dass die Swisscom eine mittlere Download-Geschwindigkeit von 38 Mbit/s anbietet. Das ist laut der Studie fast 21 Mbit/s mehr als bei der Telekom und gut 25 Mbit/s mehr als bei Vodafone.

3G oder 4G?

Interessant ist auch, wie viel Zeit Kunden der jeweiligen Länder in den Mobilfunknetzen verbringen. Hier belegt wieder die Schweiz den ersten Platz. Kunden hatten dort zu fast 90 Prozent der Zeit auch eine LTE-Verbindung. In Deutschland war dies dagegen nur bei knapp 70 Prozent der Zeit der Fall.

Kunden von Swisscom haben laut Studie sogar zu 91 Prozent der Zeit eine LTE-Verbindung. In Deutschland liegt O2 vorne und bietet immerhin zu rund 73 Prozent der Zeit LTE. Die Telekom kommt auf nur gut 60 Prozent. Vodafone liegt mit etwa 65 Prozent dazwischen. Jedoch führt die Telekom weiterhin, wenn die gesamte mobile Nutzererfahrung betrachtet wird.

Ansatz zur Messung der Nutzererfahrung

Laut Tutela sind mittlere Download-Raten nicht optimal geeignet, um die Qualität der Verbindung und damit die tatsächliche Nutzererfahrung zu erfassen. Daher hat Tutela seine Tests und Messungen so aufgebaut, dass sie die tatsächliche Performance und nicht nur die maximale erfassen. Tutela definiert eine gute Verbindung wie folgt: „Eine gute Verbindung ist eine Verbindung, die den Nutzern erlaubt, das zu tun, was sie tun wollen: Surfen im Web, Mobile-Gaming, Verwenden von Apps, Telefonieren mit Kontakten, Streamen von Videos und Videoanrufe beispielsweise.“

Um objektiv beurteilen zu können, wie gut Mobilfunknetzwerke ihren Nutzern erlauben, diese Dinge zu tun, hat Tutela einen Standard entwickelt, genannt Consistent-Quality. Dabei handelt es sich um zwei Gruppen von Schwellenwerten, die Core und Excellent genannt werden. Eine Core-Verbindung ist gut genug für eine Gruppe von Anwendungsszenarien wie SD-Videostreaming, Web-Browsing, E-Mails und VoIP-Anrufe, aber bei anspruchsvolleren Anwendungen ist es wahrscheinlich, dass es zu Verzögerungen oder Buffering kommt. Wenn eine Verbindung den Excellent-Standard erreicht, ist sie für die Gruppe der anspruchsvollsten mobilen Anwendungsfälle, wie HD-Gruppen-Videoanrufe oder 1080p-Videostreaming, gut genug.

Was die Consistent-Quality angeht, führt Österreich den Ländervergleich an, denn 88 Prozent der Tests erfüllten diesen Schwellenwert. Bei der Schweiz waren es 87 Prozent und in Deutschland 79 Prozent. Zur Verständlichkeit: Bei vier von fünf Gelegenheiten konnten Anwendungen in deutschen Mobilfunk nur eingeschränkt ausgeführt werden. Zudem erreichte die Verbindungsqualität bei gut 5 Prozent der Messungen in Deutschland noch nicht einmal die Schwellenwerte für die Core-Consistent-Quality.

Über die Studie

Für die Studie wurden rund 7,4 Milliarde Datensätze von Smartphone-Nutzern aus sogenannten Common-Coverage-Areas in der DACH-Region ausgewertet. Common-Coverage-Areas sind laut Tutela Gebiete, in denen die Mehrheit der Mobilfunknetzbetreiber ihre Dienste anbieten. Die Daten wurden mit Hilfe von Software, die in über 3.000 Consumer-Apps eingebettet ist, erhoben. So hat das Unternehmen Zugriff auf ein globales Panel von über 300 Millionen Smartphone-Nutzern und kann somit die Qualität der mobilen Nutzererfahrung messen.

Tutela misst die Netzqualität auf der Grundlage der realen Leistung der Mobilfunkkunden, einschließlich der Fälle, in denen ein Netz oder ein Tarif gedrosselt oder überlastet sein kann. Auch die Qualität der mobilen Nutzererfahrung von Kunden von Mobilfunkprovidern (Mobile Virtual Network Operators, MVNO) wird erfasst.

Unter den Tutela-Daten, die für den Report ausgewertet wurden, befinden sich mehr als 83 Millionen Geschwindigkeitstests und 1,02 Milliarden Latenztests (in eine Richtung gemessen), die zwischen dem 1. Oktober 2019 und dem 31. März 2020 DSGVO-konform per Mobile-Crowdsourcing gesammelt wurden. In allen drei Ländern wurden jeweils drei Mobilfunknetze untersucht.

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Über den Autor

 Ann-Marie Struck

Ann-Marie Struck

Redakteurin