Studie: Deutsche bei BYOD restriktiv, Schweizer liberal und pragmatisch

Hohe Nachfrage nach MDM, Application- und Content-Management

| Autor / Redakteur: Bernhard Lück / Andreas Donner

Hintergrund der PAC-Studie: Mobile Device Management (MDM) ist längst kein Nischenthema mehr, sondern ein handfestes Problem.
Hintergrund der PAC-Studie: Mobile Device Management (MDM) ist längst kein Nischenthema mehr, sondern ein handfestes Problem. (Bild: PAC)

Laut einer Studie von Pierre Audoin Consultants (PAC) dürfte die Nachfrage nach Mobile-Device-, Application- und Content-Management-Lösungen (MxM) sowie begleitenden Beratungsdienstleistungen in den nächsten Monaten förmlich explodieren.

Das Analyse- und Beratungsunternehmen Pierre Audoin Consultants (PAC) hat für die Studie Mobile Device & Application Management in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und der Schweiz mehr als 320 ITK- und Mobility-Verantwortliche befragt. Die Studie wurde unterstützt von Airwatch als Premium-Sponsor sowie von Citrix, Cortado, Cosynus, T-Systems und Swisscom.

60 Prozent der Unternehmen ohne langfristige Mobility-Strategie

Der Studie zufolge gibt es in den meisten europäischen Unternehmen keine Strategie für den Umgang mit mobilen Technologien, obwohl Smartphones, Tablets und Apps heute fester Bestandteil des Geschäftsalltags sind. In 60 Prozent der europäischen Unternehmen werde nach wie vor ad hoc und abhängig vom aktuellen Bedarf über den Einsatz mobiler Endgeräte und Anwendungen entschieden. Selbst jedes zweite Großunternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern verfolge keine längerfristige Mobility-Strategie. Ebenso gebe es in vielen Unternehmen bislang auch keine Regeln für den Umgang mit mobilen Endgeräten und den darauf genutzten Anwendungen und Daten.

„Kein Wunder, dass vor diesem Hintergrund nur jeder zweite ITK-Verantwortliche sein Unternehmen heute für die wachsenden Herausforderungen im Mobility-Segment für hinreichend gerüstet hält“, kommentiert Dr. Andreas Stiehler, Principal Analyst bei PAC und Lead Analyst der Studie.

„Bring Your Own“ wird meist schweigend toleriert

Die Studie ergab, dass vor allem die zunehmende Vielfalt mobiler Endgeräte und Anwendungen ITK-Verantwortlichen zu schaffen macht. Durchschnittlich kommen pro Unternehmen 2,4 verschiedene Betriebssysteme zum Einsatz. Ein wichtiger Grund dafür: Die geschäftliche Nutzung privater Endgeräte ist laut Studie auf dem Vormarsch. „Allerdings wird BYOD heute von den meisten Unternehmen eher schweigend hingenommen. Nur wenige versuchen bislang, diesen Trend proaktiv für sich zu nutzen“, kommentiert Stiehler. Dabei würden die Ergebnisse belegen, dass BYOD die Produktivität und Motivation der Mitarbeiter durchaus steigert.

Auch die steigende Vielfalt mobiler Anwendungen würde mit dem Bring-Your-Own-Trend zusammenhängen. Zwei Drittel der Unternehmen lassen ihren Mitarbeitern bei der Nutzung mobiler Anwendungen freie Hand – also erlauben es ihnen, unreglementiert und nach Bedarf geschäftliche sowie private Anwendungen zu nutzen.

„Wer sich vor diesem Hintergrund nicht durch eine geeignete Lösung unterstützen lässt, der handelt in puncto Sicherheit und Administrationsaufwand grob fahrlässig“, betont Stiehler.

Fokus auf mobile Datensicherheit und Integration

Dennoch hat laut Studie nur jedes vierte Unternehmen bislang eine MxM-Lösung im Einsatz, und nur 15 Prozent der Unternehmen haben bislang die Sicherheit mobiler Daten durch eine entsprechende Lösung adressiert.

Der Großteil der Unternehmen habe den Nachholbedarf bereits erkannt. „Die berichteten Planzahlen lassen kurzfristig Zuwächse bei MxM-Lösungen im hohen zweistelligen Bereich erwarten. Dabei sind viele Unternehmen gegenüber Cloud-Angeboten sehr aufgeschlossen, was angesichts der hohen Dynamik im Mobility-Segment durchaus sinnvoll ist.“ Auch IT-Berater im Mobility-Umfeld werden laut Stiehler profitieren: „Deren Kundenzahl dürfte sich innerhalb der nächsten Monate sogar verdoppeln.“

Oberste Priorität auf der Investitionsagenda der Unternehmen haben das Management und die Sicherheit mobiler Daten. Darüber hinaus verweist Stiehler auf einen weiteren Trend: „Das Mobility-Management, einschließlich Rechte-, Zugriffs-, Ausgaben-, Lizenz- oder Content-Management, muss raus aus der Nische und in ein gesamtheitliches IT-Management integriert werden.“ Bereits heute würden ca. 40 Prozent der Unternehmen Handlungsbedarf in diesem Feld sehen.

Sponsoren bestätigen PAC-Einschätzung

„Mobile Endgeräte und Apps gehören zunehmend zum Arbeitsalltag. Unternehmen müssen sicherstellen, dass betriebliche Mobility-Projekte sicher und Unternehmensinhalte durchgängig geschützt sind“, erklärt Ian Evans, EMEA Managing Director bei Airwatch. „Obwohl – wie diese Studie aufzeigt – das Bewusstsein für Mobile-Security-Angelegenheiten steigt, müssen sich viele Unternehmen nach wie vor erst mit wachsenden Sicherheitsanforderungen auseinandersetzen, bevor sie ihr Mobilitätspotenzial vollständig ausschöpfen können.“

Regeln in Deutschland, Laisser-faire in Frankreich

Die Studie offenbart deutliche Unterschiede in den untersuchten Ländern. So zeigt sich Großbritannien im europäischen Vergleich als Vorreiter sowohl in puncto BYOD als auch beim Einsatz von MxM-Lösungen. Auch bei der Akzeptanz von Mobility-Management-Lösungen aus der Cloud seien britische Unternehmen führend.

Deutsche Unternehmen seien dagegen führend im Aufstellen von Regeln. So werde in Deutschland besonders häufig die geschäftliche Nutzung privater Endgeräte verboten und die Nutzung von mobilen Applikationen streng reglementiert. Gleichzeitig zählt Deutschland aber auch zu den europäischen Vorreitern bei der Umsetzung von technischen Lösungen für das Mobility-Management: Laut Studie haben rund 60 Prozent solche Lösungen im Einsatz oder planen dies in naher Zukunft. Dabei würden sie jedoch nur vergleichsweise selten auf Cloud-Lösungen setzen.

Unternehmen in der Schweiz sind laut Studie in puncto geschäftlicher Smartphone-Nutzung führend und zeigen sich mit Blick auf BYOD deutlich flexibler als z.B. deutsche Unternehmen. Allerdings zeigten sie sich vergleichsweise zurückhaltend bei der Umsetzung von MxM-Lösungen und bildeten die größte Gruppe unter den Cloud-Verweigerern.

Französische Unternehmen präsentieren sich in dieser Untersuchung nahezu durchweg als „Nachreiter“. Obwohl sie mobile Anwendungen durchaus schätzen, scheinen Chancen und Herausforderungen im Mobility-Management hier geringeres Gewicht zu besitzen als in anderen europäischen Ländern.

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