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Markt und Technik sind reif für Netzwerkkameras Videoüberwachung mit eigener IP-Adresse und intelligenten Bildanalyse-Funktionen

Redakteur: Ulrike Ostler

Die einen wissen noch gar nicht, was sie mit Netzwerkkameras, also Geräten mit eigener IP-Adresse, anfangen könnten. Andere sprechen bereits von einem boomenden Markt. Fakt ist jedoch: Die Migration von analogen Kameras zur IP-Technik findet statt, die Video-Technik wird intelligenter und der Markt wächst rasant.

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Nach Angaben der IMS Research Group wächst der Markt für netzwerkbasierte Kameras in den kommenden fünf Jahren durchschnittlich um rund 53 Prozent jährlich. Schon 2009 soll der weltweite Umsatz über eine Milliarde Euro betragen.

Schon spielen nicht mehr die Low-end-Kameras, die zunächst hauptsächlich in gemischten Umgebungen eingesetzt wurden, die entscheidende Rolle. Vielmehr sind höherwertige Produkte und steigende Möglichkeiten, die Inhalte mehr oder minder automatisch auszuwerten, die treibenden Faktoren.

Netzwerkkameras sind im Übrigen nicht mit PC-Kameras, so genannten Webcams, zu verwechseln. Eine Netzwerk-Kamera besitzt einen integrierten Webserver und benötigt zum Aufnehmen und Übertragen von Bildern keine direkte Verbindung mit einem PC oder anderer Hardware und Software. Sie arbeitet als eigenständiges Gerät und erfordert nur eine Netzwerkverbindung. Eingesetzt werden die Produkte bei jeglicher Form der Überwachung, in Englisch: „Surveillance“.

Video-Server

Allerdings wird dieses Geschäft noch zu 90 Prozent mit analogen Geräten getätigt, sagt Dominik McKaye, Business Development Manager Emering Technologies bei Cisco, und bezieht sich dabei auf IDC-Analysen. Demnach wurden 2006 rund 7,6 Millionen analoge Geräte ausgeliefert.

Cisco sieht seine Chancen deshalb in Gateways, Konvertern und Decodern, die zwischen den Welten vermitteln, sowie in digitaler Aufzeichnung, Client- und Management-Software. „Alles, was mit Überwachungen zu tun hat, macht für uns in den kommenden Jahren ein 140 Milliarden-Dollar-Business aus.“

Die Cisco-Angebote setzen darauf, dass Unternehmen, die bereits in analoge Technik, etwa von Bosch oder Siemens, investiert haben, diese auch behalten wollen. Ganz anders sieht das naturgemäß der schwedische Hersteller von IP-Kameras Axis Communications, laut IMS Research Marktführer im Segment netzwerkbasierter Videolösungen in Europa, dem Mittleren Osten und Afrika (EMEA).

Markt und Chancen

In diesen Regionen soll der Markt für digitale Netzwerkkameras in den kommenden fünf Jahren um 28,4 Prozent im Schnitt wachsen, der für digitale Video-Server jährlich um 30,3 Prozent. Das Marktvolumen für digitale Videolösungen liegt im kommenden Jahr bei 151 Millionen Euro.

Nach Analysen von IDC sind im vergangenen Jahr weltweit rund 500.000 Netzwerkkameras ausgeliefert worden, 35 Prozent davon in den USA. Auf Europa enfallen 29 Prozent aller Einheiten, 25 Prozent gingen nach Asien.

Axis hat laut IMS bei den Netzwerkkameras einen Marktanteil von 59,8 Prozent und bei den Video-Servern von 35,4 Prozent. Video-Server erlauben die Transformation von analogen in digitale Videosignale, die sich anschließend über ein Netzwerk verteilen, speichern und gemeinsam nutzen lassen. Mitbewerber bei den Kameras sind etwa Bosch, Canon, JVC, Panasonic, Pelco und Sony.

Es rechnet sich

Der Hersteller hat zwei Investitionsszenarien für einen Wirtschaftlichkeitsvergleich erstellt (siehe Download), einmal eine komplette Neuinstallation und dann eine Modernisierung auf Basis bereits installierter analoger Kameras bei vorhandenem LAN. Vor allem bei einer Neuinstallation liegen die Kosten pro Kanal bei IP-basierten Lösungen deutlich unter den DVR-basierten, wobei sich größere Kabellängen oder eine existente Ethernet-Basis für die IP-Infrastrukturen noch einmal kostensparend auswirken.

Magnus Ekerot, Geschäftsführer Axis Communications in München, macht deutlich, dass es sich dennoch nicht in jedem Fall lohnt, gleich auf IP-Systeme umzusteigen. „Funktioniert eine Anlage und deckt die Bedürfnisse, gibt es keinen Grund sie auszutauschen“. Anders jedoch verhalte sich das bei neuen Investitionen, etwa wenn sich die Ansprüche ändern.

Tatsächlich gebe es kaum noch Anwendungen, für die analoge Systeme empfehlenswerter seien. Ekerot zählt dazu die so genannten „Pinhole“-Kameras für Geldautomaten und die Verkehrsüberwachung.

Welche Kamera taugt?

Seinen Ausführungen zufolge gibt es vier Kriterien, nach denen eine Kamera ausgesucht werden sollte: Linse, Bildaufnehmer, Bild- und Netzwerkkomprimierung. Üblicherweise geben Datenblätter Auskunft über die Art des Datenstroms, beispielsweise MPEG 4 oder M-JPEG, ob die Energieversorgung über das Netzwerk funktioniert (Power over Ethernet) und welche Auflösung möglich ist.

Ob die Bildqualität taugt, muss letztlich eine Testinstallation zeigen. Eine Kamera mit etwa 6 Millionen Pixel pro Bild sei oftmals unnötig; für die meisten Anwendungen reichten 1,3 bis 2 Millionen Pixel.

Nach Angaben des Marktforschungsunternehmens IDC liegen die meisten Geräte in einem Preisrahmen von 150 bis 1.500 Euro. Produkte letzterer Kategorie sollten etwa eine 360-Grad-Rundumsicht ermöglichen.

Intelligenzschub für Kameras

Die Marktforscher erwarten für die kommenden Jahre wesentliche Impulse für die digitale Videowelt durch mehr Intelligenz in den Kameras und durch die automatische Interpretation der Bilder. Die Trends lassen die Nachfrage steigen.

So haben laut Ekerot Tests ergeben, dass eine Person, die mehrere Monitore in einem Überwachungsraum in ihrer Obhut hat, ihre Aufmerksamkeit nur relativ kurze Zeit gänzlich auf diese Arbeit lenken kann. Wenn sich auf den Monitoren nichts tut, wendet sich die Aufmerksamkeit anderen Dingen zu. Das entscheidende Ereignis entschlüpft unter Umständen.

Nun aber seien Kameras so weit, dass sie quasi eigenständig aus der Bildmasse relevante Ereignisse filtern und Handlungsroutinen in Gang setzen können.

Verhaltensregeln für das digitale Auge

Mit Hilfe regelbasierter Videosysteme entscheiden die Anwender, welche Informationen von der Kamera oder Videoserver identifiziert werden sollen. Die Parameter und Algorithmen müssen Entwickler programmieren. Aber danach erledigen die eingebauten Chips die Arbeit.

Bis vor kurzem wurde die verfügbare Rechenleistung vor allem für die Komprimierung der Bilddaten und für den Versand übers Netzwerk genutzt. Durch einen weiteren Prozessors für das Digital Signal Processing (DSP) verfügen die neuen Geräte nun aber über genügend Rechenkraft, um die empfangenen Bilder auch zu analysieren. Die Benutzer werden nur noch informiert, wenn die Kamera relevante Signale empfängt.

Der Bedarf für solche Systeme sei da, behauptet auch Axis-Manager Ekerot: bei der Verkehrsüberwachung für das Erkennen von Nummernschildern, zur Personenkontrollen an Flughäfen und Bahnhöfen, aber auch das Erkennen von Bewegungsprofilen in Kaufhäusern zur Erfassung von Statistikdaten für Marketing und Werbung seien ein mögliches Anwendungsszenario.

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