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Digitaler Boom in Deutschland Internetwirtschaft wächst jährlich bis 2030

Von Barbara Gribl 4 min Lesedauer

Alle fünf Jahre wirft der eco – Verband der Internetwirtschaft – einen Blick auf den technologischen Stand Deutschlands. Heuer steht die zentrale Frage im Raum, ob Deutschland gewappnet ist für die KI-Revolution. Dabei hat sich die Internetwirtschaft zu einem wichtigen Branchenzweig entwickelt.

Der Aufstieg der deutschen Internetwirtschaft wird von Innovationen in KI und umweltfreundlichen Rechenzentren angetrieben. (Bild: ©  楠 刘 - stock.adobe.com)
Der Aufstieg der deutschen Internetwirtschaft wird von Innovationen in KI und umweltfreundlichen Rechenzentren angetrieben.
(Bild: © 楠 刘 - stock.adobe.com)

Welche Herausforderungen kommen speziell auf Rechenzentren (RZ) und Telekommunikationsnetze zu? Sind die digitalen Infrastrukturen hierzulande bereit für die KI-Revolution? Wie steht es um die deutsche Digitallandschaft in wirtschaftlich schwierigen Zeiten? Interview wurden von eco Anwender, sprich vorrangig und unter anderem Konzerne aus der Industrie.

Internetwirtschaft mit Schwerpunkten Rechenzentrum und Telekommunikationsnetz bis 2030

Im Rahmen der an Arthur D. Little beauftragten Studie „Erwartete Umsatzzuwächse um 75 Prozent für die Internetwirtschaft in Deutschland bis 2025“ ließ eco die voraussichtliche Entwicklung der deutschen Internetwirtschaft insbesondere mit Blick auf Rechenzentren (RZ) und TK-Netze in den nächsten fünf Jahren untersuchen. Der Fokus lag hierbei laut eco auf Leistungsfähigkeit, Investitionen und Nachhaltigkeit, gestützt auf ein Vier-Layer-Marktmodell und über 30 Experten-Interviews.

Hier sticht heraus: Die Internetwirtschaft in Deutschland wächst stark. Es wurde eine Umsatzsteigerung von 245 Milliarden Euro (2025) auf 389 Milliarden Euro (2030) prognostiziert, mit knapp zehn Prozent jährlichem Wachstum. In Bezug auf Rechenzentren und TK-Netze würde der Umsatz deutlich schneller steigen als in klassischen Branchen.

„Es wäre natürlich wünschenswert, wenn die Politik diesem Potenzial weiter Zuspruch geben würde“, fügt Lars Riegel, Partner bei Arthur D. Little, den Ergebnissen hinzu. „Ich merke allerdings, dass dieses Thema langsam in der Politik ankommt.“

Viermal mehr mobiler Datenverkehr seit 2020

Die Treiber dieses Wachstums sind digitale Plattformen, Cloud-Services und KI-Anwendungen. RZ und TK-Netze gelten als Fundament der digitalen Infrastruktur, indem sie die Leistungsfähigkeit für Industrie, Homeoffice und kritische Anwendungen ermöglichen. Bis heute, das fand eco heraus, werden in Deutschland mehrere hundert Terabit pro Sekunde übertragen. Am DE-CIX lag der Peak bei über 25 Tbit/s im Jahr 2024. Der mobile Datenverkehr hat sich global 2020 bis 2024 nahezu vervierfacht.

Neue Technologien wie generative KI (GenAI), Edge-Computing und 5G erhöhen die Anforderungen an Rechenleistung, Energieeffizienz, Datenverfügbarkeit und Netzlatenz. Das Training moderner KI-Modelle erfordert enorme Ressourcen. Als politisches Ziel gilt: eine flächendeckende Glasfaser- und 5G-Versorgung bis 2030, verbunden mit Milliardeninvestitionen für TK, RZ, Energieinfrastruktur und Nachhaltigkeit. „Da sind wir durchaus skeptisch, dass das so funktionieren wird“, kommentiert Dr. Nejc Jakopin, ebenfalls Partner von Arthur D. Little. Zwar sei man fleißig dabei, Netze zu bauen. „Ich denke aber, dass dies alles durchaus länger dauern wird“, so Jakopin.

Wachstum und Energieknappheit – Unternehmen zwischen den Stühlen

Die rasante Entwicklung von künstlicher Intelligenz (KI) hat eine Flut von Neuerungen ausgelöst, wobei GenAI eine besonders dynamische Kraft darstellt. Gleichzeitig stehen Unternehmen unter dem Druck finanzieller Überlegungen. „Wir beobachten zudem ein verstärktes Streben nach Souveränität bei den Unternehmen, die sich mehr Auswahlmöglichkeiten hinsichtlich ihrer Cloud-Umgebungen wünschen“, erklärt Jakopin.

Auch der Wettbewerb im Bereich der digitalen Infrastrukturen wird zunehmend als „brutal“ wahrgenommen, so Riegel. Die Investition in KI wird von vielen Unternehmen als essenziell angesehen, bereitet ihnen jedoch auch Sorgen. Für die Zukunft verlangen Kunden schließlich eine nachhaltige Bereitstellung der Ressourcen. „Ebenso befinden sich viele Betreiber von RZ im Zwiespalt zwischen den Möglichkeiten des Wachstums und den Einschränkungen aufgrund der Energieknappheit. Diese Themen stellen derzeit große Herausforderungen für sie dar“, fügt Jakopin hinzu.

Glasfaser als Wachstumsmotor

In Anbetracht dessen, dass mit wachsenden Entertainment-Angeboten oder Homeoffice pro Anschluss immer mehr Daten konsumiert werden, gibt es auch im Glasfasermarkt viel zu tun. Hier seien CEOs von Glasfaserunternehmen am Straucheln, denn die Anforderungen seien komplex. Nichtsdestotrotz ist es notwendig, diese Herausforderungen zu überwinden, denn das Glasfaser-Netzwerk gilt als Treiber des gesamtwirtschaftlichen Wachstums.

Gezielte Maßnahmen als Voraussetzungen, um Deutschlands RZ- und TK-Netz-Infrastruktur rechtzeitig und nachhaltig auszubauen:

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„Letztendlich ist es ein positives Signal, dass die deutsche Internetwirtschaft schneller wächst als die Gesamtwirtschaft“, fasst Oliver Süme, Vorstandsvorsitzender des eco-Verbandes, zusammen. Den Digitalkanälen als Treiber trage er eine hohe strategische Bedeutung zu. Diese gelten als „Herz- und Kreislaufsystem der deutschen Wirtschaft“ – gerade auch deshalb, weil die Unternehmen immer mehr in die Cloud auslagern.

Oft ist das Problem auch, dass wir in Deutschland zu langsam und zu bürokratisch sind.

Timo von Lepel, Vertreter der RZ-Industrie und Geschäftsführer von NetCologne

Dennoch müsse man aufpassen, denn die Nachfrage in Bezug auf RZ-Kapazitäten sei dreimal so groß wie das Angebot – ein extremes Risiko. Süme teilt seine Einschätzung: „Ich befürchte, dass der RZ-Markt, wenn der Bedarf auf Kundenseite nicht gedeckt werden kann, nicht so schnell wieder aus diesem Tief herauskommt, indem wir uns momentan auch befinden.“ Notwendig sei hier daher ein hoher politischer Handlungsbedarf, in enger Abstimmung mit Kommunen, um gemeinsam die Rahmenbedingungen zu optimieren, die diese Anschlusslücken schließen könnten.

Abschließend kann man sagen, dass die Zukunft der deutschen Internetwirtschaft von ihrer Fähigkeit abhängt, sich an die schnelllebigen technologischen Entwicklungen und Herausforderungen anzupassen. Trotz der beeindruckenden Wachstumsprognosen stehen Rechenzentren und Telekommunikationsnetze vor erheblichen Schwierigkeiten, die insbesondere durch Energieknappheit und Genehmigungsverfahren bedingt sind.

Es ist entscheidend, dass Politik und Wirtschaft Hand in Hand arbeiten, um die notwendigen Investitionen und Infrastrukturausbauten rechtzeitig voranzutreiben. Nur durch gezielte Maßnahmen, wie die Senkung von Energiekosten und die Förderung eines beschleunigten Genehmigungsprozesses, kann Deutschland sicherstellen, dass es seine Position als führender digitaler Standort in Europa behauptet. Die strategische Bedeutung der Digitalisierung als Herzstück der deutschen Wirtschaft ist unbestreitbar, und es liegt an allen Akteuren, aktiv zur Überwindung bestehender Hürden beizutragen, um die Potenziale voll auszuschöpfen und zukunftssicher aufzustellen.

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