Die neue UCC-Welt ist bunt und kompatibel

„Alles aus einer Hand“ ist bei UCC längst kein Muss mehr!

| Autor / Redakteur: Marc Herzmann, Rolf Bergfeld / Andreas Donner

Die großen Hersteller unterstützen zunehmend die einfachere Anbindung von Collaboration-Clients anderer Anbieter.
Die großen Hersteller unterstützen zunehmend die einfachere Anbindung von Collaboration-Clients anderer Anbieter. (Bild: Computacenter)

Viele Unternehmen verfügen über eine historisch gewachsene, „bunte“ IT-Infrastruktur aus Soft- und Hardware-Komponenten unterschiedlicher Hersteller. Gerade wenn es um Kommunikation und Kollaboration geht spielen die Lösungen aber oft nicht reibungslos zusammen. Doch die großen Anbieter setzten hier zunehmend auf eine bessere Integration.

Mit der Einführung neuer und flexibler Unified Communications-und-Collaboration-Tools (UCC) scheint die Zeit für traditionelle Konferenzraumsysteme abgelaufen. Die unter anderem von den Herstellern Cisco oder Polycom stammenden, hochwertigen Videosysteme der älteren Generation haben hohe Investitionen erfordert und wurden oftmals individuell angepasst. PC-basierte Collaboration-Tools wie Microsoft Lync haben inzwischen qualitativ jedoch deutlich aufgeholt, auch aufgrund höherer Übertragungsraten im Netzwerk. Auch in diesem Bereich ist inzwischen echte HD-Qualität möglich. Was also tun, wenn die eigenen Mitarbeiter nun beispielsweise mit neuen UCC-Clients ausgestattet werden sollen?

Die gute Nachricht lautet: In der Regel lassen sich viele ältere Videokonferenzsysteme in moderne UCC-Lösungen integrieren. Dies ist auch mit geringem Aufwand möglich, vorausgesetzt Raumsystem und Collaboration-Client stammen vom gleichen Anbieter. Das kann derzeit allerdings nur Cisco leisten. Das Unternehmen ist der einzige große Hersteller von Kommunikationslösungen aller Kategorien. Sie reichen vom Webclient bis zum Telepresence-Raum. Kunden von Cisco können daher ihre bestehende UCC-Infrastruktur relativ einfach um moderne Lösungen anreichern. Ausnahmen bilden lediglich einige ältere Systeme, deren Schnittstellen nicht mehr unterstützt werden, wie zum Beispiel vom übernommenen Hersteller Tandberg. Weitaus komplexer war bislang dagegen die Anbindung von Lösungen dritter Hersteller.

Alles aus einer Hand war gestern!

Die Situation in vielen mittleren und großen Unternehmen erfordert ein Umdenken auf Seiten der großen Anbieter wie Cisco, Microsoft und Polycom. Schon heute recht gut zu integrieren sind etwa moderne Videokonferenzsysteme von Cisco und Polycom, da sie offene Standards verwenden. Etwas schwieriger ist jedoch die Verbindung eines älteren Polycom-Systems mit Collaboration-Clients von Cisco Jabber oder Microsoft Lync. Doch auch hierfür bietet Polycom mit der Distributed Media Application (DMA) mittlerweile eine geeignete Lösung. Die DMA fungiert nicht nur als Managementinstanz und Registrar für Videoendpunkte, sondern ermöglicht die Interoperabilität mit Cisco-UC-Systemen und die Videoverbindung zwischen Cisco-Jabber-Clients und Polycom-Raumsystemen.

Auch für die Integration mit Microsoft-Produkten bietet Polycom verschiedene Möglichkeiten an, etwa für die Anbindung von Lync. Mittels RealConnect können die Lync-Nutzer per Tastendruck an HD-Audio- und Videokonferenzen mit Polycom-Systemen teilnehmen. Gleiches gilt auch für die Planung einer Konferenz und die Einladung von Teilnehmern mit unterschiedlichen Technologieplattformen.

VCS verbindet Cisco und Microsoft

Cisco besitzt eine vergleichbare Lösung zur Anbindung von Microsoft-Clients. Der Cisco Video Communication Server (VCS) ermöglicht seit der Version 8 die Interoperabilität mit Lync. Technisch basiert die Verbindung auf dem von beiden Seiten unterstützen Standard H.264 SVC.

Microsoft stellt mit Skype for Business – dem Nachfolger von Lync – einen Video Interoparability Server (VIS) bereit, der die Konferenzsysteme von Cisco unterstützen wird.

Collaboration über Anbietergrenzen hinweg

Die Video- und Audio-Verbindung bildet jedoch nur eine Seite des modernen UCC-Angebots ab. Auch das Thema Content Sharing, also der Austausch von Inhalten sowie das gemeinsam bearbeiten von Dokumenten, gewinnt zunehmend an Bedeutung. Ein Content Sharing ermöglichen sowohl Konferenzraumsysteme als auch Collaboration-Clients. Lediglich die Verknüpfung der Systeme ist hierbei etwas komplexer als bei der Bild- und Tonübertragung.

Bei den Systemen von Polycom und Cisco gelingt dies noch vergleichsweise einfach, da beide Seiten das in RFC 4582 beschriebene Binary Floor Control Protocol (BFCP) zum Content-Austausch verwenden. Die Anbindung von Microsoft Lync erfordert dagegen eine Erweiterung der Architektur um ein entsprechendes Gateway. Denn Microsoft nutzt ausschließlich das proprietäre Remote-Desktop-Protokoll (RDP) für seine Technologien.

Polycom bietet hierfür als Modul eine Content-Sharing-Suite. Sie ermöglicht eine bidirektionale Nutzung der Dokumentenfreigabe. Cisco unterstützt RDP derzeit noch nicht, will aber künftig Content Sharing mit Microsoft-Lösungen ermöglichen.

Das Ziel: Kein Ruckeln, kein Rauschen

Eine funktionierende Verbindung bedeutet noch lange nicht, dass Bild und Ton mit hoher Qualität übertragen werden und die Bedienung einfach erfolgt. Entsprechend sind die verschiedenen Lösungen an die aktuellen Bedingungen im Unternehmen anzupassen. Nur dann lässt sich eine flüssige Übertragung gemäß der vorhandenen Bandbreite, Rechnerperformance, Kameraqualität und Lichtverhältnisse gewährleisten. Je mehr Funktionen, Clients und Systeme sowie Niederlassungen in unterschiedlichen Ländern und Kontinenten in die Struktur einzubinden sind, desto höher wird der Aufwand. Außerdem hängt er davon ab, welche Lösungen das Unternehmen bereits einsetzt und wie flexibel die vorhandene Netzwerkinfrastruktur ist. Zudem müssen die bestehenden Netz- und Übertragungskapazitäten sowie die gewünschte Skalierbarkeit berücksichtigt werden, um die Kosten abzuschätzen.

Marc Herzmann
Marc Herzmann (Bild: Computacenter)

Rolf Bergfeld
Rolf Bergfeld (Bild: Computacenter)

WebRTC und H.265 – wo führt der Weg hin?

Durch rasante technologische Entwicklungen bieten sich heute ganz neue Möglichkeiten, eine verbesserte Zusammenarbeit über Geräte- und Herstellergrenzen hinweg zu gewährleisten. Cisco hat kürzlich die Android-basierten Desktop-Collaboration-Lösungen Cisco DX80 und Cisco DX70 vorgestellt. Sie ermöglichen Webkonferenz, HD-Video, High-End-Audio, Internetbrowser und integrierte Business-Anwendungen – alles touch-optimiert.

Der neue Videokompressionsstandard H.265 reduziert die benötigte Bandbreite für das Abspielen von Videos bei gleichbleibender Bildqualität um 50 Prozent. Und der offene Standard WebRTC ermöglicht Echtzeitkommunikation innerhalb eines Webbrowsers ohne weitere Client-Software. Es ist durchaus denkbar, dass der normale Webbrowser damit in einigen Jahren die Basis für globale Videokonferenzen bildet – mit 4K-Video- und HD-Audio-Qualität sowie Content-Sharing-Option. Fakt ist: Die neue UCC-Welt bietet zahlreiche Möglichkeiten und überwindet dabei immer mehr Grenzen.

Über die Autoren

Marc Herzmann und Rolf Bergfeld arbeiten als Lead Consultants Unified Communications & Collaboration bei Computacenter.

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