Breitbandatlas

Wie schnell surft Deutschland?

| Autor / Redakteur: Dipl.-Ing. Dirk Andritzki* / Susanne Ehneß

Der Breitbandatlas ist für Kommunalpolitiker der Nachweis, dass ihre Gemeinden den Anschluss an die Zukunft halten
Der Breitbandatlas ist für Kommunalpolitiker der Nachweis, dass ihre Gemeinden den Anschluss an die Zukunft halten (Bild: Sashkin_Fotolia.com)

Er hat eine Standortgenauigkeit von 250 Metern, wird alle acht Wochen aktualisiert und ist ein gutes Beispiel dafür, wie sinnvoll eine systematische Datenerhebung sein kann: Der Breitbandatlas ist ein hochaktuelles und bewährtes Werkzeug für die Planung der digitalen Infrastruktur in Deutschland.

Für Kommunalpolitiker ist er der Nachweis, dass ihre Gemeinden den Anschluss an die Zukunft halten, für Ministerialbeamte ist er ein wichtiges Hilfsmittel bei der Entscheidung darüber, welche Regionen Fördermittel erhalten: Wenn es um Internetgeschwindigkeiten in Deutschland geht, hat der Breitbandatlas des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) für unterschiedlichste Interessengruppen einen hohen informativen Stellenwert.

Regional stellt er sehr differenziert dar, welche Internetgeschwindigkeiten innerhalb Deutschlands verfügbar sind, seit 2015 werden nicht nur private, sondern auch gewerbliche Standorte erfasst – wertvolle Informationen für Unternehmen, die eine Ansiedlung planen. Seit der methodischen Überarbeitung durch TÜV Rheinland 2010 und der Einführung einer Raster-Darstellung lassen sich auch die „weißen Flecken“ in puncto Breitband deutschlandweit genau abbilden.

Somit wird dargestellt, welche Gebiete unterversorgt oder noch gar nicht erschlossen sind. Deshalb eignet sich das Geoinformationssystem auch sehr gut für Marktpotenzial-Analysen, die bei einem Fördermittel-Antrag für den Infrastrukturausbau mit einzureichen sind.

Die Breitbandverfügbarkeit für ­eine räumliche Einheit, wie zum Beispiel eine Gemeinde, ein Bundesland oder auch ganz Deutschland errechnet sich aus dem Verhältnis der versorgten Haushalte nach Standort und der Anzahl der Gesamthaushalte. So wird, je nach ausgewählter Technologie und Bandbreite farblich abgestuft, immer der höchste Breitbandverfügbarkeitswert für den ausgewählten Standort dargestellt. Angezeigt wird jeweils die maximale Breitbandverfügbarkeit in den drei Technologiekategorien („Alle“, „Leitungsgebunden“, „Drahtlos“), und zwar für alle sechs Bandbreitenklassen.

Datenmaterial aus ­zahlreichen Quellen

Die für den Breitbandatlas erforderlichen Daten stammen von fast 350 Breitband-Anbietern in Deutschland. Dazu zählen die national oder international tätigen Telekommunikationsunternehmen ebenso wie Internet Service Provider oder auch Stadtwerke, die im ländlichen Raum den WIMAX-, WLAN- oder Glasfaser-Ausbau ­vorantreiben und nur in einem ­regional sehr beschränkten Gebiet tätig sind. Die Informationen ­bereitet TÜV Rheinland in Form von Karten oder Berichten für den Breitbandatlas auf.

Um eine wirklich aussagekräftige Plattform zu schaffen, hat TÜV Rheinland eine benutzerfreund­liche, webbasierte Applikation entwickelt. Darüber können die Provider ihre Geoinformationsdaten übermitteln und innerhalb der ­Rasterzellen angeben, welche Geschwindigkeiten sie jeweils bereitstellen. Einmal gelieferte Daten stehen so kontinuierlich zur Verfügung und lassen sich jederzeit ergänzen und aktualisieren.

Die Datenqualität, die die Provider bereitstellen, ist unterschiedlich – vom hausgenauen Versorgungsgrad mit der Angabe der Straßenzüge über die verfügbare Netzgeschwindigkeit und die Breitbandklasse (größer 1 Mbit/s bis zu 50 Mbit/s und mehr), bis zur leitungsgebundenen oder drahtlosen Breitband-Technologie, die vor Ort verfügbar ist. Nachvollziehbar ist auch die detaillierte Versorgung der Gemeinden mit der erweiterten Mobilfunktechnologie LTE.

Die Datenlieferungen der Unternehmen erfolgen in einer Vielzahl an gängigen unterschiedlichen Geoinformationssystem-Formaten. Wahlweise können die Anbieter auch bereits vorhandene Kartenwerke an TÜV Rheinland per Upload übermitteln. In diesem Falle sorgt TÜV Rheinland für die Umrechnung beziehungsweise Geo­kodierung der Informationen auf Rasterebene.

Weitere Datenquellen

Darüber hinaus speist sich der Breitbandatlas auch aus einer ganzen Reihe von Statistiken, darunter amtliche Geobasisdaten sowie die Daten eines Anbieters für Geomarketing, der Firma Nexiga. Diese Daten werden von TÜV Rheinland in Stichproben geprüft und regelmäßig aktualisiert.

Basis des Breitbandatlas sind die Daten des OpenStreetMap-Projekts, einem crowdgetriebenen Open-Source-Projekt für Geodaten. Zwischen dem BMVI und dem Bundesamt für Kartographie und Geodäsie (BKG) wird schließlich abgestimmt, in welcher Form auch amtliche Hintergrundkarten verwendet werden könnten. Aufgrund der hohen Zugriffszahlen wurde die OpenStreetMap-Karte als Tiled Map Service (Kachel-Darstellung) aufbereitet, was einen hochperformanten Abruf der Karten in einem maximalen Maßstab von 1:20.000 ermöglicht.

Des Weiteren betreibt TÜV Rheinland einen erheblichen Aufwand, um eine möglichst hohe Datenqualität zu sichern. Alle Daten durchlaufen ein komplexes Verifizierungsverfahren, um mögliche ­Unstimmigkeiten aufzudecken, abzuklären und zu korrigieren und im Breitbandatlas selbst zu vermeiden.

Der Autor: Dipl.-Ing. Dirk Andritzki von TÜV Rheinland
Der Autor: Dipl.-Ing. Dirk Andritzki von TÜV Rheinland (Bild: TÜV Rheinland)

Überprüfung der Daten

TÜV Rheinland prüft die Plausibilität der Daten auf Logik und Übereinstimmung zu bestehenden Infrastrukturen sowie topografischen Gegebenheiten und lässt die Daten in Fällen, in denen sich Abweichungen bestätigen, entsprechend korrigieren.

Nutzer des Breitbandatlas können sich über die integrierte Rückmeldefunktion ebenfalls unkompliziert beteiligen. Wer eine Abweichung von der offiziellen Breitband-Geschwindigkeit übermitteln möchte, klickt in die entsprechende Rasterzelle und gibt die mutmaßlich korrekte Verfügbarkeit an. Außerdem wird der Firmenname des ­Anbieters abgefragt, der nach Meinung des Nutzers für die Abweichung verantwortlich ist. TÜV Rheinland wertet die Meldungen rasterzellenweise aus, analysiert sie in Zusammenarbeit mit dem jeweiligen Provider und korrigiert – wenn nötig – die Informationen.

* Dipl.-Ing. Dirk Andritzki von TÜV Rheinland

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