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Remote Administration mit Open Source UltraVNC, RealVNC, ThinVNC und TightVNC in der Praxis

Autor / Redakteur: Thomas Joos / Dipl.-Ing. (FH) Andreas Donner

Um Server oder Arbeitsstationen remote zu verwalten, können auch verschiedene VNC-Derivate verwendet werden. Die bekanntesten sind UltraVNC, RealVNC und ThinVNC. Wir zeigen deren Verwendung in der Praxis.

Neben ThinVNC können auch die Derivate UltraVNC, RealVNC und TightVNC zur Fernsteuerung von Computern verwendet werden.
Neben ThinVNC können auch die Derivate UltraVNC, RealVNC und TightVNC zur Fernsteuerung von Computern verwendet werden.
(Bild: ThinVNC / Joos)

Zu den bekanntesten Lösungen für die Fernsteuerung mit VNC gehören UltraVNC, RealVNC und ThinVNC. Alle drei Produkte können kostenlos heruntergeladen und installiert werden. RealVNC bietet zwar Support, kann aber nur 30 Tage kostenlos getestet werden. Danach muss das Produkt lizenziert werden. Auf Linux-Rechnern kann zusätzlich noch auf TightVNC gesetzt werden.

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UltraVNC in der Praxis

Um einen Computer zu steuern, wird auf dem Computer der UltraVNC Server-Part installiert. Die Fernsteuerung erfolgt wiederum mit dem UltraVNC Viewer. Bei der Installation kann die Serverkomponente auch als Systemdienst registriert werden – allerdings ist dann die Einrichtung der Berechtigungen etwas komplexer. Die Installation als Systemdienst ermöglicht jedoch den automatischen Start von UltraVNC beim Starten des Rechners. Nach der Installation muss auf dem Computer zunächst „UltraVNC settings“ aufgerufen werden. Wird der VNC-Server nach der Installation gestartet, wartet er auf eine Verbindung. Über das Kontextmenü des Server-Icons können die Einstellungen aufgerufen werden.

Sobald der Server gestartet und bei „Authentication“ ein Kennwort für den Zugriff gesetzt wurde, kann von einem anderen Computer der „VNC Viewer“ aufgerufen werden. Nach Eingabe der IP-Adresse oder des Namens des fernzusteuernden Servers, kommt das Kennwortfenster. Wird das Kennwort erfolgreich angegeben, baut VNC die Sitzung auf und der entsprechende Computer kann ferngesteuert werden. Über das Menüband im oberen Bereich stehen die wichtigsten Befehle zur Fernsteuerung zur Verfügung. Hier können Tastenkombinationen gesendet und auch ein Dateitransfer gestartet werden. Ein Chatfenster steht ebenfalls zur Verfügung. Wird mit der Maus über ein Icon gefahren, zeigt VNC eine Information zur Schaltfläche an.

Troubleshooting bei Verbindungsproblemen

Beim Einsatz von VNC kommt es immer mal wieder vor, dass die Verbindung nicht aufgebaut werden kann. Leider sind die zugehörigen Fehlermeldungen dann oft nicht sehr hilfreich. Zunächst sollte deshalb überprüft werden, ob das Kennwort auf dem Server in den Einstellungen korrekt gesetzt wurde. Danach wird überprüft, ob der Port auf dem Server auch reagiert. Dazu sollte in den Einstellungen auf dem VNC-Server zunächst ermittelt werden, welcher Port genutzt wird. Standardmäßig ist das TCP 5900.

Um auf Windows-Rechnern zu überprüfen, ob der Port geöffnet ist, wird in der Befehlszeile zum Beispiel netstat -a -b eingegeben. Hier sollte beim Port TCP 5900 der Prozess „winvnc.exe“ auf Anfragen antworten. Ist das nicht der Fall, muss lokal überprüft werden, ob die Firewall den Port blockiert oder bei VNC der falsche Port angegeben wurde. Sind zu viele Prozesse offen, kann ausführlicher mit netstat -a -o | find /I ":5900" nach dem entsprechenden Prozess gesucht werden. Hier ist auch der Verbindungsaufbau zu sehen.

Wenn vom Client zum Server keine Verbindung aufgebaut werden kann, sollte mit einem Telnet-Client zur IP-Adresse des Servers und des Ports 5900 überprüft werden, ob die Verbindung generell funktioniert. Antwortet der VNC-Server erscheint die Antwort RFB 003.008. Als Telnet-Client kann entweder der Client in Windows oder Linux verwendet werden. Alternativ besteht die Möglichkeit Putty zu verwenden.

Wird VNC als Systemdienst registriert, muss bei der Authentifizierung darauf geachtet werden, ob die Windows-Authentifizierung genutzt werden. Ist dies der Fall, muss der Server im Service-Modus konfiguriert werden muss, nicht im Benutzermodus.

TightVNC auf Linux-Rechnern installieren

Auch Linux-Rechner können mit VNC gesteuert werden, oder über VNC-Viewer auf andere Geräte zugreifen. Um zum Beispiel auf einem Ubuntu-Computer TightVNC zu installieren, wird der folgende Befehl eingegeben:

sudo apt install tightvncserver

Nach der Installation wird mit vncserver die Ersteinrichtung des VNC-Servers gestartet. Hier wird zunächst das Kennwort für den Zugriff und eine Konfigurationsdatei angelegt. Über die Datei erfolgt die Konfiguration des VNC-Servers. Um den VNC-Server anzupassen, muss die laufende Instanz zunächst mit vncserver -kill :1 beendet werden. Danach kann die Konfigurationsdatei bearbeitet werden, zum Beispiel mit nano oder vi.

ThinVNC – Fernwartung über Webbrowser ohne Installation

ThinVNC hat den Vorteil, dass die Lösung zunächst nicht installiert werden muss. Die Verbindung von Clients erfolgt über HTML5/AJAX mit nahezu jedem Webbrowser. Nach dem Extrahieren des Archivs wird der Serverpart von ThinVNC über die Datei „ThinVNC.exe“ zunächst gestartet. Auf der Registerkarte „HTTP“ wird der Serverport angegeben, auf den der Computer hören soll. Auf der Registerkarte „General“ kann bei „Authentication“ entweder ein Benutzer angegeben, oder die Authenfizierung mit „None“ deaktiviert werden. Mit „Start Server“ wird die Verbindung aktiviert. Beim Einsatz auf Windows-Rechnern muss aber auch darauf geachtet werden, dass in der Windows-Firewall der verwendete Port freigeschaltet wird. Als Kennwort sollte außerdem kein Kennwort verwendet werden, das auch in anderen Bereichen genutzt wird, da die Verbindung nicht verschlüsselt wird.

Danach kann über das Netzwerk von jedem Browser aus eine Verbindung aufgebaut werden. Dabei muss wie bereits erwähnt aber darauf geachtet werden, dass ThinVNC hier ohne Verschlüsselung arbeitet. Das Tool ist vor allem für eine schnelle Verbindung interessant. Nach dem Verbindungsaufbau zeigt ThinVNC im oberen Bereich eine Steuerungsleiste mit den wichtigsten Befehlen an, die in VNC zur Verfügung stehen.

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Über den Autor

 Thomas Joos

Thomas Joos

Freiberuflicher Autor und Journalist