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Investition in SBC und SIP-Trunk statt neuer Telefonanlage So integrieren Sie MS Teams in Ihre lokale Telefonie-Infrastruktur

Autor / Redakteur: Daniel Laczi / Dipl.-Ing. (FH) Andreas Donner

Die All-IP-Umstellung bleibt für Unternehmen aktuell. Während das Upgraden alter Telefonanlagen teuer ist, bringt die Einbindung der Telefonie in Microsoft Teams Mehrwerte. Wegen zahlreicher Technikoptionen gibt es bei der Umsetzung jedoch einiges zu beachten.

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Das Aktualisieren einer alten Primär-Multiplex-TK-Anlage auf eine SIP-fähige VoIP-Anlage ist teuer – eine Alternative ist die Integration von Microsoft Teams in die alte Telefonanlage.
Das Aktualisieren einer alten Primär-Multiplex-TK-Anlage auf eine SIP-fähige VoIP-Anlage ist teuer – eine Alternative ist die Integration von Microsoft Teams in die alte Telefonanlage.
(Bild: © magneticmcc - stock.adobe.com)

Microsoft hat Skype for Business Online zum 31. Juli 2021 abgekündigt. Microsoft Teams, das verschiedene Office365-Dienste wie Skype for Business, SharePoint, Exchange Online sowie OneDrive for Business kombiniert, hat bei den Telefoniefunktionen stark aufgeholt und bietet Vergleichbares.

Mit Skype for Business Online fällt langfristig der gängige Migrationszwischenschritt von Skype for Business zu Teams weg. Demnächst sollten sich jedoch vor allem die Unternehmen mit einer App für Unified Communications & Collaboration (UCC) beschäftigten, deren TK-Provider in naher Zukunft kein ISDN mehr unterstützt.

Eine moderne Telefonanlage, die All IP beherrscht, verursacht Kosten und bringt einiges an Aufwand mit sich. Ein Altsystem kann man zwar über Gateway-Boxen VoIP-fähig (Voice over IP) machen – das Upgraden ist jedoch teuer. Die Aktualisierung sollte Wartungsverträge unbedingt einschließen, da der Support für solche Anlagen häufig ausläuft oder bereits eingestellt wurde. Außerdem ist mit dem Einsatz von Gateways bei Altanlagen zwar ein Schritt in Richtung Digitalisierung getan – eine bahnbrechende Innovation ist damit aber nicht verbunden: Mitarbeiter können lediglich telefonieren.

So verstreicht die Chance, über die Telefonie hinaus Features einzubinden, die Mitarbeiter im Alltag das Leben deutlich erleichtern können. Teams bringt diese Funktionserweiterung mit und lässt sich in die lokale Telefonie-Infrastruktur integrieren. Das verlangt ein strukturiertes Vorgehen, das am besten UCC-Spezialisten übernehmen.

Erst Strategie, dann detaillierte Planung

In der Praxis bewährt sich zum Auftakt ein Workshop. In diesem legen Unternehmen und externe Dienstleister die Office365-Strategie fest und mit welchen Office365-Services dieser ganzheitliche Ansatz erreicht werden soll. Klärungsbedarf besteht vor allem bei der Frage, was die Firma bereits an SharePoint Online, OneDrive for Business, Exchange Online oder Office365 Groups einsetzt. Zudem gilt es zu evaluieren, welche Funktionen unverzichtbar sind. Damit Mitarbeiter künftig auch über Teams telefonieren, empfiehlt es sich, die Features der aktuellen Telefonanlage sowie das Telefonverhalten der Mitarbeiter zu ermitteln.

Das Integrieren von Telefonie in Teams, also das Planen der geeigneten Hard- und Software, hängt davon ab, ob ein Unternehmen noch die klassischen Tischtelefone im Einsatz hat oder bereits Skype for Business verwendet. In vielen Fällen ist es nicht ungewöhnlich, dass die Telekom oder ein anderer Carrier das Unternehmen schon hinsichtlich einer All-IP-Umstellung angesprochen hat. Im Zuge dessen kann der Provider darauf verweisen, dass die alte Anlage zunächst auf SIP (Session Initiation Protocol) aktualisiert werden muss.

Die Analyse im zweiten Workshop kann Argumente für das komplette Ablösen der alten Infrastruktur oder Co-Existenz-Szenarien liefern. So lässt sich unter Umständen mit Lösungen von AudioCodes, die klassischen Telekommunikationswelt mit Teams verbinden. Das könnte wie folgt aussehen: Ein Session Border Controller (SBC) baut die Sprachverbindung zwischen Datennetzen auf, überwacht die Signale, stellt die notwendige Bandbreite zur Verfügung und sichert die Kommunikation ab.

Ein SBC wirkt wie eine Firewall, indem er Zugriffsrechte durchsetzt. Über Interworking-Konfigurationen lassen sich dann SIP-Profile so verändern, dass man ein Call Routing realisieren kann. Mitarbeiter telefonieren dann über Teams und sie nutzen dafür alle Features der alten Telefonanlage.

Allerdings kann man einen SBC nur bei einem SIP-Anschluss hochverfügbar auslegen. Bei einem primären Multiplex-Anschluss gelingt das nicht ohne Weiteres. Eine Variante wäre: Das Routing erfolgt über einen anderen Anschluss – die Mitarbeiter würden somit unter anderen Telefonnummern telefonieren.

Die Betriebs- sowie Lizenzfrage

Prinzipiell lässt sich ein SBC als virtuelle Maschine (VM) in Microsoft Azure betreiben. Die Alternative ist Hardware, um auch analoge Geräte wie Faxgeräte, Türsprechanlagen oder Aufzugssysteme anzuschließen. Soll der SBC diese Funktionen komplett übernehmen, wird man dieses Konstrukt aber nicht vollständig hochverfügbar auslegen können. Über ATA (Analog-Telefon-Adapter), den Mediapacks bei AudioCodes, kann man über 200 Geräte anhängen und konfigurieren.

In die geeignete Betriebsform und Konfiguration von SBC spielt ein weiterer Aspekt hinein: Im Unterschied zu Office365 wird SBC nicht pro Benutzer lizensiert. Hier greifen die Session-Lizenzen, welche eine Anzahl von gleichzeitigen Gesprächen festlegen, die über dieses Gerät abgewickelt werden. In der Praxis fahren Unternehmen gut mit einer Lizenz, die abdeckt, dass zehn Prozent der Mitarbeiter gleichzeitig telefonieren. Bei der SBC-Hardware-Variante kommen noch die Lizenzen für die Adapter hinzu. Wer zusätzlich eine Sprachkodex-Unterstützung nutzen möchte, kann das über VMs oder Hardware umsetzen.

Problemfall DECT

Doch was ist mit den DECT-Anlagen (Digital Enhanced Cordless Telecommunications), die Unternehmen noch einsetzen? Teams nutzt identitätsbasiertes Routing, DECT verwendet hingegen Telefonnummern. Die Ansätze sind nicht miteinander vereinbar, weshalb es in Teams keine DECT-Integration gibt. Sofern ein Unternehmen die schnurlosen Telefone weiter einsetzen will, sollte sie diese in die bestehende Telefonanlage einbinden.

Implementieren und Testen

In den meisten Unternehmen wird es auf ein Implementieren von SBC und SIP-Trunk hinauslaufen, wobei der SIP-Trunk die Verbindung zum TK-Provider herstellt. Idealerweise formulieren Unternehmen und Spezialisten am Ende der Planung die Anforderungen für die Implementierung hinsichtlich Firewall-Regeln, Port-Freischaltung, Application Detection und Proxy-Settings. Die Anbindung des SBC an Teams erfolgt über PowerShell, da keine graphischen Oberflächen (GUI) existieren.

Neben dem Aufbauen eines kompletten SIP-Stacks, in welchem Zugangsdaten hinterlegt sind, liegt der Fokus auf dem Programmieren des Dialplans. In der Datei legt ein Spezialist fest, wann welches Telefon klingelt. Es können auch mehrere Telefone gleichzeitig klingeln. Das erforderliche Erstellen von Routing-Regeln kann unter anderem festlegen, wann Least Cost Routing (LCR) greift und so die preiswerteste Verbindung aufbaut.

Ob die Telefonie mit Teams funktioniert, muss ein Testsystem im Proof of Concept beweisen. Das schließt unter anderem ein, ob die für das Direct Routing aktivierten Nutzer das angenommene Verhalten zeigen. Die Testphase liefert die Ergebnisse, wie die Session-Lizenzen zu dimensionieren sind. Ein erfahrener Spezialist wie Axians bringt bereits in dieser Phase, die definierten Key User mit seinem User-Adoption-Team zusammen. Diese Experten nutzen das Feedback der Testpersonen, um das Projekt aus Anwendersicht zum Erfolg zu führen.

Nach vier bis sechs Wochen ergibt sich eine Testmatrix, aus der sich Veränderungen und Feinjustierungen ableiten. In der Regel entsteht so eine solide Basis, die Testumgebung zu einem produktiven System auszubauen.

Die bevorzugte Praxisvariante

Das Einbinden der lokalen Telefonie-Infrastruktur in Teams kann auf unterschiedlichen Wegen erfolgen. Entweder wird der SIP-Provider direkt über eine VPN-Verbindung aus Azure oder aus Teams angesprochen, was auch aus dem Rechenzentrum heraus funktioniert.

Eine SIP-Umstellung eignet sich perfekt, um auf einen reinen SBC zu setzen. An diesen schließt man gegebenenfalls über Mediapacks noch analoge Geräte an. Diese Appliances sind dann nicht hochverfügbar, aber der SBC schon – also die Verbindung zur Telefonie und zu Teams.

Daniel Laczi.
Daniel Laczi.
(Bild: Axians)

Dieser Ansatz erweist sich besonders praxistauglich und bedeutet, am Anfang zu prüfen, ob sich ein Umstellen auf SIP realisieren lässt. Die Investition in SBC und SIP-Trunk kostet weniger als eine neue Telefonanlage und rechnet sich langfristig. So gestattet Teams häufig auch, wie bisher zu den günstigen Tarifen zu telefonieren. Bleibt jedoch der Multiplex-Anschluss bestehen, muss man eine SBC-Hardware mit ausreichender Kapazität vor Ort einbinden.

Über den Autor

Daniel Laczi ist Microsoft Enterprise Workplace Architect bei Axians IT Solutions.

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