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Verivox Breitband-Index Digitale Kluft zwischen Metropolen und Kleinstädten wächst auf 64 Prozent

Von Berk Kutsal 3 min Lesedauer

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Eine Auswertung des Vergleichsportals Verivox auf Basis des Bundesbreitbandatlas zeigt erhebliche Diskrepanzen in der deutschen Netzinfrastruktur. Vor allem in Bayern und Baden-Württemberg klafft die Schere zwischen Ballungsräumen und ländlichen Regionen weit auseinander, während Großstädte oft von alten Kabelnetzen profitieren.

Vor allem in den Flächenländern verharrt der Glasfaserausbau im ländlichen Raum im Schneckentempo – während Ballungsräume längst Gigabit-Geschwindigkeiten vermarkten.(Bild:  Midjourney / KI-generiert)
Vor allem in den Flächenländern verharrt der Glasfaserausbau im ländlichen Raum im Schneckentempo – während Ballungsräume längst Gigabit-Geschwindigkeiten vermarkten.
(Bild: Midjourney / KI-generiert)

Deutschland bleibt bei der Breitbandversorgung ein geteiltes Land. Großstädte schneiden bei der Internetinfrastruktur im Schnitt um 64 Prozent besser ab als Kleinstädte. Betrachtet man isoliert die Gigabit- und Glasfaserverfügbarkeit, liegt der Vorsprung der Metropolen sogar bei knapp 94 Prozent. Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle Breitband-Index des Vergleichsportals Verivox, für den jeweils die größte und die kleinste Stadt der 13 bundesdeutschen Flächenländer anhand von Daten des Bundesbreitbandatlas (Stand Dezember 2024 im Vergleich zu Dezember 2025) analysiert wurden.

Größtes Gefälle im Süden

Die Spreizung zwischen urbanen Zentren und dem ländlichen Raum fällt regional sehr unterschiedlich aus. Am stärksten ist das Gefälle im wirtschaftsstarken Süden:

  • Bayern: 61,92 Indexpunkte Abstand zwischen München (81,06 Punkte) und Rothenfels (19,13 Punkte).
  • Baden-Württemberg: 56,17 Indexpunkte Differenz zwischen Stuttgart (72,74 Punkte) und Langenburg (16,57 Punkte).

In Ostdeutschland fällt der Abstand auf dem Papier deutlich geringer aus: In Mecklenburg-Vorpommern beträgt die Differenz lediglich 7,81 Punkte, in Thüringen 7,95 Punkte. Der Grund für diese scheinbare Homogenität liegt allerdings auch darin, dass ostdeutsche Großstädte im Ranking schwächer abschneiden. So belegt etwa die Thüringer Landeshauptstadt Erfurt mit 55,22 Indexpunkten lediglich Rang 19 unter den 26 untersuchten Städten.

Spitzenreiter Halle – Schlusslichter auf ADSL-Niveau

Den Gesamtsieg im Index sichert sich Halle (Saale) mit 83,03 von 100 möglichen Punkten. Die sachsen-anhaltinische Großstadt kombiniert eine FTTB/H-Glasfaserquote von 83,7 Prozent mit einer Gigabit-Verfügbarkeit von 89 Prozent und einer Auswahl von sieben Providern im Stadtzentrum. Auf den weiteren Spitzenplätzen folgen München (81,06 Punkte), Kiel (80,59 Punkte) und Hannover (79,04 Punkte), wobei Hannover mit einem Plus von 10,67 Prozentpunkten den stärksten jährlichen Glasfaserzuwachs verzeichnet.

Dass ländliche Regionen nicht zwangsläufig abgehängt sein müssen, belegen vereinzelte Kleinstädte: Sandau (Elbe) in Sachsen-Anhalt erreicht dank kommunaler Initiativen Rang 8 (73,13 Punkte) mit einer FTTB/H-Quote von 97,8 Prozent. Auch Schnackenburg in Niedersachsen (Rang 12) kommt auf eine Glasfaserabdeckung von 98,5 Prozent.

Am Tabellenende zeigt sich dagegen die Kehrseite des privatwirtschaftlichen Ausbaus:

  • In Rothenfels (Unterfranken) liegt die Gigabit-, Glasfaser- und Kabelquote bei exakt 0,0 Prozent. Die Stadt ist zu 97,4 Prozent auf klassisches ADSL angewiesen; die durchschnittliche Maximalbandbreite beträgt lediglich 16 Mbit/s.
  • Ähnlich stellt sich die Lage in Langenburg (Baden-Württemberg, 1,74 Prozent FTTB/H, max. 62,4 Mbit/s) und Schwarzenborn (Hessen, 0,19 Prozent FTTB/H) dar.

Hohe Gigabit-Werte stützen sich oft auf Koaxialkabel

Ein genauer Blick in die technischen Parameter der Verivox-Daten offenbart zudem ein strukturelles Detail: Die hohe Gigabit-Verfügbarkeit der Großstädte basiert vielerorts noch nicht auf reiner Glasfaser bis ins Gebäude (FTTB/H), sondern auf aufgerüsteten TV-Kabelnetzen (DOCSIS 3.1).

In Frankfurt am Main steht einer Gigabit-Verfügbarkeit von 94 Prozent eine Glasfaserquote von lediglich 39,29 Prozent gegenüber – kompensiert durch eine Kabelabdeckung von 90,54 Prozent. Ein ähnliches Bild zeigt sich in Mainz (91 Prozent Gigabit vs. 27,51 Prozent FTTB/H) und Stuttgart (88 Prozent Gigabit vs. 40,64 Prozent FTTB/H). Bei der schleswig-holsteinischen Kleinstadt Arnis (Rang 18) speist sich die Gigabit-Quote von 98 Prozent sogar vollständig aus dem Fernsehkabelnetz – die FTTB/H-Abdeckung liegt dort bei 0,0 Prozent.

Für gewerbliche Anwender und IT-Infrastrukturen bleibt dieser Technologie-Mix relevant: Während DOCSIS-Netze im Downstream hohe Bandbreiten liefern, sind sie als Shared Medium konzipiert und bieten im Upstream sowie bei Latenzen nicht dieselben symmetrischen Leistungsmerkmale wie durchgehende Glasfaserverbindungen.

Wettbewerb: Reseller dominieren die Kupferstrecken

Verivox-Telekommunikationsexperte Jörg Schamberg bemängelt zudem den zähen Wettbewerb im deutschen Breitbandmarkt: Im Schnitt stünden in den Stadtzentren lediglich 4,5 Anbieter zur Auswahl. Zum Vergleich verweist Schamberg auf den liberalisierten Strom- und Gasmarkt, auf dem Endkunden oft aus dreistelligen Anbieterzahlen wählen können.

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In der Praxis relativiert sich dieses Bild jedoch je nach Anschlusstechnik: Während in vielen Neubaugebieten bei FTTH faktisch regionale Monopole ohne offenen Netzzugang (Open Access) dominieren, existiert die nominelle Auswahl in den ADSL-geprägten Kleinstädten primär über den regulierten Bitstrom-Zugang. Orte wie Rothenfels verzeichnen trotz reiner 16-Mbit/s-Kupferinfrastruktur auf dem Papier vier Anbieter – die allerdings allesamt auf dieselbe Vorleistung der Deutschen Telekom zurückgreifen.

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