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Grundlagen moderner Netzwerktechnologien im Überblick – Teil 39

Wide Area Networks – Ethernet in the First Mile (EFM)

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Die Nachteile von ADSL und VDSL

Einer der wesentlichen Nachteile von ADSL oder VDSL ist die extreme Abhängigkeit der realisierbaren Bandbreite von der Leitungslänge. Erzielt man über 300 Meter mit VDSL ohne Weiteres 50 Mbps, so fällt dies mit ADSL über 6.000 Meter auf 1,5 Mbps ab. Hersteller sprechen davon, in den interessanten Bereichen zwischen 2 und 6 km mit vollständig passiver, preiswerter Technologie Datenraten im Gbps-Bereich realisieren zu können. Die optischen Modems auf der Seite der Teilnehmer werden dabei aber nicht zwangsläufig dumm sein müssen, sondern können Funktionen wie Firewalling, Routing, Switching und dynamische Bandbreitezuordnung beinhalten.

Über die Integration von Kupfertechnik indes gibt es ganz unterschiedliche Vorstellungen. Viele Hersteller denken daran, wie beschrieben einen Standard für EFM zu formulieren, der auf Coax, Cat 5 und Optik gleich gut funktioniert. Dies klingt aufgrund der enormen Leistungsunterschiede der Technologien jedoch etwas unglaubwürdig.

Viel besser gefällt mir die Idee, einen EPON-Standard zu definieren, der die alte Verkabelung ganz ans Ende setzt. Ein Optisches Modem ist sozusagen der Eingang zur bestehenden Hausverkabelung. Dieser Ansatz würde es ermöglichen, ein Carrier Netz ganz in optischer Technologie auszuführen und gleichzeitig die Investitionen in bestehende Verkabelungen zu retten.

Interessant sind auch die Statements von Kundenseite. BT (British Telecom) hat bereits 50 Prozent der Haushalte in Großbritannien mit ADSL versorgt und bemerkt natürlich mit Recht, „dass ein System nicht automatisch billiger oder erfolgreicher wird, nur weil man es Ethernet nennt“. Die Erfahrungen mit DSL zeigen laut BT jedenfalls, dass dies keine besonders geeignete Methode für preiswerten Zugriff ist, und für EFM steht der Beweis ja auch noch aus.

Eigentlich benötigt man radikal billigere Komponenten oder eine radikal andere Infrastruktur. FTTH ist sehr teuer und kleinere Betreiber könnten das auch in näherer Zukunft gar nicht bezahlen. Der Markt für neue Gebäude ist vergleichsweise schmal. Daraus zieht man die Konsequenz, dass FTTH insgesamt nicht so schnell kommen wird. Allerdings würden Kostenstudien auch zeigen, dass die Passiven Optischen Netze, wenn sie vor der Gebäudeverkabelung enden, wie wir dies weiter oben ja schon angesprochen haben, der einzige gangbare und bezahlbare Weg für die nähere Zukunft sind.

„Allerdings gibt es jetzt erst einmal immense Investitionen in die Kupfertechnik, besonders in xDSL, und ein nur marginaler Kostenvorteil sei kein Grund, sich davon zu verabschieden. Die Standardisierungsgruppe sei gut beraten, sich mit Ethernet über DSL zu befassen und ansonsten nicht nur auf die Vorgaben des US-Marktes zu starren, sondern auch die Verkabelungssituation in EMEA und ROW zu berücksichtigen und die generellen Anforderungen wie Skalierbarkeit, Zuverlässigkeit und die Möglichkeit, wirklich große Teilnehmerzahlen bedienen zu können nicht aus den Augen verlieren“, so BT weiter.

Dennoch: Ethernet Everywhere ist auf dem Vormarsch. Kleinere Carrier wie z.B. TELIA in Schweden haben schon umfangreiche Betriebserfahrungen auch in der letzten Meile. EFM und xDSL-Techniken werden sich ergänzen und sind kein Widerspruch.