Öffentliche Veranstaltungen geraten zunehmend ins Visier von Bedrohungen. Die Zahl politischer motivierter Gewalttaten steigt ebenfalls, auch in Europa. Wie lassen Sie Gefahrenlagen und Notfälle wie Naturkatastrophen effizienter managen? Und welche Rolle kann 5G spielen?
Die Integration von 5G-Technologie kann die öffentliche Sicherheit durch Echtzeit-Informationen, autonome Systeme und verbesserte Kommunikation maßgeblich verbessern.
Zivile Unruhen, Proteste und Gegenproteste haben in Europa im Jahr 2024 stark zugenommen. Laut dem Bericht „Armed Conflict Location and Event Data Project“ (ACLED) stiegen die Ereignisse im Vergleich zum Vorjahr weltweit um 25 Prozent. Europa macht dabei einen bedeutenden Teil dieses Anstiegs aus.
Das Spektrum reicht von großangelegten Bauernprotesten in Frankreich und Deutschland bis hin zu regierungskritischen Mobilisierungen in Osteuropa. Und dieser Trend bleibt nicht auf Europa beschränkt: Der „Global Protest Tracker“ der Denkfabrik Carnegie Endowment for International Peace, die sich der Förderung von Frieden und Sicherheit durch internationale Zusammenarbeit widmet, listet für 2024 Proteste in bis zu 150 Ländern auf.
Diese Entwicklung stellt die verantwortlichen Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) vor neue Herausforderungen. Zumal viele von ihnen mit veralteter und teils unzureichender Infrastruktur arbeiten. Dabei geht es sowohl darum, die Teilnehmenden selbst zu schützen wie auch die öffentliche Sicherheit im Ganzen. Dazu kommen Extremwetterlagen und Naturkatastrophen, die mit dem fortschreitenden Klimawandel häufiger werden und Einsatzkräfte wie die ganze Bevölkerung vor besonders herausfordern.
Potenzial für die öffentliche Sicherheit
Eine Antwort liefert die technologische Entwicklung im Mobilfunkbereich. Etwa durch 5G im Zusammenwirken mit weiteren Technologien. 5G-gestützte Systeme eröffnen Einsatz- und Rettungskräften neue Möglichkeiten.
Dies gelingt vorallem durch Echtzeitvideos, KI-basierte Bedrohungserkennung, Internet-of-Things-Sensorik (IoT) und autonome Einsatztechnik. Der 5G-Mobilfunk hat das Potenzial, den Notfalleinsatz grundlegend zu verändern, die Lageerfassung zu verbessern und Einsatzkräfte mit Echtzeit-Informationen in hochdynamischen, risikoreichen Szenarien zu unterstützen.
Der verantwortungsvolle, und doch mutige technologische Sprung nach vorn ist deshalb dringend nötig. Dabei gilt es gerade in einer Demokratie, den Spagat zwischen mehr Sicherheit und dem Schutz von Freiheitsrechten der Zivilgesellschaft zu meistern. Technischer Fortschritt darf nicht zu Massenüberwachung, Einschränkung von Demonstrationen oder öffentlicher Veranstaltungen führen. Neue Technologie muss verantwortungsvoll für den Schutz der Menschen eingesetzt werden. Daran müssen alle Beteiligten gemeinsam arbeiten.
Altsysteme sind ein Bremsklotz
Jahrelang stützten sich Systeme der öffentlichen Sicherheit auf klassische Funknetze, die primär der Sprachkommunikation und einer begrenzten Datenübertragung dienten. Diese Netze stoßen heute schnell an Grenzen, wenn große Datenmengen oder verzögerungsfreie Übertragung gefragt sind. Ein Beispiel: In Großbritannien ist mehr als ein Viertel der digitalen Regierungsinfrastruktur veraltet, was sich spürbar auf Leistung und Sicherheit auswirkt.
Allein für die Wartung älterer Plattformen entstehen zum Beispiel dem britischen Staat jährliche Kosten von 2,3 Milliarden Pfund – Mittel, die besser in Modernisierung investiert wären. In Deutschland dürfte die Situation ähnlich sein. Die Kosten für die Wartung von Altsystemen ist in vielen Branchen weltweit ein Problem, für das sich nach und nach ein Bewusstsein entwickelt.
Mit der veränderten Bedrohungslage wächst der Bedarf an sicheren, skalierbaren und zukunftsfähigen Kommunikationsplattformen. Bleibt dieser Wandel aus, leidet die Reaktionsgeschwindigkeit, die Koordination stockt – mit erhöhtem Risiko für Einsatzkräfte und Bürger gleichermaßen.
Video- und Prognosetechnologie
Einer der größten Vorteile von 5G ist das ultraschnelle, verzögerungsfreie Streaming hochauflösender Videos – etwa von Bodycams, Überwachungssystemen oder Drohnen. Bei Großdemonstrationen oder sich schnell verändernden Einsatzlagen ermöglicht dieses Live-Bildmaterial es den Einsatzzentralen, schneller und auf Basis visueller Informationen in Echtzeit aus verschiedenen Perspektiven zu entscheiden.
Kombiniert mit KI-gestützten Analysen wird die situationsbezogene Intelligenz so auf eine neue Stufe gehoben: Anhand von Bewegungsmustern, historischen Daten oder sogar Informationen aus sozialen Medien kann künstliche Intelligenz potenzielle Bedrohungen schon erkennen, bevor sie tatsächlich entstehen. Voraussetzung ist selbstverständlich, dass die jeweilige Rechtslage dies zulässt.
Untersuchungen zeigen, dass intelligente Sicherheitstools etwa im Polizeieinsatz die Kriminalitätsrate um 30 bis 40 Prozent senken und die Reaktionszeit auf Notrufe um bis zu 35 Prozent verkürzen können. Erste Pilotprojekte berichten bereits von zweistelligen Rückgängen bei Einbruch und Gewalt. Es ist die Verbindung aus Live-Video und vorausschauender Analytik, die das Paradigma von reaktiver zu proaktiver Gefahrenabwehr verschiebt.
Stand: 08.12.2025
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Vernetzte Teams durch nahtlose Interoperabilität
Großeinsatzlagen erfordern die reibungslose Zusammenarbeit von Polizei, Feuerwehr, Sanitätern und vielen weiteren Akteuren. Doch gerade diese Zusammenarbeit wird häufig durch mangelnde Kompatibilität veralteter Systeme behindert.
Dank standardisierter Kommunikationsprotokolle und sicherer Sprach- und Videoübertragung für kritische Einsätze schafft 5G entscheidende Verbesserungen. Je nach Behörde oder Einsatzort können Informationen nahezu in Echtzeit geteilt werden – und erleichtern so die Koordination maßgeblich. Zwei von drei Fachkräften im Bereich öffentliche Sicherheit halten 5G mittlerweile für unverzichtbar. Präzisere Standortinformationen ermöglichen es zudem, Einsatzkräfte schneller und gezielter zu entsenden – besonders dann, wenn jede Sekunde zählt.
IoT im Rettungseinsatz
Wie in anderen Branchen gewinnt auch das Internet der Dinge auch im Sicherheitsbereich enorm an Bedeutung. Durch die Integration vernetzter Geräte wie biometrischer Wearables, Umweltsensoren oder smarter Überwachungstechnik erhalten Einsatzkräfte ein umfassendes, aktuelles Lagebild. Biometrische Wearables überwachen bei den Einsatzkräften die Vitalfunktionen wie Herzschlag, Körpertemperatur oder Sauerstoffsättigung und melden drohende Gesundheitsgefahren.
Umweltsensoren bemerken Rauch, Gase oder Gefahrstoffe in Echtzeit und warnen bei kritischer Belastung. Dank 5G lassen sich diese Daten ohne Verzögerung und in hoher Taktung übertragen – für mehr Sicherheit und bestmöglich informierte Einsatzentscheidungen.
Autonome Systeme für den sicheren Einsatz
Neben einer verbesserten Vernetzung ebnet 5G den Weg für den verstärkten Einsatz autonomer Systeme – etwa Drohnen und Roboter zur Lageerkundung in Risikogebieten. Ausgestattet mit Wärmebild- und Gassensoren überfliegen Drohnen Großdemonstrationen oder schwer zugängliche Areale und übermitteln Video- und Sensordaten in Echtzeit an die Einsatzleitstellen.
Bodengebundene Roboter können zerstörte Gebäude oder chemisch belastete Zonen gefahrlos erkunden und liefern dabei wichtige Umgebungsdaten – ohne Rettungskräfte zu gefährden. Bereits heute setzen erste Behörden einsatzbereite „Drohne-aus-der-Box“-Lösungen ein, um Notfalleinsätze zu beschleunigen und Ressourcen effizienter zu nutzen – häufig sogar ohne direkte Sichtverbindung. Solche Anwendungen autonomer Technologien, unterstützt durch nahezu verzögerungsfrei übertragende 5G-Netze, ermöglichen schnellere und sicherere Entscheidungen im Ernstfall.
Kommunikationssicherheit im Krisenfall
Bei Großschadenslagen oder Naturkatastrophen geraten herkömmliche Netze schnell an ihre Grenzen. Das zeigen Ereignisse wie Erdbeben oder die Anschläge vom 11. September 2001 immer wieder. 5G begegnet diesem Risiko mit priorisierten Kommunikationskanälen für Einsatzkräfte, die auch bei hoher Netzauslastung stabil und zuverlässig bleiben. Mithilfe von Multicast- und Broadcast-Funktionen lassen sich Informationen zudem gleichzeitig an viele Helfer übermitteln – Engpässe werden so effektiv vermieden.
Aufbruch in ein neues Zeitalter der öffentlichen Sicherheit
Der Wechsel von klassischen Funk- und Datendiensten hin zu 5G ist in vollem Gange – und schon heute sind die Potenziale deutlich sichtbar. Schnelle Datenübertragung, Echtzeit-Videostreams, KI-gestützte Analysen, IoT-Vernetzung und autonome Systeme bilden gemeinsam ein skalierbares und zukunftsfähiges Fundament für die Gefahrenabwehr von morgen.
Im Unterschied zu bisherigen Altsystemen ist 5G darauf ausgelegt, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln. Mit Edge Computing und künstlicher Intelligenz entstehen agile und vorausschauende Modelle für das Krisenmanagement. Angesichts wachsender und immer komplexerer Bedrohungslagen steigt der Bedarf an leistungsfähigen, interoperablen und zuverlässigen Sicherheitsnetzen. Durch gezielte Investitionen in 5G können Behörden und Einsatzorganisationen nicht nur die Herausforderungen von heute bewältigen – sondern sich auch auf die unbekannten Krisensituationen von morgen vorbereiten.