Praktische IoT-Erfahrung ist selten

Hürden und Wege zum Internet der Dinge

| Autor / Redakteur: Bernhard Lück / Andreas Donner

Das Internet of Things fordert Unternehmen heraus: bei Sicherheit und Datenschutz, bei der Implementierung und bei der Infrastruktur.
Das Internet of Things fordert Unternehmen heraus: bei Sicherheit und Datenschutz, bei der Implementierung und bei der Infrastruktur. (Bild: © – rnl – stock.adobe.com)

Die europäischen Unternehmen beschäftigen sich mit dem Internet der Dinge (Internet of Things; IoT), doch viele haben noch erhebliche Startschwierigkeiten. Laut einer von Interxion beauftragten IDC-Studie haben erst 26 Prozent der Befragten praktische Erfahrung mit dem IoT.

Als Hauptgründe für die Einführung der Technologie nannten die IoT-Pioniere laut Studie eine Erhöhung der Servicequalität und eine Steigerung der internen Effizienz (jeweils 58 %), gefolgt von der Erzeugung neuer Umsatzpotenziale (41 %), Integration der Lieferkette (38 %) und Nutzung vorhandener Datenquellen (31 %). Die Mehrheit der Befragten zögere jedoch und habe für sich noch nicht die Einsatzszenarien erkannt oder die Komplexität des Themas durchdrungen. Hauptgründe für die Zurückhaltung seien: die Befragten würden keine Anwendung für IoT sehen (41 %), es existiere kein Kundenbedarf (37 %), die Kapitalrendite sei unklar (11 %), den Befragten fehlten Kenntnisse und Partner (10 %).

„Bei IDC ist man davon überzeugt, dass beide Gruppen Unterstützung benötigen, damit IoT in ihrem Unternehmen umgesetzt werden kann“, heißt es in der Studie. „Diejenigen, bei denen bereits eine Lösung existiert, müssen sicherstellen, dass die angestrebten Ziele erreicht werden. Andere, die kurz vor einer IoT-Umsetzung stehen, müssen mögliche Probleme reduzieren. Und die wenigen, die noch keine IoT-Projekte planen wollen, müssen sicherstellen, dass sie keine wichtigen Chancen verpassen.“

Aufgrund der hohen Komplexität könnten Unternehmen nicht alle Fragen rund um ihre IoT-Projekte beantworten. Dazu benötigten sie Dienstleister wie Interxion, die als Colocation-Provider große Rechenzentrumskapazitäten zur Bearbeitung der entstehenden riesigen Datenmengen sowie ein Partnernetzwerk aus Cloud- und Netzwerkanbietern zur umfassenden Vernetzung mitbringen. Diese könnten Informationen über die Notwendigkeit für IoT-Systeme sowie zu möglichen Herausforderungen und Lösungen liefern.

Hindernisse für das IoT

Die laut Umfrage größten Herausforderungen für Unternehmen sind Bedenken zu Sicherheit und Datenschutz (55 %), Komplexität der Implementierung (44 %) sowie Beschränkungen durch die bestehende Infrastruktur (39 %). Diese Hürden könnten mithilfe von Partnern überwunden werden, um die Vorteile von IoT zu nutzen. Das disruptive Modell habe jedoch – abhängig vom grundlegenden Geschäftsmodell – unterschiedlich hohe Relevanz für Unternehmen. So stuften 66 Prozent der Pioniere das IoT als kritisch oder sehr wichtig für ihr Business ein, im Vergleich zu 30 Prozent bei den übrigen Unternehmen.

Diese Diskrepanz setze sich bei der Beurteilung der wichtigsten IT-bezogenen Komponenten für die IoT-Programme fort. Bei den Pionieren seien dies Big Data/Analytics (45 %), Sicherheit (41 %), Integration mit bestehender IT (35 %) und Datenmanagement/Software (26 %). Unternehmen ohne praktische IoT-Erfahrung setzten dagegen Sicherheit an die erste Stelle (54 %), gefolgt von Integration mit bestehender IT (45 %), Datenmanagement/Software (39 %) und Big Data/Analytics (26 %). Mit zunehmender praktischer Erfahrung würden demnach die Sicherheitsbedenken deutlich sinken und die Bewältigung der enormen Datenmengen in den Fokus rücken.

Infrastruktur als Herzstück der IoT-Anwendungen

Die Studie zeige auch, dass Verantwortliche mit praktischer IoT-Erfahrung der Technologieinfrastruktur eine größere Bedeutung zumessen. So sei es in vielen Fällen die aus Sensoren, Konnektivität, Cloud und Datenverarbeitung im Rechenzentrum bestehende Infrastruktur, die zu Verzögerungen oder gar zum Scheitern dieser Projekte führe. Hier liege nämlich das Fundament, auf dem die IoT-Anwendungen aufgebaut werden. Daher sollten Unternehmen genau wissen, wo, wie und wie schnell sie die von Sensoren gelieferten Daten verarbeiten können. Dies habe Auswirkungen auf die Entscheidung, wo sie die IoT-Plattform hosten: 51 Prozent der Befragten würden ein lokales Hosting, 31 Prozent ein durch einen Dritten betriebenes Rechenzentrum und lediglich 18 Prozent eine Cloud bevorzugen.

Doch die Cloud sollte für IoT-Projekte nicht unterschätzt werden, selbst wenn sie nur als Teillösung in hybriden Szenarien eingesetzt würde. So sähen 56 Prozent der IoT-Pioniere Cloud Computing als essenziell für ihre IoT-Aktivitäten an, während es bei den anderen Unternehmen nur 29 Prozent seien. Tatsächlich könne das IoT zum Motor für den digitalen Wandel im Unternehmen werden, indem es Cloud-Anwendungen eine sehr praktische Ausrichtung verleiht. Den möglichen Einsatz verschiedener Cloud-Lösungen gelte es dabei mit dem richtigen Partner zu eruieren. Dabei betrachteten die Studienteilnehmer als ihre wichtigsten Partner die IT-Service-Provider (56 %), Softwareanbieter (43 %), Berater (36 %) und Connectivity-Anbieter (26 %). Doch gerade für Big Data/Analytics und Multi-Cloud würden Konnektivitätsanbieter eine wichtige Rolle spielen.

Ohne Zweifel sei die Einführung von IoT-Prozessen eine komplexe Aufgabe. Pioniere mit erfolgreichen IoT-Projekten könnten hier eine erste Orientierung bieten und Technologiepartner dabei helfen, die Hürden zu überwinden.

Über die Studie

In der IDC-Studie seien 553 Entscheider aus europäischen Unternehmen befragt worden, um die Hauptgründe für die Einführung von IoT-Lösungen und deren Anforderungen an die IT-Infrastruktur und Netzwerke besser verstehen zu können.

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