ifo-Studie zu 5G in Deutschland

Voraussetzungen für den 5G-Ausbau besser als erwartet

| Autor / Redakteur: Jürgen Schreier / Andreas Donner

Die Genehmigungsverfahren für die Aufstellung von Mobilfunkmasten dauern oft lange.
Die Genehmigungsverfahren für die Aufstellung von Mobilfunkmasten dauern oft lange. (Bild: gemeinfrei / Pixabay)

Beim 5G-Ausbau ist Deutschland entgegen aller Unkenrufe im internationalen Vergleich keineswegs abgeschlagen. Zu diesem Schluss kommt der Artikel zweier ifo-Wissenschaftler. Wichtig sei es jetzt, sinnvolle Einsatzgebiete für die neuen 5G-Frequenzen zu definieren und diese Potenziale konsequent zu heben.

Deutschland hat für den Ausbau des 5G-Netzes wichtige Voraussetzungen geschaffen. Zu diesem Schluss kommt Oliver Falck, Leiter des ifo-Zentrums für Industrieökonomik und neue Technologien in einem aktuellen Aufsatz im ifo Schnelldienst. "Deutschland nimmt mit seinen ambitionierten Versorgungsauflagen eine Vorreiterrolle ein. Dies gilt sowohl für den Ausbau in der Fläche als auch für den Ausbau entlang von Straßen und Schienen", sagt Falck.

Die für 5G aktuell wesentlichen Frequenzen liegen im Bereich um 3,5 Gigahertz. In diesem Spektrum wurden in Deutschland in diesem Jahr 300 Megahertz (3,4 bis 3,7 Gigahertz) für 4,2 Mrd. Euro versteigert. Verschiedentlich wurde der Preis als unverhältnismäßig hoch kritisiert, was neun Eurocent pro Einwohner, Megahertz und zehn Jahren Lizenzdauer entspricht. Damit liege der Preis, so die ifo-Autoren, auf demselben Niveau wie in Südkorea und im Vereinigten Königreich.

Im internationalen Vergleich liegt Italien mit 20 Eurocent deutlich darüber. Allerdings gab es auch Länder, wo die Frequenzen deutlich günstiger zu haben waren als hierzulande. Dazu gehören Finnland, Irland, Österreich, Spanien und die Schweiz.

Vorreiterrolle bei lokalen Netzen

"Um den Ausbau von 5G-Netzen in der Fläche voranzutreiben, hat Deutschland früher als viele andere Länder die dafür notwendigen 700-Megahertz-Frequenzen für den Mobilfunk geräumt. Auch bei Netzen für örtliche 5G-Anwendungen, beispielsweise für die Industrie 4.0 oder die Land- und Forstwirtschaft, nimmt Deutschland eine Vorreiterrolle ein."

So wurden bei der Frequenzauktion 100 Megahertz im Bereich 3,7 bis 3,8 Gigahertz für lokale Netze zurückgehalten. Auch in Schweden und Luxemburg finden lokale Industrielizenzen besondere Erwähnung. In den USA, Südkorea oder China sind solche Campusnetze nicht vorgesehen.

Allerdings konnte die Industrie noch keine Anträge auf Frequenzzuteilung bei der Bundesnetzagentur stellen, da, nach Einschätzung der ifo-Experten, "in Berlin unnötig lange über die Gebührenhöhe beraten wurde und es erst jetzt zu einer Einigung mit dem Bundesfinanzministerium kam". Bemerkenswert ist, dass die Einigung nur geringe Aufschläge gegenüber dem ursprünglichen Vorschlag der Bundesnetzagentur vorsieht. So liegt der Sockelbetrag bei 1000 Euro. Die Gebühr hängt außerdem von der beantragten Bandbreite, der Nutzungsdauer und der Fläche ab, auf der die Frequenzen genutzt werden.

Langwierige Genehmigungsprozesse für den Bau von Funkmasten

Wichtig sei, dass das Netz nun zügig ausgebaut werde, so Oliver Falck. "In Städten kann das 5G-Netz mit kleinen Antennen verdichtet werden. Allerdings werden dafür möglicherweise doppelt so viele Funkmasten benötigt, als bislang vorhanden sind."

"Die langwierigen deutschen Genehmigungsprozesse für den Bau von Funkmasten könnten die ambitionierten Ausbaupläne ins Wanken bringen", ergänzt er. "So konnte die Planung und Errichtung eines 4G-Funkmastes durchaus bis zu zwei Jahre dauern", sagt Falck.

Außerdem sei es notwendig, zügig zu erkennen, wo sich sinnvolle Einsatzgebiete für die neuen 5G-Frequenzen ergäben und diese Potenziale konsequent zu heben. "Dies gilt nicht nur für das autonome Fahren, sondern auch für Anwendungen im Gesundheits-, Landwirtschafts- oder Industriesektor. Nur so kann 5G zum Wachstumsmotor werden", ist Falck überzeugt.

Der Aufsatz: "Ist Deutschland abgeschlagen im Rennen um 5G?" von Oliver Falck und Valentin Lindlacher ist erschienen im ifo Schnelldienst 21/2019 und nachzulesen unter www.ifo.de/node/49277

Dieser Beitrag stammt von unserem Schwesterportal Bandbreite.

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