Definition

Was ist X.25?

| Autor / Redakteur: tutanch / Andreas Donner

(© aga7ta - Fotolia)

X.25 ist ein von der ITU (International Telecommunication Union) verabschiedeter Standard. Er beschreibt eine komplette Protokollfamilie für die paketorientierte Übertragung von Daten über ein WAN (Wide Area Network). Es sind die OSI-Schichten 1 bis 3 definiert.

Die Entwicklung von X.25 geht bis in die 1960er-Jahre zurück. Offiziell verabschiedete die CCITT, heute ITU-T, den Standard im Jahr 1976. Das Konzept des Standards ermöglicht eine zuverlässige, paketvermittelte Übertragung von Daten sowohl über das analoge Telefonnetz als auch über digitale Verbindungen. Hierfür sind zahlreiche Verfahren definiert, die sich mit der Sicherung und Fehlerkorrektur auf den verschiedenen Übertragungsmedien beschäftigen.

Die Protokollfamilie beinhaltet Vorgaben für die ersten drei Schichten des OSI-Referenzmodells. Diese Schichten sind die Bitübertragungsschicht (Layer 1), die Sicherungsschicht (Layer 2) und die Vermittlungsschicht (Layer 3). Über so genannte X.121-Adressen lassen sich die Endstationen in einem X.25-Netzwerk eindeutig adressieren.

In Deutschland nannte sich das X.25-Netz der Deutschen Telekom Datex-P. Die Anbindung an das ISDN-Netz beschreibt der ITU-Standard X.31. Durch die starke Verbreitung des Internets und die hohen Bandbreitenanforderungen heutiger Anwendungen hat X.25 aktuell nur noch geringe Bedeutung. Es sind aber noch vereinzelt Anwendungen zu finden, die das Protokoll verwenden, wie die Kreditkartenprüfung, die Anbindung von Bankautomaten oder die Kommunikation von Reisebüroterminals.

Die Schicht 1 – die Bitübertragungsschicht

Der Layer 1 definiert den physikalischen Anschluss von Geräten und die Übertragung der Bitinformationen. Hierfür sind im Standard die physikalischen und elektrischen Eigenschaften von Schnittstellen und Belegungen von Steckern beschrieben. Größtenteils sind die Vorgaben in der Empfehlung X.21 zusammengefasst. Weitere Definitionen auf der Bitübertragungsschicht sind X.21bis, V.24 oder RS-232. Übliche Übertragungsgeschwindigkeiten für X.25 auf der Schicht 1 sind 9.600 bit/s, 19,2 kbit/s oder 64 kbit/s. Für die breitbandige Übertragung von Daten eignet sich der Standard nicht.

Die Schicht 2 – die Sicherungsschicht

Die Aufgaben des Layer 2 sind die Steuerung der Punkt-zu-Punkt-Verbindung und die Sicherung der Daten auf diesem Link. Hierfür kommen das HDLC-Steuerungsverfahren (High Level Data Link Control) und das LAPB-Protokoll (Link Access Procedure Balanced) zum Einsatz. Daten werden in einzelne Blöcke aufgeteilt und mit einem Header inklusive Sequenznummern und Prüfsummen versehen.

Dank LAPB lassen sich Übertragungsfehler oder Fehler in der Reihenfolge durch die Überprüfung der einzelnen Blöcke zuverlässig erkennen. Zur Fehlerkorrektur erfolgt eine Wiederholung der fehlerhaften Blöcke. Gleichzeitig meldet die Schicht 2 nicht korrigierbare Fehler an die Vermittlungsschicht (Layer 3) weiter. Ebenfalls in der Sicherungsschicht findet die Flusskontrolle der übertragenen Daten statt. LAPB beinhaltet für diese Aufgabe einen Fenstermechanismus. Durch die verschiedenen Sicherungs- und Steuerungsverfahren der Schicht 2 kann der darüberliegenden Vermittlungsschicht eine abschnittsweise gesicherte Verbindung bereitgestellt werden.

Die Schicht 3 – die Vermittlungsschicht

Die eigentliche Vermittlung der einzelnen Datenpakete findet im Layer 3 des X.25-Protokolls statt. Es lassen sich virtuelle Verbindungen (VC; Virtuell Connection) zwischen den Endstationen der Kommunikation aufbauen. Es sind sowohl temporäre (SVC; Switched Virtual Connection) als auch permanente Verbindungen (PVC; Permanent Virtual Connection) möglich.

Verbindungen können auf- und abgebaut sowie zurückgesetzt werden. Jede Endstation hat eine im X.25-Netz eindeutige Adresse. Es handelt sich hierbei um die so genannte X.121-Adresse. An der Schnittstelle zwischen einer Datenendeindrichtung (DEE) und der Datenübertragungseinrichtung (DÜE) sind 16 Kanäle mit jeweils 256 Verbindungen möglich. Insgesamt ergibt sich dadurch eine Maximalzahl virtueller Verbindungen von 4.096. Innerhalb einer virtuellen Verbindung erfolgt die Kommunikation sowohl mit Daten- als auch Kontrollpaketen.

X.25 im ISDN-Telefonnetz – der X.31-Standard

X.25-Systeme können an ISDN-Netze angebunden werden. Hierfür hat die ITU den Standard X.31 geschaffen, der die Unterstützung der paketorientierten Endgeräte am ISDN-Netz sicherstellt. Die Übertragung der Daten kann sowohl im D-Kanal als auch im B-Kanal eines ISDN-Anschlusses stattfinden. X.31 unterscheidet drei verschiedene Modi:

  • X.31 Case A: Datenübertragung im B-Kanal mit bis zu 64 kbit/s und gewählter Verbindung
  • X.31 Case B im B-Kanal: Datenübertragung im B-Kanal mit bis zu 64 kbit/s und fest eingestellter Verbindung
  • X.31 Case B im D-Kanal: Datenübertragung im D-Kanal mit maximal 9.600 bit/s und fest eingestellter Verbindung

X.31 kam häufig zum Einsatz, um Filialen mit relativ geringen Kosten und hoher Zuverlässigkeit an ein öffentliches oder privates X.25-Netz anzubinden. Unter anderem war der Zugang zum Datex-P-Netz der Deutschen Telekom per X.31 möglich.

Die Bedeutung von X.25 heute

Noch immer sind weltweit X.25-Netze für verschiedene Anwendungen vorhanden. Ihre Anzahl hat jedoch sehr stark abgenommen. Grund hierfür sind die stetig steigenden Bandbreiteanforderungen moderner Anwendungen sowie die starke Verbreitung des Internets. Heute kommt hauptsächlich das Internet Protokoll (IP) für die paketvermittelte Datenübertragung zum Einsatz. In der dritten Welt stellen X.25-Netze teilweise die Anbindung an das Internet her. Die Deutsche Bahn nutzt das X.25-Protokoll für die Übermittlung von Gefahrmeldungen im Meldeanlagensystems MAS90.

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