Vor einer Dekade fiel das Monopol für die Sprachtelefonie

Zehn Jahre Liberalisierung der Telekommunikation und Preisverfall

09.01.2008 | Redakteur: Ulrike Ostler

Die Regulierungsbehörde RegTP trägt seit 2005 den Namen Bundesnetzagentur
Die Regulierungsbehörde RegTP trägt seit 2005 den Namen Bundesnetzagentur

In diesem Jahr ist es bereits 10 Jahre her, seit der Telekommunikationsmarkt dereguliert wurde. Eine der wesentlichen Folgen ist ein noch immer andauernder Preisverfall. Damals kostete die Gesprächsminute im deutschen Festnetz bis zu 60 Pfennig. Heute lässt sich für diesen Preis mit günstiger Call-by-Call-Vorwahl bis zu einer halben Stunde schwatzen.

Anlässlich des Liberalisierungsjubiläums lässt die Site teletarif.de die vergangenen Jahre in puncto Telekommunikation Revue passieren. Außerdem finden sich Kommentare von Anbietern und Verbänden aber auch vom Präsidenten der Bundesnetzagentur Matthias Kurth und vom Bundestagsmitglied Michael Glos.

„Die Umstrukturierung des Telekommunikationssektors war eine der umfassendsten Wirtschaftsreformen der letzten Jahrzehnte in Deutschland“, sagt Glos. Der erste Schritt bestand in der Privatisierung der Deutschen Telekom und die Aufhebung des Netzmonopols im Jahr 1996. Vor zehn Jahren fiel dann auch das Monopol für die Sprachtelefonie. Gleichzeitig wurde das Bundespostministerium aufgelöst und die Regulierungsbehörde eingerichtet. „Der Dreischritt aus Privatisierung, Liberalisierung und sektorspezifischer Regulierung ist insgesamt sehr gut gelungen“, so der Politiker.

Das sieht naturgemäß Oberregulierer Kurth ebenso. Allerdings habe sich die Ausrichtung des Wettbewerbs deutlich verschoben. Anfang 1998 können Telekom-Kunden erstmals bei Ferngesprächen im Call-by-Call-Verfahren über einen anderen Anbieter telefonieren. Wettbewerb fand demnach zwischen Call-by-Call-Anbietern und der Telekom statt.

Doch heute sei der „Wechsel mit dem gesamten Telefonanschluss zu einem alternativen Anbieter nichts Ungewöhnliches mehr“, stellt Kurth fest. Die Zahl der vermieteten Teilnehmeranschlussleitungen, eine der wichtigsten Vorleistungen für den Anschlusswechsel, habe im Jahr 2007 mit 6,2 Millionen einen neuen Rekordwert erreicht.

1998 ist zudem die Geburtsstunde der DSL-Technik. Somit können erste kleine Märkte erstmals über Breitband Daten austauschen. Heute ermöglichen erste Implementierungen von „Fibre to the home“, Glasfaser bis zum Hausanschluss, in einzelnen Regionen beziehungsweise Metronetzen Geschwindigkeiten bis zu 100 Megabit pro Sekunde.

Branchenkenner John Strand von Strand Consulting, sieht insgesamt eine Verschärfung des Wettbewerbs aber auch eine Konsolidierung voraus, „da der deutsche Markt einer der härtesten sein und weitere Preissenkungen erleben wird.“ Das gilt insbesondere für den Mobilfunkmarkt mitsamt SMS, Flatrates und Breitband. Er spricht allerdings auch einen der Hauptkritikpunkte an der Regulierungsbehörde an: Die Versteigerung der UMTS-Lizenzen. „Die Vergangenheit hat gezeigt, dass nichts schädlicher für den TK-Markt ist als Regulierung, UMTS-Versteigerungen und Einmischung seitens der Politik.“

Was geschah…

Bei der größten Auktion der deutschen Wirtschaftsgeschichte boten im Jahr 2000 sechs Bewerber – Mannesmann Mobilfunk, T-Mobil, VIAG Interkom, E-Plus/Hutchison, Mobilcom/France Télécom und die Group 3G – für die deutschen UMTS-Lizenzen die Rekordsumme von 98.807.200.000 Mark. Das Jahr 2001 bezeichnet Teletarif auch wegen der überteuerten Lizenzen als das „Jahr der Katerstimmung“. Zugleich drückte das Dotcom-Sterben die Stimmung. Allerdings konnte die Telekom den zweimillionsten T-DSL-Kunden begrüßen und der Mobilfunkstandard GPRS wurde aus der Taufe gehoben.

Zwei Jahre später starb der erst im Jahr zuvor gestartete erste virtuelle Mobilfunkbetrieber Quam. Zwei Jahres später wird „Tchibo Mobil“ geboren. Ihre Rufnummer können Mobilfunkkunden seit November 2002 beim Wechsel ihres Betreibers behalten.

Im Jahr 2006 wuchsen die Bandbreiten: Die ersten ADSL2+-Angebote gibt es seit 2005, aber seit 2006 setzt auch die Deutschen Telekom auf diese Technik. Zur CeBIT fiel bei T-Mobile und Vodafone der Startschuss für das UMTS-Upgrade HSDPA, das im selben Jahr einen Downstream von 3,6 Megabit pro Sekunde zuließ.

Fast am Ende desselben Jahres werden die WiMAX-Lizenzen versteigert. Für insgesamt rund 56 Millionen Euro kaufen die Unternehmen Clearwire Europe, die Deutsche Breitband Dienste (DBD) und die Inquam Broadband bundesweite Lizenzen.

Im vergangenen Jahr schließlich legte die EU-Kommission per Verordnung fest, dass die Minutenentgelte brutto 58,31 Cent für abgehende und 28,56 Cent für ankommende Gespräche nicht übersteigen dürfen, es sei denn, es gibt einen gesonderten Vertrag. Außerdem gibt es nun das IPhone aber kein BenQ mehr.

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