Optionen für das Einrichten von softwarebasierten Wide Area Networks

Worauf es bei der Auswahl eines SD-WANs ankommt

| Autor / Redakteur: Werner Waldhier / Andreas Donner

Die Management-Oberfläche eines SD-WAN: Die Mehrzahl der Nutzer verteilt die Administration des Netzes auf die eigene IT-Abteilung und Fachleute des Providers.
Die Management-Oberfläche eines SD-WAN: Die Mehrzahl der Nutzer verteilt die Administration des Netzes auf die eigene IT-Abteilung und Fachleute des Providers. (Bild: Silver Peak)

Zu den größten Vorteilen von Software-Defined WANs zählt, dass Unternehmen mehrere Optionen haben, um ein solches Wide Area Network zu implementieren. Allerdings gilt das nicht für alle SD-WAN-Lösungen gleichermaßen. Daher sollten IT-Abteilungen sorgfältig prüfen, welche Ansätze ein Anbieter unterstützt.

Nutzer schätzen an einem Software-Defined WAN nicht nur, dass sie unterschiedliche Verbindungsarten miteinander kombinieren können: Breitband-Internet, Multi-Protocol Label Switching (MPLS) sowie 4G- und künftig 5G-Mobilfunk-Links. Ein wichtiger Aspekt sind die flexiblen Implementierungsoptionen eines SD-WAN. Doch in diesem Punkt gibt es gravierende Unterschiede zwischen den verschiedenen SD-WAN-Lösungen. Ein Teil bietet ein hohes Maß an Flexibilität, während andere dem Nutzer kaum Wahlmöglichkeiten lassen. Das ist das Ergebnis einer Analyse des amerikanischen Marktforschungs- und Beratungshauses Enterprise Management Associates (EMA).

Unternehmen, die ein SD-WAN einsetzen wollen, sollten daher bei der Wahl einer Lösung prüfen, auf welche Weise sich diese implementieren lässt. Dabei sind drei Punkte zu berücksichtigen:

  • 1. Welches Bereitstellungsmodell zum Zuge kommen soll, etwa ein Managed SD-WAN-Service oder die Implementierung durch die eigene IT-Abteilung.
  • 2. In welcher Form der Zugang zum SD-WAN in einer Niederlassung erfolgt, beispielsweise über eine Appliance in Verbindung mit Network Functions Virtualization oder einen Cloud-Dienst.
  • 3. Wer für das Management des SD-WAN zuständig ist: die IT-Fachleute im Unternehmen oder die eines Providers.

Managed Service oder "Do-it-Yourself"-Ansatz

Laut EMA ordert die Mehrzahl der Unternehmen (34 Prozent) ein SD-WAN bei einem Service Provider (WAN & Internet Service Provider). Dabei kommen wiederum zwei Modelle in Betracht. Ein Teil der Unternehmen bucht ein SD-WAN in Form eines gemanagten Service bei einem Anbieter von Telekommunikationsdiensten beziehungsweise WAN-Services (Carrier). Das hat den Vorteil, dass der Provider die Implementierung, den Betrieb und die Wartung des WANs übernimmt. Die Alternative ist, dass der Provider dem Kunden die SD-WAN-Komponenten liefert. Dieser installiert und betreibt sie eigenständig in seinen Rechenzentren und Niederlassungen. In diesem Fall tritt der Service-Provider als Reseller auf.

Eine weitere Option ist, die SD-WAN-Lösung direkt beim Hersteller oder über den Channelpartner zu erwerben. Diesen Weg gehen 26 Prozent der Unternehmen. Dagegen setzen nur 16 Prozent auf einen Managed Services Provider, der nicht an einen Carrier gebunden ist. Fast ein Viertel der Unternehmen ist sich dagegen nicht sicher, über welchen Kanal sie ein SD-WAN beziehen sollen.

Welches Bereitstellungsmodell kommt in Betracht?

Welches dieser Modelle das optimale ist, hängt von mehreren Faktoren ab. Ein Faktor sind spezielle Anforderungen des Nutzers, ein weiterer die Eigenschaften der SD-WAN-Lösung. Für Unternehmen, die spezielle Anforderungen an ein Software-Defined WAN und dessen Architektur haben, kommt ein "Do-it-Yourself-"Ansatz in Betracht. Das heißt, das Unternehmen beschafft das SD-WAN bei einem Hersteller und übernimmt zudem die Implementierung der Lösung. Das setzt jedoch voraus, dass die notwendige Expertise und die IT-Fachkräfte im Unternehmen vorhanden sind.

Ein gemanagter SD-WAN-Service ist dagegen für Unternehmen eine Option, die weniger stringente Anforderungen an die WAN-Infrastruktur und die darauf aufsetzenden Services haben. In diesem Fall implementiert ein Service-Provider einen weitgehend standardisierten SD-WAN-Dienst.

Rund 90 Prozent der Unternehmen beschäftigten sich laut der Markforschungsfirma EMA mit Software-Defined WANs. Diese Technologie erlaubt es, unterschiedliche Verbindungsarten parallel in einem Corporate WAN zu nutzen.
Rund 90 Prozent der Unternehmen beschäftigten sich laut der Markforschungsfirma EMA mit Software-Defined WANs. Diese Technologie erlaubt es, unterschiedliche Verbindungsarten parallel in einem Corporate WAN zu nutzen. (Bild: Silver Peak)

Appliance vs. Software

Im nächsten Schritt ist zu klären, auf welche Weise das SD-WAN in Niederlassungen bereitgestellt werden soll. Bislang wurden dort vertikal integrierte Hardware-Appliances installiert, etwa für das Routing, IT-Sicherheitsfunktionen und die WAN-Optimierung. Die Nachteile: hohe Kosten und ein aufwendiges Management der separaten Systeme.

Daher setzen Unternehmen heute auf softwarebasierte Lösungen in den Außenstellen. Das spiegelt sich auch in den Analysen von EMA wider. So setzten nur noch 21 Prozent der Unternehmen auf vertikal integrierte Appliances, um Niederlassungen in das Corporate WAN einzubinden. Rund 37 Prozent implementieren stattdessen virtualisierte Netzwerkfunktionen (Virtual Machines, VM) auf Standard-Hardware. Die Mehrzahl (42 Prozent) setzt wiederum auf Cloud-Lösungen. Die marktführenden SD-WAN-Lösungen stehen daher via Cloud und als VM zur Verfügung.

Plattform mit Network Functions Virtualization (NFV)

Einige SD-WAN-Spezialisten bieten Plattformen an, in die mehrere Netzwerkfunktionen integriert sind. Die Grundlage dafür bildet Network Functions Virtualization (NFV). Solche Plattformen integrieren in einem Software-Paket SD-WAN-Funktionen, Routing, Firewalls und WAN-Optimierung. Implementiert wird die Software auf handelsüblicher Hardware. Solche SD-WAN-Plattformen unterstützen zudem Lösungen von Drittanbietern. Dadurch haben Nutzer mehr Kombinations- und Auswahlmöglichkeiten, wie etwa durch Service-Chaining mit IT-Security-Funktionen.

Bereitgestellt werden die Funktionen als Appliance, in Verbindung mit Netzwerk-Virtualisierung. Alternativ dazu können die Nutzer in Außenstellen auf Cloud-Services zurückgreifen. Beide Ansätze, Appliances in Verbindung mit NFV und Cloud-Dienste, bieten ein hohes Maß an Flexibilität und sind zudem unter dem Kosten-Aspekt von Vorteil.

Netzwerkbetrieb: Management wird teilweise ausgelagert

Der dritte Punkt, der bei der Implementierung eines SD-WAN beachtet werden sollte, ist die Administration des Netzwerks. SD-WAN-Anbieter wie Silver Peak stellen zu diesem Zweck zentrale Managementkonsolen bereit. Laut EMA wollen nur neun Prozent der Unternehmen ein Software-Defined WAN komplett selbst verwalten. Umgekehrt sind nur zehn Prozent bereit, das Management in vollem Umfang einem Dienstleister zu übergeben.

Stattdessen kommt meist ein Hybridmodell zum Zuge: Die Netzwerkmanagement-Teams eines Unternehmens teilen sich die Administration des SD-WAN mit dem Lieferanten der Lösung. Dies kann ein Managed Services Provider (MSP) sein, ein Network Service Provider oder der Anbieter des SD-WAN. In rund 43 Prozent der Unternehmen sind hauseigene Netzwerkspezialisten für komplexe Management-Aufgaben zuständig, während die externen Spezialisten mit weniger wichtigen Tasks beauftragt werden. Rund 37 Prozent der Nutzer von SD-WAN machen es exakt anders herum: Der Provider ist für die komplexen Aufgaben zuständig, die eigenen Mitarbeiter übernehmen einfachere Tätigkeiten. Besonders interessant ist dabei folgendes Ergebnis der Analysen von EMA: Netzwerkabteilungen, die nachweislich effizienter arbeiten und eine höhere Erfolgsquote aufweisen, bevorzugen den letztgenannten Ansatz: der Dienstleister übernimmt die komplexen Aufgaben.

Eine hohe Flexibilität beim Betrieb eines SD-WAN ist auch aus einem weiteren Grund unverzichtbar: In vielen Niederlassungen sind nicht genügend Netzwerkspezialisten verfügbar. Nach Analysen von EMA können eigene IT-Fachleute nur in 40 bis 80 Prozent der Niederlassungen eines Unternehmens die Netzwerktechnik bereitstellen und deren Betrieb übernehmen. In solchen Fällen hat ein Hybridmodell Vorteile: Spezialisten eines Service-Providers übernehmen einen Teil der Administrationsaufgaben. Dadurch haben unternehmenseigene IT-Experten mehr Zeit, sich um die Betreuung der Außenstellen zu kümmern.

Werner Waldhier.
Werner Waldhier. (Bild: Silver Peak)

Fazit: Alle Optionen sorgfältig prüfen

SD-WANs sind für Unternehmen ein zentrales Thema. Mehr als 90 Prozent der Firmen beschäftigen sich derzeit damit. Doch bei der Wahl der "richtigen" Lösung sollten Unternehmen nicht nur deren Funktionsumfang prüfen. Wer den vollen Nutzen aus einem SD-WAN ziehen will, muss zudem die Implementierungs-Optionen sorgfältig prüfen.

Über den Autor

Werner Waldhier ist Country Manager CER bei Silver Peak.

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