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Vorteile von SD-WAN Paradigmenwechsel in der Netzwerkstruktur

| Autor / Redakteur: Ann-Marie Struck / Dipl.-Ing. (FH) Andreas Donner

Die Cloud spielt bei modernen Unternehmen eine immer größere Rolle. Um mit den neuen Anforderungen zurechtzukommen, ist es essenziell, die richtige WAN-Infrastruktur zu verwenden. Das ist die Chance für neue Technologien wie SD-WAN, welche auf Dauer die herkömmlichen Weitverkehrsnetze überholen können.

Jedes Unternehmen hat einen Blumenstrauß an Applikationen, die miteinander verbunden werden.
Jedes Unternehmen hat einen Blumenstrauß an Applikationen, die miteinander verbunden werden.
(Bild: cmfotoworks - stock.adobe.com)

Gartner prognostizierte für 2019 ein Wachstum des weltweiten Marktes für Public Cloud Services um 17,5 Prozent. Kein Wunder also, dass viele Unternehmen den traditionellen Ansatz für Netzwerk- und Sicherheitsinfrastrukturen überdenken.

Nach wie vor ist Multiprotocol Label Switching (MPLS) der Standard vieler Unternehmens WANs. MPLS ist aber nur dann sinnvoll, wenn Applikationen über ein firmeneigenes Rechenzentrum bereitgestellt werden. Anders sieht die Sache aus, wenn Anwendungen in Cloud-Rechenzentren vorgehalten werden, etwa als Software as a Service (SaaS). Zudem sind Cloud-Rechenzentren nur in seltenen Fällen mit MPLS-Links ausgestattet. Vielmehr greifen Nutzer über Breitband-Internet-Verbindungen auf die dortigen Ressourcen zu. Und dabei kommt SD- WAN ins Spiel.

Vorteile von SD-WAN

Laut der IDC-Studie „SD-WAN: Wettbewerbsfaktor im digitalen Zeitalter" wird unter SD-WAN ein dynamisches und hybrides WAN verstanden, in dem Daten über unterschiedliche Verbindungsarten, wie MPLS, Breitband-Internet oder Mobilfunk übertragen werden. Zentrale Komponente ist ein Controller, der eine intelligente Auswahl der WAN-Pfade ermöglicht. Es handelt sich dabei um ein Konzept der Netzwerkvirtualisierung. In der Regel basiert ein SD-WAN auf einer virtuellen Overlay-Struktur, die über die verschiedenen physischen Netze gelegt wird. Dabei werden die Steuerungsfunktionen von der Transportebene abstrahiert, sodass sie sich zentral ausführen lassen. Die Vorteile sind: Dynamik, Virtualisierung und Schnelligkeit.

Dadurch, dass Multi-Cloud-Szenarien intelligente Verbindungen benötigen, wird auch der Ausbau von SD-WAN vorangetrieben. Dass MPLS jedoch völlig verdrängt werden, glaubt Volker Schiemann, Head of Solution bei GTT, nicht. Seiner Ansicht nach gibt es kein MPLS versus SD-WAN. Er sieht die Zukunft beider Netzwerktechnologien vielmehr in einer Co-Existenz innerhalb einer Hybridarchitektur. „MPLS gibt es schon seit 20 Jahren. Demnach ist die Struktur auch gut entwickelt. Es ermöglicht die verbindungsortientierte Übertragung in einem Netz entlang eines zuvor aufgebauten Pfads,“ erklärt der Spezialist. Und eben darin liegt auch die Krux: das Netzwerk ist nicht auf viele Applikationen ausgelegt und eben diesen Vorteil bietet SD-WAN, denn es wurde „in Hinblick auf Applikationen entwickelt.“ „Jedes Unternehmen hat eine Art Blumenstrauß an Applikationen, die durch SD-WAN schnell und vergleichsweise kostengünstig verbunden werden können", sagt Schiemann.

Ein weiteres Plus von Cloud-Computing ist, dass Unternehmen Cloud-Ressourcen nach Bedarf nutzen können. Diese Flexibilität unterstützt SD-WAN. „Wird beispielsweise ein neuer Standort eröffnet, lassen sich für die Mitarbeiter dort kurzfristig Office-Pakete, Storage-Ressourcen und Server-Leistungen bereitstellen. Nicht so bei MPLS: Bei

traditionellen Leitungen kann es bis zu 45 Tage dauern, bis eine Verbindung eingerichtet wird. Bei höheren Bandbreiten sind teilweise mehrere Monate zu veranschlagen. Zudem stehen MPLS-Links nicht an allen erdenklichen Standorten zur Verfügung,“ erklärt Schiemann. „Mit SD-WAN kann das lokale Internet genutzt werden.“

SD-WAN bietet daher Unternehmen eine vergleichsweise kostengünstige Möglichkeit, Cloud-Szenarien flexibel und sicher an ihre interne IT-Landschaft anzubinden, sodass Mitarbeiter auf Anwendungen und Daten ebenso performant zugreifen können, als würden sie On-Premises bereitgestellt. Mitunter stehen aber auch eine größere Transparenz im Netzwerk, ein effektiveres IT-Sicherheitsmanagement oder ein intelligenteres Routing im Vordergrund.

Umstellung sorgfältig planen

Um vom traditionellen WAN zum SD-WAN zu wechseln, bietet sich ein schrittweiser Übergang an. Wichtigster Bestandteil der Migration ist eine sorgfältige Planung. Unternehmen müssen ihre Anforderungen verstehen und ihre Ziele definieren, denn danach richtet sich unter anderem der Bedarf an Bandbreiten und Sicherheitsmaßnahmen.

„Zuerst kommt immer die Frage: welche Anforderungen habe ich an mein Netz und dann wird das nötige SD-WAN darum herum gebaut“, sagt Schiemann. „Durch seine Dynamik löst SD-WAN einen Paradigmenwechsel in der Netzwerkplanung ein. Es gibt viele Tunnel und jede Leitung hat einen Nutzen durch die verschiedene Applikationen zusammengeführt werden. Das ist für die IT-Verantwortlichen erst einmal unbequemer zu verwalten als ein geschlossenes MPLS-Netzwerk.“

Doch die technischen Entwicklungen machen seine Einführung notwendig. Dennoch verwenden viele Unternehmen MPLS als Underlayer zum SD-WAN. Folglich gibt es derzeit laut Schiemann bei vielen Firmen eine Hybridstrategie.

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Über den Autor

 Ann-Marie Struck

Ann-Marie Struck

Redakteurin