Software-Defined Networking unter der Lupe

Ist SDN reif für den Unternehmenseinsatz?

| Autor / Redakteur: Frank Witte / Andreas Donner

SDN-Lösungen und -Ansätze gibt es viele – hier den Überblick zu behalten ist nicht immer einfach!
SDN-Lösungen und -Ansätze gibt es viele – hier den Überblick zu behalten ist nicht immer einfach! (Bild: Computacenter)

Die Anwendungsgebiete von Software-Defined Networking (SDN) sind so unterschiedlich wie die Lösungen der Hersteller. Für wen also ist welche Lösung sinnvoll? Eine umfassende Expertenmeinung aus der Praxis.

Angesichts der großen Bandbreite unterschiedlicher Angebote und Einsatzbereiche stehen IT-Entscheider bei SDN vor vielen Fragen: Welche Lösung bietet den größten Mehrwert? Was gilt es bei Einführung und Einsatz zu beachten? Was kann eine SDN-Architektur leisten? Und ist SDN jetzt überhaupt schon reif für den Business-Einsatz?

Auch wenn schon seit geraumer Zeit über SDN diskutiert wird, beschränken sich die praktischen Erfahrungen in vielen Unternehmen bislang doch meist auf vereinzelte Produkttests. Wir von Computacenter haben seit 2013 bereits verschiedene Kunden von der Prüfung und Evaluation bis hin zur Einführung von Software-Defined-Networking-Lösungen begleitet und dabei viele praktische Erfahrungen gesammelt.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich der Markt derzeit in der Proof-of-Technology-Phase befindet. Hier werden die theoretischen Konzepte in der Praxis überprüft, da inzwischen die ersten Produkte am Markt verfügbar sind. Dabei sind drei verschiedene Einsatzbereiche zu betrachten: Rechenzentrum, Campus und Service Provider. Denn SDN ist nicht gleich SDN – OpenFlow, Hybrid-SDN, Virtual Overlay, OpenStack und NFV werden oft in diesem Zusammenhang genannt. Schon beim scheinbar ähnlichen Einsatz in Office-Infrastrukturen – also dem Campus – und in Rechenzentren von Unternehmen lassen sich deutliche Unterschiede erkennen.

SDN im Rechenzentrum

Im Rechenzentrum sind die Ansätze bereits relativ weit entwickelt. Hier zielen die Software-Defined-Ansätze auf die Automatisierung von Netzwerk-Diensten über zentrale Software-APIs, die Routing, Switching, VMs und Storage über eine darüber liegende Orchestrierungsschicht integrieren. Dabei fungiert der SDN-Controller wie eine Middleware und übernimmt die Steuerung der virtualisierten und physikalischen Infrastrukturen. Es stehen reine Softwarelösungen, etwa HP Helion, Microsoft System Center und VMware NSX, oder kombinierte Lösungen aus Hardware und Software wie Cisco ACI oder HP DCN zur Verfügung. Durch die unterschiedlichen Ansätze der Hersteller gibt es jedoch große Unterschiede für eine zukünftige RZ-Gesamtarchitektur und die darunterliegenden Infrastrukturen.

Zum Beispiel benötigen Microsoft System Center und VMware NSX – laut Herstellerinformationen – lediglich eine stabile und performante Netzwerkinfrastruktur. Diese Software-Defined-Lösungen virtualisieren Netzwerkfunktionen, sogenannte virtuelle Overlay Netzwerke, die sich über eine Software-Schnittstelle steuern lassen. Daher sprechen diese Ansätze vor allem Virtualisierungs-Spezialisten im Rechenzentrum an, die von der Hardware weitgehend unabhängige Prozesse bevorzugen. Netzwerkexperten dagegen stehen mit der Automatisierung und Software-Steuerung der Netzwerkinfrastruktur meist vor erheblichen Herausforderungen. Entsprechend wirft der Betrieb einer solchen Lösung Fragestellungen für die unternehmensinterne Organisation auf: Wer kümmert sich etwa um Problemlösung und Troubleshooting an den Schnittstellen?

Cisco bietet im Rahmen seiner ACI-Lösung (Application Centric Infrastructure) eine Architektur bestehend aus Controller und RZ-Switches, um alle Netzwerk-Services (Routing, Firewalling, Loadballancing) der virtuellen und physikalischen Netzwerk-Infrastruktur zu steuern, und über eine API die für die Automatisierung notwendige Software-Integration. Die Herausforderungen für Kunden bestehen jedoch darin, die oftmals heterogene Infrastrukturlandschaft aus Server, Netzwerk und Storage unterschiedlicher Hersteller, in die jeweilige SDN-Lösung zu integrieren.

HP verfolgt mit DCN (Distributed Cloud Networking) einen weiteren Ansatz. DCN vereint die Virtualisierung der Netzwerkfunktionen softwareseitig und integriert darin die Controller-basierte Steuerung der physikalischen Infrastruktur. Doch auch diese Lösung birgt Herausforderungen, die in der Komplexität heutiger RZ-Infrastrukturen und Services begründet ist.

Neben den spezifischen Herstellerlösungen existiert noch eine weitere Option: OpenStack. Diese Open-Source-Lösung wird aktuell vor allem von großen Unternehmen z.B. aus der Automobilbranche genutzt. Die Community hat hier zwar verschiedene Distributionen entwickelt, der Einsatz in Enterprise-Unternehmen für produktive Umgebungen bedarf jedoch einer umfangreichen Anpassung. Entsprechend bieten Hersteller wie RedHat und HP „Enterprise-ready“-Versionen an, die neben der notwendigen Robustheit und Hochverfügbarkeit auch eine dezidierte Produktentwicklung und einen Support bieten.

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