Mit NearShare erlaubt auch Windows 10 das „schnelle Teilen“

AirDrop für Windows-10-Systeme

| Autor / Redakteur: Frank-Michael Schlede, Thomas Bär / Andreas Donner

Über die NearShare-Funktion, die dem AirDrop aus der Apple-Welt entspricht, können Inhalte unter Windows 10 per Bluetooth schnell und einfach geteilt werden.
Über die NearShare-Funktion, die dem AirDrop aus der Apple-Welt entspricht, können Inhalte unter Windows 10 per Bluetooth schnell und einfach geteilt werden. (Bild: Schlede/Bär / Microsoft)

Schnell mal einen Link oder auch ein Bild teilen? Klar, geht doch sofort über das WLAN – doch kann das Gegenüber auch darauf zugreifen? Wissen sie oder er überhaupt, dass „die Sendung“ angekommen ist? Wäre doch schön, wenn man so etwas direkt auf einen Rechner eines Kollegen schicken könnte (so sie/er es erlauben). Windows 10 bietet mit NearShare genau diese Möglichkeit.

Die Updates für Windows 10 kommen zwar nach wie vor in regelmäßigen Abständen, aber vielfach ist es den Nutzern weder klar, ob es sich dabei um ein so genanntes Funktions- oder Qualitätsupdate handelte und was sich eigentlich außer der Build-Nummer geändert hat. Ein Nachteil dieser kontinuierlichen Weiterentwicklung des Systems besteht deshalb auch darin, dass Anwender häufig nicht wissen, welche Neuerungen auf ihrem Windows-10-System vorhanden und zu finden sind, die ihnen vielleicht sogar die Arbeit deutlich erleichtern könnten.

Gemeinsame Nutzung – NearShare unter Windows 10

Um eine derartige Funktion – die allerdings schon vor einem Jahr mit dem Update auf die Version 1803 (Windows 10 April 2018 Update) auf die Windows-Systeme gelangt ist – handelt es sich auch bei dem Eintrag „Gemeinsame Nutzung“. Diesen findet der Windows-10-Nutzer, indem er die Windows-Einstellung beispielsweise aus dem Startmenü aufruft, dort in den Bereich „System“ wechselt und dann in der linken Spalte den Eintrag „Gemeinsame Nutzung“ auswählt.

Unsere Erfahrungen haben gezeigt, dass viele Nutzer zwar diesen Eintrag schon mal irgendwie bemerkt haben, aber viele ihn einfach nicht zuordnen können. Das liegt sicher auch mit darin, dass dieser Begriff insgesamt etwas „unscharf“ ist: Die amerikanische Bezeichnung „Nearshare“ trifft dabei Funktion und den Einsatzzweck dieses neuen Features weitaus besser.

Wer bisher schon mit einem Apple-System unter MacOS oder iOS gearbeitet hat, kennt dort vielleicht eine Funktion mit der Bezeichnung „AirDrop“, die hier schon eine ganze Weile zur Verfügung steht. Sie erlaubt es Anwendern, Fotos, Videos und Webseiten drahtlos an ein Gerät im Nahbereich zu übertragen, ohne dass sie dazu einen der üblichen Wege wie beispielsweise ein freigegebenes Netzwerklaufwerk oder ein Cloud-Laufwerk wie Dropbox einsetzen müssen. Das ist genau die Funktionalität, die in den Windows-10-Systemen ab dem Build 1803 zu finden ist.

Wer diese Funktion nutzen will, muss zunächst einmal sicherstellen, dass alle beteiligten Windows-10-Rechner mindestens die Version 1803 verwenden. Ein weiterer unabdingbare Faktor: Die Rechner müssen Bluetooth-Verbindungen unterstützen und dementsprechend auch auf der Hardwareseite ausgerüstet sein. Das ist aber leicht durch entsprechende USB-Sticks möglich, die auch „normalen“ Workstations diese Fähigkeiten verleihen. Ein Vorteil der Windows-10-Systeme ab dem 1803-Release besteht nämlich auch darin, dass die Unterstützung von Bluetooth-Geräten und deren Anbindung verbessert und vereinfacht wurde: Waren Windows-Rechner früher dafür bekannt, dass sie sich mit diesen Verbindungen und auch der Hardware häufig einmal schwertaten, so funktioniert das jetzt zumeist problemlos. Schließlich müssen die Rechner, bei denen die Anwender die gemeinsame Nutzung verwenden wollen, im gleichen Netzwerk/WLAN unterwegs sein, damit die Verbindung funktioniert.

Einstellungen und Start der Übertragung

Grundsätzlich ist die NearShare-Funktion unter Windows 10 zunächst einmal nicht aktiv. Der Nutzer muss sie also zunächst einmal im Untermenü der gemeinsamen Nutzung unter „In der Nähe freigeben“ einschalten. Hier findet er dann auch noch einmal den Hinweis auf Bluetooth.

Wer noch die ursprüngliche Version 1803 auf seinem PC nutzt findet dort dann auch eine Beschreibung die von „Bluetooth oder WLAN“ als Techniken für die Freigabe spricht. In den aktuellen Versionen und Builds von Windows 1809 ist aber korrekt der Hinweis auf „Bluetooth und WLAN“ zu finden.

Die Funktion „Gemeinsame Nutzung“ braucht den WLAN-Adapter im Hintergrund für die Übertragung von Dateien. Deshalb müssen also sowohl Bluetooth als auch LAN/WLAN aktiv sein. Ein weiterer Eintrag auf der Seite weist darauf hin, dass bei der gemeinsamen Nutzung die Systemkonten zur Autorisierung verwendet werden. Ist an dieser Stelle etwas nicht in Ordnung, so muss der Nutzer das in der Verwaltung der Konten korrigieren.

Die weiteren Einstellungen auf dieser Seite erklären sich weitestgehend von selbst: So kann der Anwender an dieser Stelle auch entscheiden, ob er den Austausch allen Geräten in der Umgebung oder nur „meinen Geräten“ erlauben will. Hier wird dann auch klar, warum auf dieser Seite der Zugriff auf die Konten überprüft werden soll: Denn unter „meine Geräte“ sind dann die Windows-Systeme zu finden, auf denen sich der Nutzer mit seinem Microsoft-Konto angemeldet hat.

Zudem ist es hier möglich, dass der Anwender einen Pfad zu einem Speicherplatz eingibt, unter dem dann die empfangenen Dateien standardmäßig abgespeichert werden sollen. Weiterhin kann er hier den Eintrag „Auf Geräten freigeben“ ein- und ausschalten. Diese Einstellung ist allerdings für die eigentliche Übertragung nicht notwendig. Ist sie jedoch aktiv, so ist es möglich, dass beispielsweise ein Bild auf einen anderen PC geschickt wird, auf dem dann automatisch die App gestartet wird, die mit diesem Bildformat verknüpft ist – der Empfänger sieht sofort das Bild. Das führt zunächst zu dem Gedanken, dass dann plötzlich ungefragt lauter Bilder auf dem Windows-Rechner aufpoppen. Das verhindert Windows aber wirkungsvoll dadurch, dass der Empfänger bei jeder Übertragung dieser zunächst zustimmen muss, bevor ein Bild oder ein Link auf seinen Rechner gelangen kann.

Der Einsatz: Links und Bilder auf dem Weg

Wenn alle Voraussetzungen auf beiden (oder auch mehreren Geräten) erfüllt sind, können Nutzer nun das Teilen via NearShare ausprobieren. Als Tool eignet sich beispielsweise der Microsoft-Browser dazu, eine Webseite direkt an ein anderes Gerät zu senden. Wer sich etwas näher mit der Funktion befasst, wird dann allerdings schnell feststellen, dass es sich dabei nicht direkt um ein Senden, sondern eher um eine Freigabe handelt, auf die der Nutzer dem Empfänger dann einen Zugriff gewährt. Dazu muss er in der rechten oberen Ecke des Browsers das „Teilen“-Symbol auswählen. Danach öffnet sich das „Freigeben“ Menü, in dem Windows anschließend automatisch nach Systemen zur Verbindungsaufnahme sucht.

Dazu noch ein Tipp, der uns bei den Tests sehr geholfen hat: Wenn ein Nutzer explizit keinen Namen für sein Windows-System festgelegt hat, vergibt das Betriebssystem automatisch einen sehr kryptischen Namen. Der macht dann das Erkennen des gewünschten Systems mittels der Freigabe häufig zum Ratespiel. Deshalb ist es sinnvoll, dass Nutzer ihren Systemen vor dem Einsatz der gemeinsamen Nutzung eindeutige, leicht zu identifizierende Namen geben.

Diesen hoffentlich leicht zu findenden Namen sieht der Nutzer nun im „Freigeben“-Dialog des Browsers. Wählt er ein Ziel aus, so taucht auf dem Zielsystem ein Fenster aus dem Info-Center auf. Dort sieht der Nutzer dann den Namen des sendenden Rechners ebenso wie die Webadresse, die dieser ihm übermitteln will. Der Empfänger hat nun die Möglichkeit, diese „Sendung“ anzunehmen oder abzulehnen. Reagiert er nicht, so wird die Übertragung nach relativ kurzer Zeit automatisch abgebrochen. Der versendende Nutzer bekommt die Nachricht, dass der Empfänger nicht geantwortet hat. Nimmt der jedoch die Freigabe an, so öffnet sich auf seinem Rechner automatisch (wenn er den Start von Apps zugelassen hat) der Browser mit eben dieser Seite.

Wer auf diese Art und Weise Dateien freigeben möchte, kann das ebenso problemlos mit dem Explorer tun. Dazu muss er dann die gewünschte Datei im Explorer mit einem Rechtsklick auswählen. Im Kontextmenü findet er dann ebenfalls den Freigabe-Dialog, der genauso funktioniert, wie zuvor beim Browserverfahren. Nimmt der Empfänger die Datei an, so wird sie in dem zuvor festgelegten Ordner abgespeichert. Hat der Empfänger auf seinem Rechner die Option für Apps freigegeben, so wird dann zusätzlich, beispielsweise bei der Übermittlung einer Bilddatei, automatisch die mit dem Dateiformat verknüpfte App gestartet.

Am einfachsten funktioniert das Ganze sicher mit dem Edge-Browser und dem Explorer. Aber auch andere Programme, wie beispielsweise die Standard-App für Fotos, verfügen über den entsprechenden Freigabe-Dialog. So können Nutzer auch hier mit Hilfe dieser Funktion beispielsweise Bilder oder Videos freigeben. Wer ein wenig mit der Funktion arbeitet, wird schnell feststellen, dass sie sich sehr gut für das Teilen von Web-Links oder kleine Dateien eignet. Größere Dateien werden sehr langsam übermittelt, sodass die „Gemeinsame Nutzung“ für deren Freigabe/Übertragung eher weniger gut geeignet ist.

Fazit

Nun gibt es bereits ausreichend Diskussionen darüber, ob diese Funktion wirklich nützlich ist und „ob das überhaupt jemand braucht“. Die Argumente dabei häufig: Es stehen fast immer Dateifreigaben oder auch Tools wie OneDrive oder Google File Stream zur Verfügung, mit denen ein Teilen ebenfalls möglich ist. Und schließlich gibt es ja auch noch USB-Sticks, die vielfach auch dann zum Einsatz kommen, wenn die Partner alle um einen Tisch.

Wer aber beispielsweise die Möglichkeit des schnellen Link-Austausches („Ich schicke ihn dir mal rüber“) nutzt, ohne dass er dazu erst seinen Mail-Client öffnen und den Link anklicken muss, wird vielleicht anders darüber denken. Uns hat gerade diese Möglichkeit (mehr als der Dateiaustausch) im Testbetrieb überzeugen können.

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de/ (ID: 45917049 / Tipps & Tricks)