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Installation von Eutelsat Tooway für geschäftlichen Einsatz Breitband-Satelliten-Internet im Test

Autor / Redakteur: Dirk Srocke / Dipl.-Ing. (FH) Andreas Donner

IP-Insider wollte wissen, was Breitband-Internet per Satellit leistet und hat sich eine von skyDSL gelieferte Sat-Anlage für Eutelsat Tooway ganz genau angesehen.

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Größenvergleich: In den per DHL gelieferten Paketen steckt die Tooway-Hardware; darauf liegt ein UMTS-Modem im Format eines USB-Sticks.
Größenvergleich: In den per DHL gelieferten Paketen steckt die Tooway-Hardware; darauf liegt ein UMTS-Modem im Format eines USB-Sticks.

Bereits Ende Mai fiel der Startschuss für Tooway, einen Breitbandsatellitendienst von Eutelsat Communications. In der ersten Ausbaustufe liefert das System laut Anbieter nahezu flächendeckend Downstreams bis zu zehn Mbit/s. IP-Insider hat untersucht, was Tooway wirklich leistet.

Das Testsystem stellte uns der Distributor skyDSL zur Verfügung. Der schaltete für uns auch das Datenpaket skyDSL2+ 10000/2000UL frei; das Angebot kostet regulär 39,90 Euro monatlich und beinhaltet laut Liste unbegrenzte Datentransfers mit maximal 10.240 Kbit/s beim Empfang und 2.048 Kbit/s beim Senden. Zusätzlich bietet der Anbieter die nötige Hardware per Kauf oder Miete und zusätzlich Optionen für schnellere Uploads oder VoIP an. Ebenfalls erhältlich sind kleinere Datenpakete zu günstigeren Konditionen.

Von Bestellbestätigung bis zum Eintreffen der Hardware mussten wir eine Woche warten. Dann erhielten wir per DHL zwei Pakete. Darin: Der zerlegte Sat-Spiegel mit einem Durchmesser von 77 Zentimetern, die TRIA (Transmit and Receive Integrated Assembly) genannte Sende- und Empfangseinheit sowie ein von ViaSat gefertigtes Sat-Modem. Zum weiteren Zubehör gehörten ein kurzes Netzwerkkabel, ein zehn Meter langes Koaxialkabel (RG 59) für die Verbindung zwischen Sat-Antenne sowie Installationsanleitungen und ein Kompass zur Ausrichtung. An Kabelbindern wurde leider gespart, die hätten das sonst recht vollständige Set perfekt gemacht.

Installation der Sat-Anlage

Trotz mangelnder Erfahrung haben wir uns bewusst an den Eigenaufbau des Systems gewagt. Für die Vormontage der Antenne benötigten wir verschiedene Maul-, Nuss- und Schraubenschlüssel sowie zirka 40 Minuten Zeit. Mindestens ebenso lang sollte man auch für die Befestigung des Sat-Spiegels an einer bereits am Haus vorhandenen Halterung einplanen. Hierbei arbeitet man am besten zu zweit.

Wie erwartet stellte sich die anschließende Feinjustierung der Antenne als recht nervenaufreibende, aber auch für Laien lösbare Angelegenheit heraus. Das Procedere: Zunächst bestimmt man anhand einer mitgelieferten Karte die für den eigenen Standort gültigen Azimut- und Elevation-Werte. Mit diesen Koordinaten richtet man die Sat-Schüssel grob aus; hierbei helfen Kompass und eine in die Antennenhalterung eingeprägte Skala. Nun können Modem und Rechner angeschlossen werden. Nach Auswahl des passenden Satelliten-Beams gemäß mitgelieferter Karte hilft ein im TRIA eingebauter Tongeber bei der Feinausrichtung – die akustische Hilfe macht den ständigen Blick zum Bildschirm überflüssig. Vorm endgültigen Verschrauben der Antenne schadet ein prüfender Blick auf das Web-GUI des ViaSat-Modems freilich nicht. Hier wird die Signalstärke numerisch und per Balkendiagramm angezeigt.

Im finalen Schritt testet sich die Anlage bis zu 45 Minuten selbst; in unserem Fall konnten wir aber bereits nach wenigen Minuten mit der Aktivierung per Browserinterface fortfahren.

Ungleiche Brüder: Das zunächst gelieferte ViaSat-Modem (rechts) passte weder zur Sat-Anlage noch zum deutschen Stromnetz.
Ungleiche Brüder: Das zunächst gelieferte ViaSat-Modem (rechts) passte weder zur Sat-Anlage noch zum deutschen Stromnetz.
Der für die Aktivierung notwendige Schlüssel war in unserem Fall leider noch nicht freigeschaltet. Weiterer Fauxpas: Das mitgelieferte Modem passte nicht zu unserer Antenne und besaß überdies ein Netzkabel, das lediglich in Großbritannien zu nutzen gewesen wäre. Als Early Adopters nahmen wir das skyDSL nicht krumm und freuten uns stattdessen über die Gelegenheit, die Hotline des Anbieters zu testen.

Zunächst probierten wir die kostenpflichtige 01805-Nummer an einem Mittwochabend, kurz nach 19 Uhr. Nach gut drei Minuten Warteschleife erhielten wir die Info, dass alle Berater im Gespräch seien; weitere drei Minuten später wurde uns ein kostenfreier Rückruf angeboten. Der erfolgte am frühen Nachmittag des folgenden Tages. Der Mitarbeiter veranlasste den Versand eines neuen Modems, das uns am Mittwoch der folgenden Woche erreichte.

Early-Adopter-Feeling: Wir konnten unsere Verbindung erst nach Anruf bei der Hotline aktivieren.
Early-Adopter-Feeling: Wir konnten unsere Verbindung erst nach Anruf bei der Hotline aktivieren.
Für die Freischaltung unseres nicht funktionierenden Aktivierungsschlüssels erreichten wir werktags gegen 15 Uhr ohne weitere Umwege einen Ansprechpartner der Hotline; das Problem wurde binnen einer Stunde gelöst.

Lokale Infrastruktur und Netzwerkprobleme

Einzelne Tooway-Distributoren bieten neben dem eigentlichen Modem mit Satspeed-DSLAM-Modem-Server auch eine Verteilerlösung „für maximal 24 Haushalte“ an. Das bedeutet: Mit einer Sat-Schüssel können 24 Parteien mit Einzelverträgen bedient werden. Das mag für private Anwendungen sinnvoll sein, wir entschieden uns bei unseren Tests jedoch für eine alternative Infrastruktur und spannten hinter dem Sat-Modem ein eigenes WLAN auf.

Der Gedanke dahinter: Der skyDSL-Vertrag bietet theoretisch genug Bandbreite für mehrere Nutzer und in Unternehmen teilen sich auch mehrere Mitarbeiter einen Anschluss. Zum Einsatz kamen wechselweise ein Linksys WRT54G3G respektive Cisco RV110W als WLAN-Router sowie ein D-Link DAP-1160 im Repeater-Modus.

Und mit dieser Konfiguration bekamen wir sogleich vom Anbieter bestätigte, aber schwer reproduzierbare Probleme. Trotz stehender Verbindung des Sat-Modems konnten Clients in einzelnen Fällen keine Verbindung zum Internet aufbauen. In diesem Kontext beobachteten wir im Browser den "Fehler 105 (net::ERR_NAME_NOT_RESOLVED): Die DNS-Adresse des Servers kann nicht aufgelöst werden."

Das betraf manchmal alle Clients im Netz; teils konnten Linux-basierende Systeme per Internet kommunizieren, während Windows-Rechner keine Verbindung herstellen konnten. Zu unseren Workarounds zählten Client-Reboots; bei besonders hartnäckigen Fällen nahmen wir Sat-Modem und WLAN-Router vom Strom und schlossen beide wieder an. Was uns auffiel: Das ViaSat-Modem selbst bietet zwar ein Web-GUI, aber keine Möglichkeit zur Fernwartung durch Anwender. Für einen Neustart ist also ein physischer Zugriff auf das System notwendig.

Zwischen den geschilderten Verbindungsproblemen können mehrere Tage liegen. Mittlerweile glauben wir immerhin, stabilere Verbindungen beobachten zu können; gelegentliche Router-Reboots sind dennoch hin und wieder nötig. Hier hoffen wir noch auf ein weiteres Firmwareupdate, das übrigens im Hintergrund und für den Anwender vollkommen transparent auf das Sat-Modem aufgespielt werden soll.

Ausblick

Und schließlich funktioniert die eigenhändig installierte Anlage doch!
Und schließlich funktioniert die eigenhändig installierte Anlage doch!
Den ersten Einstiegshürden zum Trotz haben wir Tooway vergleichsweise einfach und ohne Hilfe eines Technikers vor Ort in Betrieb nehmen können. Wie sich die Installation im täglichen Einsatz und bei Benchmarkmessungen schlägt, lesen Sie im zweiten Teil unseres Praxistests.

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