LAN-Erweiterung leicht gemacht

So finden Sie Platz für neue Netzwerk-Komponenten

| Autor / Redakteur: Doris Piepenbrink / Andreas Donner

Mit Ein paar Tricks und speziellen Komponenten lässt sich auch in den beengtesten Verhältnissen neue Kapazität schaffen.
Mit Ein paar Tricks und speziellen Komponenten lässt sich auch in den beengtesten Verhältnissen neue Kapazität schaffen. (Bild: Dätwyler/Piepenbrink)

Immer mehr Geräte und Steuerungen nutzen TCP/IP zur Kommunikation und können per RJ45 an das Datennetz angeschlossen werden. Doch Netzwerkschränke und Etagenverteiler sind bereits gut gefüllt. Das Gleiche gilt für Bo­den­tanks, Consolidation Points und den Brüs­tungs­ka­nal. Dennoch findet sich noch man­che Einbaulücke, um zusätzliche Komponenten in der vorhandenen Infrastruktur einzubinden.

LAN-Erweiterungen auf der Etage werden nicht allein durch zusätzliche Arbeitsplätze nötig. Auch Netzwerkkameras, Zutrittskontrollsysteme oder WLAN-Access-Points gehören zum Netz und brauchen ihren Platz. Und die Palette der Komponenten eines Netzwerks steigt stetig. Stellt sich also die Frage, wie man zusätzliche Netzwerkkomponenten möglichst problemlos in ein Netz integriert, ohne neue Kabelschächte zu verlegen, Stromleitungen zu ziehen oder weitere Racks anzuschaffen.

Für schwer zugängliche Anschlüsse

WLAN-Access-Points, Netzwerkkameras und viele andere Netzwerkkomponenten müssen oft an schwer zugänglichen Stellen positioniert werden, wo es weder Steckdose noch Netzwerkanschluss gibt. Für diese Fälle bieten sich Kabelverbinder mit PoE-Unterstützung an, bei denen der Anwender ein Datenkabel direkt mit der Anschlussleitung einer Netzkomponente verbinden kann. Das erspart das Setzen der Dosen an schwer zugänglichen Stellen. Entscheidend ist, dass sich dieser Kabelverbinder einfach verdrahten lässt.

Leitungen verlängern

Der klassische Einsatzbereich von Kabelverbindern ist die Verlängerung von vorhandenen Leitungen. Nicht nur zur Reparatur, sondern auch zur Reaktivierung stillgelegter Leitungen zum Beispiel im Brüstungskanal. Denn bei Umzügen oder der Versetzung von Rigips-Wänden in Bürogebäuden kommt es immer wieder vor, dass Anschlussdosen nicht mehr benötigt werden. Die Kabel verbleiben dann ungenutzt im Brüstungskanal.

Mit einem Kabelverbinder können diese Leitungen bis zur maximalen Linklänge von etwa 90 m verlängert und weiter genutzt werden. Bei der Auswahl des Kabelverbinders sind Baugröße und gute Handhabbarkeit entscheidend. Kein Installateur möchte im Brüstungskanal Adern auflegen, aber auch keine großen Verbindungskästen im Sichtbereich am Brüstungskanal anbringen. Herkömmliche Kabelverbinder basieren auf der LSA+-Technik, müssen also ausgekreuzt und relativ aufwändig verdrahtet werden. Sie bestehen zudem oft aus einem Kästchen, das sich nicht für den Einbau im Brüstungskanal eignet.

Es gibt aber auch Kabelverbinder, die kaum dicker als eine Datenleitung sind: Die folgenden drei neueren Lösungen unterstützen alle PoE und erfüllen die genannten Kriterien. Dabei sind der „feldkonfektionierbare Kabelverbinder Class FA“ von Metz Connect und der „IP67 VM-Pro 8-8 Class FA“ von Telegärtner ähnlich aufgebaut und sogar wasserdicht nach Schutzklasse IP67. Bei beiden schiebt der Anwender zunächst die beiden zu verbindenden Kabel durch je eine Gehäusehälfte, zieht dann die abisolierten Adernenden jeweils durch einen runden Wiremanager und legt die Adern an dessen Stirnflächen in farblich gekennzeichnete Aufnahmen. Die beiden Kabelenden mit Wiremanager-Abschluss werden dann per Hülse miteinander verbunden. Darüber schraubt der Anwender schließlich die schützenden Gehäusehälften. Diese Verbindungen eignen sich für Übertragungen bis 10 Gigabit Ethernet. Hier der Link zu einer Montageanleitung. http://www.telegaertner.com/de/service/downloads/montagevideos/verbindungsmodul-vm-pro-8-8/

Eine andere Variante reicht nur bis Kategorie 6A ISO/IEC, die ebenfalls 10 Gigabit Ethernet unterstützt, und ist mit IP20 für Büroumgebungen ausgelegt. Der Easylan Fixlink-Extender von ZVK ist im Grunde eine Kombination aus zwei RJ45-Modulen mit verbindender Leiterplatte. Der Anwender führt hier die Adernenden der zu verbindenden Kabel in kleine Wiremanager. Die so konfektionierten Kabelenden legt er in das Modul ein und drückt es fest zu, bis die Zugentlastung einrastet. Er kann den Extender vorher auch an die Wand oder in den Brüstungskanal schrauben.

Mehr Packungsdichte im Bodentank

Viele Unternehmen verlegen ihr Datennetz auf Büroetagen im Doppelboden und arbeiten mit Netzanschlüssen im Bodentank. Diese runden oder auch viereckigen Bodentanks mit Durchmessern/Kantenlängen von etwa 13 bis 33 cm finden sich vor allem in Großraumbüros. Aufgrund des begrenzten Platzes haben die Aufnahmen für die Anschlüsse meist keine Reserven für zusätzliche Komponenten. Wer GB3-Trägerplatten des verbreiteten Ackermann-Unterflursystems einsetzt, kann die Modulaufnahme tauschen. Metz Connect oder ZVK bieten zum Beispiel Halterungen für bis zu 12 RJ45-Module für die GB3-Trägerplatte an. Bei anderen Herstellern sind es deutlich weniger. Alternativ können die Auslässe in Anschlusssäulen geführt werden. Typische Hersteller sind hier Obo Bettermann und Hager.

Flexibel mit Consolidation Points

Anschlusssäulen bieten sich auch für Consolidation Points an, also zentrale Anschlussstellen in Büros, in denen bei Fiber-to-the-Office-Lösungen auch der Medienkonverter untergebracht ist. Darüber hinaus gibt es je nach Anzahl der Anschlüsse vom Tischgehäuse über Einbaueinheiten, die sich unter die Tischplatte oder im Doppelboden montieren lassen, bis hin zu Wandgehäusen die unterschiedlichsten Lösungen. Sie sind in der Regel in Breiten mit 10 und 19 Zoll verfügbar. In der Regel bieten sie in 19-Zoll-Breite Portdichten wie 19-Zoll-Patchpanels und bei 10 Zoll die Hälfte. Beim Einsatz im Unterflurbereich oder als Wandgehäuse sollte der Anwender entsprechend den Umgebungsbedingungen auf eine stabile Kabelabfangung und auf Staubschutz an den Aus- und Eingängen achten.

Die 19-Zoll-Ebene dichter packen

Zusätzliche Geräte und Systeme benötigen nicht nur einen Teilnehmeranschluss, sondern auch einen Port im Netzwerkschrank. Im Laufe der Zeit füllt sich der 19-Zoll-Bereich des Schranks. Dennoch sollen die neuen Anschlüsse weiterhin in dem vorhandenen Verteiler untergebracht werden. So nutzt der Netzwerktechniker zunächst alle vorhandenen Einbaulücken in der 19-Zoll-Ebene: Er kann beispielsweise auf Patchpanels umsteigen, die eine möglichst hohe Packungsdichte bieten.

Mehrere Anbieter haben heute zum Beispiel 1HE-Patchpanels (HE: Höheneinheit) mit 48 Ports im Programm. Und oft findet sich noch eine kleine Lücke in der 19-Zoll-Ebene, die sich mit einem schmalen 0,5-HE-Panel für 24 Ports füllen lässt. Aufgrund der beengten Einbausituation sollte der Netzwerktechniker jedoch vorab prüfen, ob sich die Leitungen an dieser Stelle überhaupt noch von hinten bis zur 19-Zoll-Ebene führen lassen. Für die Konfektion der Anschlüsse gerade bei derart dicht gepackten Panels sind möglichst kompakte und installationsfreundliche Module sinnvoll.

Patchpanels mit Schrägauslass

Damit die LWL-Patchkabel im Rangierbereich sicher den minimalen Biegeradius einhalten, fordern manche Netzbetreiber schräg gestellte Auslässe. Das sind in der Regel Spleißboxen oder LWL-Patchpanels für vorkonfektionierte LWL-Kabel. Mittlerweile sind die Schrägauslässe auch für RJ45-Ports erhältlich. Dabei führen die Patchkabel automatisch zur Seite und können neben der Patchebene befestigt werden. Der Anwender spart sich also die Rangierpanels zu Führung der Patchkabel und hat somit eine zusätzliche HE zur Verfügung. Außerdem ragen die schräg gestellten Patchkabel nicht so weit nach vorne wie bei senkrecht gestellten Anschlüssen. Hersteller sind zum Beispiel Assmann Electronic und ZVK.

Sidepanels

Sollte der 19-Zoll-Bereich der Etagenverteiler bereits voll bestückt sein, kann der Netzwerktechniker auf den Einbauraum daneben ausweichen. Die Funktion der Patchpanels übernehmen dann so genannte Sidepanels, die in unterschiedlichen Ausführungen erhältlich sind. Das sind zum Beispiel 14TE-Einschubmodule mit 12 Ports für einen gängigen 3HE-Baugruppenträger, die neben die 19-Zoll-Ebene in den Schrank geschraubt werden. Der Installateur führt die Datenleitungen in Kabelführungen an der Außenwand des Schranks zu den Kabeltrassen.

Oder in den Doppelboden

Wenn die Anschlüsse immer noch nicht ausreichen, kann ein Teil der Patch-Ebene auch unter den Schrank in den Doppelboden verlegt werden. TDE beispielsweise bietet mit seinen Tml Cubes Miniverteiler in 10-Zoll-Technik an, die mit Schellen an den Ständern im Doppelboden montiert werden können. Sie bieten jeweils 6 Ports pro Höheneinheit (HE) und sind 4 HE hoch. Schon aus Gründen der Zugänglichkeit eignet sich diese Lösung nicht für Anschlüsse, die häufig gepatcht werden müssen. Wer auch aktive Technik im Schrank hat, sollte zudem bei der Platzierung darauf achten, dass der Miniverteiler den Luftstrom in den Schrank nicht behindert. Es spricht aber nichts dagegen, diese Cubes an anderer Stelle im Serverraum anzubringen.

Bei Netzwerkerweiterungen sind kreative Lösungen gefragt. Gehäuse für Consolidation Points etwa lassen sich vielseitig einsetzen. Oft lohnt es sich, bei konkreten Platzproblemen einen oder mehrere Anbieter von Anschlusslösungen zu befragen. Sie haben oft fertige Lösungen im Programm, auf die man selbst nicht kommen würde.

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