Grundlagen moderner Netzwerktechnologien im Überblick – Teil 39

Wide Area Networks – Ethernet in the First Mile (EFM)

17.09.2009 | Autor / Redakteur: Dr. Franz-Joachim Kauffels / Andreas Donner

Nicht nur in weltweiten Weitverkehrsnetzen sollen optische Technologien die Breitbandvernetzung voranbringen
Nicht nur in weltweiten Weitverkehrsnetzen sollen optische Technologien die Breitbandvernetzung voranbringen

Wo wir einmal in der Thematik des Teilnehmerzugangs, der „First Mile“ oder auch „Last Mile“ stecken, sei noch ein Blick auf das gestattet, was nach DSL in die Haushalte kommen wird. Es gibt eine allgemeine Tendenz, auch Wide Area Networks mit Ethernet-Paketformaten laufen zu lassen. Das führt in letzter Konsequenz auch zu Ethernet in the First Mile!

Moderne WANs auf der Basis optischer Netze sind enorm leistungsfähig und damit können die Zugangssysteme auf der Teilnehmerseite nicht dauerhaft so bleiben, wie sie heute sind. Auch die DSL-Technik ist nicht schnell genug, um eine sinnvolle und dauerhafte Planung für die nächsten Jahre durchzuführen.

Anfang Januar 2001 tagte zum ersten Mal eine neu gebildete IEEE 802.3 Arbeitsgruppe zum Thema “EFM”, Ethernet First Mile. Wenn wir davon ausgehen, dass die optischen Netze eine neue Leistungs-Dimension in der WAN-Technik erschließen und dabei das Ethernet Päckchen über den 10 Gb-Ethernet-Standards auch hier das Maß aller Dinge ist, ist es nur logisch, darüber nachzudenken, wie man diese Leistung sinnvoll zum Endteilnehmer durchschleifen kann.

Das Marktpotential ist gewaltig. US-amerikanische und europäische Telcos und Kabelbetreiber sind an einem Standard interessiert. Für den Heimmarkt ergeben sich über 200 Millionen Haushalte, allerdings können mit dem gleichen Ansatz auch Unmengen kleinerer und mittlerer Büros bedient werden. IEEE 802.3 hat natürlich Interesse daran, Switched Ethernet als den Standard für den Aufbau von heimischen Netzumgebungen zu forcieren.

Direkt beim ersten Treffen waren außerordentlich viele wirklich maßgebliche Hersteller wie Nokia, ADC, Lucent, Picolight, Alloptic, 3Com, Nortel, Extreme und Cisco anwesend. Ausgangsszenario ist das Multiservice Operator Network z.B. eines Value-Add Telco Providers, der neben der Basisleistung entweder selbst Mehrwerte anbietet oder dies Dritten ermöglicht und für die technische Realisierung sorgt. Dienstleistungen in einem typischen Multiservice-Operator-Netzwerk sind:

  • paketierte Sprache
  • geswitchtes Digital-Video: Broadcast, Pay per View, VoD, Videotelefonie, HDTV
  • Daten: Internet Access, VPNs, ...

An das Zugriffsnetz der Endteilnehmer werden damit folgende Anforderungen gestellt:

  • Bandbreite 100 Mbps oder 1 Gbps pro Haushalt; 10 Mbps oder weniger sind nicht ausreichend, um in der Qualität mit CATV vergleichbare Video-Dienstleistungen anbieten zu können, vor allem vor dem Hintergrund mehrerer zu unterstützender Endgeräte in einem Haushalt
  • Alle Dienstleistungen über IP (über Ethernet) mit einer IP-Kontrollebene
  • Genügend QoS-Verfahren, geringe Verzögerung und Dienstleistungen mit geringen Verlusten zu gewährleisten, wobei jedoch IP DiffServ mit Zugriffskontrollen ausreichend erscheint
  • Passive Komponenten werden bevorzugt (Ethernet Passive Optical Network EPON)
  • Bestehende Telefonleitungen und CATV-Coax sollten nach Möglichkeit ebenfalls benutzt werden können.

weiter mit: Eine Frage der Verkabelung

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