Mobile-Menu

Warum klassisches Monitoring an Grenzen stößt Fünf Gründe, warum weniger Monitoring mehr Übersicht schafft

Von Tamara Altendorf 5 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Klassisches Monitoring bleibt wichtig, reicht in Cloud-nativen Umgebungen aber nicht mehr aus. Observability mit Kontext, End-to-End-Transparenz und kausaler KI hilft IT-Teams, Komplexität zu beherrschen und Störungen präzise einzuordnen.

Gerade in Cloud-Umgebungen reicht bloßes Monitoring heute nicht mehr aus. Den hier nötigen Kontext schafft nur Observability.(Bild: ©  Hypnotics 14 - stock.adobe.com / KI-generiert)
Gerade in Cloud-Umgebungen reicht bloßes Monitoring heute nicht mehr aus. Den hier nötigen Kontext schafft nur Observability.
(Bild: © Hypnotics 14 - stock.adobe.com / KI-generiert)

Monitoring war über viele Jahre das Standardwerkzeug im IT-Betrieb. Es zeigte, ob Systeme verfügbar sind, ob Grenzwerte überschritten werden und wo bekannte Fehlerbilder auftreten. Für klassische Infrastrukturen war das oft ausreichend. In modernen Cloud-Umgebungen gilt das jedoch nur noch eingeschränkt. Anwendungen bestehen heute aus Microservices, laufen in Containern, verteilen sich über mehrere Clouds und verändern sich laufend. Wer diese Dynamik mit immer mehr isolierten Monitoring-Tools adressieren will, erzeugt meist vor allem mehr Aufwand. Das eigentliche Problem bleibt: Es fehlt der Zusammenhang zwischen den einzelnen Signalen.

Genau hier beginnt der Unterschied zwischen klassischem Monitoring und Observability. Monitoring zeigt, dass etwas nicht stimmt. Observability hilft zu verstehen, warum etwas nicht stimmt, welche Abhängigkeiten betroffen sind und welche Folgen das für Betrieb und Geschäft hat.

1. Multi-Cloud macht Abhängigkeiten unsichtbar

Die erste Herausforderung ist die Komplexität dynamischer Multi-Cloud-Umgebungen. Anwendungen laufen heute parallel in Public Clouds, privaten Umgebungen, Rechenzentren und über Drittservices. Neue Komponenten kommen laufend hinzu, bestehende Abhängigkeiten verändern sich permanent. Für Administratoren bedeutet das: Die Landschaft wächst nicht nur, sie wird vor allem dynamischer.

Klassisches Monitoring bildet diese Realität nur teilweise ab. Es zeigt einzelne Hosts, Services oder Metriken, aber oft kein belastbares Bild der Abhängigkeiten dazwischen. Genau das wird zum Problem, wenn sich ein Fehler entlang mehrerer Abhängigkeiten fortpflanzt. Teams sehen Symptome, aber nicht die Wirkungskette. Deshalb braucht es in solchen Umgebungen keine weitere Tool-Schicht, sondern eine Plattform, die Komponenten und ihre Beziehungen kontinuierlich erfasst. Automatisches Topology Mapping und Auto-Discovery schaffen den Kontext, der in Multi-Cloud-Architekturen fehlt. Erst damit lässt sich bewerten, wie sich Änderungen, Lastspitzen oder Ausfälle tatsächlich im Gesamtsystem auswirken.

2. Container sind zu kurzlebig für statische Perspektiven

Die zweite Herausforderung sind kurzlebige Container und Microservices. Kubernetes beschleunigt Entwicklung und Betrieb, erschwert aber gleichzeitig die Transparenz. Pods starten in Sekundenbruchteilen, Instanzen verschwinden wieder, und Fehlerbilder sind oft schon verschwunden, bevor Teams die relevanten Daten händisch zusammengesucht haben.

Hier stößt klassisches Monitoring strukturell an Grenzen. Es basiert häufig noch in stabilen Einheiten wie Hosts oder einzelnen Services. In containerisierten Umgebungen reicht das nicht mehr. Teams sehen dann zwar Auffälligkeiten, können aber nicht sauber nachvollziehen, welche Workloads beteiligt waren, welche Abhängigkeiten betroffen sind und ob die Ursache im Cluster, im Code oder im Nutzerpfad liegt. Damit aus dieser Dynamik kein Blindflug wird, muss Observability direkt an der Laufzeit ansetzen. Container sollten beim Start automatisch erkannt und instrumentalisiert werden, inklusive dessen, was innerhalb der jeweiligen Workloads passiert. Entscheidend ist außerdem eine Full-Stack-Sicht vom Pod über Cloud-Ressourcen und Anwendungscode bis zum Endnutzer hinweg. Erst dann wird aus einem flüchtigen Symptom eine belastbare Ursachenanalyse.

3. Mehr Telemetrie bedeutet nicht automatisch mehr Klarheit

Die dritte Herausforderung ist die Datenmenge. Cloud-native Systeme produzieren permanent Logs, Metriken, Traces und Events. Viele Teams reagieren darauf mit mehr Dashboards, mehr Regeln und mehr Alerts. Das wirkt zunächst wie bessere Kontrolle, führt in der Praxis aber oft zu Alert-Fatigue.

Der Grund ist einfach: In dynamischen Umgebungen verändert sich das Normalverhalten ständig. Starre Schwellwerte veralten schnell. Gleichzeitig liefern isolierte Datenquellen häufig widersprüchliche Signale. So entstehen Alarm-Fluten, unnötige Eskalationen und lange Triage-Zyklen. Besonders problematisch sind Störungen, die nicht im Vorfeld sauber definiert wurden. Genau diese unbekannten Probleme bleiben mit klassischem Monitoring oft schwer greifbar. Der Ausweg liegt nicht in immer feineren Grenzwerten, sondern in intelligenter Auswertung. Adaptive Baselines helfen dabei, Anomalien am tatsächlichen Verhalten zu messen statt an starren Regeln. Werden zusammengehörige Auffälligkeiten zusätzlich zu einem Problem gebündelt und mit kausaler KI analysiert, erhalten Teams nicht mehr nur Warnungen, sondern eine priorisierte Einordnung. Das reduziert Rauschen und verkürzt die Zeit bis zur eigentlichen Fehlerursache.

4. Tool-Silos behindern die Zusammenarbeit

Die vierte Herausforderung entsteht zwischen den Teams. Infrastruktur, Development, Operations und Security arbeiten in vielen Unternehmen mit unterschiedlichen Tools und Datenmodellen. Was für das eine Team wie ein Datenbankproblem aussieht, erscheint für ein anderes als Performance-Thema oder Anwendungsfehler. So entstehen Übergaben ohne gemeinsamen Kontext – und Reibungsverluste.

Jetzt Newsletter abonnieren

Täglich die wichtigsten Infos zu Netzwerktechnik, IP-Kommunikation und UCC

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

Im Störungsfall kostet das wertvolle Zeit. Alerts wandern von Team zu Team weiter, bevor jemand die eigentliche Ursache eingrenzen kann. Gerade in hybriden und Multi-Cloud-Umgebungen wächst dadurch der Abstimmungsaufwand erheblich. Auch der Shift-Left-Gedanke leidet, wenn Betriebserkenntnisse nicht sauber in Entwicklung, Tests und Releases zurückfließen. Observability wird hier erst dann wirksam, wenn sie eine gemeinsame Datenbasis schafft. Infrastruktur-, Anwendungs-, Sicherheits- und Betriebsdaten müssen in einem konsistenten Kontext zusammengeführt werden. Arbeiten Teams auf dieser Grundlage mit gemeinsamen SLIs und SLOs, verkürzen sich Ursachenanalysen, und Probleme lassen sich früher im Lifecycle erkennen. Der operative Gewinn liegt nicht nur in schnellerer Analyse, sondern auch in besserer Zusammenarbeit.

5. Ohne Business-Kontext bleibt die Priorisierung ungenau

Die fünfte Herausforderung betrifft die Perspektive. Viele Monitoring-Setups enden im Backend. Sie zeigen technische Zustände, aber nicht zuverlässig, ob ein Vorfall einen kritischen Geschäftsprozess trifft oder nur einen Nebenpfad. Genau dadurch wird Priorisierung schwierig.

Ein Alarm mit hoher technischer „Lautstärke“ muss nicht geschäftskritisch sein. Umgekehrt kann eine scheinbar kleine Störung massive Auswirkungen haben, wenn sie bspw. den Checkout, die Anmeldung oder zentrale Mitarbeiterprozesse betrifft. Wer nur Infrastrukturwerte betrachtet, priorisiert häufig nach Lautstärke statt nach Relevanz. Deshalb muss Observability technische Telemetrie mit Nutzer- und Business-Kontext verbinden. Erst wenn Frontend- und Backend-Daten zusammenlaufen, lässt sich bewerten, welche Auswirkung ein Vorfall auf Umsatz, Conversion, Kundenerlebnis oder Mitarbeiterproduktivität hat. Für IT-Teams verändert das die Steuerung grundlegend. Sie arbeiten nicht mehr nur am sichtbarsten Problem, sondern an dem wichtigsten.

Monitoring bleibt – Observability wird entscheidend

Klassisches Monitoring verschwindet nicht. Es bleibt ein wichtiger Baustein, um Verfügbarkeit, Grenzwerte und bekannte Zustände im Blick zu behalten. In dynamischen Cloud-Umgebungen reicht es aber allein nicht mehr aus. Zu groß sind die Abhängigkeiten, zu kurzlebig die Workloads, zu hoch die Datenvolumen und zu relevant der Zusammenhang zwischen IT und Business.

Observability erweitert Monitoring deshalb nicht nur technisch, sondern vor allem operativ. Sie verknüpft Telemetrie mit Kontext, macht Ursachen sichtbar und schafft die Grundlage für präzisere Priorisierung und mehr Automatisierung. Für Admin-Teams, SREs und IT-Entscheider ist das kein neues Schlagwort, sondern die Voraussetzung, um Komplexität im Betrieb beherrschbar zu machen.

Tamara Altendorf.(Bild:  Dynatrace)
Tamara Altendorf.
(Bild: Dynatrace)

Über die Autorin

Tamara Altendorf ist Regional Director Germany & Austria bei Dynatrace. Sie unterstützt Unternehmen dabei, die Komplexität moderner Cloud- und Software-Landschaften mit AI-powered Observability, Automatisierung und kontextbasierter Analyse beherrschbar zu machen.

(ID:50897122)