Microsoft Teams ist in vielen Unternehmen etabliert. Nach dem Rollout fängt die eigentliche Herausforderung jedoch erst an: fehlende Governance, Sicherheitsrisiken, wachsende Datenbestände und steigende Komplexität. Sechs Hebel zeigen, wie IT-Strukturen schaffen und Teams zu einer sicheren Plattform für Zusammenarbeit, Automation und KI entwickeln.
Nikolaus Streich vom IT-Beratungsunternehmen Adlon über die fehlende Betriebs- und Entwicklungs-Vision der Collaboration-Plattform Teams.
(Bild: Adlon)
Microsoft Teams ist heute bereits flächendeckend im Einsatz. Der Fokus lag dabei auf Enablement, Migration und Nutzerakzeptanz. Häufig fehlt jedoch das, was nach dem Rollout entscheidend wird: ein belastbares Betriebsmodell und klare Governance-Strukturen.
Hinzu kommt ein weiterer Aspekt, der oft unterschätzt wird: die fehlende strategische Weiterentwicklung. Themen wie Workplace Automation und der Einsatz von KI bleiben unberücksichtigt. Teams als produktive Collaboration-Plattform wird zwar genutzt, aber nicht aktiv entwickelt.
Die eigentliche Herausforderung beginnt meist erst nach der Einführung. Denn Teams entwickelt sich kontinuierlich weiter, technisch wie organisatorisch. Ohne Steuerung entsteht daraus schnell eine unübersichtliche Plattform.
Wenn Collaboration zum Admin-Problem wird
Mit zunehmender Nutzung zeigen sich typische Symptome wie unkontrollierte Team-Erstellung, redundante Strukturen, fehlende Verantwortlichkeiten und unklare Datenablagen. Parallel treten zunehmend sicherheitsrelevante Probleme auf:
Zugriffsrechte bestehen dort, wo sie nicht mehr erforderlich sind
veraltete Accounts, auch von externen Mitarbeitern, bleiben aktiv
Over-Sharing führt zu unkontrollierten Datenfreigaben
Gleichzeitig fehlt die Weiterentwicklung hin zu echtem Business Value. Teams wird weiterhin primär als Kommunikationswerkzeug eingesetzt. Potenziale wie Prozessautomatisierung oder KI-Unterstützung bleiben ungenutzt. Technisch zeigt sich die Komplexität entlang der gesamten Plattform: Microsoft Teams, SharePoint Online, OneDrive und Microsoft 365 Groups sind eng miteinander verzahnt. Veränderungen wirken sich systemübergreifend aus.
Die zentrale Erkenntnis: Teams ist keine App, sondern eine Plattform, die Business Value stützt oder, ohne Steuerung, verhindert.
Wildwuchs ist systematisch, nicht menschlich
Unstrukturierte Umgebungen werden häufig den Nutzern zugeschrieben. Tatsächlich ist Wildwuchs jedoch vor allem ein systemisches Problem.
Ohne klare Leitplanken wachsen Strukturen automatisch. Standardkonfigurationen in Microsoft 365 fördern die schnelle Erstellung von Teams, ohne gleichzeitig Ordnung zu schaffen. Die Folgen sind veraltete Berechtigungen, Over-Sharing und fehlende oder zu spät greifende Sicherheitsmechanismen.
Hinzu kommen wachsende Datenmengen: alte Inhalte, unnötige Versionsstände und fehlende Löschkonzepte führen zu einem stetig steigenden Datenbestand. In der Praxis finden sich häufig Ablagen mit Daten, die über zehn Jahre alt sind und keinen geschäftlichen Mehrwert mehr bieten.
Diese Entwicklung lässt sich als „Collaboration Debt“ beschreiben: eine Kombination aus technischen und organisatorischen Altlasten, die Produktivität und Sicherheit gleichermaßen beeinträchtigen.
Wichtige Hebel für nachhaltige Kontrolle und KI-Readiness
Hebel 1: Governance als Orientierungssystem Governance wird häufig als Einschränkung verstanden, ist aber in der Praxis ein entscheidender Erfolgsfaktor. Ziel ist es, Orientierung zu schaffen und nicht Nutzung zu verhindern. Bewährte Maßnahmen sind:
klare Namenskonventionen, etwa über die Microsoft Entra ID Naming Policy
definierte Team-Strukturen mit Teams Templates
transparente Nutzungsszenarien für unterschiedliche Team-Typen
ein geregelter Anforderungs- und Freigabeprozess für neue Teams, etwa über ein Request-Portal mit definierten Vorlagen, Verantwortlichen und Genehmigungen
Das Ergebnis ist eine Umgebung, in der Inhalte schneller auffindbar sind und Nutzer sich intuitiv orientieren können.
Hebel 2: Lifecycle-Management automatisieren Ein zentrales Problem vieler Teams-Umgebungen sind verwaiste Strukturen. Teams bestehen weiter, obwohl sie nicht mehr genutzt werden.
Automatisiertes Lifecycle-Management schafft hier Abhilfe. Welche Funktionen verfügbar sind, hängt vom jeweiligen Lizenzmodell und der Konfiguration des Microsoft-365-Tenants ab. Relevante Funktionen sind:
Microsoft Entra Access Reviews zur regelmäßigen Überprüfung interner und externer Berechtigungen
Group Expiration Policies für automatische Ablaufzyklen
Retention Policies zur regelbasierten Aufbewahrung und Löschung von Daten; die fachliche Bewertung und Bereinigung veralteter Inhalte bleibt Aufgabe der Content-Owner
Lifecycle ist kein optionales Add-on, sondern Bestandteil eines funktionierenden Betriebsmodells.
Hebel 3: Security als laufender Prozess Sicherheitsrisiken in Teams entstehen selten punktuell, sondern kontinuierlich im Betrieb. Entsprechend müssen auch Sicherheitsprüfungen dauerhaft etabliert werden. Technische Ansätze sind:
Stand: 08.12.2025
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Microsoft Defender for Cloud Apps zur Analyse von Zugriffsmustern
Conditional Access zur Steuerung von Zugängen
Access Reviews für Berechtigungen
Sensitivity Labels zur Steuerung von Schutzvorgaben für Teams und andere Container; die Klassifizierung einzelner Dokumente muss separat berücksichtigt werden
Security wird damit integraler Bestandteil der Plattformnutzung und nicht nur ein nachgelagertes Audit-Thema.
Hebel 4: Klare Rollen statt impliziter Verantwortung Ein häufiges Problem besteht darin, dass Verantwortlichkeiten zwar definiert, aber nicht aktiv wahrgenommen werden. Team Owner existieren formal, übernehmen jedoch keine Steuerung.
Erforderlich sind klare Rollenmodelle mit eindeutigen Aufgaben:
Team Owner für fachliche Verantwortung
IT für Governance und Betrieb
Fachbereiche für Nutzung und Struktur
Technisch können automatisierte Owner-Bestätigungen dabei unterstützen. Governance funktioniert nur dann, wenn Verantwortung aktiv gelebt wird.
Hebel 5: Weiterentwicklung zur Wertschöpfungsplattform Neben Stabilität und Sicherheit ist die Weiterentwicklung von Teams entscheidend. In vielen Unternehmen stagniert die Nutzung auf dem Niveau eines Kommunikationswerkzeugs. Das eigentliche Potenzial liegt jedoch in der Integration von Prozessen, Automatisierung und KI. Entscheidend ist dabei nicht die Anzahl eingeführter Funktionen, sondern ihr messbarer Beitrag zu Durchlaufzeit, Qualität und Nutzerproduktivität:
Workflows mit Power Automate
individuelle Anwendungen mit Power Apps
produktivitätssteigernde Unterstützung durch Microsoft Copilot, Agents und Workflows
Der Erfolg lässt sich über konkrete Kennzahlen bewerten: weniger Suchanfragen ohne Ergebnis, eine höhere Nutzung relevanter Inhalte, kürzere Prozesslaufzeiten, weniger Doppelarbeit und eine höhere Nutzung standardisierter Arbeitsräume.
Hebel 6: Inhalte und Agents KI-fähig steuern Mit Microsoft 365 Copilot und spezialisierten Agents wird die Qualität der vorhandenen Informationen zum Produktivitätsfaktor. KI schafft aus ungeordneten Ablagen nicht automatisch eine belastbare Wissensbasis. Im Gegenteil: Veraltete, doppelte oder widersprüchliche Inhalte können die Relevanz und Verlässlichkeit von Antworten beeinträchtigen. Copilot berücksichtigt grundsätzlich die bestehenden Zugriffsrechte des jeweiligen Nutzers. Weit gefasste Berechtigungen können dadurch Informationen auffindbar machen, die technisch zugänglich, fachlich aber nicht für alle vorgesehen sind.
verbindliche Quellen für Richtlinien, Prozesse und Fachwissen definieren
Dokumente mit eindeutigen Titeln, verständlichen Überschriften, Ownern und Gültigkeitsständen versehen
Dubletten, veraltete Versionen und Wissen in nicht nachhaltigen Chatverläufen reduzieren
Zugriffsrechte nach dem Need-to-know-Prinzip regelmäßig überprüfen
für Agents klare Owner, freigegebene Wissensquellen, zulässige Aktionen und einen Lebenszyklus festlegen; Bereitstellung und Funktionsumfang hängen von Richtlinien, Konfiguration und Lizenzierung ab
Die zentrale Regel: Gepflegte, aktuelle, eindeutig verantwortete und korrekt berechtigte Inhalte sind eine wesentliche Voraussetzung für verlässliche KI-Ergebnisse. Governance schützt damit nicht nur Daten, sondern verbessert auch die Qualität von Copilot- und Agent-Antworten.
Der häufig geäußerte Einwand, Governance würde Innovation bremsen, erweist sich in der Praxis als unbegründet. Strukturierte Umgebungen reduzieren Reibungsverluste und schaffen die Grundlage für effiziente Zusammenarbeit.
Typische Effekte sind eine bessere Auffindbarkeit von Informationen, weniger Doppelarbeit und eine schnellere Einarbeitung neuer Mitarbeitender. Governance bedeutet somit nicht Kontrolle, sondern gezielte Unterstützung der Nutzer.
Fazit: Teams braucht ein Betriebsmodell
Die Einführung von Microsoft Teams markiert lediglich den Startpunkt. Erst im laufenden Betrieb entscheidet sich, ob die Plattform echten Mehrwert liefert. Wer Teams nicht aktiv steuert, verwaltet am Ende Strukturen, statt Wertschöpfung zu ermöglichen.
Quick-Check Teams-Governance
Sollten Sie mehrere der folgenden Fragen mit „nein“ beantworten, besteht Handlungsbedarf im Betriebsmodell:
Gibt es klare Naming-Konventionen?
Haben alle Teams aktive Owner?
Werden Teams regelmäßig überprüft?
Existieren Lifecycle- und Löschkonzepte? Oder gar Flows?
Werden externe Zugriffe systematisch kontrolliert?
Gibt es Security-Mechanismen gegen Over-Sharing?
Existiert eine Strategie für Automatisierung, etwa mit Power-Automate?
Gibt es einen klaren Plan für den Einsatz von KI, beispielsweise Copilot?
Sind verbindliche Wissensquellen, Content-Owner und Gültigkeitsstände definiert?
Werden veraltete, doppelte oder widersprüchliche Inhalte regelmäßig bereinigt?
Sind Erstellung, Veröffentlichung, Datenzugriff und Lebenszyklus von Agents geregelt?
Wird der Nutzen über belastbare Kennzahlen wie Suchanfragen ohne Ergebnis, Prozesslaufzeiten, Nutzung relevanter Inhalte und Nutzungsquoten bewertet?
Über den Autor
Nikolaus Streich ist Head of Applications, Workplace Automation & KI beim IT-Beratungsunternehmen Adlon Intelligent Solutions GmbH. Er verantwortet die Weiterentwicklung des Lösungsportfolios rund um Microsoft 365, die Power Platform und KI-gestützte Arbeitsweisen.