Wann Wi-Fi als Ethernet-Alternative im Business-Umfeld taugt

Was KMU-Business-WLANs leisten müssen

| Autor / Redakteur: IP-Insider.de und Broadband Testing / Andreas Donner

Evolution der Wi-Fi-Standards: Mit 802.11n nähern sich Drahtlosnetze der Perfomance des Ethernet an.
Evolution der Wi-Fi-Standards: Mit 802.11n nähern sich Drahtlosnetze der Perfomance des Ethernet an.

WLANs sind mittlerweile schnell genug, um mit dem Ethernet in kleinen Unternehmen oder Filialen zu konkurrieren. Worauf bei der Implementierung speziell im Business-Umfeld zu achten ist, lesen Sie in Teil 1 unserer Miniserie.

Obwohl IT und Internet noch recht junge Technologien der Menschheitsgeschichte sind, erwarten Anwender bereits jetzt eine allgegenwärtige Vernetzung – und die ist drahtlos. Notebooks und Smartphones haben sich zu einem gebräuchlichen Arbeitsmittel gemausert und ersetzen Desktops zusehends. Nicht zu unrecht: Mitarbeiter, die unterwegs, im Home Office und außerhalb regulärer Geschäftszeiten aufs Firmennetz zugreifen, gelten als produktiver.

Entsprechend hoch ist allerdings auch die Erwartungshaltung der Anwender an drahtlose Netze. Mitarbeiter kennen WLAN-Router von daheim und setzen im Unternehmen eine mindestens ebenbürtige Performance voraus. Die Frage ist, ob der aktuelle Standard IEEE 802.11n hier punkten kann. Zumindest durch die Unterstützung der Frequenzbänder von 2,4 GHz und fünf GHz empfiehlt sich die Technik als legitimer Nachfolger für 802.11a und 802.11b/g.

Doch was können Nutzer konkret vom n-WLAN erwarten? Zu den Hauptvorteilen der komplett überarbeiteten Architektur zählen erweiterte Reichweite und höhere Datenübertragungsraten. Zumindest theoretisch kann 802.11n kabelgebundenes 10/100-Ethernet ersetzen.

Performance kann mit Fast Ethernet mithalten

Damit könnten kleine und mittlere Unternehmen oder Filialen weitgehend auf Kabel verzichten, den Installationsaufwand reduzieren sowie Wartungskosten senken – und zusätzlich noch einen Internetzugang für Gäste einrichten. Das Potential dazu hat der Standard mit Sicherheit: Während 802.11g mit 54 Mbit/s (oder 108 Mbit/s im "Turbo Modus") realistischerweise maximale Durchsätze um die 23 Mbit/s erreichte, liefert der aktuelle Standard zum ersten Mal echte Performance: Mit aktuell verfügbaren Durchsätzen von 300 Mbit/s (später bis 600 Mbit/s) sind Nettokapazitäten von über 100 Mbit/s realistisch.

Die MIMO-Architektur (oben) im Vergleich zu MISO und SIMO.
Die MIMO-Architektur (oben) im Vergleich zu MISO und SIMO.

Der Grund für diesen Leistungszuwachs liegt nicht alleine in einer gesteigerten Bandbreite. Durch MIMO-Antennen und -Transmitter und Channel-Bonding erreicht 802.11n durchgängig höhere Durchsätze und ist besser skalierbar. MIMO steht für "Multiple-Input Multiple-Output" und beschreibt mehrere, räumlich getrennte Antennen. Die übertragen Signale auf verschiedenen Pfaden. MIMO-Algorithmen bringen die Signale beim Empfänger dann wieder zusammen. MIMO erhöht nicht nur die Kapazität, sondern sorgt zudem für eine erhöhte Signalstärke und kann die Spektraleffizienz somit verdoppeln.

Mit 802.11n nähern sich drahtlose Netze also wie nie zuvor der drahtgebunden Welt an und erhöhen den Reiz von Wi-Fi für alte und neue Nutzer sowie die Einführung neuer Anwendungen. Natürlich gilt es dabei nicht nur die Leistung zu betrachten; die einfach zugänglichen Netze erfordern weitere Vorkehrungen zur Sicherung von Vertraulichkeit übertragener Daten und Netzwerkintegrität. Genau wie drahtgebundene Edge-Netzwerke müssen WLANs natürlich auch mit aktuellen Anwendungen zurechtkommen, etwa VoIP oder dramatisch steigender Videonutzung.

Was geschäftstaugliche Access Points ausmacht

Verschiedene Hersteller wollen die genannten Anforderungen mit modernen Access Point erfüllen und verpacken in kompakte Gehäuse Leistungsmerkmale auf "Enterprise"-Niveau, etwa für Sicherheit oder Datenmanagement. Im Gegensatz zu den nahezu standardisierten Access Points für den Heimgebrauch gibt es in dieser Geräteklasse aber gravierende Unterschiede zwischen den Systemen der Anbieter. Doch worauf ist zu achten?

Für den geschäftlichen Einsatz gedachte Access Points sollten einen erweiterten Funktionsumfang besitzen. Dazu gehören Security-Merkmale, wie das Erkennen nicht autorisierter, krimineller Access Points (Rogue AP Detection); nicht fehlen sollten außerdem QoS- (Quality of Service) oder Management-Funktionen.

Ein weiteres Auswahlkriterium sind die Betriebskosten. Als Schlüsselelemente gelten hierbei Bedienfreundlichkeit und langfristige Zuverlässigkeit.

Funktionsumfang versus Bedienbarkeit

In der Vergangenheit haben Hersteller das Label "Enterprise" gern als Vorwand genutzt und sich wenig um leichte Einrichtung oder Wartung gekümmert. In Zeiten allgegenwärtiger Kommunikation ist das weniger akzeptabel denn je. Sowohl Weiterverkäufer als auch Nutzer müssen zu laufenden Kosten auch Aufwand für Schulung und Wartung aufschlagen. Im Umkehrschluss bedeutet das: Pflegeleichte Produkte verursachen deutlich geringere Betriebskosten.

Auch wenn es zunächst selbsverständlich erscheint: Nicht jeder Access Point ist dafür geschaffen, zuverlässig und rund um die Uhr zu laufen. Zu beachten ist dabei, dass die Geräte keineswegs nur in klimatisierten Büros betrieben werden. Daher sollten professionelle Systeme in unwirtlicheren Umgebungen mit nicht unerheblichen Temperaturschwankungen reibungslos funktionieren.

Herstellergarantien können mögliche Schadensfällen abmildern. Anwender sollten sich diese Versprechen jedoch genau anschauen: Eingeschränkte Garantien schließen mitunter genau die Komponenten aus, die am häufigsten ausfallen – etwa Lüfter. Im Idealfall laufen Herstellergarantien lange und gelten ohne Einschränkungen.

Reifer Standard, durchwachsene Implementierungen

Außerdem empfiehlt es sich, einen Blick auf die Leistungsparameter von WLAN-Systemen zu werfen. Beim Kauf genügt es nämlich nicht, ausschließlich auf Kompatibilität zu IEEE 802.11n zu achten. Abhängig von der genutzten Hardware ist die volle Geschwindigkeit von 300 Mbit/s keineswegs selbstverständlich. Auf dem Markt werden verschiedene Techniken angeboten, deren Performance sich teils dramatisch unterscheidet. Klarheit schafft ein Blick in die Wi-Fi-Alliance Certification.

Ein Beispiel: Die Intel 5100 Wireless Card kann je zwei Streams senden und empfangen. Pro Stream sind 150 Mbit/s möglich, vorausgesetzt weitere Parameter stimmen. Gemäß des „Modulation and Coding Scheme“ können wir die WLAN-Hardware mit einem MCS-Index von 15 einstufen und somit unter Idealbedingungen die volle Bruttobandbreite von 300 Mbit/s erwarten.

Ein mit der Atheros AR9280 802.11abgn MiniCard ausgestattetesHP G50 Notebook unterstützt dagegen nur einen Spatial Stream. Dem entsprechend müssen wir das System mit einem MCS-Index von 7 einstufen. Die höchstmögliche Übertragungsrate liegt damit bei 135 Mbit/s.

Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal unter Access Points ist deren Funkstärke. Je geringer nämlich die Reichweite, desto mehr Systeme werden gebraucht. Das erhöht nicht nur Anschaffungskosten, sondern verkompliziert auch die Einrichtung und Wartung.

weiter mit: Beispielsystem HP V-M200

Inhalt des Artikels:

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de/ (ID: 30854330 / Implementierung)